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Ein universelles Konzept, um einen Wandel zu beschreiben

Ich bin vielfach im Netz unterwegs, und heute habe ich für ein anderes Magazin einen Artikel über die Chancen des Wandels geschrieben.

Dieser Beitrag ist recht universell, was sich schon daran zeigt, dass sich die 10 Ratschläge für den Beginn einer Ehe ebenso eignen wie für die Zeit nach einer Trennung.

Sie können die zehn Punkte aber auch so verwenden: Sehen Sie sich jeden einzelnen Punkt an und überlegen Sie, welche Bedeutung er für ihre Heldin haben könnte – auf was sie sich auch einlassen mag. Es können Gedanken einer Jungfrau vor ihrem „ersten Mal“ sein, aber ach die Gedanken einer erwachsenen Frau, die zu SM-Abenteuern animiert wurde. Insbesondere die Punkte eins bis sieben der Aufstellung können Ihnen helfen, die Brücke vom Entschluss bis zum Ereignis mit Worten zu füllen und ihre Heldin all das sagen und denken zu lassen, was später auch ihre Leserin bewegen wird.

Hatten Sie Erfolg damit? Dann schreiben Sie es mir bitte.

Der doppelte Boden in der erotischen Literatur

Schnelle Wandlung
"Sobald es sich um Literatur im Sinne von Schreibkunst handelt, kommt mit dem Phänomen Liebe auch dessen Doppelbödigkeit und grundständige Dubiosität ins Spiel.“

Kristina Maidt-Zinke in der „Süddeutschen Zeitung“ (1)

Was für den Liebesroman und „die Liebe“ als solche gilt, kann durchaus auch für die erotische Literatur übernommen werden. „Liebe“ ist bekanntlich ein sehr unordentliches Gefühl, das selbst unter besten Voraussetzungen gewissen Zweifeln ausgesetzt ist. Leider – jeder wird es schon einmal erfahren haben – hat die Liebe schon in ihren Grundformen gelegentlich einen doppelten Boden. Im Vordergrund große Oper, im Hintergrund nackte Begierde – das ist noch eine der harmlosesten Doppelbödigkeiten.

Denn die erotische Gunst kann durchaus mit Absicht, ja, sogar unter Verwendung krimineller Energien dazu genutzt werden, um einen Menschen zu manipulieren, gegebenenfalls gar zu zerstören.

Dabei vergessen Autorinnen und Autoren, wie sehr der Zwiespalt zum sexuellen Leben gehört. Der Übergriff der anderen Person auf Körper, Geist und Emotionen ist Bereicherung dun Störung zugleich. Das Öffnen der Grenzen, sei es der Mund, die Vagina, die Rosette oder das Empfindungsgeflecht, die verborgenen Fantasien oder die sinnlichen Träume andererseits, kosten allesamt Überwindung. Weder Körper noch Geist noch Gefühl sind bei der Liebe ausschließlich „das eigen Ding“. Man teilt jetzt. Was? Wann? Wie viel davon? Was bleibt „mein Eigen“?

Was schütze ich? Was teile ich? Behalte ich mir vor, ein Sexualleben zu haben, von dem mein ständiger Partner nichts weiß? Offenbare ich ihm alle Fantasien und Träume, oder behalte ich sie für mich? Wenn ich bisher „Spielzeuge“ benutzt habe, gebe ich sie einfach auf? Diese Fragen sollten Sie sich für sich selbst stellen – aber auch für Ihre Heldinnen und Helden.

Bedenken Sie dabei bitte, dass Sie selbst ja Fantasien bedienen – und zumeist sind es nicht die „artigen“ Träume, die in erotischen Romanen behandelt werden. Vielmehr ist es das Verruchte, das Verborgene, das mit Tabus und gesellschaftlicher Ächtung behaftete, das den Reiz erotischer Literatur ausmacht. In Ihrem Buch „Erotik schreiben“ fordert die Autorin geradezu dazu heraus, die Abweichung zum Thema zu machen, etwa indem sie schreibt (2):

Wenn es keinen Ehebruch gäbe, müssten Schriftsteller ihn erfinden.


