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Ein Wort an meine Leserinnen und Leser

Na, denn mal los!
Ich weiß nicht, was ihr denkt – und vielleicht wisst ihr manchmal auch nicht, was ich denke. Oder ihr seid unsicher, was ihr eigentlich mit diesem Blog anfangen sollt.

Prima – das wäre eine Grundlage, um mit mir in Kontakt zu treten. Wäre wirklich toll, wenn ihr mir eure Wortfetzen, Artikel oder Kurzgeschichten zeigen würdet. Oder wenn ihr mich kritisieren würdet. Notfalls nehme ich übrigens auch Lob.

Wohlan – tut es einfach. Dialoge schaden nie.

Schreib einfach an:

Die Geschichte des Erzählens als Grundlage für deine Erzählung

Die Geschichte des Erzählens ist älter als das, was die Literatur darüber hergibt, und es ist gut, uns daran zu erinnern. Ob es nun die Sammler oder die Jäger waren, die abends am Feuer saßen und ihre Erfahrungen und andere Erlebnisse austauschten, oder die Fremden, die meist etwas aufgebauschte Geschichten ihrer Reisen vortrugen – Geschichten folgen immer den gleichen Zielen. Sie sollen uns bereichern, unterhalten und dann und wann auch belehren. Sie können von Grund auf wahr sein, ein Gemenge aus Realitäten und Fantasien sein oder das reine „Seemannsgarn“, das uns ferne Welten vorgaukelt, in denen alles so anders ist, dass wir es kaum glauben wollen.

Faszination ist nötig

Eine gute Erzählung muss faszinieren, weil uns im anderen Fall niemand zuhören würde. Sie muss Neues und Erstaunliches enthalten, und wenn nicht dies, dann wenigsten etwas, das unsere Gefühle in irgendeiner Weise anstößt. Manchmal berühren und Geschichten so sehr, dass wir in ihnen etwas finden, das wir „mitnehmen“ können.

Erzählen heißt nicht „große Romane schreiben“

Ich sage euch all dies, wie ich die Erläuterungen zu „Was ist eine Geschichte?“ oftmals für zu abgehoben halte. Sicher ist es absolut richtig, dass wir Bücher darüber schreiben könnten: wie unsere Figur ihre Identität sucht, beispielsweise. Wie sie einen Teil davon zu finden glaubt, dann aber wieder daran zweifelt. Wie Gefühle auf Ereignisse treffen und Wendepunkte markieren. „Große Romane“ eben über das Erwachsenwerden oder das Menschsein.

Eine Nummer kleiner gefällig? Dann sind wir bei Erzählungen, die auf Erlebnissen beruhen. Ja nachdem, wie intensiv uns der Erzähler an unsere Gefühle heranführen will, kann er uns die Fakten, die Gefühle und Gedanken oder eine Mischung aus beiden präsentieren. Nun sind wir näher dran an Episoden, Kurzgeschichten und Novellen.

Warum wir auf Begierden hören müssen

Niemand, der eine interessante Geschichte schreiben will, kommt ohne mindestens eine der menschlichen Begierden aus: Neben der Wissbegierde ist es die eher allgemeine Neugierde oder eben auch die sexuelle Begierde, die im Hintergrund lauert. All dies hat viele Namen, die typischerweise mit Grundbedürfnissen verknüpft sind: der Wissensdurst, der Sensationshunger, die Abenteuerlust. Wir können auch sagen: Unsere Figur muss einen Beweggrund haben, um vom „allgemeinen“ oder „gewöhnlichen“ Weg abzuweichen – denn der interessiert niemanden wirklich. Statt Beweggrund sagt man auch „Motiv“.

Ein kleiner Ausflug in die Welt der Konflikte

Steht in den Geschichten, die wir aus dem Leben entnehmen und die wir in die Fantasie transportieren, wirklich so oft ein „Wertkonflikt“? Sicher ist, dass wir kaum ohne Konflikte auskommen, wenn wir spannende oder erregende Geschichten schreiben wollen. Doch sind es selten die reinen „Werte“, die in unserer inneren und äußeren Welt aufeinanderstoßen. Zumeist befinden wir uns im Konflikt um den Weg, den wir gehen wollen. Auf der einen Seite finden wir den bequemen, sicheren Weg, dessen Ziel wir kennen und dessen Bedingungen bekannt sind. Auf der anderen Seite zeigt uns unser unruhiger Geist, unsere wuselige Psyche oder unser begieriger Körper Fluchten, Auswege und Alternativen. Es lohnt sich, sie zu beschreiben und anderen über Erfolg und Misserfolg zu berichten und dabei auch die (innerlich und äußerlich) durchgestandenen Konflikte ausführlich zu schildern.

