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Die erotischen Fantasien

Die schnöde Realität und die erregende Fantasie
Nur sehr wenige erotische Romane basieren auf Tatsachen oder lehnen sich an Tatsachen an - die meisten sind reine Produkte der Fantasie. Sie spielen damit, dem Leser etwas nahezubringen, wonach er in der innersten Seele giert, während ein anderer Teil von ihm sich davor fürchtet.

Einer gestandenen Autorin muss ich nicht sagen, worum es dabei geht: Um
Fantasien, die eine Mutter auf keinen Fall der Tochter beichtet oder umgekehrt. Doch um welche Fantasien handelt es sich hauptsächlich?

Das hat die Liebeszeitung genau ermittelt. Dabei hat man den „kleinsten gemeinsamen Nenner“ gewählt:

- Alle Arten von Sex in Verbindung mit Romantik.
- Ebenso, jedoch in Verbindung mit Abenteuer oder Gefahr.
- Oral und/oder Handverkehr.
- Gruppenaktivitäten (vom Dreier bis zur Orgie).
- Domination, Submission, Fesselungen und Züchtigungen.
- Jemandem beim Sex zuzusehen (Voyeurismus).
- Fetische verschiedener Art, echte und pseudo.
- Gleichgeschlechtliche Aktivitäten unter Heterosexuellen.

Bei dieser Aufstellung scheint es so zunächst so, als würden „harmlose“ Aktivitäten mit „schmutzigen“ Praktiken vermischt. Aber das ist nicht so - alle diese Handlungen sind Gegenstand von Tagträumen und Masturbationsfantasien, die von den Befragten einer groß angelegten Studie genau so beantwortet wurden.

Es mangelt an realer Erregung - die Fantasie hilft weiter

Sehen wir genau hin: Wir erkennen dann sofort, dass die Fantasien zunächst aus einem Mangel an realen Erlebnissen entstehen. Die Befragten wünschen sich ganz offensichtlich, ekstatischen Sex und heftige Orgasmen in einem romantischen Liebesumfeld zu haben. Sie vermissen auch die Spannung, die ein sexuell-romantisches, vielleicht gefährliches Abenteuer ihnen bieten könnte. Aber sobald wir dies ausgesprochen haben, kommen wir bereits an die Hürden, die in der Realität vor solchen Gelüsten stehen. Tatsache ist: Wenn sich Begierden mit Ängsten beißen, dann entsteht die Mischung aus Spannung und sexuellem Erschauern, die viele Leser lieben.

Mehr als Fantasien - oder: die Realität ist aller Laster Anfang

Das heißt nicht, dass erotisch Romane „nichts als Fantasien“ beinhalten würden. Bevor die Lüste überkochen, beginnt alles „wie im richtigen Leben“. Es sind die Orte, die deinen Leserinnen und Lesern irgendwie bekannt vorkommen. Ebenso verhält es sich mit den ersten Begegnungen: Ja, all dies hätte auch den Leserinnen passieren können.

Doch dann geschieht etwas mit deiner Figur, was nicht üblich ist. Ob jemand „mit der Tür ins Haus fällt“ und deshalb verblüfft, oder ob die „Salamitaktik“ zum Einsatz kommt, ob es sich um eine traditionelle Verführung handelt oder um eine Intrige - das legst du fest. Doch was macht deine Figur?

Wenn sich jemand einlässt ...

Sie muss sich plötzlich entscheiden - „lasse ich mich auf die Sache ein oder nicht?“ Und wenn nicht sofort, wann wird sie sich einlassen? Welche Skrupel wird sie haben, oder welche Gewissensbisse rauben ihr den Schlaf? Wird sie durch ihre Handlungen erpressbar? Gerät sie gar immer tiefer in Verstrickungen?

Der erotische Roman ist auf keinen Fall "nur" erotisch

Erotische Fantasien haben also durchaus das Potenzial für aufschlussreiche, spannende und erregende Romane. Wenn du eine Figur mit dem „ganz gewöhnlichen Leben“ ausstattest, das auch deine Leserin führen könnte, und sie von dort aus auf ein unbekanntes Gelände führst - dann wird sie mit dir gehen. Sie hat schon oft dran gedacht, was sie tun könnte, wenn sie sich trauen würde, glaub mir. Keine Angst - sie wird sich niemals trauen, die engen Grenzen zu überschreiten, in denen sie lebt. Abers sie wird immer wieder begierig lesen, wie aufregend das Leben deiner Figur ist.

