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Erotische Geschichten einmal „ganz anders“?

Das ungewöhnlich gewöhnliche Ungewohnte, leicht genommen
Nehmen wir mal an, du hättest allerlei erotische Storys im Internet gelesen und auch einige Bücher aus den erotischen Schmollwinkeln der Buchhandlungen hervorgezogen. Nicht zu vergessen, das kleine bisschen an optischem „Anschauungsmaterial“, das dir nötig erschien, um zu wissen, was wer wie in Hand, Mund, Vagina und Anus versinken lässt oder aufnimmt. Weiterhin nehmen wir mal an, du hättest ein Buch über „das Schreiben“ gelesen oder gar eines über „erotisches Schreiben“. Vielleicht hast du gar eine Schreibschule besucht und weißt, was ein „Plot“ ist oder wie man „kreativ schreibt.“

Keine Geschichte wie tausend andere zuvor?

Jetzt kannst du deine Geschichte schreiben. Und nun glaube ich beinahe zu wissen, dass es nicht „deine“ ist. Sondern du fügst den vielen bestehenden Storys ein weitere hinzu, die so ähnlich ist wie alle anderen zuvor.

Geht es dir so? Suchst du nach neuen, ungewöhnlichen Modellen für deine Geschichte?

Es gibt einige Schriften, die völlig von dem abweichen, was du im Internet lesen kannst, und die dennoch voller Sinnlichkeit, Erotik und absonderlichen sexuellen Ereignissen stecken.

Mische Musik mit Erotik

Trotz des lange Kleides galt dieses Bild als erotisch
Ich beginne mal mit E.T.A. Hoffmanns „Schwester Monika“. Das Werk ist nicht durchgehend gelungen, und es wirkt bisweilen befremdlich, aber es enthält einen Kunstgriff, der nicht oft verwendet wird: die Kombination von Musik und heftiger Erotik. Dabei erinnere ich mich beispielsweise an eine Cellistin, die mir von den erotischen Fantasien berichtete, die ihr Cello bei ihr und anderen auslöst – nur, weil es zwischen die Beine geklemmt wird.

Deine Figur könnte eine Schlagzeugerin (1) sein, die sich damit beschäftigt, in welcher Weise sich das menschliche Gesäß als Resonanzboden eignen könnte, wenn die Haut darüber mehr oder weniger angespannt wird. Alles kann dabei um so skurriler werden, je mehr du das Thema einerseits verwissenschaftlichst, deine Heldin andererseits dazu verleitest, „Feldversuche“ durchzuführen und sie zum Dritten in eine SM-Beziehung einspannst. Falls dir das als zu „weit hergeholt“ erschient, solltet du wissen, dass durch das Schlagen der Haut hervorgerufene Töne in verschiedenen Volksmusikarten durchaus eine Rolle spielen.

Skurril, erotisch … und erfolgreich?

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Ganz anders – und höchst zeitgemäß – geht der Autor Nicholson Baker in seinem höchst skurrilen amüsant-erotischen Roman „Das Haus der Löcher“ mit der Erotik um. Es beschreibt zugleich eine wirre Utopie der Sinnlichkeit und eine Karikatur der herrschenden Verhältnisse in der Massenpornografie. Wem das Buch zu skurril erscheint, der mag sich mit einem anderen „Kaninchenloch“ trösten, in den die Heldin fällt … und fällt … und fällt … bis sie sich selber nicht mehr wiedererkennt in einer absonderlichen Umgebung von Sinnlichkeit und Sinnlosigkeit.

Der dazugehörige Plot heißt „Reise und Rückkehr“, nur mit dem Unterschied, dass alles, was deine Figur auf der „Reise“ erlebt, zunächst völlig absurd erscheint. Statt begehrt zu sein, wird sie gemieden, das Aktive wird ins Passive verkehrt, das Absurde zur Normalität erklärt und die Normalität erscheint absurd. Allerdings kann auch dies ausgesprochen nützlich sein, um die Überzeugungen, Werte und Lüste hernach wieder zu einem neuen Puzzle zusammenzusetzen.

Es gibt noch viel mehr Themen, Ideen, Plots und Absurditäten. Die meisten ruhen noch in den Hirnen, und einige von euch glauben sicher auch jetzt noch nicht, dass sie mit einer absurden Idee Erfolg haben könnten.

Also frage ich mal: Wer will es versuchen?

(1) Ich empfehle eine Schlagzeugerin - also eine Frau. Denn als dies einmal ein Drummer "in der Realität" versucht hatte, wurde er übel beschimpft. (Sexist usw.)
Titelbild: Nach einer Buchillustration, die leider etwas retuschiert werden musste. Nach dem Stil könnte es in die 1920er Jahre fallen.