Und später:

Tatsächlich ist Ehebruch noch eine recht zahme Angelegenheit im Vergleich zu den Funken, die fliegen, wenn eine Figur Gesetze und Tabus bricht, die über ihr Ehegelübde hinausgehen.


Halten wir fest: Erotisch zu schreiben bedeutet oftmals, den „doppelten Boden“ fest einzuplanen.

Was ist überhaupt ein „doppelter Boden?

Sehen wir dazu einen Moment einem Zauberkünstler zu. Zunächst lässt er uns ein einen Kasten sehen, der ganz und gar leer ist. Dann dürfen wir eine Dame im schicken Abendkleid bewundern, vollends mit Strümpfen, High Heels und Dessous bekleidet und mit Schmuck behangen. Sie steigt in einen Kasten, und kaum ist sie drin, öffnet sich der Deckle wieder, und eine halb nackte Dame, mit nichts als einem Cache-Sex bekleidet stiegt aus ihm auf. Klar: Der Kasten hat einen doppelten Boden.

Der Zauberer, also in diesem Fall der Schriftsteller, hat von vornherein eingeplant, der braven Gesellschaftsdame, Hausfrau oder Managerin ein zweites Gesicht zu geben, das er im doppelten Boden aufbewahrt. Sie kann Züge einer eine Femme fatale, einer durchtriebene Betrügerin oder einfach einer Hure haben. Der Trick: Der Schriftsteller lässt seine Leserschaft im Unklaren darüber, wann welcher Teil der Person zum Vorschein kommt. Das kann sehr langsam und überlegt geschehen, aber durchaus auch so schnell wie beim Zauberkünstler. Der plötzliche Glückswechsel ist als Element der erotischen Literatur noch weitgehend unentdeckt. Er entsteht beispielsweise, wenn ein Mensch kurz vor dem erhofften Liebesglück (oder eben einer gewagten Perversion) plötzlich eiskalt in die Realität zurückgeholt wird. Insoweit würde sich das Thema sogar für eine Kurzgeschichte eignen.

Normalerweise wird die „Doppelbödigkeit“ der Beziehung aber erst nach deutlich, und man kann viel Zeit damit „verschreiben“, wie sich der Zwiespalt entwickelt, wenn „zwei Seelen in einer Brust“ wohnen. Wird der „gute“ Teil siegen? Oder der „Böse“? Oder werden „Böse und Gut“ parallel exsistieren, und beide können damit leben?

Sie als Autorin entscheiden – und geben Ihrer Geschichte dadurch eine ungeheurer frivole Spannung, egal, wie Ihre Geschichte ausgeht.


(1) Printausgabe vom 5. Dezember 2014.)
(2) "Erotisch Schreiben", Berlin 2002, S. 156 und 188.
Bildhinweis: Unter Verwendung eines Plakats für eine Zaubershow, mehrfach verfremdet. Gezeigt wird eine Entfesselungskünstlerin.

Die erotischen Dialoge: eine einfache Psychologie

Willst du mit mir ... die Möglichkeiten der Dialoge im erotischen Roman


In diesem Artikel präsentiere ich Ihnen aus einem sehr großen Wissensgebiet einen recht kleinen Ausschnitt, und auch daraus nur einen winzigen Teil. Er ist alltagstauglich und Sie können ihn sich auf einfache Art merken. Das System dahinter nennt sich P-A-CH und der wissenschaftliche Name ist „Transaktionsanalyse“. Sie ist eine psychologische Richtung, die ihre Schlüsse aus den erkennbaren Transaktionen (Wechselbeziehungen) zwischen Menschen zieht. Nicht alles davon, gleichwohl aber ein großer Teil, findet innerhalb von Dialogen statt.

