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Wie ordnet die Literaturszene Frauenerotik ein?

lesen, anschauen, abwenden?
Die Literaturbranche wurde ganz offensichtlich von der weiblichen Erotik-Welle überrollt – was einerseits nicht verwundert, wenn man die Prüderie der Branche in Betracht zieht. Andererseits jedoch folgt genau diese Erotikwelle einer Tradition, denn Frauen haben ihre Informationen über die Sexualität auch schon in vergangenen Zeiten überwiegend oder gar ausschließlich aus der erotischen Literatur bezogen. Dies behauptet jedenfalls Werner Fuld in seinem Buch „Die Geschichte des sinnlichen Schreibens“.

Doch weder Literaturkritiker, noch Verleger, noch Buchhändler würden zugeben, dass die erotische Literatur noch (oder wieder?) eine so große Rolle für die Frauen des 21. Jahrhunderts spielt. Schließlich fühlt man sich als Kulturelite und redet auch so. Und Kultureliten sprechen nicht über „Schweinkram“.

Immerhin versuchte Wikipedia (englisch), die Sache anzugehen:

Viele Leserinnen sind inzwischen von Pornografie begeistert, sei es traditionelle Pornografie oder maßgeschneiderte Frauenerotik. Liebesromane werden manchmal als „Erotik“ vermarkte – und umgekehrt. Erotische Liebesromane sind ein relativ neues Genre der Liebesromane mit einem betont erotischen Thema und eindeutigen Sexszenen. Im Kern folgen sie jedoch dem Genre der Liebesromanze.


(Nur im englischen Wikipedia, frei übersetzt)

Die Sache hat durchaus Brisanz, denn wenn wer lebensnahe und begeisternde erotische Literatur will, darf im Grunde nicht erwarten, dass die Liebesschnulzen-Fließbandschreiberinnen die richtigen Autorinnen für diese Aufgabe sind. Möglicherweise muss der Weg zu wirklich sinnlicher, unverkitschter Erotik-Frauenliteratur noch gefunden werden.

Ich gehe noch einen kleinen Schritt darüber hinaus: Wie das Körperliche bis ins Detail in Farbe und Bewegung funktioniert, kann heute jede Frau im Internet sehen. Aber wie es sich anfühlt, wie die Sinne dabei mitgehen oder sich verweigern - das kann sie nicht sehen. Das muss sie lesen und dabei erfühlen. Natürlich könnet man nun sagen: „Bei Männern ist das aber auch so“. Aber die Männer wollen es zumeist nicht vorab wissen, sondern einfach nur erleben.

Hinzu kommt noch, dass sich Frauen viel intensiver vom geschriebenen Wort tragen lassen als Männer. Sie erwarten also auch von der Literatur über erotische Fantasien, dass sie „mitgenommen“ werden.

Was das alles bedeutet?

Vor allem dies: Wir müssen erotische Literatur viel ernster nehmen.

Die Genauigkeit – an der Grenze zwischen Zensur und erotischer Bereicherung

Wo ist dein Platz? Denke daran, dass er auch auf der Fläche sein kann
Jede Autorin, die, wenn auch nur sanft, die Grenzen zu sexuellen Handlungen berührt hat, wird dies bestätigen: Werden die Handlungen mit sinnlicher Genauigkeit beschrieben, gelten sie als frivol. Werden sie hingegen ausreichend verschleiert, so gelten sie als romantisch. Übertreibt die Autorin in Richtung „Sinnliche Genauigkeit“, das heißt, geht sie zu sehr ins Detail, dann gelten sie darüber hinaus als pornografisch. Übertreibt sie hingegen beim „Verschleiern“, so driftet sie schnell in den Erotik-Kitsch ab.

Ganz generell ergibt sich darauf ein Viereck, bestehend aus „detailliert“ oder „verschleiert“ in der Grafik neutraler als „ungenau“ bezeichnet und „sachlich“ oder „sinnlich“.