Vielversprechende erotische Themen (3) - besondere Dreier

Flotte Dreier - mal ganz anders ...

Weichen Sie vom üblichen „Standard“ ab

Der übliche Standard, den wir aus vielen ähnlichen erotischen Geschichten kennen, ist der „Dreier“ zwischen einem Mann und zwei Frauen. Falls Sie dennoch solch eine Geschichte schreiben: Wichtiger als die Ausführung ist die Frage, wie alles zustande kam. Ich schlage Ihnen hier ein anderes Thema vor: Ein Hetero-Paar sucht einen Mann.

Hetero-Paar sucht Mann zum Dreier

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Aus der Konstellation: „Ehepaar sucht Mann“ lassen sich ausgesprochen frivole erotische Storys entwickeln. Wie schon zuvor gesagt, ist nicht wichtig, wie sich die Sexualität zwischen den Dreien physisch entwickelt, sondern vor allem, was vorher und nachher geschieht. Hatte einer der beiden schon zuvor ein geheimes Verhältnis mit dem „Dritten“? Treffen sich zwei der Beteiligten hernach zu lustvoller Zweisamkeit? Bleibt alles eine Episode, oder haben die Handlungen weitgreifende Folgen?

Themenvarianten: Bi-Paar sucht Mann, Hetero-Paar sucht Bi-Mann zum „Ausprobieren“, Hetero-Mann sucht Hetero-Paar oder Bi-Paar, Bi-Mann sucht Paar. Mann zum „mitwirkenden Ehebruch“ (Cuckolding) gesucht.


Interessierte Frauen: bei 31 Prozent.(1)
Interessierte Männer: bei 45 Prozent. (1)

Schreib-Erfahrung:
Für Fortgeschrittene.
Form:
Kurzgeschichte, Episoden oder Novellen.
Recherche, Kenntnisse:
Recherche und minimale psychologische Kenntnisse sind sinnvoll
Erotische Wahrnehmung:
Mittel, abhängig von der Darstellung.

(1) Nach Erhebungen der „Université du Québec à Montréal an vergleichbaren Themen“

Die Psychologie des inneren Konflikts - und seine erotische Darstellung

Erotische Konflikte - streben nach Wollust und Angst davor, sie zu genießen

Ein Teil der Spannung in guten erotischen Romanen entsteht aus den Konflikten, die im Inneren der Person ablaufen, nicht in den äußeren Umständen. Gewiss kann man beide kombinieren, doch wir wissen aus kitschigen Liebesromanen, wie oft solche Situationen unnötigerweise effektheischend dramatisiert werden. Sobald etwas „Entscheidendes auf dem Spiel steht“ oder „ein unausgesprochenes Geheimnis zwischen beiden steht“ ist der dramatisierend Kitschfaktor nicht weit, der dem „Schicksalsroman“ anhaftet.

Ich rate sehr dazu, ein anderes Verhältnis zur „Spannung“ zu finden als beispielsweise in üblichen Schicksalsromanen, in der eine ziemlich willkürliche „Bedrohung von außen“ als Stilmittel verwendet wird.

Sehen Sie, wenn Sie eine „äußere Bedrohung“ durch das Schicksal in Ihre Geschichte einbauen, dann „fiebern“ die Leserinnen und Leser vielleicht mit der Heldin, bleiben aber als Person „außen vor“. Sie können sich schon deshalb nicht mit der Heldin identifizieren, weil die Geschichte zu unirdisch, zu fantastisch und vor allem zu dramatisch ist. Man sagt, wenn eine Geschichte zu sehr aufgebauscht wird, dann weicht das Innere selbst der Leserin vor der Heldin zurück. Sie distanziert sich also, obgleich sie die Spannung liebt. Kann sie aber in die Lüste der Heldin hineingleiten, weil ihr der geschilderte Konflikt Ansätzen vertraut ist, so lässt sie zu, dass sie das Geschehen tatsächlich berührt.

Erotische Konflikte: Mehr als nur Treue und Untreue

Überwiegend wird das Konfliktpaar Treue-Untreue behandelt, weil eine große Anzahl der Leserinnen verheiratet ist und nahezu jede Ehefrau schon mal in Versuchung stand, sich einem zufälligen Bekannten hinzugeben.

Spannender und hinreißender ist jedoch, den Konflikt zwischen moralischen Wertvorstellungen und dem zügellosen Ausleben der Lust zu schildern. Recht gut gelungen ist dies im Film „der Untergang des amerikanischen Imperiums“, einer bizarren Studie über Ehe und Beziehung in kanadischen Intellektuellen-Kreisen.

