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Was alles sein darf und wie jemand leben kann

Ich muss mich nicht jeden Tag neu erfinden – das ist ein großer Vorteil. Spätestens beim Frühstück, der ersten Tasse Kaffee und einer kleinen Hundeschnauze lande ich in der Realität, die für mich als Ankerplatz unerlässlich ist.

Auf meinen Streifzügen durch das Internet treffe ich allerdings auf sehr viele Frauen und einige Männer, die sich jeden Tag neu erfinden müssen. Sie sind oft im Zweifel darüber, ob das, was sie tun, wirklich erträglich ist, selbst dann, wenn es durchaus einträglich ist.

Es mag daran liegen, dass all diese Frauen (und vereinzelte Männer) ein ungewöhnliches Leben führen, das hart an der Schmerzgrenze zum Absonderlichen schrammt. Es sind Erotik-Autorinnen, Darstellerinnen, Cam-Girls und vereinzelte dominante wie auch unterwürfige Frauen, die in ihren Blogs durchklingen lassen, was sie empfinden. Und darunter sind eben viele Widersprüche.

Ich halte meine Widersprüche aus – und ich kann ihre Widersprüche ertragen. Und darin sehe ich einen großen Vorteil, wenn ich Artikel aus dem Internet sammle und interpretiere.

Denn jeder und jede soll so leben, wie es ihr und ihm gefällt, und davon soll auch berichtet werden.

Und so kommt es wohl, dass ihr manches lesen könnt, was euch ungewöhnlich vorkommt. Gefällt euch das eigentlich?

Seile und Knoten – körperlich gebunden sein

Fesselung aus Japan auf "brav"
Sich an jemanden zu binden ist nicht ungewöhnlich, zumal, wenn man ihn (sie) zu heiraten beabsichtigt. Sich binden lassen, zumal mit Seilen („preiswert beim Seiler zu erwerben“) ist schon etwas gewagter. Und was macht man dann mit der verseilten Dame? Man fotografiert sie. Angeblich sind die Japaner absolute Fans davon, und auch in Deutschland frönt man der Knotenkunst. Ich lernte, dass man dazu shibaru (縛る) sagt.

Knoten, Voyeurismus und Mütterchen-Pornografie

Außerhalb der voyeuristisch dargebotenen verknoteten Frauenkörper sagt man diesen und anderen Methoden auch nach, sie seien erotisch. Einerseits, weil sich die verknoteten Frauen wie die Fische im Trockenen auf dem Boden wälzen. Auf der anderen Seite aber auch, weil sie wirklich sinnlich sein können. Dazu reicht es aber nicht, wenn auf der anderen Seite des Bildschirms ein Mann (manchmal auch eine Frau) sitzt, der/die sich daran ergötzt.

Die Leser von „Shades of Grey“ wissen, dass man Aua-Spiele und Seil-Spiele miteinander verbinden kann. Nur zu blöd, dass die Sache mit den Seilen ziemlich lange dauert und ausgesprochen gefährlich ist: Unsachgemäß geknotet können sie zu schweren gesundheitlichen Risiken werden.

Seile und Knoten sind nur optische chic

Titelbild eines Groschenromans
Es gibt natürlich Fesselungen, die bequemer sind, und wer es mag sich ebenso lustvoll wie vertrauensvoll ind die Hände einer Dame oder eines Herrn zu begeben, wird wissen, welchen zusätzlichen „Kick“ dergleichen bieten kann. Und Fesslungen sollten bequem sein, denn es geht ja nicht darum, den anderen (oder die andere) zu quälen, sondern sein/ihr Bewusstsein für die Situation zu schärfen. Falls man sie (ihn) dennoch quälen will, sollte sie (er) wenigstens vorher die Qual der Wahl haben.

Das Problem der Nackten und Gefesselten im Internet

Räusper. Niemand weiß wohl, woher die massenhaft veröffentlichten, unsäglichen Bilder ausgesprochen der Damen im Internet kommen, seien sie nun nackt, angezogen, gezüchtigt, ungezüchtigt, verseilt oder entknotet. Und was die Damen (und vereinzelte Herren) betrifft: Hat man ihnen gesagt, dass sie demnächst in Foren, auf Schmuddelseiten oder ganz normal auf „Fotoportalen“ landen werden? Mit nacktem Gesicht, von anderen Körperteilen mal ganz abgesehen? Und warum lassen sie sich, gebunden oder ungebunden, mit Bildern der Großeltern im Hintergrund und Kinderspielzeug auf dem Boden, fotografieren?