Bevor wir über die Dialoge in erotischen Kurzgeschichten, Novellen oder Romanen reden, müssen wir eines wissen: Wenn wir uns einem Menschen in amouröser Absicht nähern, wechseln wir die Sprachebene. Man kann dazu sagen: Wir beginnen, ein Spiel mit dem anderen zu spielen. Dieses Spiel nennt man im Deutschen Tändelei, vulgär „Anmache“ und mit einem neuen Wort auch „Flirt“.

Dazu gibt es viele Theorien, und ich konzentriere mich hier auf eine einzige, die Sie leicht in Erzählungen verarbeiten können.

Grundformen der möglichen psychologischen Interaktionen

Als Idealform des Dialogs gilt das Gespräch „auf Augenhöhe“, laut Eric Berne das Gespräch „unter Erwachsenen“. Es ist sachdienlich und informativ und bestärkt beide Partner darin, wertvolle Erwachsene zu sein.

Schwierig und unfruchtbar sind Gespräche zwischen „Dominanten und Dominanten“, laut Berne zwischen „Eltern und Eltern“. Da jeder gewinnen will, gewinnt am Ende niemand.

Wer kaum etwas beabsichtigt, sondern sich ohne besondere Verantwortung einem Spiel hingibt, und dazu einen ebensolchen Partner findet, führt einen Dialog via „Kindheits-Ich“.

Wahrscheinlich sind Sie längst dahintergekommen: Diese Dialoge funktionieren auch diagonal und gekreuzt.

Versuchen wir einmal, anhand von Beispielen und unter Verwendung des Modells einen Dialog der Lüste auf verschiedenen Ebenen in Gang zu bringen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich die Dialoge kurz und einseitige halten musste, sodass sie etwas hölzern wirken.

Einfache Beispiele erotischer Dialoge auf einer Ebene

Zwei Erwachsenen ICHs: (erw.)

Er: Ich würde gerne mit dir schlafen.
Sie: Ich bin nicht bereit dazu.

Zwei Eltern-ICHs (el)

Er: Es wird Zeit, dass du mit mir schläfst.
Sie: Was bildest du dir eigentlich ein, bin ich deine Hure?

Zwei Es-ICHs (es)

Er: Manchmal habe ich wahnsinnige Lust, mit dir zu schlafen.
Sie: Der Frühling verlockt schon dazu, nicht wahr?

Sie werden leicht erkennen, wie wenig lupenreine „Erwachsenengespräche“ dazu geeignet sind, erotisch zu motivieren. Allerdings entsehen viele sinnliche Gespräche aus solchen pseudo-sachlichen Dialogen, wie ich Ihnen später noch zeigen werde. Das Gespräch Nummer zwei hat Konfliktstoff, der nach Wandlung verlangt und das Gespräch Nummer drei ist eine heftige Tändelei.

Mit diagonalen Transaktionen spannende Sinnlichkeit erzeugen

Mit diesen Methoden lässt sich aber noch vielmehr erreichen, wenn wir uns diagonale Transaktionen ansehen:

Beispiel vier: Erwachsenen-ICH wird diagonal angesprochen.
Er: Ich würde gerne mit dir schlafen.
Sie (es): Endlich fragst du mich, du Schuft!
Sie (el): So fragt man vielleicht eine Hure, aber nicht mich!

Beispiel fünf: Eltern-Ich wird diagonal angesprochen

Er: Es wird Zeit, dass du mit mir schläfst.
Sie (es): Du sagst immer so blöde Sachen, wenn es richtig schön ist.
Sie (erw.): Heute habe ich meine Regel, da geht es gar nicht.

Beispiel sechs: Es-ICH wird diagonal angesprochen

Er: Manchmal habe ich wahnsinnige Lust, mit dir zu schlafen.
Sie (Erw.): Trifft sich gut – ich habe längst Lust dazu.
Sie (El): Ich glaube nicht, dass dies die richtige Art ist, mich zu fragen.

Was passiert in den erotischen Dialogen?

Ich habe Ihnen in den sechs Beispielen nur die einfachsten Formen vorgestellt. Eric Berne schildert noch gekreuzte Dialoge, die ungleich komplizierter sind.

