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Drei Arten von Erotik-Schreiber(innen)

Es gibt sicher mehr als diese drei Arten von Erotik-Autoren (und Autorinnen) aber ich will sie einfach mal katalogisieren:

1. Die echten Literaten, die unter Pseudonym schreiben
Sie können wirklich Literatur schreiben, und das zeigen sie uns auch. Ihre Geschichten sind interessant, ihre Details lebensnah, und die ausgesprochen anregenden Details sind mindestens in Fragmente einer Geschichten eingebettet. Es gibt zahllose Beispiele dafür – die „Geschichte der O“ ist dabei ausgesprochen spektakulär, weil die Autorenschaft über Jahrzehnte unbekannt blieb. Üblicherweise erkennt man eine literarisch vorgebildete Autorin daran, ungewöhnliche Dialoge zu schreiben und die Leserin „ins Geschehen hineinzuziehen“.

2. Die kundigen Vielschreiber, die „geile“ Texte verfassen
Diese Leute können schreiben, weil sie Journalisten sind oder waren und sie schreiben mindestens nur das, was sie aufgrund ihrer Erfahrung selber für denkbar halten – mit einem geilen Sahnehäubchen oben drauf. Meist gelingt es Ihnen deshalb, die Realität durch die Schilderung überschwängliche Lust zu übertreffen – das macht ihre Texte so „lüstern“. Manche schreiben „am Fließband“, und das merkt man ihren Texten auch an.

3. Die „Dahinschreiber“ mit engem Horizont
Sie schreiben, weil sie eine sexuelle Praxis besonders lieben oder ständig dieselbe Fantasie in neuem Kleid vermarkten. Dabei nutzen sie eine Fähigkeiten, die sie seit der neunten Schulklasse besitzen: Die Technik des Aufsatzschreiben. Das Paar ist da und da, sie tun dann dies und das, und am Ende wird mit einem der üblichen Larifari-Sätze abgeschlossen. Allerdings muss „dies und das“ unbedingt vor Aktivitäten überlaufen, genau so, wie es einen beständigen Fluss von Vaginalsekreten und Sperma geben muss.

Selbstverständlich gibt es Zwischenstufen – und wenn man differenzieren will, auch noch mehr Kategorien.

Sage uns bitte , was du darüber denkst.

Wie du eine berühmte Autorin wirst

Verwirrt dich dieser Beitrag? Nun, er ist keine Satire, sondern absolut ernst gemeint

Wie du eine berühmte Autorin wirst

Besorg dir einen PC mit einem Schreibprogramm,
Und während andere die Vögel zwitschern hören,
Draußen vor dem Fenster.

Hau in die Tasten.
Wild und entschlossen.

Zieh den Frauen die Masken vom Gesicht und den Männern.
Zeig sie, wie sie wirklich sind: animalisch und geil.
Öffne ihre Jalousien und zieh ihnen die Bettdecken weg.
Und denk dran, wie sie in einsamen Nächten
Ihre Orgasmen herausschreien – wie die Katzen in der Nacht.


(Einem Gedicht von Charles Bukowski nachempfunden)

Mehr von Bukowski (auch über das Schreiben).

Versuche, das zu schreiben, wovon du feucht wirst …

nicht das übliche ... aber sehr beliebt ...
Machen Leser(innen) und Autor(innen) mag nicht gefallen, was nahezu alle Berater(innen) behaupten: Wenn du selbst von deinen erotischen Texten geil wirst, dann werden es deine Leserinnen wahrscheinlich auch.

Stimmt das?

Ich glaube, es stimmt, wenn die Geilheit der Schiffsdiesel ist und nicht der Lotse. Da treibt dich deine Lust an, und sie kann dich dazu verführen, auf die Klippen aufzulaufen und beim Schreiben unterzugehen. Deine Figur durch die Story zu lotsen erfordert Sachverstand, Schreibkunst und Feingefühl, und ab und an sogar etwas Realitätssinn – und das völlig unabhängig davon, wie fantasievoll, verklärt oder gar mystisch deine Geschichte auch angelegt sein mag.

Was andere meinen ...

Hier ein Text, den wir anderwärts gefunden haben – jede von euch mag entscheiden, ob sie dem zustimmt oder nicht. (Übersetzt und gekürzt von Isidora).


Ich habe versucht, "traditionelle" Liebesgeschichten zu schreiben, also solche, in denen ein Mann eine Frau liebt. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger gefällt mir die Idee.

Wenn ich ganz ehrlich sein soll, muss ich sagen, dass ich eine ganze Weile damit gerungen habe. Ich las immer wieder Artikel darüber, wie man einen Bestseller schreibt oder wonach Verlage oder Agenten im Fach der Liebesromane suchen. Und ich habe mich bemüht, Ideen für Geschichten zu entwickeln, die in dieses Schema passen könnten. Aber nichts davon hat mich wirklich berührt. Ich möchte über Frauen schreiben, die sich ineinander verlieben. Ich möchte über unkonventionelle Beziehungen schreiben.