Details in der Erotik können tückisch sein

Einer der bekanntesten und verrufensten „Pornografen“, der Brite Henry Spencer Ashbee (aka Pisanus Fraxi), dem das erotische Monumentalwerk „Walter“ (1) zugeschrieben wird, war detailvernarrt. In einem Vorwort heißt es, er könne sich zwar nicht mehr an alle Motive seines Handelns erinnern, doch erinnere er sich genau an die Frauen, die er beschlief: „ihr Gesicht, Teint, Figur, Schenkel, Hintern, Muschi …“, Ebenso wie an die Details der Räume, in dem beide ihre Lust vollzogen, zum Beispiel die „Anordnung von Bett und Möbeln.“ (2)

Die Liebe zum Detail lockt den Zensor

Die Liebe zum Detail ruft stets den Zensor auf den Plan, vor allem dann, wenn sie das sinnliche Erleben oder den sinnlichen Kontakt zu Penissen, Vulven, Brüsten oder dergleichen beschreibt und dabei die erotische Fantasie anheizt. Dies ist zum Beispiel auch der Grund, warum die „Gynecocracy“ (Deutsch meist; „Die Herrschaft der Frauen) ständig auf dem Index landete. In ähnlicher Weise werden die erotisch-flagellantischen Szenen in der „Geschichte der O“ so detailliert beschrieben, dass sich jede Leserin sofort in die Lage der „O“ begeben konnte, um ihre Lüste und Schmerzen nachzuempfinden. Auch dies war dem Zensor ein Dorn im Auge, und daran änderte auch der literarische Wert des Romans nichts. Ich kann mir nicht verkneifen, dabei auf die Oberflächlichkeit der „Shades of Grey“ hinzuweisen.

Wie gehst du mit den Details um?

Wie gehen nun die Autoren damit um? Verklärte Erotik finden wir sogar in Märchen, in denen sie eigentlich keinen Platz hat – weil aber viele Märchen in romantisch behauchten Zeiten entstanden sind, haben selbst die Grimms „verklärte“ sinnliche Szenen in ihre Märchen eingebaut.

Verschleiert wird die Erotik auch im „Hohelied des Salomon“ (3):

Deine beiden Brüste sind wie zwei Kitze, Zwillinge einer Gazelle, die unter den Lotosblüten weiden. Bis es Tag wird und die Schatten schwinden, will ich zum Myrrhenberge gehen und zum Weihrauchhügel.


Versachlicht und gänzlich von der Erotik befreit würde es heißen:

Deine Brüste stehen unter deinen Dessous hervor. Ich will noch vor dem Morgen dein Schamhaar berühren und deine Vulva.

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Wir können aus beiden Texten entnehmen: Sinnliche Verklärungen und detaillierte Versachlichungen werden vom Leser (und der Zensur) hingenommen. Doch sobald du sinnliche Details beschreibst, zum Beispiel, wie sich die Schamlippen öffnen und welches Bild sich dem Liebhaber oder der Geliebten dabei zeigt, werdet ihr beargwöhnt, Pornografie zu schreiben. Die vierte Möglichkeit, sachlich zu verschleiern, wird selten genutzt, weil sie nichts nützt. Ältere „Aufklärungsbücher“ sind voll davon, und früher wurde im Kino „abgeblendet“, sobald Heldin und Held „zur Sache kamen“ – das mögen zwei Beispiele für „verklärende Sachlichkeit“ sein.

Einfach schreiben ... wie man atmet, wie man träumt ...

Wie sieht es aus mit deinen Leserinnen? Wenn sie nicht vor Lust und Begierde die Stelle deines Romans aufschlagen, die bereits markiert ist, werden sie langsam und bedächtig in die Lust hineingezogen, bis sie sich der Faszination deiner Worte nicht mehr entziehen können. Was bleibt dir also übrig, als dich detailliert und bewusst sinnlich in ihr Hirn hineinzuarbeiten? Schau noch mal auf die Grafik: Du musst dich nicht in der unteren rechten Ecke einnisten, sondern hast die gesamte rechte Hälfte zur Verfügung, um dich zu positionieren.

