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Schreiben über ungewöhnliche erotische Wünsche

Manches ist in der Fantasie schöner als in der Realität
Für dich als Autorin erotischer Schriften gibt es eien Schwierigkeiten, die hier schon oft besporchen wurde: die Distanz zu den konkreten erotischen wie auch sexuellen Praktiken, die deine Figuren durchleben. Hängst du sie an deine eigenen Lüste, so machen sie sich in der Fantasie selbstständig – aber das heißt nicht, dass du diese Praktiken auch glaubhaft schildern kannst.

Was kannst du tun, um dieses Problem zu lösen? Ich habe für ein anderes Magazin diese Lösungen beschrieben – doch sie gelten für den Fall, dass du selbst Lust auf das Besondere hast. Indessen – ist es so ein großer Unterscheid, ob du selbst nach dem Besonderen lechzt oder ob es deine Figur stellvertretend für dich tut?


Ich will dir gerne zehn Möglichkeiten zeigen, mit ungewöhnlichen erotischen Wünschen umzugehen.

Die zehn Wege, eine eine seltsame Lust realistisch zu beschreiben.

1. Fantasieren ist sinnvoll. Natürlich nicht nur, wenn es um erotische Wünsche geht, sondern bei jeder Idee, die du vielleicht einmal umsetzen willst. Beim erotischen Schreiben hilft oft, sich sehr intensiv in die Lust hineinzuversetzen, die Deine Heldin empfinden soll.
2. Schreib ein paar Stichworte zu den Gefühlen auf, die bei der ungewöhnlichen erotischen Praxis auftreten könnten – positive wie auch negative. . Es ist immer ein guter Gedanke, die Möglichkeiten schwarz auf weiß vor sich zu sehen – das verfestigt die Idee und macht sie realistischer.
3. Ja, wenn du kannst, dann rede mit jemandem darüber. Mit Frauen und Männern, mit Hetero- und Homosexuellen. Du bist doch Autorin – und das gibt dir das Recht, neugierig zu sein.
4. Lies Foren. Je harmloser sie sind, umso wahrscheinlicher wird dort die Wahrheit gesagt. Heute findest du in Frauen- oder Medizinforen alles – auch Erotik, die hart an der Grenze liegt.
5. Versuche, dein Wissen aus Sachbüchern zu vertiefen. Manchmal ist es schwer, ein glaubwürdiges Buch über Sex, Erotik, Fetische und Ähnliches zu finden. Du erkennst diese Bücher daran, dass sie keine Perfektion vermitteln wollen.
6. Lies Schilderungen und Kurzgeschichten anderer. Die meisten sind leider sehr unrealistisch und schlecht geschrieben. Du erkennst dies daran, dass diese Geschichten Gefühle bewusst aussparen. Lies die anderen – und überlege, ob due die Schilderungen für realistisch hältst.
7. Visuelle Pornografie hilft. Ja, sie ist meist unrealistisch, aber sie zeigt dir dennoch, was geht und was nicht. Echter Sex und andere Praktiken sind wesentlich schmutziger und weniger elegant als die Bilder in Pornos. Und sie und funktionieren nicht auf Anhieb so doll wie im Film. Wenn du das berücksichtigst, können Pornos sehr lehrreich sein.
8. Stell dich neben dich und frage dich: Wenn ich die Lust ausleben wollte, die meine Heldin durchlebt, wie müsste ich dann sein? Wie würde ich selbst handeln? Was würde mich antreiben? Wo lägen meine Schwierigkeiten?
9. Versetze dich für einen Moment in den Konterpart. Was mag in dem Partner / der Partner deiner Heldin vorgehen? Denk insbesondere daran, was passiert, wenn er/sei nicht mit „merkwürdige“ Lüsten rechnet.
10. Mach es einfach einmal porbeweise im geschützten Raum, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Weihe eine gute Freundin oder einen guten Freund in deine Pläne ein, und bitte sie (ihn) etwas mit dir auszuprobieren. Klappt am besten bei Fetischen und SM, weniger bei Vanille-Sexpraktiken.

Ich denke, es ist für eine Autorin unerlässlich, konsequent „abzufühlen“, was deine Figur bewegt und was sie in den Situationen empfindet, in die du sie bringst.