Zu Konflikten wäre noch viel zu sagen. In einem erregenden Roman erwarten wir den Konflikt, zwischen der Person „A“ und „B“ zu wählen, also beispielsweise zwischen der soliden und zuverlässigen Gretel oder der flatterhaften, sinnlichen Lola. Oder wir sollen uns für eine Alternative des zukünftigen Lebens entscheiden: In der Provinz verhocken oder in die weite Welt ziehen. Bei all diesen Entscheidungen fällt auf, dass sie nur das Eine oder das Andere zulassen. Der dritte, möglicherweise interessantere Weg wird selten versucht: „Ich werde weder das Eine noch das Andere wählen, weil ich diese Wahl nicht annehme.“

Warum wir das Erzählen vertiefen müssen

Wenn wir eine erregende Geschichte erzählen wollen, sollten wir nicht zu viele „Ereignisse“ aneinanderreihen, schon gar nicht, wenn sie einander sehr ähnlich sind und alles ohnehin vorhersehbar ist. Und wenn wir die Leser(innen) in ihrem Kern treffen wollen, dann sollten wir versuchen, uns in ihre Psyche zu verbeißen.

Was hat das alles mit Liebe und Erotik zu tun?

Übrigens gilt all dies nicht nur für Liebesgeschichten und erotische Romane. Aber eben auch für sie. Ich habe in den letzten Monaten sehr viele erotische Geschichten nachverfolgt und kann euch sagen: Zumeist bieten sie keine wirklichen Überraschungen, kaum „innere Konflikte“, selbst bei den heftigsten Absonderlichkeiten nicht. Und sie enthalten fast keine tiefgründigen Schilderungen der Emotionen, die im Lauf der lustvollen Frivolitäten entstehen.

Ein Bar für unartige Frauen und Männer

Nein, diese Bar gibt's nicht ... aber schreiben könnte man darüber ...
Natürlich gibt es diese Bar nirgendwo. Aber wir kennen einige Menschen, die sie jederzeit besuchen würden ... nicht nur Weihnachten. Und obwohl es diese Bar nicht gibt, habe ich schon Pubs gesehen, in denen der Effekt durchaus in den Vordergrund gestellt wurde.

Und allemal wäre es ein hübsche Anregung, darüber eine Kurzgeschichte zu schreiben.

Weihnachten – endlich mal etwas Sinnliches schreiben?

Die sinnliche Fortuna schüttet Liebe aus
Seht ihr Weihnachten manchmal fern? Und was fällt euch auf? Draußen liegt Schnee, und trotz alledem finden sich Paare, kuscheln miteinander und lassen das Kuscheln dann in zwar rückstandslosen, aber heftigen Sex übergehen. Weihnachten und Sperma wollen einfach nicht zueinanderpassen.

Einsame Menschen - Vibratoren und andere Partner

Die Geliebte muss sich mit Rotwein, Pralinen und Vibratoren begnügen: Ihr Lover muss in Familie machen und die Kinder bescheren. Der vom Studentendienst angeheuerte Weihnachtsmann schäkert noch ein bisschen mit der neuen Bedienung im Pub – nein, sie hätte nichts dagegen, sich noch zu ihm zu legen. Schließlich wartet daheim nichts anders auf sie als die Familienbande, die möglicherweise schon volltrunken vor dem Fernseher sitzt.

Aufgegabelt werden und Weihnachtsfrust vermeiden

Für die Geliebten, Mätressen, Freundinnen und Zweitfrauen dieser Erde ist Weihnachten einfach Scheiße – und für die meisten Singles auch. Mancher fängt sich im letzten Moment noch ein vorbeihuschendes dunkelhaariges Engelchen oder einen blassen Programmierer, der noch ein paar Bits durcheinanderwirbeln musste, bevor er einsam nach Haus geht. Der Resterampe leert sich oft zögernd, und selbst im Rundfunk werden noch ein paar einsame Singles feilgeboten.

Im Bett lernt man einander recht gut kennen

Wer sich noch jemanden gefischt hat, behält ihn oder sie gerne über die Feiertage – oft gar nicht schlecht, da kann man sich ganz gut kennenlernen. Besser als auf solche einem doofen Caféhausstuhl. Überhaupt lernt man sich im Bett oft viel besser kennen als außerhalb. Da wir das Miezekätzchen zur Raubkatze und der Sitzpinkler zum talentierten Züngler – und zudem sieht man den anderen unter – nun ja – besonderen Gesichtspunkten.