Wahrscheinlich wirst du diesen Weg gehen müssen – und dich an die Worte der Autorin der „O“ erinnern (4):

Ich könnte auch Geschichten schreiben, die Ihnen gefallen …“ … und dann schrieb sie, „zum ersten Mal in ihrem Leben, ohne zaudern, rastlos … sie schrieb, wie man atmet, wie man träumt.“

Vielleicht – solltest du das auch einfach tun?

(1) Walter - Mein geheimes Leben. Ein erotisches Tagebuch aus dem Viktorianischen England.
(2) (Zitiert nach Fuld: Eine Geschichte des sinnlichen Schreibens) , Berlin 2014
(3) In mehreren Bibelübersetzungen zu finden, oft auch in prachtvoll gestalteten Büchern.
(4) Wer es tat: Anne Desclos (bekannter als Dominique Aury), die unter dem Pseudonym Pauline Réage im Juni 1954, gut 50 Jährig, den Roman „Geschichte der O“ schrieb. Erst 40 Jahre später, 1994, bekannte sie sich zu diesem großen Werk der Weltliteratur. In verschiedenen Ausgaben im Buchhandel erhältlich. Daraus ist auch das Zitat entnommen.

Erotische Themen? Suchet, und ihr werdet finden …

Jedes Buch über das Schreiben, jede Schreibschule und jeder Blogger, der Metakommunikation über „das Schreiben“ zelebriert, hat Vorschläge zu Themen. Natürlich auch zu erotischen Themen. Elizabeth Benedict (1) ordnet sie in Kategorien und und würzt sie mit Zitaten, andere werfen uns Begriffe hin wie „MILF“ oder „S/M“ , damit wir diese Knochen abnagen können. Und Ines Witka (2) hat gar 50 Vorschläge, wie man sich an Themen heranrobben kann.

Deine Haltung dein Alter, dein Leben, deine Fantasie …

Doch Themenkataloge haben ihre Tücken – was du da schreibst, muss schon deinem Alter, deine eigene Haltung zur Sexualität und deinem Einfühlungsvermögen entsprechen. Und zudem – im Grunde schreibt jeder am liebsten über das, was ihn am meisten fasziniert.

Junge Autorinnen, alte Autorinnen – und die Mitte

Das fortgeschrittene Alter hat einen großen Vorteil: Es bringt Fetzen von Erinnerungen zurück, die sich nahezu beliebig zu erotischen Romanzen oder eindringlichen Sexszenen ausbauen lassen – auch, wenn’s gar nicht so war. Die Jugend hingegen projiziert die gegenwärtige Begierde in die Zukunft und versucht, Beispiele aus dem eigenen Erleben mit dem zu kombinieren, was ein erfahrener, erwachsener Mensch fühlt. Wer „mitten im Leben“ steht, muss sich keinesfalls mit der „schnöden Realität“ begnügen. Wenn du in diesem Alter bist, solltest du ins Reich der sexuellen Abenteuer eindringen, die deine Heldinnen und Helden erleben werden, auch wenn du sie nicht selbst genießen oder erleiden kannst.

Themen nach erotischer Popularität?

