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Drei Arten von Erotik-Schreiber(innen)

Es gibt sicher mehr als diese drei Arten von Erotik-Autoren (und Autorinnen) aber ich will sie einfach mal katalogisieren:

1. Die echten Literaten, die unter Pseudonym schreiben
Sie können wirklich Literatur schreiben, und das zeigen sie uns auch. Ihre Geschichten sind interessant, ihre Details lebensnah, und die ausgesprochen anregenden Details sind mindestens in Fragmente einer Geschichten eingebettet. Es gibt zahllose Beispiele dafür – die „Geschichte der O“ ist dabei ausgesprochen spektakulär, weil die Autorenschaft über Jahrzehnte unbekannt blieb. Üblicherweise erkennt man eine literarisch vorgebildete Autorin daran, ungewöhnliche Dialoge zu schreiben und die Leserin „ins Geschehen hineinzuziehen“.

2. Die kundigen Vielschreiber, die „geile“ Texte verfassen
Diese Leute können schreiben, weil sie Journalisten sind oder waren und sie schreiben mindestens nur das, was sie aufgrund ihrer Erfahrung selber für denkbar halten – mit einem geilen Sahnehäubchen oben drauf. Meist gelingt es Ihnen deshalb, die Realität durch die Schilderung überschwängliche Lust zu übertreffen – das macht ihre Texte so „lüstern“. Manche schreiben „am Fließband“, und das merkt man ihren Texten auch an.

3. Die „Dahinschreiber“ mit engem Horizont
Sie schreiben, weil sie eine sexuelle Praxis besonders lieben oder ständig dieselbe Fantasie in neuem Kleid vermarkten. Dabei nutzen sie eine Fähigkeiten, die sie seit der neunten Schulklasse besitzen: Die Technik des Aufsatzschreiben. Das Paar ist da und da, sie tun dann dies und das, und am Ende wird mit einem der üblichen Larifari-Sätze abgeschlossen. Allerdings muss „dies und das“ unbedingt vor Aktivitäten überlaufen, genau so, wie es einen beständigen Fluss von Vaginalsekreten und Sperma geben muss.

Selbstverständlich gibt es Zwischenstufen – und wenn man differenzieren will, auch noch mehr Kategorien.

Sage uns bitte , was du darüber denkst.

Voyeur und Voyeuse, Exhibitionist und Exhibitionistin

Erster Teil – Frauen sind die sinnlichen Voyeure
Aus reiner Neugierde ...
Der Wunsch nach Sex, während andere zusehen oder zumindest die Möglichkeit dazu besteht, ist ein Reizmuster, das viele Menschen – auch ganz viele Frauen – haben. Da geht es um Aspekte des Verruchten, des Versauten, des Verbotenen.


(Aus: "Sex im Kopf")

Voyeur oder Voyeurin, Exhibitionist oder Exhibitionistin - für Erotik-Autorinnen oder Erotik-Autoren sollte keine Rolle spielen, auf welcher Seite des Zauns ihre Figuren stehen. Denn beim erotischen Schreiben geht es nicht um die Erregung öffentlichen Ärgernisses, sondern um die heimliche Lust dran, sich erotisch zu präsentieren oder jemandem zuzusehen, der sich entsprechend präsentiert.

Beobachten – beim Entkleiden, Nacktsein oder beim Kopulieren

Das gemeinsame Vergnügen in den Fantasien von Frauen und Männern ist zweifellos, „beim Sex gesehen oder beobachtet zu werden.“ Ähnlich verhält es sich mit der Lust, einen Ort aufzusuchen, an dem die Möglichkeit besteht, sich nackt oder in Dessous zu präsentieren. Einige Frauen haben die auffällige Tendenz, dies auch im wirklichen Leben zu tun, etwa, indem sie halbtransparente Blusen oder extrem kurze Minikleider tragen, die unweigerlich sinnliche Blicke auf sich ziehen. Zu den exhibitionistischen Komponenten gesellen sich oft noch Fantasien, sich in erotischen Positionen anzubieten oder gar feilgeboten zu werden. Ich kann mich erinnern, dass mir eine Dame einmal einen Traum schilderte, indem sie nackt auf einem Sklavenmarkt präsentiert wurde. Erstaunlicherweise war das Schlimmste, was in dieser Fantasie geschah, dass keiner der Männer auf sie bot. Ähnliche Träume, sich sexuell anzubieten, kommen immer wieder in Fantasien vor – aber sie gehen fast nie in Statistiken ein.