Könnt ihr noch schreiben? Fällt euch noch etwas ein?

Na, mein Herr ...
In Krisenzeiten fällt den meisten Menschen ein, dass sie irgendetwas versäumt haben. Nachholen können sie es dann nicht mehr, weil die Ressourcen weggebrochen sind. Ich habe beobachtet, dass die Kampagnenreiter gerade wieder aktiv geworden sind. Vor allem die Moralisten und Feministinnen. Sie schreien zeter und mordio, dass sich in der Krise das wahre Gesicht der Gesellschaft zeigt. Ihre Meinung: Alte weiße Männer beherrschen die Welt, legen die Regeln fest, bestimmen, was man noch wollen darf. Wahr daran ist, dass die konservative Welt gerade Triumphe feiert: Politisch relevant sind Familien, und unter ihnen gibt es einige, die noch relevanter sind: Die heißen dann „systemrelevant“.

Werdet unverschämt und tobt euch aus

Es ist Zeit, unverschämt und frivol zu werden. „Systemrelevant“ zu schreiben, verbietet sich als Erotik-Autor(in) sowieso. Warum dann also nicht gleich den nächsten Schritt tun? Hingabe bis zur Selbstaufgabe? Spermaflüsse auf Brüsten? Absatzspuren auf Männerkörpern? Frivole Rollenspiele in Kostümen? Das unverschämte Pegging bis zur Erschöpfung treiben? Das widerliche Snowballing genießen?

Oder sollten wir uns daran erinnern, dass es außer Corona noch andere Lebensrisiken gibt? Frauen, die bewusst Abenteuer suchen, die mit Risiken verbunden sind? Männer, die sich Frauengruppen unterwerfen, unwissend, dass sie aus deren Fängen nicht mehr entweichen können?

Und für die "Harmlosen" unter euch

Wenn ihr wirklich „auf ganz harmlos“ machen wollt: Schreibt ein Blog, an dem ihr jeden Tag eine erotische Fantasie entwickelt – sie kann beliebig kurz sein und darf so frivol sein, dass sie nicht der Zensur anheimfällt.

Wie ordnet die Literaturszene Frauenerotik ein?

lesen, anschauen, abwenden?
Die Literaturbranche wurde ganz offensichtlich von der weiblichen Erotik-Welle überrollt – was einerseits nicht verwundert, wenn man die Prüderie der Branche in Betracht zieht. Andererseits jedoch folgt genau diese Erotikwelle einer Tradition, denn Frauen haben ihre Informationen über die Sexualität auch schon in vergangenen Zeiten überwiegend oder gar ausschließlich aus der erotischen Literatur bezogen. Dies behauptet jedenfalls Werner Fuld in seinem Buch „Die Geschichte des sinnlichen Schreibens“.

Doch weder Literaturkritiker, noch Verleger, noch Buchhändler würden zugeben, dass die erotische Literatur noch (oder wieder?) eine so große Rolle für die Frauen des 21. Jahrhunderts spielt. Schließlich fühlt man sich als Kulturelite und redet auch so. Und Kultureliten sprechen nicht über „Schweinkram“.

Immerhin versuchte Wikipedia (englisch), die Sache anzugehen:

Viele Leserinnen sind inzwischen von Pornografie begeistert, sei es traditionelle Pornografie oder maßgeschneiderte Frauenerotik. Liebesromane werden manchmal als „Erotik“ vermarkte – und umgekehrt. Erotische Liebesromane sind ein relativ neues Genre der Liebesromane mit einem betont erotischen Thema und eindeutigen Sexszenen. Im Kern folgen sie jedoch dem Genre der Liebesromanze.


(Nur im englischen Wikipedia, frei übersetzt)

Die Sache hat durchaus Brisanz, denn wenn wer lebensnahe und begeisternde erotische Literatur will, darf im Grunde nicht erwarten, dass die Liebesschnulzen-Fließbandschreiberinnen die richtigen Autorinnen für diese Aufgabe sind. Möglicherweise muss der Weg zu wirklich sinnlicher, unverkitschter Erotik-Frauenliteratur noch gefunden werden.