Die Themen, die ich vor einigen Jahren für euch ausgesucht habe, orientierten sich an den erotischen Sehnsüchten der Menschen, und ich will dies gerne wieder versuchen. Ich orientiere mich dabei diesmal an einer wissenschaftlichen Untersuchung. Dort sollte festgestellt werden, was Menschen als „normale“ sexuelle Erregung in ihren Fantasien erlebten. Wenn man nun nur die „Abweichungen“ von dem nimmt, was Frau und Herr Mustermann üblicherweise im Bett tun, kommt man auf eine erhebliche Anzahl von Lüsten und Sünden. Und ich darf euch verraten: Sie sind fast alle äußerst spektakulär und kitzeln die erotische Fantasie von Frau und Mann. Eine weitere Quelle für ungewöhnliche, äußert erregende erotische Fantasien mit realem Hintergrund sind Schilderungen von Dominatricen, Escort-Girls und anderen Rotlichtbewohnerinnen.

Erotik aus Nicht-Erotik generieren

Wer die Fähigkeit besitzt, diagonal zu denken, kann Themen auch aus ganz anderen Bereichen schöpfen: aus Redensarten, Liedertexten, Polizeimeldungen einerseits aus aus Lebensbeichten oder gar Blogs andererseits.

Erotik aus Satzfetzen heraus schreiben

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Ich las gerade ein wundervolles Tagebuch eines 90-jährigen Mannes, der sich an seine vergangenen Liebesgeschichten so lebhaft erinnert wie er seine gegenwärtigen Amouren lebensnah beschreibt. (3)

Damals war ein Blickwechsel mit einem Mädchen schon eine Liebesgeschichte“, schreibt er über ein Ereignis im Jahr 1925 – und ich hoffe doch, dass sich wenigstens die Schreiber unter 65 an ein solches Erlebnis erinnern. Und mit 90? In seinem Tagebuch schreibt er aber auch über eine Dame, die er aktuell besuchen wird: „Müsste ich sie nur sehen, so ginge es ja. Aber ich werde mit ihr schlafen müssen.“

Es gibt viele Stellen in diesem Tagebuch-Roman, der nie einer werden sollte, die mich anrühren, und sie werden dich, gleich, welchen Alters du bist, auch faszinieren. Und nun komme ich zu dem Grund, warum ich das Buch überhaupt erwähne: weil alles Momentaufnahmen sind und sich daher leicht weitererzählen lassen.

Themen gibt es wirklich genug –sammle sie zuerst, wenn du magst

Auf diese Weise kannst du Themen über Themen sammeln, und je mehr sie dich faszinieren, umso mehr kannst du sie zu wahnsinnig lustvollen Geschichten ausbauen.

Abschreiben ist feige und doof

An dieser Stelle komme ich unweigerlich zu einem Thema, das nicht so hübsch ist: Das ständige Abschreiben von Fragmenten, die dann ein wenig umgeschrieben werden, um den Ursprung zu verschleiern. Was dann noch fehlt, ist nur noch ein wenig geistiger Alleskleber, um die Szenen etwas verändert aneinanderzureihen. Also: Ich finde es feige und doof, denn gerade in der Erotik ergeben sich ständig neue Facetten – es lohnt sich nicht, das Sauerkraut immer wieder aufzuwärmen.

Themen finden ist also kein Problem - die Umsetzung schon

Nachdem ich dies alles geschrieben habe. Fühle ich mich verpflichtet, noch etwas zu sagen: Ein erotisches Thema zu finden ist eine Sache – und diese Geschichte nun wirklich mit erotischen Inhalten zu füllen, eine andere.

Wahrscheinlich wollt ihr wissen, wie so etwas verwirklicht werden kann. Ich verspreche: Es wird hier stehen. Schon bald.

(1)Elizabeth Bendict: Erotik schreiben", deutsch Berlin 2002.
(2) Ines Witka: "Dirty Writing", Tübingen 2015.
(3) Die erotischen Abenteuer des Monsieur Mathiot, Original 2008, Paris, deutsch 2010 München.

Hinmtergrund: Körperliche Züchtigung - wie war das eigentlich?

Historische öffentlich Züchtigung der schönen Mme. Lapuchin
Körperliche Züchtigung: wie war das eigentlich? Dieser Beitrag soll Sie, die Sie möglicherweise unter 50 Jahre alt sind und keine Zeiten mehr gekannt haben, in denen körperlich gezüchtigt wurde, mit den Realitäten bekannt machen, bevor Sie darüber schreiben.