Die Forschung weiß diesmal auch nicht mehr

Irritiert, Männer?
Sowohl die Forschungen wie auch die Berichte von Zeitzeugen lassen keine eindeutigen Schlüsse darüber zu, wie viel Frauen Voyeurinnen sind und wie viele sich gerne erotisch vor Publikum präsentieren würden. Das gilt für die Realität wie für die Fantasie.

Statistiken – vielfältig, aber unklar

Im Bereich der Statistik fällt eine merkwürdige Konstellation auf:

Gut 30 Prozent der befragten Frauen können sich in der Fantasie vorstellen, beim Sex zweier Frauen „Mäuschen zu spielen“, also Voyeurinnen zu sein. Sich beim Sex beobachtet zu werden, erregte hingegen etwas mehr als die Hälfte der Frauen. Und während sich nur etwa ein Achtel der Befragten vorstellen kann, ihren nackten Körper öffentlich zu präsentieren, will ein Viertel der Frauen im Traum durchaus mal „nackt vor die Kamera“.

Frauen sind übrigens noch weitaus intensiver empfindende erotische Voyeure als Männer, wie die Forschungen von Meredith Chivers belegen. Sie verließ sich nicht auf die Aussagen der Frauen – sondern ging ans „Eingemachte“, indem sie die Scheidenfeuchtigkeit mithilfe eines Plethysmographen maßen. Dabei stellte sich heraus, dass Frauen von nahezu allem angeregt wurden, was kopulierte, inklusive Bonobos (Zwergschimpansen), Frauen und Männern.

Erwartungsgemäß sehen die Männer gerne bei allem zu – die Quoten sind schwindelerregend hoch und liegen in zwei Disziplinen satt über 80 Prozent. Aber mindestens zwei Drittel der Männer würden sich auch gerne beim Sex in die Öffentlichkeit wagen, um gesehen zu werden – in der Fantasie.

Was dies für dich als Autorin bedeuten könnte, werden wir anderwärts beleuchten. Doch zunächst will ich mich dem Spiegelbild von Voyeurin und Voyeur widmen: der Exhibitionistin und dem Exhibitionisten.

Alle Bilder: © 2019 by Liebesverlag.de
Kopfzitat aus: "Sex im Kopf", Reinbek 2014.

Ihre Figur im Leben und im Sog der Lust

Gefühle sind schwer zu beschreiben. Und es ist keinesfalls so, dass diese plötzliche Hemmung erst auftritt, wenn die Tür zum Schlafzimmer geöffnet wird. Wer es so sieht, verkennt, dass dem Öffnen der Schlafzimmertür, dem Blick auf die Strapse oder die Enthüllung der Brustwarzen immer noch etwas vorausgeht. Und bei all dem, was da im Vorfeld geschieht, geht es bereist um sinnliche Gefühle. Also vergegenwärtigen wir uns noch mal, was in Elisabeth Benecits Erotik-Autoren-Bibel steht:

In einer guten erotischen Szene dreht es sich immer um Sex und noch etwas anderes.


Das ist hübsch gesagt, aber nun könnte man auf die Idee kommen, Sex mit irgendetwas anderem zu kombinieren, etwa mit Liebe, was oft versucht wird, oder – sehr populär – mit Unterwerfung.

Das Trichterprinzip - der Sog der Lust

Viele wichtiger, so scheint mir, ist das Trichterprinzip: Ihre Figur hat zu Beginn noch alle Varianten, mit ihren Gefühlen umzugehen, doch wegen äußerer und innerer Wandlungen wird sie immer weiter in den Trichter getrieben. Varianten und Alternativen entfallen, und es gibt gar keinen Ausweg mehr als der Lust endlich nachzugeben – trotz der Mahnungen oder widersprüchlichen Gefühle, die dabei auftreten.

