Skip to content



Wie du besser und sinnlicher Erotik schreiben kannst

Manchmal musst du einfach schreiben – weil du Geld brauchst, weil du Blogs füllen musst (eigene oder fremde, ganz egal). Nur – du spürst das Feuer nicht. Du bist wie eine Kerze, die am Tage brennen soll – völlig sinnlos. Versuch es dann doch einmal mit diesen sieben Tipps für besseres Schreiben.

Sieben erprobte Tipps, wie du bessere Erotik schreiben kannst

1. Wo du auch bist- beobachte Menschen. Sie dir an, wie sie sich kleiden, um sexy zu sein, wie sie einander ansehen, wie sie flirten – und denke dir aus, was dann passieren könnte.
2. Notiere jede Idee sofort. Du kannst das auf dem Handy tun oder auf dem Notebook. Lies die Nachrichten sorgfältig. Du wirst dich wundern, wie viele Ideen du daher beziehen kannst. Diese News müsse nicht unbedingt Sex oder Erotik betreffen.
3. Versuche, mehr als eine Story zu entwickeln. Leg eine beiseite, wenn du nicht weiterkommst, und schreibe dann an der anderen.
4. Wenn deine Geschichte „fertig“ ist, lass sie liegen. Lies sie am nächsten Morgen noch einmal, und du wirst feststellen: Sie war noch nicht fertig.
5. Denk nicht zu viel nach über deine Figuren. Lass sie leben und losmarschieren. Du wirst sehen, wie viel Eigendynamik sie in deinem Kopf entwickeln. Und du wirst dich wundern, wie viel (schmutzige?) Fantasie du bekommst, wenn du sie einfach machen lässt.
6. Es ist gut, wenn du Lust verspürst, wenn du schreibst und dich deine Figuren dabei mitreißen. Bekämpfe die Lust nicht, sondern mache sie zu deiner Freundin.
7. Sexgeschichten sind keine Geschichten über Sex, sondern über Begegnungen. Ohne Begegnung keine Anziehung und ohne Anziehung kein Sex.

Denk immer dran – diene Leserin will beteiligt sein. Sie will verführen und verführt werden – je nachdem, wie du deine Figur anlegst.

Ein universelles Konzept, um einen Wandel zu beschreiben

Ich bin vielfach im Netz unterwegs, und heute habe ich für ein anderes Magazin einen Artikel über die Chancen des Wandels geschrieben.

Dieser Beitrag ist recht universell, was sich schon daran zeigt, dass sich die 10 Ratschläge für den Beginn einer Ehe ebenso eignen wie für die Zeit nach einer Trennung.

Sie können die zehn Punkte aber auch so verwenden: Sehen Sie sich jeden einzelnen Punkt an und überlegen Sie, welche Bedeutung er für ihre Heldin haben könnte – auf was sie sich auch einlassen mag. Es können Gedanken einer Jungfrau vor ihrem „ersten Mal“ sein, aber ach die Gedanken einer erwachsenen Frau, die zu SM-Abenteuern animiert wurde. Insbesondere die Punkte eins bis sieben der Aufstellung können Ihnen helfen, die Brücke vom Entschluss bis zum Ereignis mit Worten zu füllen und ihre Heldin all das sagen und denken zu lassen, was später auch ihre Leserin bewegen wird.

Hatten Sie Erfolg damit? Dann schreiben Sie es mir bitte.

Die Top Five des erotischen Schreibens für Autorinnen

Es gibt die Top 10 des erotischen Schreibens, und bestimmt auch die sieben oder zwölf besten Tipps. Ob sie alle stimmen? Sie entscheiden. Hier sind meine Tipps für Sex-Autorinnen, sinnliche Schreiber(innen) und vor allem für Autoren, die betont erotisch schreiben wollen.

1. Erotik findet auf drei Ebenen statt: In Körper, Geist und Seele, um es volkstümlich auszudrücken. Je mehr sie alle drei Ebenen ansprechen, umso mehr literarische Qualität beweisen sie.
2. Sie bringen die Erotik in Ihre Geschichten, indem Sie beim Schreiben eigene Gefühle zulassen - Geilheit ebenso wie Angst.
3. Lassen Sie Ihren Figuren die Freiheit, ihre Geilheit auszuleben. Folgen sie dem Instinkt und der Lust Ihrer Figuren und lassen sie ich von ihnen (ver)führen.
4. Das Ziel einer erotischen Szene ist nicht, moralische Normen zu setzen oder Grenzen zu ziehen, sondern ihre Figuren in ungeahnte Höhen der Wollust zu katapultieren. Ethische Fragen und Zweifel behandeln sie hernach in Monologen oder Dialogen.
5. Versuchen Sie, möglichst wenig über den Geschlechtsakt an sich zu schreiben. Er ist so interessant wie Druckknöpfe. Schreiben Sie stattdessen über Schamlippen, Schweiß und Sperma einerseits und über Wollust, Gier und Furcht andererseits.


