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Ein Date - dein erster Versuch mit der Erotik

Nichts eignet sich besser für eine Anfängerin, als über ein Date zu schreiben. Diese Methode hat den großen Vorteil, dass du eine erotische Begegnung nicht in einem komplizierten Kontext stellen musst. Deine Figur entschließt sich, ein Date einzugehen, und du kannst alles hineinpacken, was du darüber weißt – und deine geheimen Wünsche kannst du ebenfalls verwerten. Klar ist: Diene Figur muss über das hinausgehen, was du dir selbst zutrauen würdest.

Nachdem dies gesagt ist: Ein Date hat mindestens drei Teile, nämlich einen über die Vorbereitung, einen über die Durchführung und einen über die Konsequenz. Bei „echten“ erotischen Dates ist allgemein üblich, den Mittelteil aufzuteilen, und wieder haben wir einen dreiteiligen Aufbau als „Geschichte in der Geschichte“, die wir als „Kern“ bezeichnen können. Der erste Teil, der dieses Kerns besteht in der vorsichtigen Annäherung (Imagination). Der zweite Teil in der Absicht, miteinander intim zu werden (oder dies möglich nicht zu tun) und der dritte Teil in der lustvollen Aktion oder im Bedauern, dass es nicht dazu kam. Nochmals und ausschließlich positiv:

Rahmen:
1. Teil: Vorfreude und Vorbereitung
Vorbereitung, Friseur, Kosmetik, Kleidung, Schmuck, Dessous. Gedanken und Dialoge mit sich selbst.
2. Teil: Durchführung.
Wann, wie und wo das Date stattfindet, Begrüßung Ambiente, Stimmung, Speisen und Getränke und schließlich der Entschluss, was weiter geschehn soll. Nun den „Kern“ einbinden.
3. Teil: Konsequenz
Was folgt aus dem Date und der erotischen Begegnung?

Kern:

1. Teil: Imagination
Ich stelle mir vor, dass … und beobachte meinen Partner dabei. Die Dialoge zunächst „flach halten“, dann in den Flirt-Modus“ wechseln. Nicht vergessen, viel in Dialogform zu schreiben.
2. Teil: Intimität vorbereiten
Ob geplant oder nicht – der Partner erwartet Hinweise auf die Absicht, mit ihm das Bett zu teilen, auch dann, wenn er selbst noch nicht einmal sicher ist, ob er das wirklich will. Das geschieht durch intensiveres Flirten, Gesten und Berührungen. Dialoge sind unbedingt nötig. Übergang von der „Möglichkeitsform“ in die Absicht des Handelns.
3. Teil: Sinnlichkeit, Lust, Sex
Meist ist mit dem dritten Teil ein Ortswechsel verbunden („Zu mir oder zu dir?“) – und dort sind dir dann keine Grenzen mehr gesetzt, was deine Figuren miteinander treiben. Du kannst auch letzte „Bedenken“ in deine Geschichte einbauen oder sogar einen „Rückzieher“.

Nun musst du nur noch alles zusammenfügen – und du hast fünf bis sechs Kapitel, in denen du dich so „austoben“ kannst, dass mindestens ein E-Book daraus wird. Ein kleiner Tipp: Wenn es dir nicht liegt, „erotisch explizit“ zu schreiben oder du die Zensur fürchtest, kannst du den Rahmen (erster Teil) mit zahllosen erotischen Details füllen, die deine Figur gedanklich durchlebt. Der Mittelteil kann zahlreiche Dialoge enthalten, die sinnlich anregen, ohne irgendwelche Anspielungen auf genitalen Sexualverkehr zu enthalten.

Good Luck – und lass von dir hören, wenn du es wagst.

Hannelore und der Geschmack des bitteren weißen Honigs

Hannelore war sichtlich verlegen, was sich vor allem daran zeigte, dass sie ständig an ihrem Rocksaum herumnestelte.