Was die Autorinnen daraus machen könnten ...

Autorinnen können über all dies wunderbare Geschichten verfassen mit ausgesprochen sinnlichen Bezügen – da nimmt euch heute kein Mensch mehr übel. Ihr könnt euer Augenmerk aber auch auf die „die „Zeit zwischen den Jahren“ lenken, in denen nach dem Volksglauben die Realität für einige Tage entschwindet. Manche Menschen stellen sich vor, in diesen Zeiten mehr wagen zu können, weil hernach alles wieder ausgelöscht wird.

Die langen Nächte verleiten Paare außerdem zu Rollenspielen, zu denen Ruten oder deren Äquivalente durchaus willkommen sind – denn niemand war im letzten Jahr so „brav“, dass er nur Äpfel, Nüss‘ und Mandelkern bekommt, nicht wahr? Für die Liebhaber von heißen dun kalten Spielen anderer Art eignet sich Schnee einerseits und Wachs anderseits. Selbst, wenn’s eure Figur nicht tut – vielleicht macht sie (oder ihn) der Gedanke daran schon höllisch heiß?
Das alles kann in Dutzende von Ideen umgesetzt werden, um einen Winterroman erotisch aufzupeppen – oder um eine entsprechende Kurzgeschichte zu schreiben. Und außerdem: Draußen ist es kalt und regnerisch, ungemütlich oder verschneit. Da kann man schon mal irgendwo übernachten, wo man es eigentlich nicht tun sollte … auch so ein Thema, das im Winter ausgezeichnet funktioniert.

Nehmt euch die Anregungen, und macht daraus wundervolle Dialoge oder feuchte Träume … oder was immer ihr sonst wollt.

Was ihr auch vorhabt: Ein frohes Weihnachtsfest, sei es nun sinnlich oder besinnlich, wünscht die Redaktion.

Wochenlange Sinnlichkeit – für Autorinnen

Wochenlange Sinnlichkeit – Worte des Herausgebers zu den Artikel dieser Woche für Autorinnen

Ich habe gut zwei Tage recherchiert, um euch die Hintergründe eines dreiteiligen, viktorianischen Romans zu präsentieren, der von der offiziellen Kritik nicht einmal mit der Kohlenzange angefasst wird.

Die Weiberherrschaft – aufgerollt und neu bewertet

Das Ergebnis kann sich – wie ich meine – sehen lassen. Die „Gynecocracy“ („Weiberherrschaft“) ist so oft verlegt, eingestampft, neu aufgelegt, weich gespült und zensiert worden, dass sie schon deswegen Beachtung verdient. Und sie ist – anders als mancher vermutet – durchaus auch eine Satire auf die merkwürdigen Moralvorstellungen jener Zeit, die auch heute noch durchschimmert. Die hieße dann:

These: Junge Menschen dürfen auf gar keinen Fall über alles informiert werden, was die Lüste betrifft, aber sie dürfen jedem Irrglauben darüber nachhängen.


Und weil das Werk (neben anderen merkwürdigen Attributen) auch als „Flagellationsroman“ bezeichnet wird, haben wir gleich mal geforscht, was der Begriff eigentlich bedeutet.

Der Schreibstil und das Suchmaschinen-Dilemma

In „Schreiben“ beschäftige ich mich diesmal mit dem „Schreibstil“ – und da finde ich ein typisches Suchmaschinen-Phänomen: Du bekommst etliche Webseiten angeboten, die dir sagen, was du tun kannst, um einen „erfolgreicheren Stil“ an den Tag zu legen. Aber keine sagt dir, wie du zu einem eigenen Stil findest. Die Ergebnisse sind furchterregend: Mehr und mehr erotische Artikel und Kurzgeschichten werden bereits „suchmaschinenoptimiert“ verfasst – was letztlich bedeutet: völlig stillos und austauschbar.

Tipp: Erotische Tagebücher sind wieder beliebt

Übrigens: Erotische Tagebücher sind wieder stark im Kommen. Sie sind leicht zu verfassen, können jederzeit aufgenommen und wieder aufgegeben werden – und sie benötigen keinen Plot. Ob sie wahr oder erlogen sind? Wer will denn das wissen? Wenn sie interessant geschrieben sind und deine Leserinnen nach dem lechzen, was drin steht - dann lohnt sich der Versuch allemal.

Wer mehr Hintergrund will, der darf die Frage beantworten, wie Frauen die männliche Rolle annehmen können – erotisch, sexuell oder auch – als Autorin.

Lass von dir hören, wenn du schreibst. Und verbreite das Zitat von mir, wenn du magst.