Zu 1: Wo Erotik stattfindet

Wenn Erotik in Ihrem Denken die Beschreibung von Sex sein sollte, dann schreiben Sie bitte Sachbücher. Bei einem erotischen Roman geht es niemals ausschließlich um den Sexualakt, sondern um alles, was damit mittelbar und unmittelbar zusammenhängt, von der Körperpflege über die Dessous bis zum dekorativen Öffnen der Schenkel. Es geht auch nicht ausschließlich um Gefühle, sondern darum, eine Stimmung zu erzeugen, die hochgradig erotisch ist. Die Seele, also die Reflexion von Emotionen, spielt dann im Nachhinein eine große Rolle.

Zu 2: Lassen Sie Geilheit und Furcht zu

Wenn Sie selbst mit zugeknöpfter Seele schreiben oder sich innerlich von Ihren Figuren distanziere, wird es nichts mit dem erotischen Schreiben. Setzen sie ihre Figuren auf den Pfad erotische Abenteuer – und statten sie diese mit Furcht und Geilheit aus, wie im richtigen Leben. Aber dann lassen Sie bitte Ihre Figuren laufen – egal, wie gefährlich oder unmoralisch deren Handlungen im Alltag des Wohnbezirks angesehen würden, ind em Ihr eigenes Reihenhaus steht.

Zu 3: Die Freiheit Ihrer Figuren

Das Wichtigste an all dem was ich Ihnen hier sage, liegt im Punkt drei. Nehmen wir einmal an, Sie befolgen meinen Rat nicht. Dann können Ihre Figuren nie mehr empfinden, erleben oder erleiden als Sie selbst. Und seien Sie doch bitte mal offen zu sich selbst: Was haben Sie schon selbst erlebt? Nun? Sehen Sie, ihre Figuren haben vielleicht dieselben Ängste und Lüste, wie Sie selbst – aber sie haben, im Gegensatz zu Ihnen, alle Möglichkeiten, darüber hinaus zu wachsen. Wenn Sie etwas lieben und zugleich hassen (zum Beispiel frisches Sperma auf der Haut), dann lassen Sie eben Ihre Heldin damit umgehen. Sie werden sich wundern, was dann alles möglich wird.

Zu 4: Wollust und ethische Fragen trennen

Die Szenen höchster Wollust sind Szenen höchster Wollust. Punkt. Über ethische Fragen kann sich ihre Heldin später im eigenen Bett auslassen. Sie werden Dutzende Möglichkeiten finden, das Verhalten in Mongolen oder Dialogen zu ventilieren und auf ethische Zulässigkeit gegenüber sich selbst und anderen abzuklopfen.

Zu 5: Über Lust zu schreiben, heißt nicht, Sex zu beschreiben

Machen Sie sich davon frei, dass Sex etwas wirklich Interessantes ist. Das Erregende an ihrem Text liegt darin, ihre Leserin so in das Geschehen einzubinden, dass sie sich selbst in die Rolle der von Ihnen geschaffenen Figur hineinversetzen kann. Und wenn sie das nicht will, so sollte sie sich in jedem Fall mit ihr auseinandersetzen können.

Sanft oder hart: Du fühlst etwas, also schreib es - aber anders

Die Frage, was du wirklich selbst erlebt haben musst, um erotisch schreiben zu können, wird oft gestellt. Ein Teil deiner Leserinnen und Leser wird einfach annehmen, du wärest fantasiebegabt. Ein andrer Teil (dazu muss deine Leserschaft etwas kritischer sein) wird die Versatzstücke erkennen, aus denen du deine erotische Geschichte zusammengepuzzelt hast. Und schließlich werden einige denken: „Hey, wenn die so schreibt, dann muss sie es doch wenigstens erlebt haben!“

Knochenhart und einfach gesagt: Nein, wir Autorinnen und Autoren haben es nicht „wirklich“ erlebt. Wir haben uns aus einem Bild ein Bild herausgelöst, und das zeigen wir nun unserer Leserinnen und Lesern. Wir haben gelernt, aus eigenen Gefühlen fremde Gefühle abzuleiten. Wer es nicht kann, sollte lieber niemals versuchen, Schriftsteller(in) zu werden.

Ich zitiere dir heute einmal etwas, das ich selbst erst kürzlich gehört und sofort notiert habe:


Beim Schreiben ist es oftmals so: Ich habe etwas Schönes erlebt, etwas Trauriges, ich nehme dieses Gefühl und schreibe dann eine Szene, in der etwas ganz anderes passiert. Das heißt: Schwarz auf weiß, auf dem Papier, ist mir das nie passiert, aber das Gefühl hinter der Szene, das ist echt.


Benedict Wells, Bestseller-Autor, gegenüber dem ZDF, 28.02.2016


Wie kann ein Gefühl echt sein, das niemals in dieser Weise existiert hat? Indem wir ein Gefühl vom anderen ableiten. Dazu gehören auch erotische Erfahrungen, die wir selbst niemals so erlebt haben.

