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Wie entsteht eigentlich Erotik?

Die Umgebung, das Fühlen und das Schreiben ...
Nehmen wir mal an, du bist eine Software-Instruktorin, und du trägst Bluse, Blazer und einen passenden halblangen Rock, wenn du unterrichtest. Natürlich bist du selbstbewusst, freundlich, zuvorkommend und ansprechbar.

Nun stell dir vor, du begegnest am Abend deinem Lover – völlig nackt, aber ansonsten so, wie du auch am Morgen deine Schüler(innen) unterrichtet hast – selbstbewusst, freundlich, zuvorkommend und ansprechbar.

Was ist der Unterschied? Du bist die gleiche Person. Weder ist der Blitz in deinen Körper gefahren noch hat der Teufel von deinem Hirn Besitz ergriffen.

Sehen wir die Sache mal umgekehrt: Stell dir vor, du würdest demnächst nackt vor deinen Schülerinnen und Schülern stehen. An was würdest du zuerst denken?

Der Unterschied liegt darin, was du empfindest

Wahrscheinlich, dass es befremdlich, despektierlich, absurd oder erschreckend wäre. Wenn du dem Gedanken noch ein wenig nachhängst, zum Beispiel, weil du so etwas tatsächlich nachts geträumt hast, dann wirst du die Gefühle nachempfinden. Die Blicke, die auf die ruhten, der Windzug, der im Schulungsraum stets vorhanden ist, der nun aber deine Brüste trifft. Die Panik, die Scham … und du weißt nun, dass es deine Gefühle und Befürchtungen wären, die den Unterschied verursachen würden.

Genauso so ist es in erotischen, frivolen oder gar harten sexuellen Geschichten, die viele als „Pornografie“ bezeichnen. Die Person bleibt, was sie ist, aber die Umstände, unter denen wir sie beschreiben, ändern sich. Nicht nur die Orte, die Umstände und die Bekleidung ändert sich, vor allem ändern sich die Empfindungen der Person, die nun die Handlung durchlebt.

Der Mann und die Furcht vor dem Unbekannten

Ich habe ein anderes Beispiel aus der Männerwelt, das dir noch drastischer zeigen mag, wie aus Situationen Gefühle entstehen – und wie sie sich deutlich unterscheiden, obgleich rein sachlich gesehen etwas Ähnliches passiert. Vergleichen wir also eine Realität mit einer häufig geschilderten erotischen Fantasie, die ebenfalls zur Realität werden könnte.

Sachlichkeit, Furcht und Einsicht

Unsere Figur geht zu einem Urologen, um die Prostata-Routineuntersuchung mit einer IGEL-Zusatzleistung durchführen zu lassen. Ein weißer, kühl anzusehender Raum, ein Mann im weißen Kittel, den du bei der Prozedur kaum siehst. Wenige, kurze Dialoge, kühl und mit der nötigen Distanz. Da ist die Furcht vor der Prozedur und die Einsicht, sich ihr dennoch zu unterwerfen. Unerlässlich sind Gleitgel, ein behandschuhter Finger, eine Ultraschallsonde und die Bereitschaft, beides in den Anus aufzunehmen. Das kann Überwindung kosten, und manchmal entsteht ein höchst merkwürdiges Gefühl dabei, das den meisten Männern unangenehm ist. Die sind froh, wenn die Sache endlich beendet ist.

Das ist die ganz und gar unerotische Variante.

Furcht, Neugierde und Lust

Nun nehmen wir mal die hocherotische Variante:

Der Raum kann alles sein: ein speziell eingerichteter Pseudo-Klinkbereich ebenso wie dein Schlafzimmer. Wichtig ist, dass eine aufgeladene erotische Einstimmung vorausgeht – eine angespannte, von Lust und Furcht geprägte Atmosphäre. Nun tritt eine Frau auf – je nach Rolle aus dem medizinischen Beruf oder einfach eine Frau, die deiner Figur nun zeigen will, was aus der Kombination „schöne Frau, Anus und Eindringen“ erwachsen kann. Dann geht es weiter wie schon geschildert: Gleitgel, ein behandschuhter Finger, eine „Sonde“ aus dem Erotik-Shop und die Bereitschaft, beides in den Anus aufzunehmen. Und wie zuvor kann es Überwindung kosten – doch nun geht es um die Gefühle – nicht für einen winzigen Moment, sondern für viele Minuten. Und weil es eine erotische Geschichte werden soll, geht es noch um vieles mehr … Lüste, sexuelle Regungen anderer Art, Befürchtungen, Dialoge, Scham und vielleicht gar Zweifel an der Identität.