Ein anderer Weg, der recht häufig begangen wird, ist den Konflikt zwischen der bürgerlichen Ehe und der bizarren Welt der SM-Gruppen oder der Swinger- und Partnertauschkreise darzustellen. Nicht nur die „Shades of Grey“ sind dafür ein Beweis, sondern bereits viele vorausgegangen Bücher, de aber weniger bekannt wurden.

Erotische Konflikte psychologisch

Der Konflikt an sich ist zumeist, wenn nicht gar immer, ein Konflikt aus folgendem Dreigestirn:

- Was ich tun sollte (nach Freud das Über-Ich).
- Was ich tun will, aber noch nicht wagte (nach Freud das ICH).
- Was ich mich niemals trauen würde, wenn ich nicht dazu gebracht werde. (Nach Freund das ES).

In nahezu allen erotischen Konflikten spielt das innere „Über-Ich“ mit dem inneren ES, wobei im Sinne der Transaktions-Analyse auch Verschiebungen während des gemeinsamen Spiels entstehen. Das kann ich Ihnen etwas einfacher erläutern.

Wenn Sie selbst einmal etwas ausgesprochen „Verbotenes“ wollten, dann hörten Sie auch im frühen Erwachsenenalter noch Mutters Stimme hinter dem Ohr, die sagte „Tu’s nicht mein Kind.“ Sie haben es dann aber trotzdem getan, und manchmal war es unglaublich schön für Sie.

Psychologische Thesen langweilen, Psycho-Spiele begeistern

Der moderne Psychologe fragt an dieser Stelle: „Was könnte denn schlimmstenfalls passieren?“, und die Antwort, die normalerweise darauf gegeben wird, ist „eigentlich gar nichts“. Das ist die rationale Seite der Medaille, und sie langweilt ihre Leserschaft.

In Wahrheit aber wühlt der Konflikt in Ihnen, und erst nach und nach siegt der Mut, das Risiko dennoch anzugehen – gegen den inneren Widerstand, der als einziges Risiko im Raum stand.

Bi-Frau als Beispiel: tiefe Eruptionen nach langem Zögern

So sollte es auch bei Ihren Heldinnen sein. Im folgenden Beispiel ist sich die Heldin mehrfach unsicher, ob sie tatsächlich ein erotisches Verhältnis zu einer anderen Frau eingehen soll. Alls in ihr strebte seit Monaten danach, die Gelegenheit ergab sich mehrfach, aber ihre Erziehung sprach dagegen. Ihre Verführerin aber entdeckt, dass sich die Heldin „ihren Bürzel wie ein Mäuschen aus dem Kabarett“ bewegt, und sagt ihr auf den Kopf zu, dass ihre ablehnenden Worte nicht zu ihrem lustvollen, lasziven Verhalten passen.

Du trägst dieses Kleid, das dir kaum den Hintern bedeckt, und das jede Gelegenheit benutzt, um dein Höschen freizulegen … und du weißt selbst, dass (deine Brüste) neugierig machen, deshalb lässt du sie auch fast frei …


Obgleich die Heldin ihre Neigungen schon in mehreren Situationen andeutete, bedurfte es neben dem klassischen Trio „Verführbarkeit, Gelegenheit und Verführer(in)“ in dieser Szene noch einer Provokation seitens der Verführerin. Der Heldin wird sozusagen die geschäftsmäßige Fassade, aber auch die aufgesetzte Heterosexualität „vom Leib gerissen“.

Spannung zwischen möglichem Rückzug und Hingabe aufbauen

Das Interessante an solchen Szenen besteht darin, dass es ein Dutzend Auswege gegeben hätte, dass mehrfach ein Rückzug möglich gewesen wäre. Wenn Sie dies aber wirklich glaubwürdig schildern wollen, sollten sie das „äußere Spiel“ und das „innere Spiel“, also den Inneren der Person ablaufenden Konflikt, ausführlich schildern. Im angesprochenen Roman ziehen die entlarvenden Worte verlangende Reaktionen des Körpers der Heldin nach sich, die dann unausweichlich zu einer auch äußerlich heftigen, vulgären und emotionsgeladenen Liebesnacht führte.

Warum ich eine lesbische Szenerie gewählt habe? Erstaunlicherweise wissen sich Frauen direkter und „hautnaher“ auszudrücken, wenn sie erotische Szenen beschreiben, an denen ausschließlich oder überwiegend Frauen beteiligt sind, während es Frauen offenbar äußert schwerfällt, die männliche Sexualität ausführlich zu beschreiben. Doch davon werde ich Ihnen vielleicht demnächst etwas mehr berichten.

Zitat aus: "Fuchsia", 1981