Wie sie vermutlich erkannt haben, ist das schriftstellerische Interesse am „Umspielen“ im Dialog zunächst am größten, wie im Beispiel drei geschildert.

Wenn eine erotische Geschichte aber mehr sein soll als eine kontinuierlich geschilderte Romanze, dann müssen wir sie mit „diagonalen“ Transaktionen befeuern. Man kann dann sagen, dass wir „Spiele der Erwachsenen“ inszenieren, so, wie Eric Berne es auch in seinem gleichnamigen Buch beschreibt. Ich werde Ihnen auch noch mehr über die Spiele schreiben, die deshalb kompliziert sind, weil die Spielhandlungen oft nicht den emotionalen oder erotischen Bedürfnissen entsprechen.

Gemischte Gefühle im Dialog mit Glückswandel

Versuchen wir einmal, einen sehr kurzen Dialog zusammenzustellen:

Sie: „Bring mich nach Hause.“
Er: „Das willst du nicht wirklich.“
Sie: „Woher willst du das wissen?“
Er: „Weil du etwas anderes willst.“
Sie: „Und das wäre?“
Er: Vögeln. Du bist ja schon feucht.“
Sie: „Das wüsste ich ja wohl besser.“
Er: „Es reicht, wenn ich es weiß. Es stimmt, nicht wahr?“
Sie: „Könnte sein, das heißt aber nicht, dass ich vögeln will.“
Er: „Was heißt es dann?“
Sie: „Küss mich endlich, du Hund!“


Im Beispiel haben wir versucht, ein Streitgespräch in einen spielerischen Dialog zu wandeln, wobei gegen Ende überwiegend „diagonale“ Transaktionen verwendet werden. Natürlich reichen solche Dialoge nicht aus, um Ihre Geschichte aufzubauen, den es fehlen die Gedanken der Beteiligten.

Hier noch einmal ein Beispiel, das beweist, wie aus einem angeblichen „Sachgespräch“ der Wechsel ins persönliche generiert werden kann. Auch dieser Dialog sollte nicht für sich stehen, sondern mit den Gedanken der Protagonistin ausgefüllt werden.

Er: „Hast du es schon einmal getan?“
Sie: „Was getan?“
Er: „Einem Mann einen geblasen.“
Sie: „Nein.“
Er: „Was hat dich gehindert?“
Sie: „Ich ekele mich davor.“
Er: „Du würdest mir aber eine Freude machen, wenn du es tätest.“
Sie: „Hast du die ganze Zeit daran gedacht?“
Er: „Ich denke seit Wochen daran.“
Sie: „Und du meinst, ich würde es für dich tun?“
Er: „Du würdest mir ein Geschenk damit machen.“
Sie: „Und du wäscht dich vorher gründlich?“


Was können Sie nun für Ihre Arbeit mitnehmen?

Die beiden Dialoge, die hier aufgebaut wurden, kommen in der Literatur in ähnlicher Weise wirklich vor. In ihnen werden Strukturen verwendet, die Sie immer und überall variieren können – und nicht nur in der erotischen Literatur. Eine Weile laufen die Dialoge auf einer Ebene, die Sie aber nicht fortentwicklen können. Erst, wenn sie die Ebenen variieren, erreichen Sie den Wandel, der zu erotischen Handlungen führt.

Sollten Sie über SM-Aktivitäten (wie etwa in den „Shades of Grey“ schreiben wollen, bleibt Ihnen gar nichts anderes übrig, also nach dem geschilderten Verfahren vorzugehen.

Dieser Artikel erschien erstmalige im November 2014 auf "Sinnlich Schreiben".
Dialoge: © 2014 by Ubomi Ulobi nach literarischen Vorlagen.
Grundlagen-Zusammenstellung: Gebhard Roese, Ex-Kommunikationstrainer.
Literatur (unter anderem): Birkenbihl, Vera F. „Kommunikationstraining“. Berne, Eric, „Die Spiele der Erwachsenen.“
Partnersuche: Kommunikation ist die Essenz.