Ich gehe noch einen kleinen Schritt darüber hinaus: Wie das Körperliche bis ins Detail in Farbe und Bewegung funktioniert, kann heute jede Frau im Internet sehen. Aber wie es sich anfühlt, wie die Sinne dabei mitgehen oder sich verweigern - das kann sie nicht sehen. Das muss sie lesen und dabei erfühlen. Natürlich könnet man nun sagen: „Bei Männern ist das aber auch so“. Aber die Männer wollen es zumeist nicht vorab wissen, sondern einfach nur erleben.

Hinzu kommt noch, dass sich Frauen viel intensiver vom geschriebenen Wort tragen lassen als Männer. Sie erwarten also auch von der Literatur über erotische Fantasien, dass sie „mitgenommen“ werden.

Was das alles bedeutet?

Vor allem dies: Wir müssen erotische Literatur viel ernster nehmen.

Die Genauigkeit – an der Grenze zwischen Zensur und erotischer Bereicherung

Wo ist dein Platz? Denke daran, dass er auch auf der Fläche sein kann
Jede Autorin, die, wenn auch nur sanft, die Grenzen zu sexuellen Handlungen berührt hat, wird dies bestätigen: Werden die Handlungen mit sinnlicher Genauigkeit beschrieben, gelten sie als frivol. Werden sie hingegen ausreichend verschleiert, so gelten sie als romantisch. Übertreibt die Autorin in Richtung „Sinnliche Genauigkeit“, das heißt, geht sie zu sehr ins Detail, dann gelten sie darüber hinaus als pornografisch. Übertreibt sie hingegen beim „Verschleiern“, so driftet sie schnell in den Erotik-Kitsch ab.

Ganz generell ergibt sich darauf ein Viereck, bestehend aus „detailliert“ oder „verschleiert“ in der Grafik neutraler als „ungenau“ bezeichnet und „sachlich“ oder „sinnlich“.

Details in der Erotik können tückisch sein

Einer der bekanntesten und verrufensten „Pornografen“, der Brite Henry Spencer Ashbee (aka Pisanus Fraxi), dem das erotische Monumentalwerk „Walter“ (1) zugeschrieben wird, war detailvernarrt. In einem Vorwort heißt es, er könne sich zwar nicht mehr an alle Motive seines Handelns erinnern, doch erinnere er sich genau an die Frauen, die er beschlief: „ihr Gesicht, Teint, Figur, Schenkel, Hintern, Muschi …“, Ebenso wie an die Details der Räume, in dem beide ihre Lust vollzogen, zum Beispiel die „Anordnung von Bett und Möbeln.“ (2)

Die Liebe zum Detail lockt den Zensor

Die Liebe zum Detail ruft stets den Zensor auf den Plan, vor allem dann, wenn sie das sinnliche Erleben oder den sinnlichen Kontakt zu Penissen, Vulven, Brüsten oder dergleichen beschreibt und dabei die erotische Fantasie anheizt. Dies ist zum Beispiel auch der Grund, warum die „Gynecocracy“ (Deutsch meist; „Die Herrschaft der Frauen) ständig auf dem Index landete. In ähnlicher Weise werden die erotisch-flagellantischen Szenen in der „Geschichte der O“ so detailliert beschrieben, dass sich jede Leserin sofort in die Lage der „O“ begeben konnte, um ihre Lüste und Schmerzen nachzuempfinden. Auch dies war dem Zensor ein Dorn im Auge, und daran änderte auch der literarische Wert des Romans nichts. Ich kann mir nicht verkneifen, dabei auf die Oberflächlichkeit der „Shades of Grey“ hinzuweisen.

Wie gehst du mit den Details um?

Wie gehen nun die Autoren damit um? Verklärte Erotik finden wir sogar in Märchen, in denen sie eigentlich keinen Platz hat – weil aber viele Märchen in romantisch behauchten Zeiten entstanden sind, haben selbst die Grimms „verklärte“ sinnliche Szenen in ihre Märchen eingebaut.

Verschleiert wird die Erotik auch im „Hohelied des Salomon“ (3):

Deine beiden Brüste sind wie zwei Kitze, Zwillinge einer Gazelle, die unter den Lotosblüten weiden. Bis es Tag wird und die Schatten schwinden, will ich zum Myrrhenberge gehen und zum Weihrauchhügel.


Versachlicht und gänzlich von der Erotik befreit würde es heißen:

Deine Brüste stehen unter deinen Dessous hervor. Ich will noch vor dem Morgen dein Schamhaar berühren und deine Vulva.