Erotische Geschichten analysiert – Gefühle und Dialoge punkten

Wenn du Geschichten dieser Art analysierst, wirst du feststellen: Der Unterschied liegt in erster Linie in den Empfindungen der Figuren, dann erst in ihren Handlungen. Deine „passiv empfindende“ Figur kann ohnehin nichts an den Prozeduren ändern – das Einzige, was der Mann schildern kann, sind seine Empfindungen, vielleicht noch die Dialoge, die im zweiten Fall deutlich drastischer und teils extrem frivol ausfallen können.

Wenn wir uns darüber klar sind, dass Gefühle und Dialoge die erotische Geschichte beherrschen sollten, damit sie „erotisch“ gelesen werden können, ist viel gewonnen. In dem meisten anderen Fällen laufen die Geschichten wir ein „Pornofilm“ vor uns ab. Du das ist wirklich schade, wenn ich an den Aufwand denke, der beim Schreiben betrieben wird.

Bild: Ca. 1950/1960 anonym veröffentlicht

Lasst uns von vielen Dingen reden …

Ob sie bald abheben?
Die Welt der Erotik ist erschreckend einseitig, selbst dann, wenn sie gar nicht einseitig ist. Doch sobald du (wie ich es oft tue) erotische Geschichten analysierst, und sie nicht einfach auf eine Geilheitsskala von eins bis zehn setzt, wirst du dich an deine Grundschulzeit erinnern.

Du hast Sätze aneinandergereiht, hast häufig den Satzbeginn „und dann“ oder eine Variante dessen benutzt, und am Ende las sich alles wie eine Aufzählung von Ereignissen, die recht belanglos klangen.

Und dann ... wurde alles ein bisschen frivoler ... und dann ...

Du kannst im gleichen Stil erotische Geschichten schreiben. Was er getan hat, wie er es getan hat, wann sein Sperma floss und wohin … und dann schreibst du, was in der nächsten Nacht geschah, oder wann er von der vorderen Lustöffnung auf die hintere wechselte. Und jedes Mal wird die Sache ein bisschen frivoler. Und dann ... ja, das war es dann. Falls deine Geschichte zu mehr als zwei Dritteln von Sex und von kaum etwas anderem handelt, bist du gezwungen, die Geilheit, den Schmerz oder die Heftigkeit der Orgasmen von Seite zu Seite zu steigern.

Wir müssen von vielen Dingen sprechen ...

Vor einigen Tagen las ich einen Internetbeitrag, es sei nun Zeit, von etwas anderem zu sprechen, und zitierte dabei Lewis Carroll, von dem ich diese Zeilen gerne wiederholen will:

"The time has come," the Walrus said,
"To talk of many things:
Of shoes--and ships--and sealing-wax--
Of cabbages--and kings--
And why the sea is boiling hot--
And whether pigs have wings".


Sollten wir die Schweine beflügeln?

Ja, warum sollten Schweine Flügel haben? Weil sie keine haben, und es wäre deshalb auch höchst unwahrscheinlich, dass Schweine fliegen könnten. Und ich sage dazu mal: Solange du die Schweine nicht beflügelst, bleiben auf dem Boden, lesen aneinandergereihte Sätze und suhlen sich darin.

Die Geschichte vom Walross und dem Zimmermann endet im Übrigen so, dass die Ressourcen (Austern) restlos weggefressen wurden und ein paar Krokodilstränen darüber fielen.

Geht es uns nicht auch so, wenn wir im Internet die zahllosen „erotischen Geschichten“ lesen, die alle Ressourcen ausbeuten, ohne jemals etwas Neues zu produzieren? Abhaken, ein paar Tränen darüber verlieren und zur Tagesordnung übergehen? Ich meine: Nein.