Bevor Sie diesen ausweglosen Strudel der Lust beschreiben, in den ihre Figur gerät, können Sie ihre Leserinnen mit verwirrenden Details versorgen, die neugierig machen. Ist sie wirklich heterosexuell? Welche Bi-Neugierden plagen sie? Masturbiert sie, und was, liest sie dabei oder an wen denkt sie? Wie stabil ist ihre Persönlichkeit wirklich, und wo liegen ihre Schwächen? Ist sie wirklich so brav, wie sie zu sein scheint, oder welche geheimen Sehnsüchte schlummern in ihr? Wem der Nebenfiguren wird sie sich zuwenden, und wer wird sie schließlich in den Sog der Lust treiben?

Alles, was vor der entscheidenden Sexszene kommt, kann die Faszination, den Ekel oder die Hassliebe zu bestimmten erotischen Szenerien widerspiegeln. Vergessen Sie aber bitte nicht, dass Sex kein Lebensinhalt ist. Bauen Sie den Alltag mit ein, zufällige Begegnungen und verwirrende Ereignisse, die mit Sex wenig zu tun haben.

Wie die erotische Handlung entsteht - in fünf Schritten

Damit es überhaupt zu einer starken erotischen Handlung kommt, müssen sie ihre Figur aus der anfänglichen Befangenheit und den scheinbar stabilen sozialen Beziehungen befreien und ihre Zufriedenheit mit sich selbst und anderen aufweichen.

Das geschieht am besten durch diese fünf Schritte:

1. Ihre Figur wird neugieriger, als sie bisher war.
2. Sie empfindet ein gewisses Defizit an erotischen Erfahrungen.
3. Sie sehnt sich danach, diese auch zu erproben.
4. Dazu wird sie offener, zugänglich und verführbarer.
5. Nun schicken Sie Ihre Figur auf den neuen, abenteuerlichen Weg.

In den meisten Fällen ist die innere Welt vor dem entscheidenden, aufrührenden und verwirrenden Ereignis eine andere als die Welt danach, und das lässt sich durchaus auch sprachlich ausdrücken.

Viele Berater/Lektoren sagen ihren Autorinnen: Am Ende muss ein Happy End stehen. Das Happy End muss aber nicht zwangsläufig eine innige Liebe oder gar eine Ehe sein. Wenn Sie das Trichterprinzip anwenden, kann am Ende auch eine persönliche Wandlung stehen. Ihre Figur kann sich „endlich selbst gefundene haben“, kann mit „dem neuen Verhalten sehr glücklich sein“ oder aber auch nur „Froh sein, es einem im Leben versucht zu haben.“

Und selbstverständlich könnte auch Ihre Erzählung erst am Ausgang des Trichters wirklich „heiß“ werden und noch viele interessante und hocherotische Seiten füllen.

"Erotik Schreiben", New York 2002, deutsch Berlin 2013.

Sinnliche Woche: Die sinnlichen Themen erweitern

Die Düfte sollten in jedem Fall eine Rolle spielen im erotischen Roman – schließlich sprechen wir damit einen derjenigen Sinne an, die in unseren Erinnerungen immer wieder wach werden.

Die vielversprechenden erotischen Themen drehten sich diese Woche nahezu ausschließlich ums Rollenspiel, das in vielen Varianten möglich ist und dabei der Realität mal näher kommt und sich mal von ihr entfernt. Tipp: Es müssen nicht immer die ausgetretenen SM-Spielchen sein. Und wenn, dann lassen Sie sich bitte mal etwas anderes einfallen als Peitschen, Handschellen und Seile.

Die Welt der Literatur kennt so gut wie keinen „erotischen Charakter“ oder gar eine „erotische Persönlichkeit“ – was mit Sicherheit daran liegt, dass Erotik-Autoren für Schmierfinken gehalten werden und angeblich „seriöse“ Autoren das Thema deshalb nicht mal mit der Kohlenzange anfassen. Es gibt also noch viel zu tun.