Psychologie und Realität der frühen Jahre

In den Zeiten, als noch die Mehrzahl der Knaben und eine beachtliche Anzahl von Mädchen geschlagen wurden, sehen viele Psychologen eben jene Körperstrafen, Abwerungen oder Demütigungen als Ursache für spätere psychische Schäden an. Und neben jenen, die angesichts der Schläge zu Spießern und Frömmlern geworden sind, stehen jene, die an ihnen verzweifelt sind – sie sind eigentlich gemeint, wenn freudsche Analytiker sich an dieses Thema heranmachen. Nur eine kleine Gruppe, so flüsterte man sich damals wie heute zu, hätten sinnliche Lüste bei Schlägen empfunden. Eine populäre Annahme geht davon aus, dass dies nur jene jungen Frauen und Männer betrifft, die recht spät (noch mit über 14) und vom anderen Geschlecht geschlagen wurden: Gouvernanten, Tanten und Stiefmüttern, aber auch Mütter und Großmüttern.

Schläge heute - alles absurdes Theater?

Uns Heutigen erscheint nahezu alles, was darüber zu lesen ist, reichlich absurd. Und doch ahnen wir, dass jener Rest, der die körperliche Züchtigung noch als fast Erwachsener erlebte, sich noch an die Strafen erinnert. Und von ihnen wird sich ein Teil die wundersamen „gemischten Gefühle“ zwischen abgrundtiefem Hass und sinnlichem Schmerz erinnern. Allerdings wurden damals nicht nur „Halbwüchsige“ geschlagen, sondern vor allem Bedienstete, solange dies noch rechtlich zulässig war.

Manche Schilderungen, besonders jene aus frühen englischen Quellen, haben durchaus auch jüngere Menschen begeistert, die sehr bewusst erproben wollten, wie es sich anfühlt, von einem liebenden oder jedenfalls liebevoll agierenden Menschen gezüchtigt zu werden.

Was war der Anlass?

Der Anlass war in früheren Zeiten in erster Linie eine „Ungehörigkeit“, also ein Verhalten, das von Eltern oder Erziehern nicht gebilligt wurde. Knaben jeden Alters wurden für alles gezüchtigt, was den Eltern nicht „in den Kram“ passte. Frauen im sogenannten „Backfischalter“, die erotische Fantasien hatten oder bereits „kurz vor dem moralischen Abgleiten“ waren, wurden unter Schamverletzungen gezüchtigt – dies galt als ganz normal und war teils Bestandteil der Züchtigungsprozedur. Erwachsene wurden in bürgerlichen Haushalten nur selten gezüchtigt – es sei denn, es handelte sich um Dienstmägde.

Welche Instrumente kamen zum Einsatz?

In Haushalten und Institutionen, in denen die Züchtigung ein Teil des alltäglichen Lebens war, wurden zunächst Ruten, dann die robusteren und leichter zu beschaffenden Rohrstöcke eingesetzt. Allerdings setzten nicht alle Eltern und Erzieher auf ein „spezielles Instrument“. Man weiß, dass der Teppichklopfer („Ausklopfer“) noch lange im Einsatz auf den Hintern von Knaben, Mädchen und Dienstpersonal war, weil dieser immer und überall zur Verfügung stand. Auch polierte Kleiderbügel, hölzerne Kochlöffel, Pantoffel und die Rückseite der breiten Haarbürste waren beliebt, was schon zeigt, dass diese Züchtigungen überwiegend von Frauen vorgenommen wurden. Peitschen besaßen überwiegend Adlige, und sie trafen nahezu ausschließlich das Personal, während der Hosengürtel vom bürgerlichen Hausherrn appliziert wurde – er war sozusagen der brutale Ersatz für den Rohrstock.

