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Was uns anpisst – und was nicht

Humor bezaubert, auch wenn die Situation eher befremdlich ist
Manches pisst uns an, manches empört uns. Dann befremdet uns wieder etwas, und schließlich sind wir von etwas peinlich berührt. Ausdrücke für den Umgang mit "Peinlichkeiten" gibt es in Hülle und Fülle.

Peinlich berührt sein

Ich las neulich gerade, dass wir Autorinnen/Autoren uns hüten sollten, über einige Themen zu schreiben, die Menschen peinlich sind. Und als ich hier dann den Artikel über „Natursekt“ nachlas, begann ich nachzudenken. Warum, in drei Teufels Namen (oder in jedem beliebigen anderen Namen) sind wir eigentlich so empfindlich, oft gar „pikiert“, wenn es ans Eingemachte geht?

Drei Themenkomplexe, bei denen Leser(innen) empfindlich reagieren könnten

Die Berührungsängste, die wir besonders häufig finden, bestehen einmal aus den Körperausscheidungen, Sperma und Scheidenflüssigkeit durchaus inbegriffen und sicher auch Schweiß und Speichel, um mit dem Harmlosen zu beginnen.

Männer und Frauen haben eine Schnittstelle, an der sie empfindlich reagieren: sich niemals sexuell zu etwas zwingen zu lassen.

Die dritte, deutliche Hürde betrifft vor allem Männer: Sich niemals einem Gedanken nähern, der als homosexuell ausgelegt werden könnte.

Was denkt die Mehrheit eigentlich wirklich?

Wenn wir dies nun alles so hübsch aufgezählt haben, kommen wir unweigerlich zu einem Knackpunkt: Ein Teil der Menschen ist ausschließlich befremdet, wenn er von anderslautenden Aktivitäten hört. Das ist deren gutes Recht und kann nicht bewertet werden. Ein weiterer Teil ist fasziniert davon – diesen Teil rechnen wir zumeist zu den „Perversen“, „Abweichlern“ oder „Fetischisten“. Damit hätten wir sie geistig „weggesperrt.“

Der dritte Teil jedoch ist zugleich fasziniert und befremdet von dem, was in einer erotischen Geschichte passiert, die über die Grenzen des „Blümchensex“ hinausgeht.

Der Großteil der Menschen ist neugierig auf "eigenartigen" Sex

Wir ahnten schon immer, dass dieser Teil der Menschheit in Wahrheit der größere Teil ist – und seit Kurzem wissen wir es – einmal aus der Forschung, und dann auch aus dem Erfolg der leidigen „Shades of Grey“. Mit dieser recht neuen Erkenntnis können wir an viele Phänomene mit leichtem Herzen herangehen. Um unsere Leserinnen und Leser nicht zu stark psychisch zu beanspruchen, sie aber dennoch sinnlich anzusprechen, haben wir verschiedenen Möglichkeiten, unsere Worte zu variieren.

Nicht zu direkt, nicht zu unmittelbar und ohne Wehgeschrei: Fesseln und Schläge

Wenn von Fesselungen die Rede ist, sprechen wir nicht von dem Gefühl, hilflos und ausgeliefert zu sein. Wenn wir von Schlägen oder Hieben sprechen, erwähnen wir weder den beißenden Schmerz, noch die unterdrückten Tränen, sondern sehen es wie eine „Geisterbahnfahrt“ an. Selbst eine Folterszene oder ein ähnlicher Übergriff lässt sich so „entschärfen“.

Es fließt und sprudelt - Körperflüssigkeiten für jeden Geschmack

Nehmen wir wir Körperflüssigkeiten: Ob jemand ejakuliert, laktiert, spuckt oder uriniert - immer findet sich ein Weg, den Vorgang selbst zu verschleiern oder allenfalls anzudeuten. Mit etwas Humor schluckt auch unsere Leserin oder unser Leser nahezu jede Flüssigkeit, die wir ihm virtuell anbieten.

Selbst überzeugte Heterosexuelle zeigen sich verblüfft von alternativer Lust

Das größte Monster für Männer, der Anklang an Homosexualität, lässt sich kaschieren, sobald man eine Frau ins Spiel bringt, die dabei „Schützenhilfe“ leistet. Und plötzlich wird aus dem Ekelphänomen ein Genuss, der freilich überrascht. Wer sich einmal Gedanken über das „reine Fühlen“, also erotische Handlungen ohne Sichtkontakt gemacht hat, wird wissen oder ahnen, was alles möglich ist. Aus dieser Sicht ist auch der passive Analverkehr kein Tabu mehr.