Strapse und Männeraugen

Der Blick trifft jetzt sicher nicht die schönen Augen ...
Bevor du an erotische Sensationen denkst: Stell dir vor, deine Figur macht gerade die Strümpfe neu an den Strapsen fest, und ein Mann beobachtet sie dabei. Diese irische Dame trägt einen sehr kurzen Rock und eine Servierschürze … und wie es scheint, befestigt sie ihr Strumpfband so, dass die Gäste sie sehen können. Klar – das ist eine Mini-Anregung – aber so fing doch schon manche Kurzgeschichte an, oder? Wir haben das Foto vom Griff der Serviererin an den Strumpfhalter aus der Liebeszeitung.

Schnipsel veröffentlichen – eine Methode, um bekannt zu werden

Der Teufel bringt sie - die erotische Literatur heute können wir sie im Laden kaufen
Eine Methode, Ihr erotisches Buch, ihre Novelle oder ihr E-Book bekannt zu machen besteht darin, „Schnipsel“ zu veröffentlichen. Das hat den Vorteil, dass Sie die „harmloseren“, aber wortgewaltigen und sinnlichen Stellen zeigen können, auch wann der Inhalt Ihrer Werke sonst viel „schärfer“ ist. Ich habe noch einen anderen Grund, Ihnen zu empfehlen, nicht die „schärfsten“ Stellen zu veröffentlichen – es sind leider oft die peinlichsten.

Auch, wenn sie noch nie ein Buch geschrieben haben, aber dies gerne tun wollen, helfen Ihnen „Schnipsel“ (zum Beispiel aus Kurzgeschichten), Interessenten für Ihre Arbeit zu finden. Ob ihre Werke zum Lachen, zum Weinen, ausbaufähig oder genial sind - Sie werden durch diese Methode Interessentinnen für Ihre Arbeit finden. Hier einige Beispiele, die wir ziemlich willkürlich ausgewählt haben (und die nicht unbedingt Meisterwerke sind):

Schnipsel 1: Nö, die Unterlippe?

Ich küsste ihn intensiv und sog dabei seine Unterlippe so weit ein, dass ich sie mit den Zähnen fassen konnte. Im Augenblick war es sein einziger Körperteil, das ich in mich hineinbrachte.

Schnipsel 2: Lesbische Verführung mit klischees

„Komm, Karin, ich will dich!“ Angelikas grau Augen lagen auf mir, mit dieser wundersamen Eigenschaft, zugleich heiß und kalt zu blicken. Sie brachten meine Haut zum Erschauern und mein Inneres schmolz dahin. „Du bist verrückt. Dieser Aufzug ist aus Glas, jeder kann uns sehen“ . “Das macht es ja so aufregend.“

Schnipsel 3: Schnell zur Sache

Hans drückte seien Lippen auf meine, und er musste mich festhalten, weil ich zurücktaumelte. Dann begann eine Parforcejagd – Hans warf die Tür ins Schloss und riss mich an sich, während seien Hände meinen Hintern umschlagen.

Schnipsel 4: Voyeur und Verführerin

Ich schloss meine Augen und überlegte, was ich da eigentlich tat. Jemanden zu reizen macht einfach Spaß und ich wusste, dass er nur vom Zuschauen einen Steifen bekommen würde. Er hatte bestimmt noch nie eine reale, halb nackte Frau gesehen. Für ihn würde ich der Traum seines Lebens sein, auch wenn es für eine Qual sein musste, mich nicht berühren zu dürfen.

Schnipsel 5: Der Fotograf / die Fotografin (geschlechtsneutral)

„Du bist nicht hier, um dich fotografieren zu lassen“. Ich hatte es geahnt. So, wie sie sich vor mir auszog, mit spitzen Fingern und leichtem Erröten, dem flackernden Blick und den sinnlichen Lippen, die sie immer wieder benetzte. Nein, so kam keine Frau ins Studio, die ein Aktfoto für ihren Verlobten oder Ehemann wollte. Sie antwortete nicht auf meine Frage. „Welche Pose soll ich einnehmen?“ Es war Zeit, eine Gegenfrage zu stellen: „In welcher Pose sieht dein Mann dich denn am liebsten?“ Sie errötete nun stärker, bevor sie leise sagte: „Ich weiß es nicht.“ Mir wurde klar, dass er sie noch nie so gesehen hatte, wie ich sie jetzt sah. Sie blickte verlegen an ihrem Körper herab und strich sich das Schamhaar zurecht …

Die verwendeten Schnipsel sind keine Zitate aus Büchern oder Texten, die Sie im Internet finden werden, sondern Bearbeitungen, die hier nur als Beispiele für sehr unterschiedliche Erzählungen gelten sollen.

