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Zwiespältige Gefühle einer Erotik-Schriftstellerin

Nicht nur Leserinnen von Erotika haben zwiespältige Gefühle. Auch die Autorinnen beschleicht bisweilen das Gefühl, dass zwischen Begierden und Realitäten eine mentale Schranke liegt. Zwar will die Fantasie sich heftig Raum schaffen, doch andererseits kommt die Realität dazwischen und sagt: „Hey, du willst das nicht wirklich, oder?

Hier ein kurzer Text, der uns übermittelt wurde (ich haben den Text anonymisiert).

Wenn mich etwas erregen soll, darf es nicht so bildlich sein, wie in der Pornografie. Ich liebe es, wenn Männer danach gieren, meine Heldin vögeln wollen. Dadurch wird sie extrem begehrenswert – und wer will nicht wirklich begehrenswert sein? Ich werde niemals von der Handlung selbst erregt, wenn ich schreibe, aber mich erregt das, was sich in der Handlung ausdrückt. Meine Heldin soll sich stark fühlen, weil sie begehrt wird, auch wenn sie an einer Orgie teilnimmt und du vielleicht denkst, sie würde gedemütigt. Nein, ich mag das Bild nicht, das eine Orgie in mir auslöst, aber ich liebe das Gefühl, wenn die Männer meine Heldin begehren.

Wie geht es euch? Kämpft ihr auch mit der „inneren Schranke“, wenn ihre eure Fantasien befeuert und die Realität eigentlich dagegen spräche, die Szene jemals zu erproben?

Cuckolds - die Klischees und du

Hatten ihr schon mal die Idee, über Cuckolds zu schreiben?

Wenn nicht, kann ich euch beglückwünschen – das Thema ist ebenso heiß wie kompliziert. (Wenn du nicht weißt, was das Wort bedeutet, guck in die Liebeszeitung).

Wenn du es schon mal wolltest – dann kann ich dir heute einige Tipps geben.

Meide Klischees

Die üblichen Klischees stammen aus der Pornografie, wo sie am buntesten und primitivsten ist. Und es sind Folgende:

1. Weißer Mann mit fettem Bauch und kleinem Penis, typischer Weichling ist das „Opfer“ oder der „Cuck“.
2. Schwarzhäutiger Mann mir Riesengemächt, schlank, rank und megapotent, ist der „Gast“, auch „Bull“ genannt. Es kann auch ein weißhäutiger, knackiger und athletischer Mann sein.
3. Die Frau ist hyperaktiv und erniedrigt den „Cuck“ durch ihr Handeln und ihre Rede.
Je nach „Plot“ (falls man in der Pornografie davon reden kann) wird der Mann noch genötigt, sexuelle Handlungen am „Cuck“ auszuführen oder ihn in anderer Weise zu erniedrigen.

Weil die Pornografie immer „aktionsbezogen“ ist, kommen vor allem die Gedanken, aber auch die Dialoge aller drei Partner nur selten voll zur Geltung.

Einstieg mit Respekt vor allen Personen

Wichtig ist, einen glaubwürdigen Einstieg zu finden. Dabei gilt es, den Personen vor Beginn der Spielhandlung mit Respekt zu begegnen. Erst während der Spielhandlung (Cuckold-Szene) wenden sie sich ihrer Rolle zu.

Auf diese Weise vermeidest du die bereits genannten Klischees.

Wenn du den Alltag mit einbeziehst, kann sich sogar die Mittestands-Leserin damit identifizieren:

Das Paar lebte in eine der akkurat mit Bäumen bepflanzten Straße, die schon beim Betreten trostlos wirken. Eine absolut langweilige Vorstadtsiedlung mit nahezu identische Häuser, hinter deren Fenster Jalousien hingen, und dahinter sah man die Fernsehgeräte flackern.


In der Geschichte, die ich als Beispiel anführe, wird zuerst der Gast vorgestellt, dann die Frau, die alles auf den Wunsch ihres Mannes arrangiert hat und zuletzt der Mann selbst. Schon diese Konstellation weicht von dem üblichen Klischee ab.