Im Allgemeinen gilt: Je skurriler, spielerischer oder humorvoller du die Situation schilderst, in der sich eine „starke“ sexuelle Abweichung manifestiert, umso mehr akzeptiert deine Leserschaft, was du schreibst.

Bild: Aus einem erotischen "Groschenheft"

Die Geschichte des Erzählens als Grundlage für deine Erzählung

Die Geschichte des Erzählens ist älter als das, was die Literatur darüber hergibt, und es ist gut, uns daran zu erinnern. Ob es nun die Sammler oder die Jäger waren, die abends am Feuer saßen und ihre Erfahrungen und andere Erlebnisse austauschten, oder die Fremden, die meist etwas aufgebauschte Geschichten ihrer Reisen vortrugen – Geschichten folgen immer den gleichen Zielen. Sie sollen uns bereichern, unterhalten und dann und wann auch belehren. Sie können von Grund auf wahr sein, ein Gemenge aus Realitäten und Fantasien sein oder das reine „Seemannsgarn“, das uns ferne Welten vorgaukelt, in denen alles so anders ist, dass wir es kaum glauben wollen.

Faszination ist nötig

Eine gute Erzählung muss faszinieren, weil uns im anderen Fall niemand zuhören würde. Sie muss Neues und Erstaunliches enthalten, und wenn nicht dies, dann wenigsten etwas, das unsere Gefühle in irgendeiner Weise anstößt. Manchmal berühren und Geschichten so sehr, dass wir in ihnen etwas finden, das wir „mitnehmen“ können.

Erzählen heißt nicht „große Romane schreiben“

Ich sage euch all dies, wie ich die Erläuterungen zu „Was ist eine Geschichte?“ oftmals für zu abgehoben halte. Sicher ist es absolut richtig, dass wir Bücher darüber schreiben könnten: wie unsere Figur ihre Identität sucht, beispielsweise. Wie sie einen Teil davon zu finden glaubt, dann aber wieder daran zweifelt. Wie Gefühle auf Ereignisse treffen und Wendepunkte markieren. „Große Romane“ eben über das Erwachsenwerden oder das Menschsein.

Eine Nummer kleiner gefällig? Dann sind wir bei Erzählungen, die auf Erlebnissen beruhen. Ja nachdem, wie intensiv uns der Erzähler an unsere Gefühle heranführen will, kann er uns die Fakten, die Gefühle und Gedanken oder eine Mischung aus beiden präsentieren. Nun sind wir näher dran an Episoden, Kurzgeschichten und Novellen.

Warum wir auf Begierden hören müssen

Niemand, der eine interessante Geschichte schreiben will, kommt ohne mindestens eine der menschlichen Begierden aus: Neben der Wissbegierde ist es die eher allgemeine Neugierde oder eben auch die sexuelle Begierde, die im Hintergrund lauert. All dies hat viele Namen, die typischerweise mit Grundbedürfnissen verknüpft sind: der Wissensdurst, der Sensationshunger, die Abenteuerlust. Wir können auch sagen: Unsere Figur muss einen Beweggrund haben, um vom „allgemeinen“ oder „gewöhnlichen“ Weg abzuweichen – denn der interessiert niemanden wirklich. Statt Beweggrund sagt man auch „Motiv“.

Ein kleiner Ausflug in die Welt der Konflikte

Steht in den Geschichten, die wir aus dem Leben entnehmen und die wir in die Fantasie transportieren, wirklich so oft ein „Wertkonflikt“? Sicher ist, dass wir kaum ohne Konflikte auskommen, wenn wir spannende oder erregende Geschichten schreiben wollen. Doch sind es selten die reinen „Werte“, die in unserer inneren und äußeren Welt aufeinanderstoßen. Zumeist befinden wir uns im Konflikt um den Weg, den wir gehen wollen. Auf der einen Seite finden wir den bequemen, sicheren Weg, dessen Ziel wir kennen und dessen Bedingungen bekannt sind. Auf der anderen Seite zeigt uns unser unruhiger Geist, unsere wuselige Psyche oder unser begieriger Körper Fluchten, Auswege und Alternativen. Es lohnt sich, sie zu beschreiben und anderen über Erfolg und Misserfolg zu berichten und dabei auch die (innerlich und äußerlich) durchgestandenen Konflikte ausführlich zu schildern.