Genau das begeistert mich – und heißt es nicht immer, man soll über etwas schreiben, für das man sich selbst begeistern kann?

Ich liebe es, mich an meinen Laptop zu setzen und eine Welt zu erschaffen, in der ich verschwinden kann – aber zuerst müssen mich die Geschichten selbst ansprechen – und das merke ich, wenn ich rollig oder geil werde.

Eines will euch noch sagen: Auch wer nie etwas veröffentlichen wird, sollte schreiben, was ihn bewegt. Es ist eine geheime, sichere, sinnliche und sehr liebevolle Art, alles über sich zu erfahren.

Was hier noch fehlt ... deine Meinung!

Der Mann, der sich nicht traut

Verführt ... wozu?
Die meisten Männer reagieren eigenartig, wenn eine Frau verführt – zumal, wenn es sich sich um eine Frau mit viel Erfahrung handelt, die weiß, wie man Männer „in etwas hineinziehen“ kann. Und was passiert, wenn ein scheuer, heterosexueller, an Blümchensex gewohnter Mann an eine solche Frau gerät?

Starke Frauen: Flüchten oder standhalten?

In der Realität ist’s wie im Roman: Er hat zwei Möglichkeiten: Flüchten oder Standhalten. Flüchtet er, ist er aus der „Gefahrenzone“ heraus. Keine ungewöhnlichen Gefühle, keine ungewöhnlichen Begierden, kein eigenartiger Geschmack auf der Zunge. Entweder aktiven Blümchensex, schon frivol, schon ekstatisch – aber eben Standard: Er küsst sie hier, er küsst sie dort, sie zieht sich aus, sie ermuntert ihn ein wenig, und dann ist’s PiV (1), nicht Paff und nicht Puff.

Hält er stand – nun, dann kann er entweder etwas lernen, etwas leiden lernen oder die Macht erspüren, die Frauen haben, wenn sie wollen. Und daran kann er über sich hinauswachsen oder daran zugrunde gehen. Und ich denke, genau da wollt ihr als Autorinnen hin – denn das ist wahrhaftig am interessantesten.

Neulich als ich eine recht interessante Geschichte über eine „späte Flucht“. Der Mann hat Zweifel, weiß nicht, worauf sie genau hinauswill. Er wäre auch bereit, den nächsten Schritt zu vollziehen, aber etwas hält ihn zurück. Oder soll sie ihn wirklich erst auffordern, sich auszuziehen?

Es handelt sich um eine Nacherzählung aus dem Ausland. (2) Der Vorfall soll sich in ähnlicher Weise tatsächlich ereignet haben.

Er ist ein wenig ängstlich, scheint sich nicht zu trauen. Also frag ich ihn, ob ich ihn küssen darf. Er strahlt, also fange ich an. Bei einem neuen Lover gehe ich mit der Zunge auf Entdeckungsreise, reize ihn mehr und mehr und erfühle seine Reaktionen. Er wehrt sich gegen nichts, ist offen dafür, dass ich ihn dabei ziemlich geil mache.

Oh – etwas hat sich jetzt verändert. Er will nicht mehr reden, nur noch küssen. Ich gönne ihm noch ein paar Lustküsse, dann nehme ich seine Zunge und beiße ein wenig hinein - sanft, aber fühlbar. Er zuckt ein wenig, lächelt.

„Hab ich dich erschreckt?“
„Ein bisschen, ja.“

Er kommt mir näher, versucht, sich an meinen Körper zu schmiegen. Sanft, zurückhaltend. Ich soll nicht merken, wie geil er schon ist. Manche Männer haben gelernt, dass man besser verbirgt, was da hervorquillt – aber Nähe will er eben doch.

Ich frag ihn, ob er ein Schmuser ist. Er sagt „Nein“, nicht wirklich. Klar ist er einer. Er will sich in den Sex hineinschmusen. Romantiker, eigentlich ganz nett, mal damit zu spielen.

Na schön, es gibt mehr Küsse, viel mehr. Gar nicht schlecht. Ich drücke ihn gegen mich, will wissen, wie geil er inzwischen ist. Na klar ist er scharf, bockscharf.

Ich denke, dass er weiß, was er jetzt zu tun hat. Die Sachen passieren im Untergeschoss, nicht im ersten Stock.


An dieser Stelle verlasse ich das Fragment dieser Geschichte. Es ist der Versuch einer Frau, die viel mehr bietet und viel mehr erwartet, und eines Mannes, der gelernt hat, sich zurückzuhalten und seine Geilheit auch nicht erfühlen zu lassen. Wie sie in Wahrheit ausgehen mag, weiß ich nicht, aber die Fantasie setzt keine Grenzen.