Ein weiterer Nachteil der Klischee-Pornografie ist meist, dass es kein ausführliches Vorspiel gibt. Aber gerade das erregt den Antihelden (den Cuck) positiv wie negativ, das heißt, du kannst ihn durch ein ganzes Wechselbad der Gefühle schicken. Der Gast sollte eine Art „professionell gespielte Begeisterung“ ausstrahlen, und die Frau kann einige süße, betont sinnliche Momente erleben, bevor sie von Orgasmen geschüttelt wird und das Spiel damit aufhört.

Ist der Gast ein Profi, so ist es seine Sache, wie er damit umgeht. Ist er hingegen eine Art Freund des Hauses, so wird das Trio noch ein Glas Champagner trinken wollen, um wieder in die Realität zurückzukommen. Hübsch ist immer, wenn sich das Paar umarmt, sobald der Gast gegangen ist.

Entschärfungen und Verschärfungen

Verschärfung: Explizit alle Handlungen minutiös schildern – möglichst aus der Sicht einer Person.
Verschärfung: Handlungen aller Art mit dem Gast, die gewöhnliche „Vanille-Paare“ niemals ausführen würden.
Entschärfung: Du kannst Handlungen reduzieren – dann must du dafür Gefühle einbringen. Konzentriere dich dann auf einen der drei Beteiligten.
Entschärfung: Dialoge, solange keine „Höhepunkte“ stattfinden. Dialoge unterbrechen den Handlungsablauf und lassen Raum für Humor.

Sinnliche, "scharfe" und moderne Varianten

Weitere Varianten:

- Aus einer Vanille-Party heraus (dazu muss das Paar schon zuvor über Erotik-Spiele nachgedacht haben).
- Aus einem gewöhnlichen Dreier heraus, auch spontan.
- Aus dem Partnertausch heraus (ein Paar sieht fasziniert dem kopulierenden Paar zu).
- Die Frau will zusehen, wie ihr Mann mit einer Fremden kopuliert.
- Dieselbe Situation, aber mit einer Bi-Mann.
- Alle Varianten mit einer Bi-Frau.
- Historische Varianten mit „Schlüssellochblick“ statt erkennbarer Anwesenheit.
- Moderne Varianten mit Überwachungskameras.

Wenn dir das als Ideensammlung genügt – beginne zu schreiben. Möglichst jetzt. Du hast doch deinen Computer ohnehin eingeschaltet, nicht wahr?

Fünf einfache Grundsätze, um Erotik zu schreiben

Einfache Grundsätze, um Erotik zu schreiben
1. Teil – Gefühle, nicht die reine Anatomie


Es ist einfach, ein Skelett zu beschreiben. Doch um einen Menschen zu beschreiben, musst du ihn mit Sehnen und Muskeln ausstatten, musst zeigen, wie er geht, steht und sitzt. Und du solltest – wenigstens manchmal – die Mimik beobachten und beschreiben können.

Fühlen statt Umfang, Wölbung, Farbe und Feuchtigkeit

So und nun mal ans Eingemachte, Autorinnen von Erotika: Es ist wirklich NICHT nötig, intime Körperteile ausführlich zu beschreiben, es sei denn, dieser Teil des Körpers würde die Hauptrolle spielen. Nimm einen Penis: Deine Leserin will nicht wissen, wie er aussieht (wieder mit geringen Ausnahmen) – sie will wissen, wie sich deine Heldin fühlt, wenn er in ihrer Hand liegt. Oder … na ja, dorthin wofür deine Figur ihre erotische Willkommenskultur entwickelt hat. Deshalb ist es auch nicht sonderlich interessant, Schamlippen, Vaginen, Rosetten, Brüste oder Zungen zu beschreiben. Wollte schon jemand wissen, wie lang, breit oder voluminös die Zunge deiner Figur war? Ich glaube nicht.

Denkt dran, wann Erotik uns wirklich interessiert - nämlich dann, wenn sie unser Fantasie anregt, Erinnerungen weckt oder unsere geheimen Wünsche hervorruft.

Zwischen Auge und Klitoris liegt das Gehirn

Ich weiß, wie schwer es sein kann, deine Leserin völlig in die Szene hineinzuziehen. Aber das, was du erreichen willst, nimmt seinen Ausgang im Hirn, nicht in der Klitoris. Und zwischen Hirn und Klitoris liegt die wundersame Welt des Fühlens, des Versinkens, der Hingabe. Deine Leserin „kommt“ mit einem Vibrator wesentlich schneller als mithilfe deiner Novelle – aber dafür ohne surren, mit atemloser Spannung und dieser unglaublichen Steigerung des Verlangens, die nur in der Fantasie gelingt.