Zu Konflikten wäre noch viel zu sagen. In einem erregenden Roman erwarten wir den Konflikt, zwischen der Person „A“ und „B“ zu wählen, also beispielsweise zwischen der soliden und zuverlässigen Gretel oder der flatterhaften, sinnlichen Lola. Oder wir sollen uns für eine Alternative des zukünftigen Lebens entscheiden: In der Provinz verhocken oder in die weite Welt ziehen. Bei all diesen Entscheidungen fällt auf, dass sie nur das Eine oder das Andere zulassen. Der dritte, möglicherweise interessantere Weg wird selten versucht: „Ich werde weder das Eine noch das Andere wählen, weil ich diese Wahl nicht annehme.“

Warum wir das Erzählen vertiefen müssen

Wenn wir eine erregende Geschichte erzählen wollen, sollten wir nicht zu viele „Ereignisse“ aneinanderreihen, schon gar nicht, wenn sie einander sehr ähnlich sind und alles ohnehin vorhersehbar ist. Und wenn wir die Leser(innen) in ihrem Kern treffen wollen, dann sollten wir versuchen, uns in ihre Psyche zu verbeißen.

Was hat das alles mit Liebe und Erotik zu tun?

Übrigens gilt all dies nicht nur für Liebesgeschichten und erotische Romane. Aber eben auch für sie. Ich habe in den letzten Monaten sehr viele erotische Geschichten nachverfolgt und kann euch sagen: Zumeist bieten sie keine wirklichen Überraschungen, kaum „innere Konflikte“, selbst bei den heftigsten Absonderlichkeiten nicht. Und sie enthalten fast keine tiefgründigen Schilderungen der Emotionen, die im Lauf der lustvollen Frivolitäten entstehen.

Ein wichtiger Satz über die Lust – für Autorinnen

Völlig von Sinnen - Lust im Delirium
Ich habe einen Satz in „Delirium“ gefunden, den ich im Original nicht einmal wiedergeben kann – einmal wegen der möglichen Zensur und zweites, weil jetzt ja alles „sozial korrekt“ sein muss. Also –wenn ihr ihn im Original lesen wollt, dann bliebt auch nichts anderes übrig, als das Buch zu kaufen – 1977 erschienen, in Deutschland erst zwei Jahre später.

Nun, ich will den Satz gerne so wandeln, dass er für dich passt, wenn du Autorin bist.

Diese Geschichten sind die Besten: Wenn deine Figur zittert, immer etwas verstört ist, wenn ein Mann in sie eindringt. Das genießt diene Leserin mehr als alles andere, weil sie jedes Mal glaubt, dass etwas Verbotenes geschieht.

Wie ich bereits sagte, es ist nicht der Originaltext. Aber es ist der Geist des Textes. Wenn die Heldin zugleich nach der Erfahrung lechzt und davor zittert, dann sind wir an dem Punkt angelangt, an dem Gefühle überschäumen. Und weil wir gerade dabei sind: Es muss ich nicht zwangsläufig um einen Mann und eine Frau handeln, und es muss nicht der Penis sein, der ängstigt.

Du kannst überall nachlesen, dass es nichts Langweiligeres gibt, als wenn alles „wie am Schnürchen“ flutscht. Nicht beim „ersten Mal“ und nicht beim ersten Mal mit dem/der Neuen. Und natürlich nicht bei einem der späteren ersten Male, wenn deine Figur neue Szenarien erprobt.

Der beste Mix: Mut, Geilheit und etwas Furcht

Am besten ist, deine Figur mit Mut, Geilheit und etwas Furcht auszustatten. Dann gelingt das, was du erreichen willst. Irgendwann gibt sich deine Figur nach vielen kleinen Widerständen und zwiespältigen Gefühlen endgültig und restlos hin. Und bei etwas sprachlichem Geschick wird deine Leserin glauben, sie habe sich gerade selbst der Lust hingegeben.

Zuvor las sich einen anderen Satz an einem anderen Ort. Die Sprache, so heißt es dort, würde uns viel mehr verstören als das Bild. Ich versuche das mal in „anständigem Deutsch“: eine erlebnisbereite Vulva oder ein heftig erigierter, begehrenswerter Penis, ins Bild gesetzt, mag „anmachen“ oder „erschrecken“, beides mag den Blick auf sich ziehen oder befremdet woanders hin lenken. Bist du eine Voyeuse (oder ein Voyeur), so guckst du hin und es macht dich vielleicht geil. Wenn du es nicht bist, ärgern dich diese Bilder oder sie lassen dich kalt.