Falls Sie vorhaben, Schnipsel zu veröffentlichen, nehmen Sie ausdrucksstarke Stellen. Vermeiden Sie schnelle, nur von Sex getragene Episoden oder Kussszenen, weil sie damit sehr schnell als wenig ausdrucksstark entlarvt werden können. Versuchen Sie, eine sinnliche Szene auszuwählen, die zum Weiterlesen anregt.

In dem Gemälde von Antoine Wiertz sieht man, wie der Teufel einer lesenden, offenbar stark erregten Frau Alexandre Dumas Buch "Anthony" vorlegt.

Deine erste erotische Geschichte? So geht es besser!

Die Leserin ist alles - und sie muss sich hineinfühlen können
Hier habe ich ein paar Tipps für dich, wie du deine erste erotische Geschichte schreiben kannst – und ich gebe dir Brief und Siegel: Bei ein klein wenig Talent klappt es auch …

1. Träume einen Traum und gib deine Realität dazu
Es gibt an die 30 erotische Träume, die ganz normal sind, aber die niemand zugibt. Rund 10 davon werden von zwei Dritteln der Frauen geträumt, etwa 15 von nahezu der Hälfte der Frauen, und gegen 30 von etwa einem Drittel. Das heißt: Es gibt 30 (1) Variationen des Themas, von denen du dir eines wählen kannst. Vorschlag: Frage nicht uns, sondern wähle deinen Traum aus – es ist sehr, sehr wahrscheinlich, dass du damit wenigstens im mittleren Drittel landest. Es wäre gut, wenn du ein ganz klein wenig davon in der Realität umzusetzen wüsstest oder dass du dem Traum wenigstens sinnlich nachspüren kannst.

2. Mach es kurz und einfach
Ich rate meistens, die Szenen gefühlsmäßig auszuschmücken, aber das gilt für Romane. Also: Fang nicht mit einem Roman a, sondern mit einer Episode. Wenn du die gut schreibst, dann heißt sie „Short Story“. Du kannst Geschichten, die unter die Haut gehen, in 300 oder 30.000 Wörtern schreiben. Fange mit kurzen Geschichten an. Steige sofort ins Thema ein.

3. Anders als in der Schule
Wirf deine Figur mitten ins Geschehen. Eine plötzliche Berührung, eine ungewöhnliche Situation, ein eichenartiges Gefühl, ein schneller Entschluss – und schon bist du mitten drin. Wenn du es schaffst, dass die warme Hand des Fremden tatsächlich fühlbar am Schenkel deiner Leserin hochkriecht, statt dass es nur in Buchstaben da steht, dann hast du gewonnen. Sehr wahrscheinlich: Wenn dich die Geschichte geil macht, macht sie auch deine Leserin geil.

4. Spannung muss sein
Gerade bei der Kurzgeschichte ist der Spannungsbogen bis zum Anschlag gespannt. Du wirst als Leserin 300, 500 oder maximal 1.500 Wörter später wissen, wie es ausgeht, aber nicht sogleich. Also muss die Spannung aufgebaut, eine Weile erhalten und dann ebenso schnell wieder abgebaut werden. In längeren Geschichten (Romanen, Novellen) kannst du das auch mehrfach so handhaben.

5. Bildhafte, plastische Sprache für Gefühle
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Vorab: Die Hauptfrage ist nicht, wie du Penis und Vagina bezeichnest, sondern welche Bilder du findest, um die Gefühle zu beschreiben. „Fühlen“ ist etwas ganz Normales, aber es ist nicht leicht zu beschreiben. Deswegen benutzen alle guten Autorinnen plastische Bilder oder ungewöhnliche Ausdrücke und alle schlechten Autorinnen Klischees. „Sie fühlte eine Woge der Lust“ ist ein Klischee. „Kleine Wellen der Lust stupsten an ihren Nerven herum, ebbten dann wieder ab und kamen schließlich fordernd wieder zurück. Jede gab ihr einen neuen Anstoß, loszulassen und sich einfach fortspülen zu lassen von den Wogen“ wäre eine Alternative. Das ist natürlich nur ein schnell dahingeschriebens Beispiel, das du viel intensiver schildern kannst.