In den nächsten drei Wochen werden Sie diese Zusammenfassung leider ein wenig entbehren müssen, aber weiterlesen können Sie dieses kleine, aber feine Magazin weiterhin.

Sinnliche Woche: lustvoller Schreiben, Szenenschreiber und Themen

Allgemein ist’s schlecht bestellt um den reinen erotischen Genuss – vor allem in Deutschland – und da macht die erotische Literatur keine Ausnahme. Muss das eigentlich so sein? Ich meine: auf keinen Fall. Erotische Literatur sollte vielmehr dazu dienen, die Möglichkeiten der Lust vollends zu erforschen und auszukosten.

Narrativ schreiben führt zu uninteressanten Texten

Ich komme darauf, weil viele Autorinnen und und Autoren glauben, sie müssten dem Leserinnen da draußen etwas detailliert erläutern, bevor sie auf den Lustgewinn zu sprechen kommen. Dieses Phänomen taucht immer dann auf, wenn man rein „narrativ“ zu schreiben versucht: „Da war etwas, dann fühlte ich, dann sagte er.“

Szenen-Schreiber(innen) auf dem Weg zum Mainstream?

Szenen-Schreiber(innen) versuchen in letzter Zeit, den Spagat zwischen den „Ansprüchen“ ihrer jeweiligen Szene und den Lüsten der „ganz gewöhnlichen Begierigen“ zu wagen. Der Grund ist einfach: Szenenliteratur kommt beim gewöhnlichen Publikum nicht an, weil sie einerseits zu humorlos ist, zweitens in Teilen abschreckend wirkt, und drittes ohne wirkliche erotische Raffinesse aufgetischt wird. Auf der anderen Seite macht die SM-Szene die „Shades of Grey“ nieder, die ziemlich genau die sinnliche Befindlichkeit von Mütterchen Frust trifft. Sehen wir mal, wie der Spagat ausgeht. Ich bin gespannt.

Wenn Sie ohne Szene auskommen wollen - es ist möglich

Ja, und was ist, wenn die Szene Ihnen ein Buch mit sieben Siegeln ist und sie dennoch über sinnliche Fesselungen und hübsch rot gefärbte Pobacken schreiben wollen? Dann lesen Sie mal nach, wie das geht.

Ausgelutschte und verseuchte Themen völlig neu gestalten

Apropos Szene: Der Cuckold-Ableger der SM-Szene benutzt nicht nur einen unflätigen Jargon – er ist auch absolut pornografieverseucht. Wie Sie als Autorin/Autor dies ändern können und sinnlich über Cuckold schreiben wollen, lesen Sie in „Sinnlich Schreiben“ als Vorschlag Nummer 17. Damit erreichen Sie sicherlich nicht die Cuckold-Szene, aber sinnlich-lechzende Frauen und Männer, die davon träumen, einmal Teil dieses besonderen „Dreiers“ zu sein.

Das zweite Vorschlagsthema diese Woche ist auf andere Art schwierig: Restlos ausgekaut liegt der „Sex mit einem Fremden“ im Regal. Unser Vorschlag: Versuchen Sie, den Fremden (oder die Fremde) noch geheimnisvoller darzustellen, als er/sie ohnehin schon ist. Diese Vorschläge werden in Zukunft noch weiter abgewandelt.

300 Wörter reichen uns, um etwas über Ihre Schreibe auszusagen

Haben Sie eigentlich Lust zum Schreiben? Schreiben Sie Erotik? Und wissen Sie nicht so recht, wie Sie sich selbst beurteilen sollen? Schicken Sie uns 300 Wörter, dann sagen wir Ihnen, wie Sie schreiben und ob Sie weiterschreiben sollten. Tun Sie’s nicht, wenn Sie keine Kritik vertragen. Wir bleiben aber liebevoll – in jedem Fall. Übrigens: Der Erfolg oder Misserfolg ist nicht davon abhängig, ob sie „gut“ Schreiben, sondern ob ihre Leser(innen) – Pardon – geil auf das Thema sind.