Aber wenn du darüber liest, dann kannst du dich nicht gegen die Worte wehren, die deine Psyche behacken wie ein Specht die Rinde eines Baumes. Diese lustvollen, unverschämten, direkten Worte …

Die muss sie natürlich erst einmal finden. Dazu fällt mir ein, dass du deine Figur ruhig einmal animieren kannst, einen völlig schlaffen Penis durch bloßes Liebkosen aufzurichten – und sich dabei ein bisschen zu schämen.

Nun, dir fällt wahrscheinlich noch viel mehr dazu ein.

Delirio erschien zuerst 1977 in Mailand. Die deutsche Ausgabe heißt "Delirium"

Es in Es – Autoren und das Versenken des Harten ins Weiche

Bei Lichte betrachtet ...
Wenn deine männliche Figur „Es in Es“ versenkt, dann denkt und fühlt er anders, als wenn sie „Es“ in „Es“ spürt. Da wir üblicherweise eine Person in den Vordergrund stellen, können wir in den meisten Fällen auch nur die Gefühle einer Person eindringen.

Vielleicht erinnert ihr euch ja an die Nominierten im diesjährigen „Bad Sex Award“. Einer beschrieb die Vagina als „Quetschkomode“ aka „Konzertina“.

Nun gut – schon im Lied „Angelina“ wird auf die Parallele zwischen der Konzertina und der Liebeslust hingewiesen:

Angelina, Angelina, please bring down your concertina
And play a welcome for me 'cause I'll be coming home from sea.


Oder: Wie nennst du das, was passiert?

Falls ihr die Textstelle vergessen habt, die „prämiert“ wurde:

Ihre vaginale Schnarre bewegte sich wie die Wellen einer Konzertina und schluckte langsam mein Organ wie eine Boa Constrictor ihre Beute verschlingt.


Na schön. Oder auch nicht. In einem anderen nominierten Roman heißt es:

Ich schob meinen erigierten Penis hinein. Oder, aus einer anderen Sicht, verschluckte eben jener Teil von ihr meinen Penis, der dabei in etwas eintauchte, was sie wie warme Butter anfühlte.


Geht es auch anders? Ja, wenn wir ehrlicher sind

Zwei Mal „Es in Es“ – zwei Mal eine völlig andere Sichtweise, ein anderes Gefühl, eine andere Anatomie.

Und irgendwie wird nun jedem bewusst, der noch ein Hirn hat: Das ist beides nicht alles gewesen, wobei eine Vagina als Konzertina letztendlich etwas plastischer an die Leserschaft kommt als der in Butter getauchte Penis. Und nun werden Sie seufzen und sagen: Na ja, das war ja im Original alles in englischer Sprache …

Ach ja. Aber im Deutschen tapsen wir ebenso in die üblichen Fallen – und nicht nur in der „großen“ Literatur. Wir vergessen, wie sehr die Personen von der Natur getrieben werden, wir berücksichtigen weder ihre animalische Wollust noch ihre kindlichen Verletzungsängste, wenn es um „das Eine“ geht. Wir unterstellen, dass der Penis sofort bocksteif ist und die Vagina fühlbar Flüssigkeit absondert. Wir nehmen an, dass beide Orgasmen haben, womöglich noch zugleich – und ebenso, dass sich beide in ähnlicher Weise wohlfühlen. Und – vor allem – vergessen wir, dass der Moment, indem „Es in Es“ geht, nur ein winzig kleiner Teil des Prozesses ist, der vorausgeht und der noch folgen wird.

Wie das "Es" im "Es" plastischer wird

Oh nein – erwartet bitte nicht, dass ich euch die Worte in den Mund lege. Der Weg von „sachlich Beschreibend“ bis zur „unwiderstehlichen Masturbationsvorlage“ ist ebenso vielschichtig wie der andere Weg. Und der führt von den nüchternen Tatsachen der „Vereinigung“ zur blumig-verkitschten Beschreibung des Geschlechtsakts wie im Märchen.