Wenn wir heute über „Erotische Schriften“ oder „erotisches Schreiben“ reden, dann sind wir genau an dem Punkt: „Wir müssen über viele Dinge reden.“

Weg von den Klischees über Frauen und Männer

Zum Beispiel darüber, wie wir unsere Figuren als Frauen und Männer darstellen wollen: Frei und gleich, selbstverantwortlich und mit nahezu beliebigen Eigenschaften, Wünschen und Sehnsüchten ausgestattet, die nicht auf das Geschlecht bezogen sind? Und mit einigen wenigen Eigenschaften, die eben doch geschlechtsspezifisch sind? Und mit vielen Attributen, die einfach als „erotisch“ gewertet werden können, ohne zu fragen: An wen richtet sich denn die Botschaft? Und: Werden wir wagen, Frauen und Männer in unseren Schriften auch dann gleichzubehandeln, wenn wir sie „gleich rücksichtslos“ darstellen wollen?

Ich erfinde derzeit kein Flugschwein

Gut – vielleicht frage ich zu viel. Vielleicht sollte ich zur imaginären Feder greifen und meine Tastatur traktieren. Und vielleicht würde ich dann doch ein paar Schweine erfinden, die vom Boden abheben und sich in die lustvolleren Gefilde der erotischen Fantasien erheben würden.

Vorläufig allerdings hoffe ich darauf, dass es andere tun. Übrigens wären Austern kein schlechter Anfang … schon mancher ist vom herb-salzigen Geschmack der Schalentiere auf den Wunsch nach oralen Lüsten gekommen.

Vielleicht … ja vielleicht wärst du ja diejenige oder derjenige, die/der sich mit der geflügelten Sau so gut auskennt wie mit dem geflügelten Eber. Dann beginne möglichst bald, alles auszuschreiben, was dir dazu einfällt. Und möglichst noch zu etwas anderem.

Und schönen Dank, dass ihr bis hierher gelesen habt.

(1) Laut „The Red Kings Dream“ sollten damit übrigens der Kunsthistoriker John Ruskin und der Essayist Walter Pater karikiert werden.
Foto: © 2018 by Liebesverlag.de

Advent: Schreiben über die Lust am Kerzenwachs

Wachsspuren auf der Haut ...
Ich weiß ja nicht, wie es dir ergeht, aber fast jedes Mädchen und jeder Junge erinnert sich an harmlose Mutproben im Advent. Kerze anzünden, einen Moment warten, bis sich das Wachs verflüssigt hat und dann dir selbst oder deinem Cousin einen der heißen Tropfen tropfen davon auf den Handrücken fallen lassen. Das Gefühl, das der Tropfen auf der weichen haut, hinterlässt, vergisst du nie: Halb schmerzhaft, halb erregend, und vor allem so schrecklich verboten … selbst der Onkel Doktor hob warnend den Finger, als er davon hörte.

Später verstehst du unter „sinnlicher Lust“ wahrscheinlich erstmal etwas ganz anderes: Du willst die wilden Schauer spüren, die Orgasmen, die dich so hübsch quälen, bis sie, auf die Spitze getrieben, dann in Entspannung ausfließen.

Eines Tages im Bad ... kommt die Erinnerung

Und eines Tages, wenn du allein bist, wirst du dich vielleicht an die alten Zeiten zurückerinnern, ein hübsches Schaubad einlassen und eine Kerze anzünden … du hast ja Zeit. Das Wachs kann verlaufen, und schließlich ergreifst du die Kerze und und tropfst dir ein wenig Wachs auf die Brust. Nun ein paar Tropfen. Da ist es wieder, das alte Gefühl, und auch noch ein Neues: je näher du deinen Brustwarzen kommst, umso mehr kribbelt die Lust in deinem Körper hoch … na ja, und vielleicht lässt du ihr dann freien Lauf.

Das Spiel mit dem Wachs

Das nächste Mal fragst du ganz unschuldig deinen Lover, ob ihr nicht einmal ein bisschen mit Wachs spielen könntet … und dann kann es wirklich etwas sinnlicher werden – und heftiger. Eine Augenbinde? Ein paar Handschellen? Vielleicht ein paar Eiswürfel zwischendurch?

Und nun ... mach deine Geschichte daraus ...

So – und nun packst du all dies in eine wunderschöne erotische Geschichte mit Düften, flackerndem Kerzenlicht, dem brennenden verlangen und dem süßen Ausgeliefertsein. Deine Figur, de es sinnlich erlebt, kann Frau oder mann sein – spielt keine Rolle. Und du kannst beschreiben, wie das Wachs auf diese oder jene Stelle tropft … und natürlich auch auf ein paar äußerst delikate Stellen.

