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Klassische erotische Frauenrollen: Die Liebhaberin oder Geliebte

Die Liebhaberin oder Geliebte als Rolle in der Literatur

Die jugendliche Liebhaberin gewinnt ihre Reize aus den natürlichen Liebeskünsten, über die sie verfügt. Sie hat sozusagen einen Wissensvorsprung, den andere nicht ahnen – es sei denn ihre Lover, die sie hingebungsvoll beglückt. Diese Person braucht erheblich mehr Profil als die „Jugendliche Naive“, damit sie interessant wird. Sie kann zum Beispiel den einen oder anderen Zwiespalt hegen, der tief in ihrer Psyche liegt, der aber ihrer Umgebung unbekannt ist. Und sie braucht ein tief greifendes Ereignis, das deiner Geschichte die Wende gibt, die nun einmal zu einer erfolgreichen Liebes- oder Erotikgeschichte gehört. Je nachdem, wie die Figur angelegt wird, kann sei aufsteigen, absteigen, oder wie auf einer Achterbahn mühsam aufsteigen und dann wieder abrupt hinabsausen. Plots dieser Art versprechen Erregung und Spannung, müssen aber sorgfältig geplant werden.


Bei der Geliebten gibt es einen „Moralinaspekt“: Wie sieht sie deine Leserin? Dabei werden unterschiedliche Aspekte wirksam, je nachdem ob „die Geliebte“ ledig oder verheiratet ist und ob sie einen ledigen oder verheirateten Mann liebt. Außerdem ist sehr wichtig, ob du sie heterosexuell oder bisexuell anlegst. Kurz: Wird deine Leserin eher wollen, dass die Geliebte obsiegt oder scheitert? Das solltest du wissen, wenn du das Geschehen (das Plot) planst. Bei der Kurzgeschichte vermeidest du solche Probleme. Du benötigst dort vor allem heftige, stark emotionale oder gar ekstatische Liebesszenen, die möglichst keine Klischees beinhalten.

Dieser Beitrag hat mehrerer Teile. Nächster Teil: Die Heldin.

Erotische Frauenrollen, die du erschaffen kannst

How do you tell evil from good?
Evil does well - good not so good!

Wie unterscheidest du Böse von Gut?
Das Böse macht sich gut – das Gute nicht so gut.


Leslie Bricusse / Frank Wildhorn



Erotische Geschichten lassen sich, wenn man andere Kriterien außer Acht lassen will, durchaus nach den Protagonistinnen und Protagonisten einordnen. In diesem Fall habe ich sie beim Theater „ausgeliehen“. Das Zitat von Leslie Bricusse / Frank Wildhorn wurde dem Musical Jekyll & Hyde entnommen.

Meine kleine Vorstellung der Frauenrollen, die man sicherlich auch differenzierter darstellen könnte, doch dann würde dieser Artikel unübersichtlich. Ich beginne mit der Naiven, auch „jugendliche Naive“ genannt.

Die Naive

Der Theaterrolle der „Jugendlichen Naiven“ entspricht am ehesten die naive, unerfahrene oder gar jungfräuliche Romanfigur, die wir heute in vielen Varianten finden. Ich sage das, weil sie nicht immer jung sein muss, und naiv nur, soweit das Geschehen jenseits der Vorstellungswelt liegt, die sie bisher kannte. Es ist durchaus denkbar, dass eine emanzipierte, selbstbewusste Frau sich in einem Zirkel wiederfindet, in dem völlig andere Gesetze gelten. Diese Frau kann also „auf jenem Territorium“, in das du sie hineinschickst, durchaus naiv, unerfahren und sogar partiell jungfräulich sein, während sie es im ganz normalen Mainstream nicht wäre. Dort hätte sie beispielsweise schon intime heterosexuelle Kontakte, würde Verführungen erkennen und die Dinge selbstbewusst zurechtrücken.