Literarisch geben Fesselungen nach wie vor etwas her

Literarisch, filmisch und so … ja, da reichten die Bilder von kunstvoll gefesselten, teils mitleiderregend zugerichteten, teils sinnlich geschminkten Damen von der Leinwand bis auf den Fernsehschirm. Eine Zeit war es Mode, dass der Held (männlich) eine Sklavin (weiß, weiblich) aus den Händen der Eingeborenen, Beduinen oder Paschas befreien musste. Da konnte man das Leid und die Geilheit in einen Topf werfen. Inzwischen werden die Damen in Kriminalfilmen immer noch gerne verschleppt und irgendwo gefangen gehalten, nur sieht das Ganze nicht mehr so lüstern aus wie früher. Im Krimi quält man dezenter als im Abenteurerfilm.

In der Literatur wird wenig über Männer berichtet, die hübsch gefesselt zur Schau gestellt werden, obgleich es durchaus ein Leser(innen)-Interesse an hübschen, nackten und verfügbaren Männerkörpern gibt. Vermutlich speist sich das Interesse der Leserinnen aus der Vorstellung, die Männer nun beliebig berühren zu können – sei es mit den Fingerspitzen oder den Lippen, einem Federbusch oder einer Peitsche.

Lohnt es sich, die Fesselungen zu beschreiben?

Ob es sich lohnt, über „Bondage“ zu schreiben? Eigentlich kaum. Eher schon über das Gefühl, ein paar Minuten, vielleicht eine halbe Stunde, in völliger Abhängigkeit zu verbringen. Alles, was darüber hinausgeht, überfordert das Vorstellungsvermögen des „normalen Perversen“. Und erst recht das der Hausfrauen, die sich an erotischer Literatur ergötzen.

Ein bisschen sinnliche Furcht gehört zur erotischen Literatur – aber zu viel ist eher abturnend. Und wie war das mit Seilen und Knoten? Also, falls du darüber schreiben willst: Versuch es mal mit Lederfesseln und Karabinerhaken.

Bildherkunft: Unbekannt, Japanerin aus einer Serie, vermutlich gegen 1980, Groschenheft-Titel aus Frankreich, bearbeitet. Mann: Aus einer Zeichnung von Jim Black, dessen wahre Identität unbekannt ist.

Die Rocky Horror Picture Show – Vorbild für erotische Verführung?

Faszination und Abscheu sind nahe Verwandte
Wäre die „Rocky Horror Picture Show“ nicht so kultig durchsetzt, so wäre sie eine wundervolle Vorlage für die Faszination, die von „alternativen Lebensweisen“ ausgeht.

Befreit man den Plot von all dem sinnlichen Horror, dem Doppelspiel von Transsylvanien und Transsexualität, wird die eigene Story realistischer. Sie muss auch nicht so spektakulär beginnen wie in der „Rocky Horror Picture Show“. Es reicht völlig, wenn ein junges, naives Paar zufällig (zum Beispiel durch einen Ortswechsel) auf ein anderes Paar trifft, das einen „alternativen Lebensstil“ führt. Die merkwürdigen Geräusche, die vom Nachbarhaus ausgehen, können als Einstieg genutzt werden. Bald wird das neu zugezogene Paar zu einem Besuch eingeladen, und schon sind wir mittendrin: Diese merkwürdigen Plakate an den Wänden, die Video-Sammlung, die Literatur … da kann schon mal die Schamesröte in die Wangen gehen. Und gerade diese Reaktion, die ja davon zeugt, einen gewissen Nerv getroffen zu haben, lässt sich eben auch in Neugierde wandeln. Meist werden nicht beide Partner zugleich befremdet oder auch fasziniert sein.

Der Kunstgriff besteht vielmehr darin, zunächst einen der Partner verführerisch in den ungewöhnlichen Lifestyle einzubeziehen. Bi oder straight, mit erotischer Faszination oder mit dem Versprechen, eine höchst sensationelle Erfahrung machen zu dürfen lässt sich manche Frau und mancher Mann verführen.