„Es ist mir etwas peinlich, dich um etwas bitten zu müssen“, begann sie, „weil es eigentlich gegen … nun gegen unsere Vereinbarungen verstößt.“ Dabei sah sie mich lauernd an.

Die Vereinbarung entstand aus dem Wunsch, eine kurze Affäre schnell zu vergessen und niemals zu wiederholen: Niemand zieht irgendetwas aus, und keine Genitalkontakte irgendwelcher Art. Semi-platonisch nannte Hannelore das. Ich hatte ihr schon oft bei ihren Kurzgeschichten geholfen, und bisweilen habe ich auch schon voll bekleidet gewisse Lagen angenommen, die mir im entblößten Zustand recht peinlich gewesen wären. Aber unsere Regel hatte Bestand: keine Körperkontakte unterhalb des Halses und keine Entblößungen, gleich, zu welchem Zweck.

Hannelore seufzte erleichtert, weil ich gelassen blieb. Dann holte sie tief Luft und sagte: „Ich habe vor, eine Szene mit dir nachzuspielen, weil ich wissen will, wie sich meine Heldin … bei etwas fühlt …“

„Bei ‚etwas‘? Soll ich dir die Zehen lecken?“

Hannelore lächelte, wurde aber dann sofort wieder ernst: „Etwas Intimeres“. Sie schlug ein etwas zerlesenes antiquarisches Buch hervor, schlug eine Seite auf und sagte: „Da lies.“ Das Kapitel war „Der Mund mit dem Schurrbart“ (1) überschrieben.

Ich kannte das Buch, hatte den Text aber bislang nun überflogen. Und falls du selber nachlesen willst: Es gibt zahlreiche Versionen, deren Wortlaute wegen der zu erwartenden Zensur abgeschwächt wurden. Aber es geht darum, dass eine reife Dame einen jungen Mann ganz und gar unter ihrem langen Rock verbirgt, wo er „den Mund mit dem Moustache“ suchen muss.

Ein Originaltext - und ein fehlender Absatz

Ich las den Text, der nicht viel mehr als eine Seite füllte, und fand ihn zwar anzüglich, aber nicht ordinär. Der Übersetzer hatte keine „ungehörigen“ Bezeichnungen verwendete und schildert zu Anfang alles wortgetreu. Natürlich fand der junge Mann den Mund, stellte er fest, dass dieser Mund nicht quer lag, wo wie jener, der die Speisen aufnimmt, sondern längs. Auch wird die Liebesknospe, die der tastenden Zunge des jungen Mannes sofort entgegen sprang, lediglich als „Vorsprung“ bezeichnet.

Allerdings hatte ich diese Szene wesentlich plastischer in Erinnerung. hatte. Im Verlauf des Geschehens war doch von zweierlei Feuchtigkeit die Rede. Eine davon bemerkt der junge Mann sofort, weil sie seine Lippen benetzt, während die andere eher eine eiweiß-änliche Konsistenz hat, die dem jungen Mann zunächst etwas bitter anmutet, die er aber schließlich mit wollüstigem Schauer schluckt.

Ich legte das Buch aus der Hand. „Viktorianische Literatur“, sagte ich trocken, „etwas wurde bei deinem Exemplar offensichtlich geschönt. Aber die Idee mit dem ‚Gamahuching‘ kommt immer wieder vor – sozusagen die „Einstiegsdroge“ für junge Männer in die Welt der ungewöhnlichen Lüste.“

„Gamahuching?“ was ist nun das wieder?

Gamahuching oder das Speisen am "Y"

„Eigentlich ist es das, was die Amerikanerinnen mit „Dining at the Y“ beschreiben – und griechisch entspricht es dem klein geschriebenen Gamma – optisch ein tief gelegtes Ypsilon (Γ γ) ein tief gelegtes Ypsilon, sozusagen. Ist aber Spekulation – man sagt, das Wort hätte sich ein Autor sozusagen „aus dem Finger gesogen“

Hannelore machte dies so neugierig, dass sie zunächst vergaß, mir einen konkreten Vorschlag zum besseren Verständnis des Zustands ihrer Heldin zu unterbreiten. Und ich muss sagen, dass es mir sehr recht war, nicht unter ihren Unterrock kriechen zu müssen, ob mit oder ohne Hautkontakt.