Das Motto, das ich dem Artikel vorangestellt habe, soll dir helfen, nicht einseitig zu denken: „Jungfräulich“, heißt nicht „unschuldig.“ Die Möglichkeiten, Storys anhand gängiger Plots zu entwickeln, sind nahezu unendlich groß - und sie entsprechen den Plots in Liebesromanen. Am beliebtesten ist jedoch das „Cinderella-Plot“ mit Happy End. Bei Kurzgeschichten steht die Verführung im Mittelpunkt – denke aber dran, dass du keine Klischees verwendest – die kennt deine Leserschaft zur Genüge. „Jungfrauen“ können erotisch durchtrieben sein, und „Salondamen“ wahre Samariterinnen. Ein Beispiel dafür wäre die historische „Halbjungfrau“ (Demi-Vierge).

Die nächste Frauenrolle: Die Liebhaberin oder die Geliebte.

Erotik: Und wenn es keine große Literatur werden soll?

Die erotische Geschichte - das erotische Spiegelbild
Wer setzt sich schon hin, spitzt die Feder und sagt: „Ich werde heute einen bedeutenden Beitrag zur Literatur schreiben?“ Kaum jemand. Doch bei der erotischen Literatur heißt es immer wieder, die Autoren müssten literarischen Ansprüchen genügen. Ob Paul Englisch (1), Elisabeth Benedict (2) oder Werner Fuld (3) – alle reden von schriftstellerisch hochwertigen Werken. Möglichst sollen sie „Sex und noch etwas anderes“ darstellen, und jährlich einmal wird der Teil der „edlen Literatur“, der sinnliche Lüste enthält, gezielt verhöhnt. (4) Leider werden darüber hinaus vor allem Frauen öffentlich diffamiert, die wagen, sich mit Sex detailliert und hautnah auseinanderzusetzen. Von ihnen und ihrer Lust am Schreiben soll hier die Rede sein.

Sex und kaum etwas anderes?

Wer sich nur für sinnliche Episoden interessiert, wer nur kurze, aber heftige Szenen seiner Fantasie schildern will oder wer sich nicht die Mühe machen will, die Sexszenen noch mit Lametta zu schmücken, wird meist abgelehnt. Der Vorwurf, dabei Pornografie zu produzieren, trifft hart, und er ist durchaus so gemeint. Die „Wohlanständigen“ erregen sich öffentlich und meinen sinngemäß: „Die Säue, die so schreiben, müssen gezüchtigt werden.“ (5)

Das Geseire über die weibliche Psyche

Einige Bücher über „das Weibliche“ und „die weibliche Psyche“ betonen immer wieder, dass Frauen erotisch anders denken, und zwar so „völlig anders“, dass es ein Mann gar nicht erfassen kann. Sogar in „Klick Mich An“ (6) werden diese Meinungen wiederholt. Frauen wird ein detektivischer erotischer Geist unterstellt, und er mündet in einen vierfachen Prozess: einer für Gefühle, einer für das Soziale, einer für das Kulturelle und einer für das Körperliche. Kurz: „Vier verschiedene Arten mentaler Software“ bewerten bei Frauen – nach Meinung der Autoren - ihr erotisches Bewusstsein. Offenbar fiel niemandem auf, dass diese Aussagen aus dem 19. Jahrhundert stammen könnten.

Emanzipiert, aber nicht frei - das Prinzip „schamvoll“

Inzwischen ist das 21. Jahrhundert angebrochen. Frauen interessieren sich deutlicher als jemals zuvor für heftige, teils ekstatische Erlebnisse in Körper, Geist und Psyche. Doch immer noch schwanken sie zwischen Schamhaftigkeit und Schamlosigkeit, wobei kaum deutlich wird, dass „beide Seelen in derselben Brust“ wohnen. Das heißt: Entweder sie bleiben (als Person oder als Autorin) schamhaft und entsprechen damit den sozialen und kulturellen Anforderungen. Oder aber sie entwickeln ihre Schamlosigkeit, sowohl privat wie auch in ihren Schriften, und gelten fortan mindestens als „Schlampe“, wenn nicht gar als „Abartig“. Die dritte Variante: Die Autorin trennt ihr „Selbst“ in einen Teil, das sich dem Alltag als respektable Person zeigt, und einen anderen Teil, der sinnliche Figuren mit lustvollen Gedanken schafft. Wer das will, braucht ein gutes Pseudonym und mehrfach abgesicherte Wege für eine geplante Veröffentlichung.