Ich will nicht behaupten, dass dieses Thema niemals in der erotischen Literatur verwendet wurde, aber es ist nicht völlig „ausgelutscht“. Die Spannung wird in diesem Fall dadurch erzeugt, dass einer der „naiven“ Partner eher dazu neigt, an den lustvollen Spielen des „alternativen“ Paares teilzunehmen, während der andere Teil zunächst davon befremdet ist. Die Fragen und Konflikte, die sich daraus für das naive Paar ergeben, können nahezu beliebig ausgebaut werden, um die Spannung zu steigern.

Das Thema gibt alles her, was die erotische Literatur ausmacht: Wollust, Voyeurismus, Triolen, Vierer, Bisexualität und SM-Szenen. Wer literarisch anspruchsvoll schreiben will, kann die Emotionen auftrennen und auch solche schildern, die in der Pornografie nicht vorkommen: Angst, Scheu, Homophobie, Treue, Scham und Wohlanständigkeit konkurrieren mit Neugierde, Sinnlichkeit, Lust, Begierde und Abenteuergeist.

Bild: Ausschnitt aus einem Original von Malteste.

Körperstrafen, Schmerzlust, Autoren und Literatur

Einen Satz will ich vorausschicken: Ihr müsst nicht unbedingt körperliche Strafen in eure erotischen Romane einbauen, nur weil sie auch in der „neuen Mütterchenpornografie“ vorkommen. Und das Zweite, was mir am Herzen liegt, ist dies: Eine Körperstrafe besteht nicht darin, dass der trügerische Kasper der lieblichen Prinzessin aufs Gesäß haut und sie „Aua“ schreit.

Ganz generell ist die Rede von vielen unterschiedlichen Szenarien, wenn wir von „Körperstrafen“ sprechen:

1. Die Selbstkasteiung zur Reinigung der Seele ohne eigentliche Befreiung (meist durchaus in religiösem Zusammenhang).
2. Die Strafe als Buße und Aussöhnung, die von der Schuld befreit, wenn sie in echter Reue endet.
3. Die Läuterung als erwünschte Folge der Strafe (in Tränen ausbrechen und sich von jeder Schuld befreit fühlen).
4. Die ritualisierte Strafe, zum Beispiel in Internaten oder zwischen Paaren.
5. Der Gedanke, durch die Strafe unterworfen zu werden und das Glücksgefühl, das dabei entsteht.
6. Der Wunsch nach Strafe, um davon sexuell erregt zu werden.
7. Das Gefühl, bei heftigen Schlägen einen einen Rausch zu durchleben. („Schweben“)
8. Der Empfang einer Strafe als Mutprobe oder Beweis der Härte.
9. Unpersönliche Strafen, die nicht durch Schläge erzeugt werden, sondern den Körper anderweitig Schmerzen zufügen (Foltergeräte, chemische Substanzen, Elektrizität).
10. Die Bestrafung aus Zorn oder in Rage, die der Bestrafte als ungerecht empfindet.

Zumeist werden Rituale beschrieben

Die Strafen, die als „erotisch“ in die Literatur eingegangen sind, beruhen zumeist auf Ritualen, was kaum verwundert, denn sie beruhen auf Erlebnissen, die in irgendwelchen „Einrichtungen“ vollzogen wurden. Beispielsweise „im großen Haus“ am Dienstpersonal, in Schulen, dabei besonders in Internaten, in Erziehungsanstalten, Klöstern, Flagellationsbordellen, Zuchthäusern und dergleichen. Die Erotik ist oft sehr einseitig: Die Autoren haben schon eine Art „Publikum“ vorbereitet, das sich an mehr oder weniger freigelegten Gesäßen ergötzt. Die Leserin wird nun einbezogen: Sie wird Teilnehmerin an der Entkleidung, der Bewunderung der lustvoll dargebotenen Gesäße vor der Prozedur der Züchtigung. Dann folgt der Vollzug einzelner Hiebe, die möglichst plastisch beschrieben werden, sodass die Leserin sie gedanklich nachvollziehen kann, wenn sie entsprechend lüstern ist. Am Ende vermittelt der Autor dann oft das Gesamtbild eines geröteten, verstriemten oder übel verbläuten Hinterns oder Rückens, das mehrdeutige Informationen auslösen kann.