Solche Szenen lassen sich leicht schreiben, wenn du schon einmal irgendwo und irgendwie einen Wachstropfen gespürt hast. Dann kannst du deine Figur das heiße Wachs spüren lassen – nur etwas intensiver, brennender und nachhaltiger. Die Fantasie ist immer etwas heftiger als die Realität, und „Verbrennungen“ mag es im wirklichen Leben schon mal geben, aber im Erleben deiner Figuren gibt es es nur den lustvollen Schmerz, und den in vielen Variationen.

Realität und Fantasie haben eines gemeinsam: Am sinnlichsten wird die Prozedur, wenn du dir (und also auch deiner Figur) Zeit lässt. Also wenn die Tropfen gezielt von den weniger empfindlichen Körperteilen auf die empfindlicheren fallen, und dazwischen immer eine Pause liegt, um den Genuss in vollem Bewusstsein von (viel) Lust und (ein wenig) Schmerz zu erleben.

Im Buch wirkt alles intensiver als im Video

So etwas zu schreiben macht viel Freude – und diese Freude erleben auch deine Leserinnen. Denn anders als in entsprechenden Filmchen fällt jeder Tropfen über die Haut direkt in das Hirn deiner Leserin. Und wenn sie es einmal selber erlebt hat, und sei es nur auf dem Unterarm, dann spürt sie den Tropfen genau dort auf der Haut, wo du ihn hinfallen lässt. Na schön, ganz sicher bin ich darüber nicht … aber so wurde es mir jedenfalls beschrieben.

Was machst du daraus? Im Advent wirken solche Themen natürlich besonders intensiv …

Erotik auf den Kopf gestellt: alles ganz falsch ist oft goldrichtig

Tabus brechen oder Klischees verwenden?
Ein älterer Mann verführt eine jüngere Frau – mag ja sein, dass euch dieses Thema interessiert. Kürzlich hat sogar jemand einen Welterfolg damit begonnen, eine „arme Jungfrau zart“ mal schnell von einem älteren, arroganten und manipulativen Fuzzi auf „devote Sklavin“ umzutrimmen.

An dem Machwerk war alles total alte Schule, der Plot war „Cinderella mit Aua, aua“ und sonst – na ja, da waren eben ein paar Schilderungen der Schmerzlust, die sich die Erfolgsautorin irgendwo abgelesen hatte.

Wer es wiederholen will, muss ein paar andere Tabus brechen – und der Tabubruch muss vor allem äußerst chic sein. Damit die Feministinnen „Verrat!“ schreien und den Leserinnen die Schamlippen anschwellen, wenn sie den Text aufsaugen.

Nein, nein – gab es alles schon. Cinderellageschichten und Soft-S/M sind zwar immer noch populär, aber ob du damit einen Blumentopf gewinnst? Ich glaube nicht daran, dass sich diese Zitrone noch weiter auspressen lässt.

Hier wäre ein anderes Prinzip: Stell alle auf den Kopf. Schreib über das, was nicht täglich vor deiner Nase geschieht, was „ganz falsch“ ist und möglichst unmoralisch.

Wer verführt wen?

Warum soll einen Mann eigentliche eine Frau verführen? Warum soll er sie verleiten? Was motiviert ihn, sie sogar erotisch zu versklaven?

Was wäre, wenn du eine Figur schaffen würdest, die einen Mann verführt, verleitet und versklavt? Und dies noch auf eine ausgesprochen elegante Art und dabei dennoch schamlos und konsequent?

Warum wagst du nicht den „doppelten Tabubruch“, und schaffst eine weibliche Figur, die Frauen und Männer schonungslos zu erotischen Eskapaden verführt?

Mann verführt Frau – ganz anders?

Der Sugar Daddy, sie ein lustvoll, bedürftig oder korrupt, der sein Sugar Baby durch Verführung rekrutiert, ist immer noch beliebt. (SoG lassen grüßen). Der jüngere, etwas eigenartig lebende Mann, der eine etablierte, verheiratete Frau verführt, wäre eine Alternative. Cinderellageschichten leben davon, dass der Mann wohlhabend ist, die die Frau hingegen bedürftig. Das könnt ihr ohne Weiteres umkehren.
Wer verführt wen ... und wie?