Was spricht gegen "Einseitig und schamlos"?

Ein Teil der heutigen erotischen Literatur wie auch der „kleinen“ erotischen Werke ist einseitig und schamlos. Das heißt, die Lust steht im Mittelpunkt und wird auch kaum infrage gestellt. Der Körper spricht, und die Psyche folgt seinen Befehlen. „Das Soziale“ schwindet, wenn die Heldin unter Orgasmen zuckt und stöhnt, und auf „Kultur“, sprich: „Konventionen“, kann jede westliche Autorin nötigenfalls verzichten.

Eine Erotik-Autorin, von der ich jüngst hörte (7), sagte, sie denke nur an ihren Körper, ihre Lust, ihre vergangenen Abenteuer und gegenwärtigen Fantasien, wenn sie schriebe – und an nichts anderes. (Sie gab ihr Alter mit 45 Jahren an). Dieses Sichtweise ist neu. Sie entspricht nicht dem Bild der sorgfältig kalkulierenden, schriftstellerisch versierten, aber erotisch unterbelichtete Autorin, die sich derzeit aufmacht, über Sex zu schreiben.

Die unendliche Lust der Fantasien – und die Realität

Leserinnen sehen dies ähnlich. Das Bild der einseitig lustbetonten, durchaus auf wenige erotische Spielarten fixierten Frau wird immer beliebter. Jüngst wurde eine recht junge Frau (32) zu ihren Fantasien befragt. Sie sagte, sie sähe sich in ihren Fantasien „eher in der sexkonsumierenden Rolle“ und weiter (8):

Darauf bezogen wäre es mir egal, ob mich ein Mann oder eine Frau oral beziehungsweise manuell stimuliert – solange es für mich gut ist.


Um das Thema explizit erotischer Literatur anzugehen, ist es nötig, die Schamgrenzen beim Schreiben über Bord zu werfen. Ich sage bewusst „beim Schreiben“ – nicht in der Realität. Denn wenn du schreibst, lässt du eine andere Person für dich handeln. Es ist eine Spiegel-Persönlicheit: seitenverkehrt, vergrößert oder verkleinert und manchmal gar absurd verzerrt. Du kannst sie erscheinen und verschwinden lassen, wie du willst. Und wenn du aus dem Haus gehst, bist du wieder Sekretärin, Personalchefin oder Bäckereiwarenfachverkäuferin.

(1) Geschichte der erotischen Literatur, zuerst Leipzig 1931.
(2) Erotik Schreiben, zuerst New York, 2002.
(3) Eine Geschichte des Sinnlichen Schreibens, Berlin 2014.
(4) Beim "Bad Sex Award", teils berechtigt.
(5) Siehe: Konflikt um Talkshow-Moderatorin.
(6) "Klick Mich An!, zuerst New York 2011,deutsch München, 2012.
(7) Privat und Anonym.
(8) "Sex im Kopf", Reinbek 2014.
Bild: Historische erotische Fotografie, koloriert


Plots – was ist das eigentlich?

Dieser Beitrag beschäftigt sich damit, was Plots sind und ob und wann sie sinnvoll und notwendig sind. Am Ende stelle ich einige, wenige Plots vor, die in der erotischen Literatur sinnvoll sein könnten.

Mit neuen Wörtern aus dem Englischen kann man einfache Gemüter immer wieder beeindrucken. Und ein „Plot“ ist ein solches Wort. Es lässt sich leicht entzaubern, indem wir den Begriff des Grundschullehrers vergangener Tag verwenden: Es ist ein Handlungsgerüst.

Meilensteine in Geschichten erwünscht? Dann nimm Plots!