Das Konzept der Körperstrafe, nämlich jemandem, der bewusst gegen Gesetz oder Regeln verstoßen hat, durch Erniedrigung und Schmerz zur Einsicht zu kommen und den Verstoß au keinen Fall zu wiederholen, wird im erotischen Roman verworfen. Er wendet sich an Voyeurinnen und Voyeure, die am Ritual interessiert sind und teils optisch, teils akustisch, größtenteils aber wohl imaginär am Geschehen teilhaben, wollen.

Vielfältige Literaturbeispiele

Vorstellungen aus alten Büchern sind selten Realität
Niklaus Largier, Autor von „Lob der Peitsche“ (2001 erschienen) widmet der Literatur mehrere Seiten (1), doch will ich darauf hinwiesen, dass es nicht nur die Literatur war, die eine Rolle spielte. Auch Sensationsberichte aus dem 19. Jahrhundert und angebliche „realistische“ Schilderungen aus der Viktorianischen Zeit wurden oft verwendet, um den Leserinnen die „Freuden der Rute“ sinnlich nahezubringen. Ein Beispiel ist die zwar weitgehend authentische, aber aus fragwürdigen Dokumenten bestehende Sammlung von Henry Spencer Ashbee.

Um euch einen Eindruck zu verschaffen, wie eine rituelle körperliche Züchtigung um die 1900ter Jahrhundertwende ausgeschmückt wurde, haben wir hier eine von einem von einem Briefwechsel inspirierte Version in die heutige Sprache übersetzt: (2)

Es war stets erregend, die feierliche Zeremonie einer Züchtigung zu erleben. Dabei war es üblich, die zu Strafende ein einem sittsam wirkenden Kleid hineinzuführen, das von der Vorderseite hochgeschlossen und züchtig aussah. Doch von hinten ließen sich diese Kleider leicht öffnen, sodass es sehr einfach war, das Opfer unzüchtig zu entblößen. Als nun die Zeit gekommen war, wurde die Delinquentin vor das Pult geführt und sie musste sich auf eine kleine Kiste stellen. Noch verdeckte das lange Kleid ihre Blößen, doch nun tauchten zwei der jüngeren Bediensteten auf, die ihre Hände ergriffen. Nachdem die Züchtigung angekündigt und das Strafmaß verlesen wurde, erhielten sie die Anweisung, die zu Strafende über das Pult nach vorne zu ziehen, und sobald sie sich vorbeugte, teilte sich der Rockteil ihres Kleides und entblößte ihr Gesäß und die Beine in ihrer vollen Nacktheit.


Historisch ist dieser Text völlig absurd, denn die Schülerinnen wurden in den viktorianischen Schulen nicht auf diese Weise bestraft – und schon gar nicht mit einem nackten, dem Auditorium zugewandten Gesäß. Es zeigt aber, wie wichtig den Autoren die Rituale waren, unter denen die Züchtigungen durchgeführt wurden.

Soweit die Rituale. In den meisten Paarbeziehungen, die sich auf das sinnliche Bestrafen und die spielerische körperliche Züchtigung eingestellt haben, werden solche Rituale praktiziert. Der Grund dafür ist einleuchtend: Das Ritual trennt die Realität vom Spiel.

(1) Zum Beispiel bei de Sade, Sacher-Masoch, Algernon Charles Swinburne, James Joyce,
(2) Nach zwei englischen Vorlagen, die einander sehr ähnlich sind - umgeschrieben von Isidora.

Das erotische Wort: Eine Gefahr oder eine sinnliche Lust?

Lesen schadet nicht ...
Die interessante Frage zur erotischen Literatur kann kurz zusammengefasst werden: „Erzeugt diese Literatur neue Lüste und Bedürfnisse, oder befriedigt sie die sinnlichen Lüste und dringenden Bedürfnisse, die tatsächlich schon in uns wohnen?“ Folgen wir also nur einer Sinneslust, die schon lange in uns herumlungert, oder werden wir verführt, neue Lüste zu erproben?

