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Wie die Erotik ins Hirn kommt

Im Hirn entsteht mehr, als auf der Zeichnung zu sehen ist. Was sehen Sie? (1)
Filme, Fotos, Comics, Schriften … die Erotik kommt auf vielfache Weise ins Hirn. Doch wodurch wird dies bewirkt? Und was unterscheidet die Darstellung in pornografischen Filmen von der auf Fotos, in Comics oder Schriften?

Ich muss die dazu aus den Feuchtgebieten erotischen Denkens in die trockene Wüste der Kommunikationstheorie entführen. Ich verspreche Ihnen, am Ende in einer Oase anzukommen.

Je unvollständiger und „puzzlehafter“ eine Information ist, die wie aufnehmen, umso mehr versucht unser Gehirn, diese Reste zu einem Gesamtbild zu formen. Dabei entsteht aus dem Gesehenen oder Geschriebenen etwas Neues, das in dieser Form niemals dargestellt wurde. Da unser Gehirn stets „assoziativ“ ergänzt, versucht es, auch noch aus den hintersten Winkeln „Bekanntes“ hervorzukramen.

Haben Sie sich schon einmal gewundert, warum sie bei einer erotischen Szene, die Sie niemals selbst durchlebt haben, dennoch ein Gefühl der Erregung einstellt? Das ist genau der Effekt, den ich meine. Den gegenteiligen Effekt kennt jeder Kinogänger, der sich auf die Verfilmung eines erotischen Romans freut. Plötzlich sind die Assoziationen weg, und die Heldin stöhnt tatsächlich unter den Hieben des Schlossherrn. Wie langweilig! In der Fantasie war das alles viel sinnlicher, nicht wahr?

Nun sind wir in der Oase angelangt. Wir erkennen: Wenn wird das Hirn anticken, werden mehr erotische Fantasien frei, als wenn wir sie sozusagen „am laufend Band“ geliefert bekommen.

Gehen wir schnell die Medien durch, die uns Sinnlichkeit liefern wollen. Ich mache es wirklich kurz.

Der Film

Je schlechter und pornografischer ein Film ist, umso mehr zeigt er „alles“, und zwar „am lebenden Objekt“. Eine reale Eichel, reale Lippen. Wir sehen alles, die Fantasie wird weggeschaltet, weil wir sicher sein können, den ganzen Rest auch noch sehen zu können. Viel Varianten gibt es beim Thema nicht – und so wird alles eben schnell langweilig.

Das Foto

Beim Foto ist es etwas anders: Wir sehe zwar die lebenden Objekte, wissen aber nicht, was im nächsten Moment damit geschehen wird – dazu benötigen wie weiterhin die Fantasie. Manche Fotografen nutzen die assoziative Fähigkeit unseres Gehirns, um mit scheinbar völlig „harmlosen“ Szenen recht intensive erotische Gedanken auszulösen. Ihre Werke finden wir deshalb auch nicht in der Schmuddelecke, sondern in Buchhandlungen, die sich auf Kunst spezialisiert haben.

Die Zeichnungen (Comics)

Nur Striche
Beim Comic überschreiten wir erstmals die Linie zwischen Realität und darstellerischer Verfremdung. Der Comic-Zeichner kann, anders als der Fotograf, nahezu alles zeigen, weil es am Ende nur Striche sind, aus denen seien Zeichnung besteht – auch wenn wir daraus wieder eine Eichel und weibliche Lippen erkennen. Unser Gehirn wandelt diese Bilder in Fantasien über das, was wir sehen – und nimmt uns mit zu unseren eigenen Erfahrungen, Assoziationen und Träumen.


Das geschriebene Wort

Nur beim Wort erleben wir die erstaunlichste Wandlung zwischen Realität und Verfremdung. Kein erotischer Gedanke steht in unsrem Hirn bereits „in Worten“, und doch benötigen wir Worte als „Transportmittel“. Und nun passiert das Merkwürdige: Tatsächlich gelingt es unserem Leser, diese merkwürdigen Zeichenketten wieder zu einem Bild zusammenzusetzen, das mannigfaltig mit eigenen Erfahrungen, Wünschen und Träumen durchsetzt wird.