Ich will das mal so erklären: Wenn du mit dienen Gedanken wanderst und genau weißt, wohin du willst, dann kannst du unterwegs „Meilensteine“ oder „Wegzeichen“ setzen. Von „A“ nach „“E“ geht es also über B, C und D.

Das wird im Lexikon der Literatur (online) so erklärt:

Bevor der Autor die Handlung genau aufschreibt, überlegt er sich in der Regel zuerst das Gerüst seiner Geschichte. Er überlegt sich also, welche Personen, Orte, Ereignisse in seiner Geschichte auftreten, welche Verwicklungen geschehen und wie sie wieder gelöst werden können. (…) Wichtig bei einem Plot ist, dass die einzelnen Ereignisse logisch und wahrscheinlich aufeinander folgen und die Personen stimmig gezeichnet sind.


Im sogenannten „narrativen“ (erzählerischen) Schreiben könnte ein Plot notwendig werden, wenn deine Geschichte ohne Plot unübersichtlich oder unlogisch wäre oder relativ viele Personen, Ort und Ereignisse vorkämen.

Und wie wäre es ohne Plot?

Nun kann ich mir kaum vorstellen, dass Schreibanfänger oder schreibende Enthusiasten sich gleich an Werke wagen, die Romanlänge haben, und die sich nicht in Episoden aufteilen lassen. Und da wäre natürlich sofort die Frage: was wäre, wenn wir kein Plot verwenden würden?

Ganz einfach: Wenn jemand übersichtliche Geschichten mit wenig beteiligen Personen (zwei oder drei) schreibt, die an einem Ort spielen und in denen ein Ereignis dominiert – dann braucht er kein Plot.

Manche Autoren verwenden auch deshalb keine Plots, weil sie ihrer Hauptfigur einen Freiraum lassen wollen. Wir haben ja gehört, dass Plots „Meilensteine“ benötigen. Es mag aber sein, dass deine Figur in höchster Erregung (als kurz vor dem Höhepunkt der Geschichte) einer anderen Weggabelung folgt – auf der naturgemäß keine Meilensteine zu finden sind.

Kannst du Standard-Plots verwenden?

Für erotische Geschichten, in denen die spontane Leidenschaft oft eine große Rolle spielt, sind nur wenige Standard-Plots wirklich geeignet. Dazu muss man wissen, dass Standard-Plots zumeist an die erzählerische Aufbereitung von Schicksalen gebunden sind. Sie beschäftigen sich daher mit dem Aufstieg und dem Fall, auch dem erneuten Aufstieg und einem erneuten Abstieg) von Personen.

Märchenhafte Lust und Liebe

Oft wird das Cinderella-Plot verwendet. Es ist dem märchenhaften Aufstieg, dem vorübergehenden Fall und dem erneuten Aufstieg des „Aschenbrödels“ entlehnt. Weil es märchenhaft und anrührend ist, wird es oft in Liebesromanen verwendet. Allerdings ist das Plot (wie auch das Thema) schrecklich abgegriffen.

Abenteuer Lust

Spielen in dem Cinderella-Plot noch Gerechtigkeit, Mitleid und Rührung die Hauptrolle, so ist die „Suche nach dem (wahren) Glück“ die willkürliche Suche nach Lust, Liebe und Leidenschaft. Das Abenteuer beginnt also aus reiner Lust und Neugierde. Daher musst du auch kein Ziel definieren. Hat deine Figur das Glück gefunden, ist deine Geschichte beendet.

Wiedergeburt (verändert oder geläutert werden)

Die Liebe verändert manche Menschen radikal. Um dies zu schildern, ist ein besonders heftiges erotisches, oft auch magisches Ereignis nötig. In diesem Plot kommt deine Figur durch wenige Erlebnisse „als ein anderer Mensch“ oder „wie umgewandelt“ zurück.