Ein kurzer Blick in die Vergangenheit

Niemand wird bezweifeln, dass viktorianische, pornografische Romane genau die Sinneslust der damaligen Menschen getroffen hat: Wenn das Kleid der Damen bis über die Fußknöchel reicht, will der junge Mann wissen, wie sie darunter aussehen. Und wenn die junge Frau niemals Kontakt mit einem Mann haben durfte, bevor sie heiratete, wollte sie wissen, wie es ist, wenn es später einmal geschieht. Zudem sorgte die erotisch aufgeheizte Atmosphäre der Internate dafür, dass Geschichten über allerlei verbotene Beziehung große Verbreitung fanden – von den „Grausamkeiten und Freuden des Orients“ einmal abgesehen, die Damen erröten ließen und dennoch ihre Fantasie anheizten.

Hat Mütterchen-Pornografie die Welt erobert?

Wir haben etwas Ähnliches gerade vor einigen Jahren erlebt: die Verbreitung von „Mummy-Porn“ bei Frauen in mittleren Jahren. Dahinter steckt die Lust der Frauen, neue Erfahrungen in Psyche und Fantasie zu machen, die sie sich in der Realität kaum zumuten oder zutrauen würden.

Fallen fast alle Tabus durch Erotik-Romane?

Es gibt viele Beispiele dieser Art. Meist wird dabei ein angebliches Tabu aufgebrochen, das in den Hirnen aber dennoch vorhanden ist und dann und wann dort Purzelbäume schlägt. Gelegentlich wird die sogenannte Bi-Sexualität genannt, dann wieder die Unterwerfung der Männer unter die strafende Dominanz einer Frau. Dabei entwickeln sich die Tendenzen keinesfalls linear zur Realität, und auch zwischen Wort und Bild ergeben sic noch erhebliche Unterschiede. Das liegt hauptsächlich daran, dass sich Autorinnen und Autoren immer wieder sorgfältig überlegen müssen, wie ihre Worte am besten in die Gehirne oder die Genitalien gelangen können, um dort Reaktionen auszulösen. Das ist in der gefilmten Pornografie längst nicht mehr der Fall. Die Plots sind einfach gestrickt, die Dialoge auf absolutem Primitiv-Niveau.

Pornografie kontra erotische Literatur

Ein Kenner der Branche schreibt:

Die meisten Darsteller(innen) nehmen alle Aufträge an, die ihnen ihre Agenten vorschlagen. Die Konkurrenz ist hart – und das ständig wachsende Angebot an Möchtegern-Darstellern überwiegt bei Weitem der Nachfrage nach Rollen. Und die Kandidatinnen wollen nicht als „schwierig“ angesehen werden, was besonders für Frauen gilt. Meistens sehen die Schauspieler(innen) die Skripts nicht oder kennen keine spezifischen Details, bis sie eingestellt werden.


Das ist auch der Grund, warum ihr nichts aus „Pornos“ lernen könnt. Man darf ja nicht vergessen, dass es sich bei den Darstellerinnen nicht um echte Schauspielerinnen handelt – die meisten Sätze werden ihnen in den Mund gelegt, oft erst während des Drehs, und schon deshalb stimmen sie nicht. Ähnlich ist es mit dem Gesichtsausdruck: Neutral, auf geil machen und einen erfüllten Orgasmus vortäuschen – das ist so ziemlich das Einzige, was die Darstellerinnen können müssen.

Was Worte bewirken können - und was nicht

Es geht also stets um Worte – Worte, die wir finden müssen, um unseren Leserinnen und Lesern „aus der Seele zu sprechen“ und dabei ihre eigenen Sehnsüchte und geheimen Lüste hervorzubringen. Und so viel kann ich euch sagen: Neue Lüste in jemandem durch die Kraft des Worts zu erzeugen, ist schwierig – wenn nicht unmöglich. Insofern kann die erotische Literatur auch kaum jemanden vom Pfad der Tugend abbringen. Allerdings wohnen in jedem Menschen geheime sinnliche Lüste, die von unseren Worten durchaus berührt werden können. Wie „gefährlich“ dies für Erwachsene ist, kann niemand einschätzen. Ich sage es mal einfach: Es ist noch kein Flagellationsbordell für Frauen entstanden, weil sie die „Shades of Grey“ gelesen haben.