Wie wurde gezüchtigt?

Der Po musste präsentiert werden
Wie gezüchtigt wurde, war sehr von der Zeit, der Lebensumgebung und der Stellung der Person, aber auch von Alter und Geschlecht abhängig.
Im Hause war es üblich, jemanden „übers Knie zu legen“, und dabei wurden zumeist Handschläge verabreicht. Diese Form der Züchtigung erlaubte die größtmögliche Intimität, weil dabei ein besonders intensiver Körperkontakt bestand – allerdings waren die Schläge für den Schlagenden oft schmerzhafter als für den Geschlagenen. Aus diesem Grund wurden dabei auch allerlei kurze, leicht zu handhabende Schlegel eingesetzt. Ansonsten ging es stets um die „Präsentation“ dessen, was als „Erziehungsfläche“ galt: um den Po. Er musste meist irgendwie „herausgestreckt“ werden, in England beispielsweise dadurch, dass die jungen Frauen beim „Überbeugen“ mit den Händen ihre Fußspitzen berühren mussten. Wer einen passenden Bock oder eine hohe Sofalehne sein Eigen nannte, konnte die zu züchtigende Person veranlassen, sich über den Bock oder die Lehne zu legen. Dies erlaubt sehr lange, intensive Züchtigungen.

Wie war es mit der Nacktheit beim Züchtigen?

Traditionell auch auf den nackten Rücken
Das Thema interessiert offenbar am meisten, weil viele Menschen „Erotik“ und „Nacktheit“ gleichsetzen. Im Allgemeinen mussten sich die zu strafenden Personen so weit entkleiden, dass die Fläche, auf die geschlagen wurde, von Textilien frei war. Mancherorts war dies der Rücken, doch sehr viel häufiger wurde auf das nackte Gesäß geschlagen. Als man begann, über Schamgrenzen nachzudenken, etwa im viktorianischen Zeitalter, durfte das Gesäß aus Gründen der Schamhaftigkeit nicht mehr entblößt werden – inwieweit sich Privatpersonen daran hielten, ist zweifelhaft. Seither wurden Frauen und Mädchen bei hochgeschlagenem Rock und Männer und Knaben mit heruntergelassenen Hosen gezüchtigt. Der Po wurde dann noch durch das Hemd oder später die Unterhose verdeckt.

Aus der Zeit, in der die Unterhosen („Schlüpfer) populär wurden, stammt auch der Ausdruck „die Hosen strammziehen“. Der Grund war einfach: eine faltige Unterhose milderte die Schläge, erst auf einer einer „stramm gezogenen“ Hose entfaltet sich die ganze Wucht der Schläge.

Welche Rituale gab es?

Eckenstehen (Cornertime)
Rituale bei Züchtigung dienten überwiegend der Beschämung. Die Anwesenheit von anderen Personen (Schüler, Zöglinge, Gesinde, Verwandte) war eines dieser Mittel. Weitere Rituale bestanden in einer vorausgehenden Belehrung und der Verkündigung des Strafmaßes. Das rituelle Entkleiden (gelegentlich bis zur völligen Nacktheit) kam deutlich seltener vor, ist aber ein beliebtes Thema in der erotischen Literatur. Darauf folgten die „Unterwerfung“, also die Annahme der Strafe und das Aufsuchen der Strafposition. Gelegentlich wurde auch gefordert, dass der zu Strafende das „betreffende Instrument“ selber holte. War die Anzahl und Art der Schläge nicht bekannt, so wurde meist so lange geschlagen, bis „Tränen der Reue“ hervortaten. Überhaupt galt das Weinen ohne Hass und ohne Protest aus der Sicht der „Erzieher“ als Erfolg der Züchtigung.

War die Strafe vollzogen, wurde häufig noch eine weitere Erniedrigung angehängt: Man versagte der Person, sich anzuziehen, sondern befahl ihr, noch „in der Ecke zu stehen“ oder in einer Ecke zu knien.