Fazit

Körperteile immer so beschreiben, dass die Leserin / der Leser sie erfühlen kann. Die Personen sollten sie entweder als „ihre“ wahrnehmen oder das Wirken in sich selbst erspüren. Vergesst nicht, dass auch Hände, Füße und Ohren „Körperteile“ sind – es müssen nicht immer „die üblichen Zonen“ sein.

(Wenn daraus eine Serie werden soll, bitte ich euch um Feedback und Klicks ohne Ende ...).

Alva - im Bett bist du, was du zu sein scheinst

"Alva - im Bett bist du, was du zu sein scheinst" aus dem Vierteiler "Alwa"- eine unspektakuläre Erotikgeschichte

Oh, der Herr erweist sich als rücksichtsvoll. „Wir können auch auf dein Zimmer gehen, wenn es sicherer für dich ist“. Sie lächelt, flüstert ihm ins Ohr, dass sie lieber in seinem Zimmer aufwachen würde … und schon hat er den Sekt bezahlt und sie sind sie im Aufzug. Er ist ein Gentleman und wartet damit, sie zu küssen, an sich zu ziehen oder gar zu versuchen, sie zu entkleiden. Sobald sie vor dem Hotelzimmer stehen wird, wird sie noch einmal zögern: „Bist du dir wirklich sicher, dass du mich … willst?“ Natürlich wird er sich beeilen, „ja“ zu sagen.

Das Hotelzimmer und das Entkleiden

Alva liebt den Moment, ein Hotelzimmer zu betreten. Ein frisches Bett ist das Wichtigste. Nur kein Müfflelbett, kein Schweiß … der Raum wird später ohnehin von Schweiß, Parfüm, Sperma und Muschiduft berauscht sein, und das Zimmermädchen wird wissen, was hier geschah. Aber noch ist alles frisch und rein …

Nur nicht vorher duschen. Sie steht vor ihm, lächelnd. „Ich mag, wenn du mich ausziehst“, sagt sie zumeist. Sie liebt es, die feinnervigen, tastenden Hände eines sensiblen Mannes an sich zu fühlen. Es ist einfach, sie ausziehen, und sie hilft ihm bei den letzten Knöpfen der Bluse. Schnell steht sie in ihren bezaubernden, spitzenbesetzten und sehr femininen Dessous vor ihm. Der Herr wirkt überrascht, fast ein wenig verwirrt. „Soll ich dir den BH und den Slip auch ausziehen?“, fragt er. Alva wird vorschlagen, dass er den BH sogleich öffnen soll. Dann wird sie sich auf die Bettkante setzen und der Herr wird den Slip vorsichtig von ihren Schenkeln ziehen. Sie will, dass er sehen kann, was ihn erwartet: ein paar dunkle Locken, schon leicht befeuchtet. Er wird dies ohne Zweifel bemerken und vielleicht wird er den Duft einsaugen wie ein Aphrodisiakum.

„Ich hoffe, dir gefällt, was du siehst?“ Alva sagt an dieser Stelle immer das Gleiche. Manchmal sind die Männer ganz wild darauf, genau hinzusehen, mal blicken sie verschämt zur Seite. Dieser Mann sieht ihr in die Augen. Wie süß von ihm.

„Du solltest dich ausziehen“, sagt sie nun leise. „Oder möchtest du, dass ich mir etwas heraushole?“ Sie lächelt dabei. Jetzt ist Humor gefragt.

Er lächelt zurück und beschließt, sich selbst auszuziehen, und er kann es ziemlich fix. Sie sitzt auf dem Bett und beobachtet ihn unverhohlen. Boxershorts, leichte Wölbung, offenbar noch nicht ganz versteift. Er zögert, bevor er die Shorts abstreift, sieht sie an. Ihre Augen lassen nicht ab von der Stelle, auf die sie neugierig ist. Sein Penis ist ziemlich hübsch und unbeschnitten, und dem Anschein nach recht voluminös, aber noch nicht ganz bereit.