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Wir können aus beiden Texten entnehmen: Sinnliche Verklärungen und detaillierte Versachlichungen werden vom Leser (und der Zensur) hingenommen. Doch sobald du sinnliche Details beschreibst, zum Beispiel, wie sich die Schamlippen öffnen und welches Bild sich dem Liebhaber oder der Geliebten dabei zeigt, werdet ihr beargwöhnt, Pornografie zu schreiben. Die vierte Möglichkeit, sachlich zu verschleiern, wird selten genutzt, weil sie nichts nützt. Ältere „Aufklärungsbücher“ sind voll davon, und früher wurde im Kino „abgeblendet“, sobald Heldin und Held „zur Sache kamen“ – das mögen zwei Beispiele für „verklärende Sachlichkeit“ sein.

Einfach schreiben ... wie man atmet, wie man träumt ...

Wie sieht es aus mit deinen Leserinnen? Wenn sie nicht vor Lust und Begierde die Stelle deines Romans aufschlagen, die bereits markiert ist, werden sie langsam und bedächtig in die Lust hineingezogen, bis sie sich der Faszination deiner Worte nicht mehr entziehen können. Was bleibt dir also übrig, als dich detailliert und bewusst sinnlich in ihr Hirn hineinzuarbeiten? Schau noch mal auf die Grafik: Du musst dich nicht in der unteren rechten Ecke einnisten, sondern hast die gesamte rechte Hälfte zur Verfügung, um dich zu positionieren.

Wahrscheinlich wirst du diesen Weg gehen müssen – und dich an die Worte der Autorin der „O“ erinnern (4):

Ich könnte auch Geschichten schreiben, die Ihnen gefallen …“ … und dann schrieb sie, „zum ersten Mal in ihrem Leben, ohne zaudern, rastlos … sie schrieb, wie man atmet, wie man träumt.“

Vielleicht – solltest du das auch einfach tun?

(1) Walter - Mein geheimes Leben. Ein erotisches Tagebuch aus dem Viktorianischen England.
(2) (Zitiert nach Fuld: Eine Geschichte des sinnlichen Schreibens) , Berlin 2014
(3) In mehreren Bibelübersetzungen zu finden, oft auch in prachtvoll gestalteten Büchern.
(4) Wer es tat: Anne Desclos (bekannter als Dominique Aury), die unter dem Pseudonym Pauline Réage im Juni 1954, gut 50 Jährig, den Roman „Geschichte der O“ schrieb. Erst 40 Jahre später, 1994, bekannte sie sich zu diesem großen Werk der Weltliteratur. In verschiedenen Ausgaben im Buchhandel erhältlich. Daraus ist auch das Zitat entnommen.

Erotische Themen? Suchet, und ihr werdet finden …

Jedes Buch über das Schreiben, jede Schreibschule und jeder Blogger, der Metakommunikation über „das Schreiben“ zelebriert, hat Vorschläge zu Themen. Natürlich auch zu erotischen Themen. Elizabeth Benedict (1) ordnet sie in Kategorien und und würzt sie mit Zitaten, andere werfen uns Begriffe hin wie „MILF“ oder „S/M“ , damit wir diese Knochen abnagen können. Und Ines Witka (2) hat gar 50 Vorschläge, wie man sich an Themen heranrobben kann.

Deine Haltung dein Alter, dein Leben, deine Fantasie …

Doch Themenkataloge haben ihre Tücken – was du da schreibst, muss schon deinem Alter, deine eigene Haltung zur Sexualität und deinem Einfühlungsvermögen entsprechen. Und zudem – im Grunde schreibt jeder am liebsten über das, was ihn am meisten fasziniert.

Junge Autorinnen, alte Autorinnen – und die Mitte

Das fortgeschrittene Alter hat einen großen Vorteil: Es bringt Fetzen von Erinnerungen zurück, die sich nahezu beliebig zu erotischen Romanzen oder eindringlichen Sexszenen ausbauen lassen – auch, wenn’s gar nicht so war. Die Jugend hingegen projiziert die gegenwärtige Begierde in die Zukunft und versucht, Beispiele aus dem eigenen Erleben mit dem zu kombinieren, was ein erfahrener, erwachsener Mensch fühlt. Wer „mitten im Leben“ steht, muss sich keinesfalls mit der „schnöden Realität“ begnügen. Wenn du in diesem Alter bist, solltest du ins Reich der sexuellen Abenteuer eindringen, die deine Heldinnen und Helden erleben werden, auch wenn du sie nicht selbst genießen oder erleiden kannst.