Warum sind Strafen manchmal erotisch?

Diese Frage, warum Strafen erotisch sein können, wird immer wieder gestellt. Man kann Antworten darauf finden – aber diese Antworten sollten sie sic von Ihren Figuren geben lassen, während sie schreiben. Versetzen Sie sich in die Lage jeder der Beteiligten: Strafende, Bestrafte und Zuschauer. Was sehen Sie? Malen Sie sich alle Empfindungen aus, die im Umfeld entstehen könnten, und versuchen Sie, einen Teil davon in Ihren texten lebendig werden zu lassen.

Hinweis: Alle Zeichnungen Zeichnung entstammen historischen Quellen.

Thema: Das erotische Dienstmädchen

Das Dienstmädchen ist – aus heutiger Sicht – ein Relikt der bürgerlichen Blütezeit. Damals gingen viele unverheiratete junge Frauen vom Lande in die Stadt, um dort „in Stellung“ zu gehen. Wer ernsthaft über die Dienstmägde jener Zeit schreiben will, tut gut daran, einige historische Quellen nachzulesen. Doch worin lag die Erotik, die den Dienstmädchen zugesprochen wurde? Das lässt sich in zehn Punkten zusammenfassen:

Zehn Punkte, warum Dienstmädchen erotisch interessant waren

1. Nahezu alle Mädchen kamen vom Lande, waren naiv und nicht vertraut mit den städtischen Gegebenheiten.
2. So gut, wie alle Dienstmädchen waren im medizinischen und psychischen Sinne Jungfrauen.
3. Dienstmädchen trugen Uniformen – diese haben insbesondere bei britischen Gentlemen eine unglaubliche erotische Wirkung.
4. In die Dienstverträge konnte theoretisch jede Pflicht hineingeschrieben werden – aber Rechte hatten die Dienstmägde so gut wie gar keine.
5. Die Drohung mit Entlassung oder schlechten Zeugnissen machte viele der Frauen zu willfährigen, von Angst getriebenen Objekten für sexuelle Handlungen des Dienstherrn oder anderer männlicher Personen im „großen Haus“.
6. Die Züchtigung gehörte zum „guten Recht“ der Herrschaft, konnte aber auch von höher gestellten Bediensteten ausgeführt werden. Einen konkreten Anlass benötigte man nicht, und auch das Strafmaß blieb der Herrschaft überlassen.
7. Es ist nicht verbürgt, aber sehr wahrscheinlich, dass die Dienstmägde auch genötigt wurden, gelegentlich Gästen „zu Diensten“ zu sein.
8. Nicht nur der Hausherr, auch die Dame des Hauses nutzten gelegentlich die Dienstmägde zu erotischen Dienstleistungen.
9. Die Gefahr, bei Entlassungen in die Prostitution abzugleiten, war außerordentlich groß. Sie hinderte die Dienstmägde auch daran, einfach „wegzulaufen“.
10. Niemand von ihnen hatte das Geld, um „schmutzige Bücher“ zu erwerben - in der Bibliothek der Herrschaft und in Leihbibliotheken waren – in der Bibliothek der Herrschaft und in Leihbibliotheken waren sie jedoch zu finden.

Die erotische Dienstmagd – Lustbringerin und "Prügelfleisch"

In der erotischen Literatur der Vergangenheit sind Dienstmägde so gut wie immer verführbare, meist zunächst störrische, später aber durchaus willfährige Objekte männlicher und weiblicher Lüste. Besonders ausgeprägt kommt dies in dem „klassischen“ erotischen Episodenroman „Die Wonnen der Rute“ zur Geltung, in der eine Gruppe von vornehmen Damen ihre Dienstmägde in schamverletzender Weise vorführt, um ihnen dann gehörig die Rute zu geben. Wenn ich hier „schamverletzend“ schreibe, so solltest du die Epoche beachten, in der Damen öffentlich noch Handschuhe trugen, um die Hände nicht nackt erscheinen zu lassen.