Ein bisschen Hilfe will ich dennoch geben: Wer einen Penis versenkt oder empfängt, der fühlt etwas – und das kann wirklich und wahrhaftig alles sein, von Neugierde bis zu Geilheit, von Genuss bis zum Ekel. Sie oder er kann entweder vorher sehen, was da ineinander gerät oder auch nicht. Wenn du das Licht über deinen Figuren löscht, ist es anders, als wenn es dämmrig leuchtet, sodass "sie" den Penis sieht, bevor er eindringt und er schon mal die sich öffnende Vulva sehen kann. Und das Harte kommt nicht immer problemlos ins Weiche. Das kannst du beschreiben – wo’s stockt und warum und wie sich Heldin oder Held dabei fühlen.

Beispiel Erotik-Produkte - die Vulva sehen, die Vagina spüren

Na also. Erotik-Anbieter sagen uns, sie würden Masturbatoren mit ähnlichen Vulven anbieten wie die Lieblings-Darstellerin, die dergleichen geöffnet zur Schau stellt. Und nicht nur das: Unterschiedliche Gerätschaften solcher Art imitieren differenziert strukturierte Vulven.

Sind wir schon wieder bei der Konzertina? Nein, sicher nicht. Aber wenn sich Männer für das Aussehen und die Struktur von Masturbatoren interessieren, dann sollte es auch möglich sein, das zu beschreiben, was sie am natürlichen Objekt begeistert, oder etwa nicht? Übrigens gilt Ähnliches für Frauen im Bezug auf Dildos, Vibratoren und biologische Penisse.

Der schlechteste Sex wurde prämiert – hier ein Verlierer

Der schlechteste Sex wurde prämiert – hier ein nominierter Kandidat, der aber bei den "Bad Sex Awards" 2018 nicht den Vogel abschloss.

„Mach meinen Kessel leer!“ Bettelte ich außer Atem, und sofort begann sie, mich in ihren Lustkäfig hineinzuziehen. Ihre vaginale Schnarre bewegte sich wie die Wellen einer Konzertina und schluckte langsam mein Organ wie eine Boa Constrictor ihre Beute verschlingt. Bald war ich bis zu den Hoden eingeschlossen, gestrandet in der glatten Pfeffermühle, die in ihr wartete.


Im Grund ist „skurril“ gar keine schlechte Idee für erotische Literatur, und auf diese Weise könnte man durchaus Gefallen an dieser Textstelle finden – wenn, ja wenn dort nicht etliche Bilder in Kurzform vermischt wurden:

1. Die Schnarre, die Konzertina.
Beides wären recht Gute, weil einprägsame und plastische Begriffe, wenn man sie separat einsetzen würde.
2. Die Boa Konstriktor, der Lustkäfig, die Pfeffermühle.
Auch die wären einprägsame Begriffe, wenn sie separat verwendet würden.

Diesen Autoren mag man verzeihen, dass sie so schreiben – schließlich ist es ein Buch, das ohnehin ausgesprochen „schräg“ daherkommt. Es trägt den Titel:

Scoundrels: The Hunt for Hansclapp by Major Victor Cornwall and Major Arthur St John Trevelyan


Wir sehen: Die Versuche, eine sexuelle Szene bildhaft und einprägsam zu beschreiben, sind durchaus sinnvoll. Doch wer zu viele Bilder in einen einzigen Absatz verlegt, wird dennoch verlieren.

Penis in Vagina - schwer zu beschreiben?

Nun, der Vorgang, den man im englischen „PiV“ nennt (Penis in Vagina), hat so viele Varianten, wie es Ausdrucksweisen und Gefühle gibt – oder eben Sprachlosigkeiten und Gefühllosigkeit. Vergessen wir auch nicht, dass es eine bewusst falsche, aber gern gehörte Sprache der Liebe gibt und dass Gefühle lebensnah vorgetäuscht werden können.

Glut oder Routine?

Seht mal: Eine junge, glutvolle Frau, die sehnsüchtig ihren Liebhaber erwartet, denkt und fühlt anders als eine Zufallsbekanntschaft, die sich gerade erst entschlossene hat, mit ihrem „Dating-Partner“ das Bett zu teilen. Und nun versetzt euch in eine Frau, die auf einer ausschweifenden Party zum zweiten Mal (aber mit einem neuen Mann) ins Gästeschlafzimmer einschließt.

Im Grund passiert immer dasselbe: ein Penis, eine Vagina, zwei nackte Unterkörper, zwei oder mehr erhebliche Körperreaktionen. Und die Flüssigkeiten, die dabei frei werden oder auch nicht. Und all dies in Worte zu fassen, die neu und erfrischend wirken, ist sicher nicht so einfach.

Aber – es ist den Versuch wert. Ganz sicher.