„Und wie geht die Geschichte?“

„Ungefähr immer gleich. Mal heben die Damen ihren Unterrock, um ihren Lovern den Duft und das Aussehen ihres Unterleibes leibhaftig vor Augen und Nase zu führen. Mal muss der Mann sein Werk in der lichtlosen Welt des Boudoirs und mal wirklich ‚unter dem Rock‘ verrichten. Und am Ende wird immer geschildert, dass er das Resultat seiner Bemühungen verschluckt - mal mit heldenhafter Überwindung seiner Abscheu, mal mit sinnlichem Genuss. Übrigens tat es der jugendliche Galan von Fräulein de Chambounard (1) nur zwei Mal – das dritte Mal spie er den weißen Honig aus.“

Hannelore hörte mir etwas befremdet, aber dennoch ruhig zu, sagte dann aber: „Was du da behauptest, steht aber nicht wirklich in dem Buch, oder?“

„Oh doch – die Reaktionen von Mademoiselle werden sogar recht heftig geschildert, und vor allem, was der junge Mann damit tat …“

Mit dem „weißen Honig“? Wie kommt es, dass eine Frau solche eine weißliche Flüssigkeit hervorbringt? Sie kommt doch nur bei Männern vor … oder?“ Als ich lächelte, fügte sie schnell hinzu „soweit mir bekannt.“

„Es kommt aus einer Drüse … ich habe den Namen vergessen (2), aber sie sondert nur bei heftigen Orgasmen wirklich erkennbare Menge von Flüssigkeit ab – nicht bei jeder Frau, nicht jedes Mal, und nicht bei jeder Stimulation.“

Ich bemerkte, wie Hannelore das Wort „Klugscheißer“ auf den Lippen lag, doch dann besann sie sich und sagte: „Dann wäre … ein Versuch mit dir und mir möglicherweise gar aussichtslos?“

Ich grinste. „Ich würde dir wohl unter den Unterrock kriechen, wenn du wissen willst, in welche Lage so etwas geht. Allerdings meine ich, dass es nicht unbedingt ideal ist, wenn sie auf einem Stuhl sitzt und er vor vor kniet … aber auf keinen Fall würde ich deine Lippen berühren …“

Das sonderbare Gefühl und der betörende Duft

Hannelore sah mich ernüchtert an, bevor sie vorsichtig fortfuhr: „Es muss ein sonderbares Gefühl für eine Frau sein … irgendwie schrecklich peinlich … was macht es für den Mann so interessant? Das wirst du mir doch sagen können?“

„Es ist der Duft, der den Mann betört, wenn er von den Röcken bedeckt wird, eine Mischung aus dem Geruch weiblicher Haut, dem sinnlichen ‚Odor di femina‘ und dem Duft des Parfüms, das sie in ihrer Wäscheschublade versprüht.“

„Und das weißt du woher?“

„Ich kannte schon ein paar Frauen in meinem Leben.“

„Und du hast sie wirklich … dort geküsst?“

Ich schwieg eine Weile, bevor ich ihr antwortete: „Nicht alle Frauen mögen, wenn man auf diese Weise mit ihnen intim wird. Aber es ist die größte sinnliche Nähe, die ein Mann zu einer Frau aufbauen kann – und umgekehrt.“

Hannelore sah mich verächtlich an, so wie man einen Hund ansieht, der gerade am Kot eines anderen Hundes geschnüffelt hat. Dann sagte sie: „Wie kann eine Frau nur jemanden auf den Mund küssen, der zuvor …“

Nun, ein Kuss ist ein Kuss ist ein Kuss … wohin auch immer. Und des einen ekliger Schleim ist des anderen süßer Honig.
(1) Kapitelname aus "Weiberherrschaft" - in deutsch antiquarisch im Original erhältlich, sonst meist zensiert.
(2) Gemeint war das Sekret der Paraurethraldrüse.