Vorschlag: Historisierend schreiben, ein wenig über die Epoche wissen

Es ist nicht nötig, jedes Detail der Bürgerlichen (hier hauptsächlich der englischen, viktorianischen) Epoche zu kennen. Stell dir einfach vor, da wäre eine brodelnde, schlecht organisierte Großstadt mit einer typischen „Klassengesellschaft“. Jeder macht hinten verschlossenen Türen seine eigenen Verträge und handelt nach Gutdünken. Das Dienstpersonal ist in jeder Hinsicht abhängig von der Herrschaft. Die vor dem gesamten Gesinde vollzogene „offizielle“ Züchtigung ist ebenso populär und legal wie die „private“ Züchtigung auf den nackten Leib. „Ausgang“ ist im brodelnden Moloch der Stadt höchst gefährlich – Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung. Also bleibt man unter sich – trifft sich bestenfalls mit Dienstmägden der unmittelbaren Umgebung. Falls du darüber schreibst, baust du am besten eine naive Heldin auf, die nach und nach durch Schläue einerseits und Nachgiebigkeit andererseits das Vertrauen der Herrschaft gewinnt – und die dadurch gewonnen Macht auch ausspielen kann. Besonders interessant sind dabei Dreiecksverhältnisse: Sowohl die Hausherrin wie auch der Hausherr verlangen und erhalten erotische Dienste. Solange keine unvorhergesehenen Ereignisse „dazwischenkommen“ wächst die Macht der Dienstmagd mit jedem Tag.

Übrigens sind auch Dienerinnen oder Zofen der Damen ein ähnlich interessantes Thema.

Moderne Dienstmädchen und andere Bedienstete

In der heutigen Zeit und der heutigen Welt ist eine entsprechende Konstellation nicht nur schwer vorstellbar, sondern sie ist auch ein krimineller Akt. Dennoch sind die erotischen Komponenten (Uniform, Abhängigkeit, Schamverletzung und sinnliche Schläge) nicht einfach fortgelaufen – sie halten sich nur in den Büschen der Fantasie versteckt. So sind Zofen, Küchenhilfen, Dienerinnen und Sklavinnen immer noch Gegenstand männlicher Fantasien. Parallel dazu haben sich weibliche Fantasien ähnlicher Art entwickelt, sowohl aktiv wie auch passiv. In der Regel – und hier liegt nun die Chance moderner Autorinnen – werden diese in Rollenspielen verwirklicht, die recht umfassend sein können. Sobald weibliche Erotik betroffen ist, wird das „Zofenthema“ immer populärer: Die erfolgreichere und mächtigere Frau hält sich ein armes, aber williges „Kätzchen“, mit dem sie nach Gutsherrinnenart verfährt.

Wer erzählt?

Das Thema ist literarisch anspruchsvoll, weil du die Gegebenheiten der Zeit oder der verwendeten Rollenspiele gut kennen solltest. In der Regel erzählt das Dienstmädchen selbst, es gibt aber durchaus auch Varianten, in denen eine dritte Person das Geschehen beobachtet.

Relevanz

Obgleich die Relevanz des Themas nicht unmittelbar messbar ist, liegt sie doch im Bereich zwischen „gut“ und „befriedigend“. Als Vergleich dienten dabei Aussagen wie „ich träume davon, dominiert/geschlagen zu werden.“

Deine Schreiberfahrung

Du solltest dieses Thema nur dann aufgreifen, wenn du sensibel genug bist, die vielen Nuancen der Beziehung zwischen „Herrschaft und Dienerschaft“ und ihre erotischen Komponenten zu erkennen und zu beschreiben. Die erotische Fantasie spielt dabei eine erhebliche größere Rolle als die oft schnöde Realität.