Alva weiß, was zu tun ist. Nach einer kurzen Behandlung mit ihren warmen Händen und mit sehr wenigen, sanften Bewegungen an der Wurzel ist der Penis vollständig versteifst. Alva legt sich rücklings auf das Bett, nimmt eine offene, spielerische Haltung ein. Der Mann legt sich neben sie, um sie zu küssen. Sie küsst zurück, es gehört dazu. Noch ein paar Minuten, dann wird sie zur leidenschaftlichen Geliebten werden. Ihr Körper ist längst darauf eingestellt, und nun ziehen ihre sinnlichen Lüste nach. Doch zuvor wäre da noch etwas zu klären. "Alva - im Bett bist du, was du zu sein scheinst" vollständig lesen

Alva oder warum zwei Kondome besser sind als eines

Der Gebrauch ist einfach - doch die Effekte können variieren
Die Erzählerin – Alva oder warum zwei Kondome besser sind als eines sowie einige Möglichkeiten, die Lust zu befriedigen

Selbstverständlich hat sie immer ein Kondom in ihrer Handtasche. Für alle Fälle, doch weiß sie auch, dass diese Fälle kaum noch eintreten. Es ist einsam geworden um sie, vor allem, seit sie Abteilungsleiterin wurde. Zuvor leistete sie sich schon noch die eine oder andere Affäre – dann und wann jedenfalls.

Es gibt sie wirklich, doch wie nenne ich sie? Jenny? Natascha? Gertrud? Scherz beiseite: Alva würde zu ihre passen: feenhafte Erscheinung, aber mit einer robusten Psyche. Rund heraus und unverblümt: Alva sucht sich gelegentlich, aber sehr gezielt Möglichkeiten, „ihren Körper mal wieder richtig zu spüren“. Ohne jede Verbindlichkeit und innerhalb von höchstens sechs Stunden.

Einschub: guten Sex innerhalb von sechs Stunden genießen – geht denn das?

Ich muss euch jetzt mal persönlich ansprechen: Vielleicht habt ihr noch niemanden erlebt, der sich so verhält. Und es könnte durchaus sein, dass euch diese Geschichte befremdet. Aber ich kann euch versichern, dass Alva nicht die einzige Frau auf dieser Welt ist, die so denkt und handelt. „Ich will meine Lust nicht durch die Rippen schwitzen“, sagte mir Nora, die nach längerer Ehe nun „von Fall zu Fall“ mit verheirateten Männern verbringt. Ledige kämen sowieso nicht infrage. Und Beziehungen? Um Himmels willen, das brächte doch nichts als Probleme.


Zurück zu Alva und ihrer Geschichte

Kehren wir zurück zu Alva, die mir ihre Geschichte in einer schwülen Gewitternacht im letzten Spätsommer des vorigen Jahrhunderts erzählte. Damals hätte man noch eine Verbindungslinie von Alva zu mir ziehen können, und ich habe deshalb über das geschwiegen, was ich von ihr hörte. Und vielleicht noch dies: Ich habe keine Veranlassung, an dem Wahrheitsgehalt ihrer Aussage zu zweifeln. Allerdings habe ich einige Ergänzungen hinzugefügt, um die Geschichte etwas plastischer schildern zu können und einiges weggelassen, soweit es die Intimsphäre von Alva betrifft.

Alva und die Probleme mit der Kleinstadt

Es ist wirklich schwer für Alva, in ihrer Stadt einen Mann zu finden. Knapp 45.000 Einwohner hat sie mit allen Vororten. Kleinstadt also, wenngleich mit großer Bedeutung für verschiedene ertragreiche Branchen. Wenn du in der Kleinstadt wohnst, wirst du wissen: Die Leute beobachten dich. Und Alva ist bekannt. Denk mal an eine Physiotherapeutin, eine Studienrätin oder die Leiterin der örtlichen Volksbank. Dann kannst du dir nicht einmal leisten, in deinen Dessous im Garten zu sitzen.

In die Abschlepp-Bar oder zum Sex in die Hauptstadt?