Das, liebe Leserinnen und Leser, ist die Theorie des erotischen Schreibens. Hierin verbergen sich seine Geheimnisse, und hieraus gewinnen Sie Ihre Möglichkeiten.

Ihre Geschichte kann sinnlich sein, wenn Sie nichts anderes beschreiben als eine Fingerspitze, die über einen nackten Körper gleitet und an jeder Körperöffnung verharrt. Und sie kann ihre Sinnlichkeit verlieren, wenn sie sexuelle Handlungen aneinanderreihen, die keine Fantasien mehr auslösen.

Denken Sie immer daran: Sie schreiben zwar „Ihre“ Geschichte, aber zum Leben erweckt wird sie erst durch die Fantasie Ihrer Leserschaft - und möglicherweise schwelgen die Personen, die ihre Geschichte lesen, in einem erotischen Traum ganz anderer Art.

(1) Das Bild oben wurde bewusst so gestaltet, dass es mehrere Deutungen zulässt.

Erotik-Literatur für Frauen: Wo liegen die Defizite?

Wer für eine Zielgruppe schreibt, der hat einen Vorteil davon, die Fantasien genau dieser Gruppe zu kennen.

Ich habe keine Mühen gescheut, um für Sie festzustellen, welche Lüste Frauen und Männer am liebsten durchleben würden – zumeist nur auf dem Papier oder am Bildschirm. Aber das ist ja genau das Thema, um das es hier geht. Die Aufstellung ist wissenschaftlich belegt und in den Prioritäten nachweisbar.

Hier sind die TOP TEN für Frauen (absteigend, alle über 50 Prozent):

Orale Fantasien - auch bei Frauen
10 - Gefesselt werden.
09 – Orgien, Frauen und Männer.
08 – Sex in der Öffentlichkeit.
07 – Sexuell dominiert werden.
06 – Sex mit völlig Fremden.
05 – Den Partner masturbieren.
04 – vom Partner masturbiert werden.
03 – Fellatio schenken.
02 – Fellatio und Cunnilingus gemeinsam genießen.
01 – Sex an einem ungewöhnlichen Ort.

Während die Plätze Nr. 1, 6 und 8 praktisch in der gesamten amourösen, romantischen und erotischen Literatur für Frauen abgedeckt werden, herrscht offenbar ein gewisses Defizit an der Verwirklichung von Themen auf den Plätzen zwei bis fünf und neun. Die Themen auf Platz sieben und zehn werden hingegen in letzter Zeit durch die „Shades-of-Grey“-Nachahmer schon reichlich bedient.
Fasst man alle Nennungen (gegen 50) zusammen, so liegen die Prioritäten der Frauenfantasien eindeutig auf:

1. Fellatio und Cunnilingus
2. Handverkehr (aktiv und passiv).
3. Gefahren und Fremde.
4. Dominieren, fesseln (aktiv und passiv).
5. Orgien/Dreier (F/M gemischt, FMM, MMF und FMMM) (1)

Sollten Sie die Zielgruppe für lesbische oder bisexuelle Kontakte vermissen, so reiche ich ihnen gerne nach, dass sie damit immer noch gegen 40 Prozent ihrer an Erotik interessierten Leserinnen erreichen.

Im Einzelnen waren es diese Themen:

1. Lesbische/Bi Fantasien (FF) 37 Prozent.
2. Sex mit zwei Frauen (FFF) 40 Prozent.
3. Voyeurin bei zwei Frauen sein 42 Prozent

Erotische Fantasien werden üblicherweise durch das Lesen von Literatur verstärkt. Also ist es jetzt an Ihnen - leisten Sie Ihren Beitrag.

Erklärungen: "F" steht immer für eine Frau, "M" jeweils für einen Mann.
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Zahlen laut einer Studie der Université du Québec à Montréal.