Reise und Rückkehr

Dieses Plot hat Tradition. Jemand wird auf eine wirkliche oder emotionale Reise geschickt, die ihn verändert. Meist werden dabei viele Stationen durchlaufen, in denen deine Figur etwas über sich selbst lernt. Im erotischen Roman sind es Episoden, die ihre erotische Persönlichkeit formen. Im Gegensatz zu „Wiedergeburt“ liegt der Wandlung also ein Lernprozess zugrunde. Diese Methode ist sehr gut geeignet, um einzelne Episoden zu beschreiben, die in sich auch abgeschlossen gelesen werden können.

To Plot or not to Plot?

Solltest du nun „plotten“ oder lieber nicht „plotten“? Wenn du rein erzählerisch vorgehen willst und dir über Weg und Ziel bei einem langen Werk (Roman) allzeit klar sein willst, dann kannst du Plots entwerfen. Ansonsten geht’s jederzeit ohne Plot und auch ohne Literaturtheorie.

Welche erotischen Themen interessieren Forscher und Autoren?

Auch der stinknormale Sex interessiert
Die Stinknormalen

Die Stinknormalen haben nichts als heterosexuellen Blümchensex. Aber auch der kann ganz schön „an die Nieren gehen“ (und an sonstige Organe, versteht sich). Beim „Stinknormalen“ spielt eine große Rolle, wie intensiv „an sich „normale“ Sexpraktiken empfunden werden – es kommt also nahezu ausschließlich auf die Erzählkunst an, wie intensiv die Leser(innen) den Sex empfinden.

Die geschlechtlich anders Definierten

Die „sexuelle Orientierung“ fasziniert vor allem Psychiater und Psychologen seit dem 19. Jahrhundert – zuvor war das Thema kaum bekannt. Als literarisches Genre ist es spektakulär und es wird sehr intim und detailliert darüber geschrieben, sobald Bi-Neugierigkiet oder die Homosexualität der Frauen betroffen ist. Was meist nicht gesagt wird: Eine sexuelle Praxis auszuüben heißt nicht, die sexuelle Orientierung zu haben, der man ihr zumisst.

Die unmoralischen Moralisten

Nirgendwo versteckte sich so viel erotische Begierde wie hinter den Fassaden der Bürgerlichkeit, wenn wir den Klerus einmal ausnehmen. Auf der einen Seite wurde die Unmoral öffentlich bekämpft, auf der anderen Seite pflegte man sie. Das Thema ist sehr real – auch heute noch.

Der geheimnisvolle, geile Fremde

In der Literatur kommt er (auch sie) zunächst als böser Räuber oder (unter der Zensur) oft als Vampir hervor. Manchmal erscheinen auch Buhlteufel, die wahlweise Frauen und Männer heimsuchen, und beim Hexensabbat ist es Satan selbst, der sein „Membrum“ inzwischen die bereitwilligen Schenkel treibt. Ein Klassiker der Literatur, und auch heute wieder sehr populär - durch die Faszination der Internetbekanntschaften.

Drei Personen – mir vielen sinnlichen Varianten

Liebe zu dritt wird mal ernster, mal leichter genommen. Sex zu dritt bedingt keine Liebe, sondern nur Neugierde und Lust. Die Varianten sind viel größer als die meisten Forscher und Autoren annehmen. Zumal dann, wenn der Autor zulässt, dass die Sache nicht ausschließlich heterosexuell abläuft. Wer das Thema angeht, sollte die Varianten kennen. Zwar können auch die „berühmten“ MFF-Dreier (ein Mann, zwei Frauen) noch mit mehr Lust angereichert werden – das Thema ist aber reichlich ausgelutscht.