Du hast schon einmal an etwas gelutscht und dabei „am Lutschen“ Vergnügen gehabt? Was es ein Lolli, eine Zuckerstange oder ein Eis am Stil? Nimm dieses Bild, und du wirst „Freude am Lutschen“ und „Penis“ in Einklang bringen können. Wenn du an einen Penis in einer vielleicht nicht ganz sauberen Feinripp-Unterhose denkst, kannst du dieses Gefühl nicht hervorrufen.

Was eine „anale Penetration“ ausmacht, musst du nicht unbedingt „am eigenen Leib mit einem Mann“ erprobt haben. Ein Zäpfchen, ein altertümliches Fieberthermometer, Einlauf, ein Finger, ein Dildo … all diese Instrumente rufen zunächst ähnliche Gefühle hervor. Sollte dich jemals ein Arzt anal untersucht haben, verwende die Stellung, in der du untersucht wurdest.

Als ausgesprochen schlecht erweist sich die Unkenntnis über den Schmerz: Ein weihnachtliches Spiel mit Wachskerzen reicht völlig aus, um zu beschreiben, wie heißes Wachs auf die nackte Haut tropft, und du kannst dir ausmalen, wie es dann auf Geschlechtsteilen wirkt. Die Autorin der „Shades of Grey“ wurde vor allem kritisiert, weil sie keine Ahnung hatte, wie intensiv ein Schlag auf die unbekleidete und haarlose Vulva wirkt. Es hätte dabei völlig gereicht, wenn sie ihre intensivsten Erfahrungen mit Schlägen oder Verletzungen verwendet hätte, um sich ein Bild der Schmerzen zu entwerfen – wenn sie schon keinen Selbstversuch zugelassen hätte, was ziemlich häufig möglich ist.

Es gibt andere Empfindungen, die nicht ohne Weiteres abgeleitet werden können, zum Beispiel schwere erotische Qualen, die vor allem deshalb ausgehalten werden, um dem Partner die absolute und unverbrüchliche Liebe zu beweisen. Wer einmal aus medizinischen Gründen Messungen an der Leitfähigkeit der Nerven ertragen hat, wird danach wahrscheinlich eine Szene beschreiben können, in der eine erotische Elektrofolter (Reizstrom) zur Anwendung kommt.

Es müssen nicht gleich solche „perversen“ Szenen sein: Wer sich einmal ein wenig leichtsinnig (vielleicht beschwipst) in einen intensiven Flirt verstrickt hat, wird diese Szene auch auf zahllose Verführungen, ONS und ähnliche Situationen anwenden können. Das Gefühl, einen Menschen des gleichen Geschlechts in irgendeiner Weise attraktiv zu finden, kann bereits der Grundstein dafür sein, eine bisexuelle Verführung zu beschreiben. Eine Autorin, die den Cunnilingus als angenehm empfindet, wird ohne Weiteres beschreiben können, wie ihn eine Frau an einer Frau vornimmt.

Eine andere Frage, die eng damit in Zusammenhang steht: Kann ein Mann beschreiben, wie eine Frau sexuell reagiert? Oder kann eine Frau sich in den Körper eines Mannes hineinversetzen? Oder: Können Heteros „schwule“ Literatur schreiben, eventuell sogar noch vom anderen Geschlecht

Natürlich geht das: Zungenkuss ist Zungenkuss, Fellatio bleibt Fellatio, und Cunnilingus bleibt Cunnilingus. Anal (passiv) ist leicht nachvollziehbar, und im SM-Bereich geht sowieso nahezu alles, was sich mit dem entsprechenden Repertoire an vergleichbaren Gefühlen nachvollziehen lässt.

Ist die Frage also beantwortet? Was meint ihr?

Verdammtes Schreiben in den Wind

Manche Menschen glauben, ich verdiene viel Geld mit Schreiben. Da kann ich nur lachen. Erotisch Schreiben ist ein Hurenjob. Wenn du was verdienen willst, musst du schreiben, was die Frauen und Männer da draußen geil macht. Und da hast du viel Konkurrenz. Oh ja, ja … du kannst auch versuchen, einen Bestseller zu schreiben oder „große Literatur“. Good Luck! Die Penner vom Feuilleton nehmen dich doch gar nicht wahr, wenn du erotisch schreibst.

Also schreibst du in den Wind. Der bläst es fort, und du erfährst nie wieder, wer es gelesen hat und warum.

Ach, du willst gar nicht so hoch hinaus?

Warum schreibst du dann?

Du verschwendest nichts als kostbare Zeit, in der du an der Kasse beim Discounter sitzen könntest. Da verdienst du mit Abstand mehr und kriegst noch Personalrabatt aufs Futter.

Frag mich jetzt nicht, warum ich schreibe.

Ach, du fragst doch?

Ich schreibe, also bin ich.