Sicher gibt es eine Bar in der Nähe ihres Wohnorts, in der du Männer kennenlernen kannst – aber wenn du dahin gehst, bist du gleich abgestempelt. „Notgeile Schlampe“ ist noch eine der höflicheren Bezeichnung für dich, wenn du hingehst und dich an die Bar setzt. Ich schildere dir mal, wie es ist: Geh rein, setz dich auf einen Barhocker, zieh den Rock so weit hoch, dass die Jungs deine Oberschenkel sehen können und lass dich zu einem Drink einladen. Der Rest findet im Auto statt – oder bei schönem Wetter auch mal auf einer Waldlichtung auf dem verlassenen Truppenübungsplatz. Wenn du Glück hast, in einer unaufgeräumten Junggesellenwohnung oder einer Monteurunterkunft. Ein Hotel können sich die Jungs nicht leisten. Wollen sie auch gar nicht. Und das Schlimmste: Sie erzählen weiter, wie es mit dir war. Garantiert und in Details.

Nun gut – Alva könnte heimlich die Hauptstadt fahren, wo sie niemand kennt und niemand fragt. Von der Apothekerin weiß sei, wie so etwas geht: eine Anzeige im „Wochenblatt“ mit einem etwas verschlüsselten Text, der dem Eingeweihten klar macht, was geboten und erwartet wird. In der heutigen Zeit heißt so etwas „Casual Dating – damals sagte man „Begegnungen“ dazu.

Das alles ist nichts für Alva. Sie will nicht, dass von vornherein alles klar ist, inklusive der möglichen Varianten, sondern dass sie ein Mann anspricht, der sie schön und begehrenswert findet. Und sie will den Dingen ihren Lauf lassen, weil sie es hasst, wenn immer alles „nach „Muster“ abläuft.

Alva geht aus

Alva wird heute dennoch ausgehen. Sie überprüft ihre kleine Handtasche, geht zur Keksdose auf dem Nachtisch, nimmt ein Kondom heraus. Eines? Manchmal ist ein Zweites nötig - diesmal eines aus dem verschließbaren Medizinschränkchen. Also zwei Kondome, dazu einen Ersatzslip – der nimmt nicht viel Platz weg. Viel mehr wird sie nicht brauchen. Oh, die Visitenkarte, falls jemand ihr nicht glaubt, das zu sein, was sie nun darstellen wird: die reisende Schulungsleiterin Alva Wiederkehr.

Sie überprüft noch einmal ihre Garderobe, ihr Make-up und ihre Frisur. Da muss sie nicht viel ändern. Business-Outfit, heller, etwas kürzerer Rock als üblich, Halterlose an den langen Beinen. Die Bluse nicht völlig zugeknöpft, der BH darf leicht durchschimmern. Das Parfüm eine Spur sinnlicher, aber nicht zu schwer. Ein einziges Schmuckstück, mehr nicht. Eine edle Uhr? Reicht völlig.

Ihre Wohnung liegt am Rande eines neuen Stadtviertels, deutlich getrennt vom Hauptort. Von dort sind es noch etwa 500 Schritte zu einem riesigen Hotelareal in einer Art Park. Dort nächtigen nahezu ausschließlich Firmengäste, Vertreter, Reisende und Tagungsteilnehmer. Die meisten Gäste scheuen den Weg in die verhuschte Innenstadt, die ohnehin außer der bereits erwähnten Schummerbar so gut wie nichts zu bieten hat. Und aus eben diesem Grund verfügt jedes dieser Hotels über eine relativ große Hotelbar, die stets überaus gut frequentiert wird. So gut wie alle reisenden Geschäftsleute, ob Frauen oder Männer, fühlen sich abends einsam. Und wer sich einsam fühlt, nimmt gerne Gesellschaft an, in der Hoffnung, das am Ende vielleicht doch noch ein feuchtes Erlebnis herausspringt, aber ohne die Erwartung, dass es unbedingt passieren muss. Aber ein kleiner Flirt wird doch erlaubt sein, nicht wahr?

Alva weiß, worauf es hier ankommt: Du musst aussehen wie eine Businessfrau und dich benehmen wie eine Businessfrau. (Alva würde selbst noch viel mehr Eigenschaften nennen können, schließlich ist sie eine Businessfrau). Klar kannst du abends an der Bar ein bisschen legerer auftreten, doch Alva weiß: je weniger sie auffällt, umso besser.