Frau verführt Mann?

Szenen, in denen Frauen Männer verführen, sind hocherotisch. In den meisten bekannten Entwürfen sind es „gestandene“ ältere Frauen, die den jüngeren Mann verführen – das war einmal ziemlich spektakulär. Darüber steht dann „MILF“ und gemeint sind Frauen zwischen 35 und bestenfalls 40, die einen jungen Mann in die Geheimnisse der Lust einführen. Ganz hübsch – aber ziemlich abgedroschen. Interessanter ist es, in die Geheimnisse der „Jägerinnen“ zwischen 45 und 55 einzudringen, die ihr Alter geschickt verbergen, und deren Beute hübsche, potente junge Männer sind: Cougars. Hinzu kommen all diese erotischen Märchen, in denen junge Männer in die Hexenhäuser dominanter Frauen gelockt und dort sexuell gereizt, aber auch entwürdigt werden.

Frau verführt Frau

Natürlich gibt es solche Geschichten schon, aber sie sind meist zu „brav“ angelegt. Die meisten entwürfe gehen von der gleichen Grundsituation aus wie ihre heterosexuellen Pendants: Die ältere, erfahrene, durch und durch lesbische, etablierte Dame verführt eine junge, noch unsichere, mädchenhafte Frau. Das passt auf manches Klischee, wirkt aber auf Dauer als Thema ermüdend. Wie wäre es mit einer jungen, bi-neugierigen Frau, die du auf ihrer Suche nach ersten oder ultimativen Erfahrung mit der lesbischen Liebe schicken könntest? Wenn du einen Schritt weitergehen willst, kannst du eine erfahrene Verführerin auf den Weg schicken, die ihre Amouren keinesfalls nur zum Lustgewinn, sondern auch zu wirtschaftlichem Erfolg nutzt?

Mann verführt Mann

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Die Verführung eines Mannes ist schwerer zu schildern – für Hetero-Männer noch mehr als für Hetero-Frauen. Zudem erwarten die meisten Leserinnen, dass homosexuelle Beziehungen zwischen Männern nicht zu drastisch geschildert werden. Und die meisten Leser, die nicht homosexuell sind, wünschen sich, dass der Mann „da so hineingeschlittert“ ist. Oftmals werden in erotischen Bi-Geschichten Frauen als „Vermittler“ eingesetzt. Die Kunst solcher Erzählungen liegt darin, die Verführung glaubhaft, sanft und nicht nachhaltig anzulegen – dann sind auch Hetero-Männer interessiert. Der beste Tipp, um Empörungen zu vermeiden: Deine männliche Figur sollte „passiv“ bleiben. Ein sehr interessanter Autor, der ist Jonathan Ames, speziell in „What’s not to Love“. Falls du noch ein Exemplar erwischt und englisch lesen kannst, dann kauf es, auch wenn es schweineteuer ist.

Gruppenverführungen

Vielleicht glaubst du es nicht, aber Gruppen-Verfühungen sind äußerst beliebt in der Erotik-Branche. Gemeint sind dabei keine Orgien, sondern simple Konstellationen: Ein Paar verführt eine Dritte oder einen Dritten – meistens sind dabei bisexuelle Handlungen involviert. Zumeist wird dabei der Fehler gemacht, das „Sexuelle“ zu sehr in den Vordergrund zu stellen – deshalb stehen solche Szenen im Pfui-Teufel-Verdacht des pornografischen. Für eine anspruchsvolle erotische Geschichte wäre interessant, wie es dazu kam, eventuell sogar, indem du gescheiterte Vorerfahrungen mit einbringst.

Ohne wenigsten eine aktive Verführung ist ein erotischer Roman kaum etwas wert – und für viele Kurzgeschichten ist die „schnelle, aktive Verführung“ sogar unerlässlich.

Die in Text und Titel verwendeten Bilder sind Buch-Illustration, deren Urheber nicht gefunden werden konnte

Die Fallen des narrativen Schreibens – am Beispiel

Nackt im Garten
Wenn du eine erotische Geschichte schreiben willst, solltest du dir vorher gut überlegen, ob du den „Erzählmodus“ wählen solltest, den wir alle einmal in der Schule gelernt haben.