Und nun: Schreib deine erste erotische Geschichte … du, musst es einfach nur tun. Das ist wirklich alles.

Vorschlag: Weißt du, was du in den Mittelpunkt stellen willst? Schreib es uns, und wir sagen dir, welchen Rang es in den Träumen der Leserinnen haben könnte. Es geht nur über diese E-Mail (Telefonisch ist keine Antwort möglich) :

Bild: Historisches Foto, nachkoloriert.

Der Zwang, sich keusch zu halten - literarisch

Keusch bleiben durch Rüstungen?
„Keuschhaltung“ ist heute als Wort fast ungebräuchlich geworden. Falls Sie dennoch darüber schreiben wollen, betreten Sie eine Nische der erotischen Literatur, aber auch durchaus der „großen Literatur“.

Als „echtes“ Problem - psychologisch herangehen

Die „Keuschhaltung“ beginnt damit, alles Sexuelle als niedrig anzusehen und zu verdammen. Besonders das masturbieren, vor allem aber die „Selbstbefleckung“ der jungen Frauen, wurde als Warnzeichen für sexuelle Verwahrlosung angesehen. Wurde es entdeckt, drohten drastische Strafen – von der Einschüchterung mit dem Höllenfeuer einmal ganz abgesehen.

In diesem Fall lohnt es sich, das Thema psychologisch anzugehen. Die Keuschheit ist bei ihrer Heldin, die so aufwächst, tief im Denksystem verankert. Verliert sie ihre „Jungfräulichkeit“, so empfindet sie dies als „herben, unverzeihlichen Verlust“. Sie kann den Bann, der in die gelegt wurde, selbst oft gar nicht wieder aufheben. Auch durch Heirat kann sie es nicht erreichen, obgleich ihr versprochen wurde, dass die Ehe alle ihre Probleme lösen wird. Manchem Jüngling, insbesondere einem Theologiestudenten, der Priester werden will, wird es ähnlich gehen: Die Blockade sitzt fest, und nur heimlich kann er die von der Natur gegebene Lust ausleben.

Diese Konstellationen eignen sich, um heftige Konflikte zwischen dem inneren Zwang und dem Drängen der Natur darzustellen.

Spielerisch oder sektiererisch? „Erzwungene Keuschheit“

Tipp: Immer spielerisch herangehen – sonst geraten Sie in die Nähe der Extrem-Pornografie.

Ein beliebtes Thema für den „inneren Zwang“, zwar nicht keusch, aber absolut treu zu sein, ist die Möglichkeit, dass sich ihre Figur gegen eine Verführung erwahren muss. In Filmen wurde schon vielfach gezeigt, dass die Keuschheit der Männer durch Lockvögel geprüft werden sollte – aber das funktioniert auch umgekehrt.

Spielerische „Keuschhaltung“ wird dann gefordert, wenn ein Partner (meist die Frau) besonders intensiven Sex auslobt, wenn sich der Partner einige Tage zurückhält. Einige der Spielerinnen verlangen sogar, dass der Mann in dieser Zeit seine Erektionen kontrolliert und auf keinen Fall masturbiert. Im Extremfall kommen dann „männliche Keuschheitsgeschirre“ zum Einsatz.

Umgekehrt wird das Spiel oft unter ähnlichen Bedingungen, aber mit anderen Vorzeichen gespielt. Die Frau, mit einem altertümlich anmutenden Keuschheitsschutz („Keuschheitsgürtel“) versehen, wir dazu aufgefordert, heftig mit Männern zu flirten. Und der Ehemann findet sein Vergnügen dann darin, dass die Frau keine Chance hat, den Geschlechtsverkehr mit dem Lover auszuüben.

Solche Konstellationen eignen sich für Kurzgeschichten, Novellen oder Episodenromane.

Bild: historische Illustration.