Die Konkurrenz – wo Männer sind, da sind auch Frauen

Um das zu verstehen, muss ich nun mit euch über Alias „Konkurrenz“ reden, so peinlich dies auch sein mag. In einer Hotelbar kann jede Frau eine Konkurrentin sein, damit musst du rechnen, wenn du dort auf „deinen“ Lover wartest. Du kannst lernen, sie auseinanderzuhalten, in Gruppen einzuteilen und sie zu umgehen. Aber das ist nicht das Wichtigste: Du musst den männlichen Gästen klar machen, dass du auf keinen Fall dazugehörst. Wenn du heute in Hotelbars gehst, findest du dort viel mehr reisende Geschäftsfrauen als in den 1990ern – damals waren sie aber noch eine Rarität.

Und du? Du hattest einen harten Tag. Und nun suchst du Abwechslung. Nette Gespräche und einen kleinen Flirt -. auf keinen Fall mehr. Sollte dich ein Herr dennoch „überreden“, noch ein weiteres Gläschen auf seinem Zimmer mit dir zu trinken, dann tut er es, weil er dich wirklich mag. Niemanden interessiert die Wahrheit – es ist ein Mantra, das du selber ein bisschen glauben musst, damit es für andere glaubwürdig ist.

Manche deiner Konkurrentinnen ahmen das Verhalten von Geschäftsfrauen in Hotels nach. Da wäre zum Beispiel Xenia, die eine Codekarte mit Zimmernummer besitzt und sie immer deutlich auf die Bar-Theke legt. Die Karte ist längst abgelaufen, aber mancher Herr glaubt ihr, dass sie Reisende für Kosmetika ist. Andere geben sich erst gar keine Mühe, ihre Absichten zu verbergen – man erkennt sie an ihrem Verhalten, an ihrer Redeweise und an ihren Handtaschen – von der aufreizenden Haltung einmal abgesehen. Ich bin mir nicht ganz sicher, was ihr denkt, aber es geht eigentlich immer um Geld: Mal im Voraus, mal hernach, mal in bar, mal per Kreditkarte. Und dann und wann geht es um Erpressung oder Industriespionage.


Alva weiß von zwei oder drei Frauen, die aus dem gleichen Grund hier in die Hotelbar gehen wie sie selbst: Einen wundervollen Lover zu suchen und sonst gar nichts. Sie begegnet ihnen selten, und wenn, dann geht sie ihnen aus dem Weg - besser so.

Das bevorzugte Hotel - der Gang durch die Hotelhalle

In dem Hotel, das Alva bevorzugt, gibt es keinen separaten Eingang zur Bar. Sie geht durch die Halle, wie jemand der froh ist, dass der harte Tag endlich vorbei ist. Manchmal lächelt sie der jungen Frau an der Rezeption zu. Natürlich weiß sie, dass Alva hier kein Zimmer gebucht hat – aber es kommt schon vor, dass man sich in der Bar auch noch zu geschäftlichen Gesprächen trifft oder einfach eine Kollegin aus einer fernen Zweigstelle des Unternehmens.

Bevor sie die Bar betritt, richtet sie sich noch einmal innerlich auf und bleibt einen Moment im Eingangsbereich stehen. Sie weiß, dass sie dabei von den Herren gemustert wird, doch verzieht sie keine Miene, geradezu so, als ob ihr einziges Ziel wäre, sich auf dem nächstbesten Hocker niederzulassen.

Doch nun bleibt sie einen kurzen Moment vor der Bar-Theke stehen. Sie mustert die Barfrau, die heute Dienst hat. Diese blickt kurz auf, und beide lächeln. Die Unsicherheit, so weiß sie, lauert beim Personal, nicht bei den Gästen. Die Gefahr, dass man plötzlich eine Schulkameradin als Hausdame, Portierin oder Barfrau trifft, mag gering sein, aber sie ist real. Diese Barfrau stammt nicht aus dem Ort, sondern aus einer eher ländlichen Gegend südlich der kleinen Stadt, leicht über die Autobahn erreichbar, aber fern genug, um ihr gefährlich zu werden. Sie nennt sich Lola … Gäste in Bars wollen „ihre“ Barfrau immer mit Vornamen ansprechen – das ist international üblich. Lola erkennt Alva und sagt: „Es ist lange her, dass Sie das letzte Mal bei uns waren, Miss Wiederkehr, nicht wahr?“

Wollt ihr die nächste Folge lesen? Sie heißt:"Wie die Verführerin sich verführen lässt" .
Insgesamt besteht unsere Geschichte aus vier Teilen - und sie beruht auf einer authentischen Erzählung.