Mehr Lust durch alternative Lust

Stell dir vor, du präsentierst deinen Körper vor einer Gruppe von Männern
Eine Frage, die viele Autorinnen bewegt, die sich mit Erotik beschäftigen: Wie funktioniert eigentlich all das Zeug, das so „frech“ oder gar „unanständig“ ist, dass niemand so recht darüber reden mag? Kann ich trotzdem darüber schreiben, und wenn ich es tue, werde ich dann akzeptiert? Wie reagieren die Blümchensexliebhaber einerseits und die exotischen Kreise der „Adepten“ anderseits?

Mach es niemandem "recht" - mach deine Leserinnen an!

Ich gebe zunächst mal eine simple Antwort: Die „Blümchenleute“ sind begierig, und den Exoten kannst du es sowieso nicht recht machen. Denn: SM-Kreise wissen oft nicht, welche Rollenspiele und sonderbare sexuelle Praktiken in „gewöhnlichen“ Beziehungen vorkommen. Sie wissen nur von dem, was sie selber spielen. Und das ist – qualitativ und quantitativ – etwas anderes.

Beginne bei deinen eigenen Fantasien

Beginne bei deinen eigenen Fantasien. Denk nach, was du tun, genießen und erleiden könntest. Denk auch an Praktiken, vor denen du Angst hast und die dennoch gerne probieren möchtest. Bevor du entsetzt aufstöhnst – du musst sie nicht „wirklich“ durchführen. Versuche einfach, dir unterschiedliche Szenarien vorzustellen. Wenn du es bei den gewöhnlichen erotischen Situationen schaffst, dann kannst du es auch bei den „besonderen“ Aktivitäten. Ich sag’s mal so: Wenn du dich selber langsam und sinnlich ausziehst, dann kannst du dir auch vorstellen, wie es ist, auf diese Weise ausgezogen zu werden. Und wenn du dir das vorstellen kannst, dann kannst du auch darüber schreiben, wie die Kleider deiner Figur zerrissen oder durchschnitten werden. Nun fehlt nur noch die Idee, dass deine Figur momentan gerade nicht in der Lage ist, dies irgendwie zu verhindern. Schon bist du mitten in der „alternativen Lust“.

Nimm zuerst, was dich selber anmacht

Such die einen Punkt, ein „One Thing“, das dich anmacht. Sag deiner Figur, sie soll es ausprobieren. Nimm zunächst einen Rahmen, den du dir vorstellen kannst: eine Party, die auch ein bisschen zur Orgie wird. Eine Begegnung mit einem frivolen Pärchen, das am Samstagabend einen Dreier vorschlägt. Einen keck entblößten Hintern, auf dem spielerisch eine kleine rote Lederpeitsche erprobt wird. Noch zu viel? Stell dir vor, du präsentierst deinen Körper vor einer Gruppe von Männern, die hinter einer Absperrung stehen – du kannst alles wagen, weil Bodyguards dich schützen.

Nein, du gehst nicht auf die Bühne, ich weiß. Aber die Figur, die du erschaffst? Eine Studentin, die sich daran ergötzt, „die Kerle lechzen zu sehen?“

Alle Macht für deine Figur

Versuch mal, deine ganze Energie in deine Figur zu legen – statte sie mit Mut und Furcht aus, gib ihr die Kraft zu Leiden und zu Lüsten. Mach aus ihr ein wollüstiges Wesen, das sich bewusst in der Lust suhlt oder ein scheues Rehlein, das sich seiner verborgenen Lüste schämt. Denke dran, dass die Figur alles sein kann.