Ich will euch zunächst ein Textbeispiel aus dem Internet zeigen. Im Original (1) zeigt es sich so:

Die Frau lag dort und schlief. Sie war splitternackt. Ich war wie vom Blitz getroffen, denn erstens war ich überrascht und zweitens hatte sie einen wunderschönen Körper.


Er ist ein Beispiel, wie mit einem Thema erzählerisch, also narrativ umgegangen wird. Ein Mann erzählt, wie er seine Nachbarin überraschenderweise im Garten vorfand: auf einer Liege, schlafend und splitternackt.

Daraufhin berichtet der Mann, er sei „wie vom Blitz getroffen“, bleibt aber offenbar bei Sinnen und seine angedeutete Ohnmacht wandelt sich in die „Überraschung“, gefolgt von „und zweitens hatte sie einen wunderschönen Körper.“

Mir geht es nicht darum, die dahinterstehende Geschichte zu kritisieren. Ich will euch nur zeigen, wie die sogenannte „narrative“ Schreibweise, zum „Aneinanderreihen von Sätzen“ führt, statt zu einer lebendigen erotischen Geschichte.

Das beginnt schon bei dem Satz: „Sie war splitternackt.“ Er beschreibt einen Zustand, aber nicht das Gefühl, das der Erzähler hatte, als er diese Frau plötzlich nackt im Garten sah. Das Wort „splitternackt“ wird zudem plakativ. Der Autor will die Gefühle im nächsten Satz nachliefern, begeht aber wieder den gleichen Fehler.

Wieder ist es ein plakativer Begriff, die in keiner Weise das ausdrückt, was die Person empfindet: „Er war wie vom Blitz getroffen.“ Diese Redensart steht normalerweise für einen emotionalen Zustand, in dem kein klares Denken mehr möglich ist: Der Blitz zerstört die Wahrnehmung, und man konzentriert sich auf das psychische Überleben. Ist das hier der Fall? Nein, offenbar nicht. Denn indem uns der Erzähler mitteilt, dass er völlig paralysiert vor der Nackten steht, wertet er den Zustand im nächsten Satz ab: Er war überrascht. „Überrascht sein“ ist sicherlich der korrektere Ausdruck, denn er hat nicht erwarten, die Nachbarin nackt zu sehen. Aber auch dieser Satz sagt nicht über seine Gefühle aus. Kombiniert mit „denn sie hatte einen wunderschönen Körper“ wird sein Zustand der Verwirrung erneut verflacht: „Ach, sie hat einen wunderschönen Körper.“ Ungefähr der Gedanke, der viele Männer befällt, wenn sie sich Aktfotos ansehen: „Guck, die hat einen schönen Körper.“

Wie ich schon sagte, greife ich ich den Autor damit nicht an. Er orientiert sich, wie so viele andere, an dem, was er gelernt hat: „Schreiben heißt erzählen.“

Wie würde diese Situation nun auf uns wirken, wenn wir „Show, don’t Tell“ verwenden würden und den „Passivmodus“ dabei auch verließen?


Ihr schöner Körper lag völlig nackt vor mir, und ihre Brüste hoben und senkten sich, während sie atmete. Ich war so überrascht, dass ich sie eine Weile anstarrte, bevor mir bewusst wurde, was ich da eigentlich tat. Erst dann lockerte sich mein Blick und ich sah, wie schön sie war. Eine reine, makellose Haut, wunderschöne Brüste … und schließlich der leicht geöffnete Schritt, um den sich feine blonde Schamhaare kräuselten.

Obgleich der Text erweitert wurde, ist er kürzer als der Originaltext (2), in den zahllose „Füllsätze“ eingebaut wurden, die für eine Kurzgeschichte nicht notwendig sind.

(1) Falls ihr die Original-Geschichte aufruft, aus der ich zitierte: Sie enthält mehrere Passagen, die eine ausgesprochen „direkte“ Sprache verwenden. Das ist übrigens auch eine Folge der Unsitte, Sätze aneinanderzureihen statt sich sich in die Situation der Figuren einzufühlen. Meine Warnung: Nicht am Arbeitsplatz lesen und möglichst gar nicht, wenn du Bedenken gegen „harte“ Sexszenen hast. Hier der Link zu Orion.
(2) Die zitierte Textpassage ist kürzer als der Absatz, aus dem sie stammt.