Der schüchterne Mann, der zum Küssen aufgefordert werden muss und der sich wünscht, dass man ihm ins Ohr flüstert: „Wenn du dich ausziehen würdest, könnte ich viel mehr von dir spüren“, kommt tatsächlich noch selten vor in der erotischen Literatur. Und je weniger plakativ die Verführung ausfällt, umso erfrischender und überraschender sind die Effekte.

Das Thema: „Ich verführe den schüchternen Mann erst sanft und mache ihn dann zum Werkzeug meiner geheimen Lüste“ steht auf einem anderen Blatt. Es ist sicher ebenfalls ein geeignetes Libretto für eine furiose Opernaufführung geheimer Lüste.

(1) PiV - Penis in Vagina, Slangausdruck aus den USA.
(2) Nacherzählung, Anreicherung und Übersetzung: Isidora.
Bild: Ca. 1840, Buchillustration, Ausschnitt, koloriert und retuschiert.

Ist der Mann nur geil, wenn er steif ist?

Prelude zu einer Sexszene
Es gibt Klischees über Frauen und solche über Männer. Das beliebteste Klischee über Männer besteht darin, dass sie immer „einen Steifen in der Hose haben“, den sie blitzartig und ohne namhafte Stimulation einsetzen können. Die Frau, die noch keinesfalls erregt ist, kann sich dann noch weigern, sich widerwillig hingeben, Bereitschaft herbeitricksen oder tatsächlich schon geil sein.

Die Frau als Objekt - ein männlicher Gedanke?

In der Tat beinhaltet das „Script“ vieler Männer: Wenn sie schon mal soweit ist, dass sie den Slip runterlässt, dann will sie auch mein Ding in ihrem Ding. „PiV“ (1) ist das Ziel, meint der Mann über die Frau, und die Frau meint, dass der Mann genau das von ihr will. Wenn ein Mann mal etwas „auf schön“ will und erst „angeheizt“ werden muss, dann ist er – so die Legende – gar kein richtiger Mann. Natürlich auch nicht, wenn er den Genuss liebt, irgendetwas „genascht zu bekommen“. Er ist das männliche Tier, das sich auf das weibliche stürzt, während dieses brav und lustlos „hinhält“.

Armer Mann – er versäumt manches?

Klar, dass Männer dabei manches versäumen. Trifft der Klischee-Mann auf die Klischee-Frau, dann hat er nicht viel Spaß, außer vielleicht für ein paar Sekunden einen ekstatischen Orgasmus, gefolgt von dem Gedanken: „Ach, das war’s mal wieder?“ Die Frau hat möglicherweise noch weniger davon und denkt: „Warum hab ich ihm überhaupt mitgenommen? Ist doch sowieso immer das Gleiche.“

Und die Nicht-Klischee-Frau?

Gut – es mag schwierig sein, keine Klischee-Frau zu treffen, sondern eine Künstlerin der erotischen Verführung, die sagt: „Leg dich einfach hin, und lass mich machen.“ Aber dann müssten sämtliche Klischees vom Tisch, denn „so etwas“ tut keine anständige Frau und kein braver Mann fordert so etwas von einer Frau an – er könnet ja bezichtigt werden, sie für eine Hure zu halten. Oder er vermutet, dass sie ihn dann für einen Schlappschwanz hält – und das vielleicht noch herumerzählt.

Eine Historikerin redet Tacheles

Entsprechend las ich dieser Tage bei einer Historikerin (2):

Es wird davon ausgegangen, dass Männer immer zum Sex bereit sind. Es wird angenommen, dass sie immer Freude am penetrativen Sex haben, und dieser soll sie immer befriedigen. Um männlich zu sein, muss man außerdem ständig aktiven männlichen Sex betreiben und dabei viele Frauen penetrieren. Das heißt, viele Männer gehen schon mit einem bestimmten Drehbuch an die Frauen heran, das sie nicht wirklich befriedigt – aber sie dürfen es nicht zugeben, um nicht als „unmännlich“ angesehen zu werden.


Wer kann eigentlich immer?

Während eines Gesundheits-Kongresses sagte einmal eine Dame zu mir: „Ihr Männer seid komisch – ihr denkt, dass ihr immer ‚können‘ müsst. In Wirklichkeit ist es umgekehrt: ein bisschen Entspannung, etwas Gleitmittel – dann wird dir jede Frau vorspielen können, dass sie bereit ist.“

Was kannst du mit diesem Wissen anfangen? Ich denke, du kannst die Rolle des Mannes verändern, wenn du schreibst – aber erst recht die Rolle der Frau. Und vielleicht entsteht dann ja etwas völlig Neues.

Bild: Skizze von Paul-Émile Bécat - "Prelude", Ausschnitt
(1) PiV - übliche angelsächsische Bezeichung für "Penis in Vagina"

(2) Aus: Going Medieval, Blog.