Wenn du sie als „Femme fatale“ aufbaust: Sieh ihr zu, wie sie die Kerle beherrscht und ins Verderben führt. Sie tut dabei nichts anderes als das, was auch du könntest, wenn du ihre Energien und Rücksichtslosigkeit hättest.

Das ist überhaupt das Geheimnis erotischer Literatur: Auch du könntest … aber du tust es nicht. Du schickst eine Marionette ins Rennen, die sich alsbald von den Fäden befreit und ein Eigenleben entwickelt.

Schreiben - Teil fünf: Was ist eigentlich ein Schreibstil?

Finde (d)einen Stil - oder mehrere
Falls du ins Internet schaust, wenn du etwas über den Schreibstil wissen willst, wirst du erschlagen von sogenannten „Tipps“ oder „Thesen“, wie du deinen Schreibstil in fünf, sieben oder 10 Schritten verbessern kannst.

Wenn du jetzt sagst: Ja, aber ich habe doch noch gar keinen Schreibstil, dann sind wir da, wo wir hinwollen: Was ist eigentlich ein Schreibstil, wodurch zeichnet er sich aus und wie wird er wirklich individuell?

Was ist ein Schreibstil?

Zunächst einmal ist ein Schreibstil nichts als die Art, in der jemand schreibt. Dazu setzt du … (Zitat) (1):

sprachliche Mittel bewusst so ein … dass … (du) … durch sie, also durch die Art der Formulierung, Wirkung ... (erzielst.)


Das bedeutet natürlich auch, die Fähigkeit zu erwerben, solche Stilmittel in Variationen einzusetzen – das heißt, du solltest viele Stilebenen kennen und wissen, wie du sie am besten benutzen kannst. Aus dem Bereich der Edelliteratur wird oft abgeleitet, du müsstest einen „eigenen, unverwechselbaren Schreibstil“ entwickeln.IIn Wahrheit kannst du verschiedene Schreibstile nutzen, die zu den Umgebungsfaktoren deiner Geschichte passen: Milieu, Zeitalter, Genre. Und du kannst (wenn du viel schreibst oder eben auch erotisch schreibst) für jedes deiner Pseudonyme einen eigenen Schreibstil zurechtlegen.

Es gibt kein „Richtig“ im Schreibstil

Kein Schreibstil ist „richtig“. In der Schule haben wir gelernt, keine „Bandwurmsätze“ zu verwenden, weil sie sich nur schwer lesen lassen. Doch E.T.A Hoffmann schrieb halbe Seiten in einem einzigen Satz. Wir haben auch gelernt, keine Satzfragmente zu verwenden, doch eine Fülle von Kurzgeschichtenautoren begeistert gerade dadurch.

Nachdem wir darüber soviel erfahren haben, schauen wir mal nach den Stilmitteln, die es gibt.

Wörter aneinanderreihen – nicht wie jede(r) andere

Rein formal ist Schreiben das Aneinanderreihen von Wörtern nach bestimmten Regeln. Es geht also um die Wahl der Wörter, die typisch für deinen Schreibstil werden, und um den Aufbau der Sätze. Dabei gilt: Deine Leserin muss verstehen, was du sagen willst – es heißt aber nicht, dass jedes Wort „gebräuchlich“ sein muss – ja, es muss nicht einmal im Duden stehen. Und in gleicher Weise muss nicht jeder Satz „grammatikalisch korrekt und vollständig“ sein.

Die wichtigsten Stilmittel

Nun kommen die Stilmittel, die eine große Rolle spielen:

1. Die Erzählweise (historische Zeit, Person, die erzählt.(2).
2. Die Art und Häufigkeit, in der du Handlungen schilderst.
3. Wie du deine Figuren beschreibst.
4. Dein Umgang mit den Gefühlen deiner Figuren.
5. Der Einsatz von Kommunikation und Dialogen.