Themen nach erotischer Popularität?

Die Themen, die ich vor einigen Jahren für euch ausgesucht habe, orientierten sich an den erotischen Sehnsüchten der Menschen, und ich will dies gerne wieder versuchen. Ich orientiere mich dabei diesmal an einer wissenschaftlichen Untersuchung. Dort sollte festgestellt werden, was Menschen als „normale“ sexuelle Erregung in ihren Fantasien erlebten. Wenn man nun nur die „Abweichungen“ von dem nimmt, was Frau und Herr Mustermann üblicherweise im Bett tun, kommt man auf eine erhebliche Anzahl von Lüsten und Sünden. Und ich darf euch verraten: Sie sind fast alle äußerst spektakulär und kitzeln die erotische Fantasie von Frau und Mann. Eine weitere Quelle für ungewöhnliche, äußert erregende erotische Fantasien mit realem Hintergrund sind Schilderungen von Dominatricen, Escort-Girls und anderen Rotlichtbewohnerinnen.

Erotik aus Nicht-Erotik generieren

Wer die Fähigkeit besitzt, diagonal zu denken, kann Themen auch aus ganz anderen Bereichen schöpfen: aus Redensarten, Liedertexten, Polizeimeldungen einerseits aus aus Lebensbeichten oder gar Blogs andererseits.

Erotik aus Satzfetzen heraus schreiben

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Ich las gerade ein wundervolles Tagebuch eines 90-jährigen Mannes, der sich an seine vergangenen Liebesgeschichten so lebhaft erinnert wie er seine gegenwärtigen Amouren lebensnah beschreibt. (3)

Damals war ein Blickwechsel mit einem Mädchen schon eine Liebesgeschichte“, schreibt er über ein Ereignis im Jahr 1925 – und ich hoffe doch, dass sich wenigstens die Schreiber unter 65 an ein solches Erlebnis erinnern. Und mit 90? In seinem Tagebuch schreibt er aber auch über eine Dame, die er aktuell besuchen wird: „Müsste ich sie nur sehen, so ginge es ja. Aber ich werde mit ihr schlafen müssen.“

Es gibt viele Stellen in diesem Tagebuch-Roman, der nie einer werden sollte, die mich anrühren, und sie werden dich, gleich, welchen Alters du bist, auch faszinieren. Und nun komme ich zu dem Grund, warum ich das Buch überhaupt erwähne: weil alles Momentaufnahmen sind und sich daher leicht weitererzählen lassen.

Themen gibt es wirklich genug –sammle sie zuerst, wenn du magst

Auf diese Weise kannst du Themen über Themen sammeln, und je mehr sie dich faszinieren, umso mehr kannst du sie zu wahnsinnig lustvollen Geschichten ausbauen.

Abschreiben ist feige und doof

An dieser Stelle komme ich unweigerlich zu einem Thema, das nicht so hübsch ist: Das ständige Abschreiben von Fragmenten, die dann ein wenig umgeschrieben werden, um den Ursprung zu verschleiern. Was dann noch fehlt, ist nur noch ein wenig geistiger Alleskleber, um die Szenen etwas verändert aneinanderzureihen. Also: Ich finde es feige und doof, denn gerade in der Erotik ergeben sich ständig neue Facetten – es lohnt sich nicht, das Sauerkraut immer wieder aufzuwärmen.

Themen finden ist also kein Problem - die Umsetzung schon

Nachdem ich dies alles geschrieben habe. Fühle ich mich verpflichtet, noch etwas zu sagen: Ein erotisches Thema zu finden ist eine Sache – und diese Geschichte nun wirklich mit erotischen Inhalten zu füllen, eine andere.

Wahrscheinlich wollt ihr wissen, wie so etwas verwirklicht werden kann. Ich verspreche: Es wird hier stehen. Schon bald.

(1)Elizabeth Bendict: Erotik schreiben", deutsch Berlin 2002.
(2) Ines Witka: "Dirty Writing", Tübingen 2015.
(3) Die erotischen Abenteuer des Monsieur Mathiot, Original 2008, Paris, deutsch 2010 München.