Orgien und Rudel-Sex - möglich, aber nicht unbedingt sinnlich

Eine Orgie ist ein ungezügeltes, von Lust und Begierde beherrschtes Ereignis, das mal nach festen Regeln, mal ohne jede Regel zelebriert wird. Man trifft darauf in Swingerklubs und anderen Gemeinschaften. Für Autorinnen und Autoren ist das Thema nur schwer zu bewältigen: zu viel Leute, zu viel Ereignisse. Mit Rudel-Sex sieht’s etwas anders aus. Man nennt sie verniedlichend auch „Herrenabende“, und es geht dabei lediglich darum, eine Dame sexuell gemeinsam (oder nacheinander) zu benutzen. Das ist beschreibbar – vor allem aus der Sicht der Frau, aber es ist sichtlich nicht „wundervoll“, so etwas zu beschreiben. Die Umkehrversion findet sich so gut wie nur im SM-Bereich, dann demütigt eine Gruppe von Frauen einen Mann sexuell. Forscher(innen) interessiert das Thema, um zu untersuchen, wie in Gruppen ethische Schranken fallen.

Voyeure und Voyeusen sowie Zurschaustellungen

Gut – Voyeure sind häufig als Voyeurinnen. Aber erstens ist nichts so beständig wie der Wandel, und zweitens sehen manche Frauen auch gerne andere Frauen, die sich entkleiden, masturbieren oder sich in einer sexuellen Beziehung vergnügen. Die Frage, ob sich Frauen gerne erotisch zur Schau stellen, muss eine Erotik-Autorin nicht beantworten – sie kann sich auf die Wirkung konzentrieren. Und natürlich gibt es Statistiken über diese erotischen Fantasien, die förmlich nach Autorinnen lechzen.

Fetische und Pseudo-Fetische

Echte Fetische werden in der Literatur selten behandelt – die Psychiater schreiben mehr über die armen Würstchen, die Höschen beschnüfflen und Büstenhalter sammeln. Pseudo-Fetische hingegen sind in der Literatur so beleibt, dass mittlerweile alles als „Fetisch“ bezeichnet wird, was irgendwie vom „Stinknormalen“ abweicht. Manchmal handelt e sich um Praktiken (Fesslungen, Rollenspiele), dann wieder um „Körperteilfetische“, die von Brust- oder Fußfetischisten zelebriert werden. Nimmt man den spektakulären Teil „Fetisch“ weg und ersetzt ihn durch „Liebhaber“, dann erkennt man schnell, dass alles „irgendwie gewöhnlich“ ist.

Rollenspiele, SM und alles drum herum

Das Lieblingsthema von Psychiatern und Psychologen, viktorianischer Autorinnen und Autoren und nicht zuletzt der Frauen und Männer, die einem Zeitgeist folgen. Ich habe die Themen „Machtspiele, SM-Aktivitäten und Demütigungen“ einfach mal zusammengefasst – sie müssen auch wirklich nicht getrennt werden. Die Frage ist eher, wie die Figuren in der Literatur sich dabei fühlen, in der einen oder anderen Rolle zu stecken. Darin findest du weiterhin viel unentdecktes Potenzial.

Sozialgefälle und Altersgefälle aus erotischer Sicht

Unterschiedliche soziale Herkünfte, ein erhebliches Altersgefälle und andere „verpönte“ Beziehungen sind stets gut für erotische Spannungen und Konflikte. Das Genre der erotischen „Aschenbrödel-Literatur“ lebt dafür (und davon), und man hat sogar ein Plot danach benannt. Zudem kommen MILFs und COUGARs zu ehren, und natürlich auch die fast vergessenen „Sugar-Daddys“ und „Sugar Babys“.

Alle anderen sinnlichen Themen

Es gibt Zeiterscheinungen, die auch in der Erotik eine Rolle spielen – sowohl im Forschungsbereich wie auch in der Literatur. Gegenwärtig wird seitens der Forschung versucht, Unterschiede der Geschlechter hervorzuheben und zu bewerten. Auf der anderen Seite finden wir immer mehr Forschungsberichte, reale Berichte und erotische Geschichten über Frauen, die gar nicht daran denken, ihre Lust auf ein Geschlecht festzulegen. Devote Männer sind ebenso zum Thema geworden wie außerordentlich selbstbewusste, teils herrisch anmutende Frauen. Und mit diesem Wandel wird es auch sowohl mehr als auch differenziertere erotische Themen geben, die heute noch ein Nischendasein fristen.

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