Was du an „Tipps“ im Internet liest, hat zum allergrößten Teil nichts mit einem eindringlichen literarischen Schreibstil zu tun, sonder orientiert sich an „Content-Kriterien“, wie sie Werbetexter verwenden.

Nicht unbedingt ein "erotischer Schreibstil" ...
Der erotische Roman - die Nähe zur Figur

Im erotischen Roman spielt normalerweise die „Nähe zur Figur“, die wichtigste Rolle – das entspricht etwa dem Entwurf von Liebesromanen. Daher empfiehlt sich, deine Figuren möglichst so transparent darzustellen, dass sie deine Leser(innen) in sie völlig hineinfühlen können. Das gilt für ihre Gefühle (Lüste, Begierden) ebenso wie für ihre Körper (Berührungen, Eindringen in den Körper).

Lebendige, direkte Sprache und Zensur

Weil nun aber das Schwert der Zensur über dir als Autorin schwebt, kommst du in eine Zwickmühle: Du musst versuchen, die Gefühle so zu verklären, dass sie diene Leserin nachempfinden kann, der Zensor aber keinen Anstoß nehmen wird. Dazu werden üblicherweise bildhafte Umschreibungen benutzt.

Womit wir wieder beim Zitat wären, das ich hier einmal abwandele: Die Wirkung wird durch die Art der Formulierung der Handlungen erzielt und auf keinen Fall dadurch, dass etwas „stattfindet“. Und somit hätten wir auch gleich einen Anfängerfehler entdeckt: Die Handlung in den Vordergrund zu stellen, während die Gefühle verdrängt werden.

In eigener Sache - wir wollen dir nichts verkaufen

Natürlich kann „Sinnlich Schreiben“ auf diese Probleme im Detail eingehen. Aber „Sinnlich Schreiben“ ist nicht kommerziell und unsere Autoren schreiben deshalb nicht, um ihre Bücher und Kurse zu verkaufen. Und deshalb: Schreibt uns, was ihr denkt, wo wir uns irren, wo es bei euch hakt und wie ihr eure Schreibprobleme löst. Wir freuen uns darüber.

(1) Zitatenquelle: Was ist Stil?
(2) Dieses Thema ist unerschöpflich und soll hier bewusst nicht weiter ausgeführt werde.
Foto: Historisch, möglicherweise aus einem "Herrenmagazin" der 1950er Jahre.


Alle Sechs Teile – Schreiben für Einsteiger
Teil 1: Was bedeutet eigentlich Schreiben?
Teil 2: Reich deine Zeit für einen Roman?
Teil 3: Finde deine Idee und diene Figur.
Teil 4: Deine weibliche Figur entsteht.
Teil 5: Was ist eigentlich ein Schreibstil?
Teil 6: Kreatives Schreiben.

Dreier: Das Karussell mit drei Gondeln dreht sich … auch anders herum

Was gut für einen Mann ist, ist auch gut für eine Frau. Oder was ein Mann tun oder bekommen kann, kann auch eine Frau tun oder bekommen – die Soße, die gut für die Gans ist, ist auch gut für den Ganter.

Britisches Sprichwort nebst Erklärung


Mann sucht Frau, Frau sucht Mann, Frau sucht Frau, Mann sucht Mann … das alles habt ihr schon mal gehört oder gelesen. Was aber ist mit diesen Sparten?

- Paar sucht Mann.
- Paar sucht Frau.
- Mann sucht Paar.
- Frau sucht Paar.


Da muss etwas anderes dahinterstecken, nicht wahr?

Und wenn ihr nun diesen erotischen Sündenpfuhl eintaucht, dann werdet ihr bald merken: Da ist ein bisschen mehr gefällig als nur ein Dreier, der von einem gelangweilten Ehepaar herbeigesehnt wird. Und die Solo-Männer und Solo-Frauen, die nach Paaren lechzen, was wollen die eigentlich?

Warum Dreier ohnehin als ziemlich frivol gelten

Alle diese Konstellationen sind asymmetrische sexuelle Verhältnisse, die noch weitaus mehr tabuisiert sind als beispielsweise der Partnertausch. Bei dem geht es wenigstens noch biologisch in die richtige Richtung, nur eben nicht ethisch. Und bei Dreiern ist schon deswegen etwas faul, weil da eigentlich einer übrig ist – ja, was macht der denn überhaupt?

Das ist genau das, worüber du dir klar werden musst, wenn du über sexuelle Beziehungen „zu dritt“ schreiben willst. Egal, ob sie deine Figuren an einem alkoholdurchtränkten Abend zufällig erlebt haben oder ob sie das Ergebnis einer Planung oder mehrerer Vorgespräche waren. Und vergessen wir bitte nicht: Es gibt auch Personen, die dauerhaft sexuell in Dreierbeziehungen zusammenleben.

Von ziemlich frivol bis ziemlich gewagt - alle Dreier

Generell gibt es vier Arten von Dreiern und eine Option, die immer häufiger vorkommt.

- MFF heterosexuell. Das, was der Mann sich meist in seinen Träumen vorstellt: Er hat zwei Frauen zur Verfügung, mit denen er sich parallel oder nacheinander vergnügen kann.
- MFF bisexuell. Auch das ist eine Version, die sich Männer gerne gefallen lassen. Wenn der Mann erschöpft ist, überlässt er das Feld der Lust den Frauen, die schon so ausgewählt wurden, dass mindestens eine bi-neugierig ist.
- FMM heterosexuell. Ein Frauenfavorit, denn sie kann sich sicher sein, von beiden Männern bewundert und begehrt zu werden..
- FMM bisexuell. Ein Favorit experimenteller Paare, bei denen der Mann seine Bi-Lüste nur in Anwesenheit einer Frau ausleben möchte.

Bei allen Varianten mit zwei Frauen kann eine von ihnen allerdings auch den männlichen Part übernehmen – das gilt als besonders frivol. Diese Variante kommt in der Literatur noch recht selten vor.

Neuerdings ist auch oft von SM-Varianten die Rede, bei denen zumeist einer der Männer lustvoll erniedrigt wird oder in denen die etwas gewagteren Varianten männlicher Bi-Neugierde zum Tragen kommen. Doch die Klischees, die das Internet darüber liefert, sind weit entfernt von der Realität. Denn selbst in offenen Beziehungen, in denen sonst fast alles möglich ist, greift die männliche Sperre, jemals bei einem Dreier einem Mann zu nahe zu kommen.

Ich zitiere mal sinngemäß eine Bloggerin:

Ich wünschte mir, mein Freund würde mal mitmachen, wenn ich einen anderen Mann „behandle“, und ich habe ihn auch schon mal ermutigt. Aber er will da nicht heran. Ich hätte nie gedacht, dass die Partitur so kompliziert wäre.


Es ist also nicht leicht, und weil es wirklich nicht "gängige Praxis" ist, fällt es den meisten Autorinnen und Autoren auch schwer, Dreier wirklich erregend zu beschreiben. Immerhin kannst du davon ausgehen, dass jede Leserin und jeder Leser das Thema „Dreier“ als ziemlich frivol ansieht – und dennoch gerne darüber liest, weil jedes Detail neugierig macht.

Falls ihr emotionslos an das Thema herangehen wollt - lest noch einmal das Zitat am Anfang und behandelt einfach Frauen und Männer gleich.

Nun seid ihr dran: Welches „Handwerkszeug“ habt ihr, und wie wollt ihr euer Figuren aufbauen? Ich bin sehr gespannt auf Vorschläge …

Eine Anmerkung: Bi-Neugierde und gleichgeschlechtliche Lust haben weder ursächlich noch zwangsläufig etwas mit sexueller Orientierung zu tun, wie in vielen Büchern behauptet wird.