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Schreiben - Teil vier: Deine weibliche Figur entsteht

Idee und Figur im Zusammenhang
Deine weibliche Figur – mit welchem erotischen Charakter willst du sie ausstatten?

Wir haben für euch vorgefühlt, welche erotischen Persönlichkeitsmerkmale oder „Charaktere“ eure weibliche Figur haben könnte. Warum wir nur von Frauen reden? Weil es in den meisten erotischen Romanen um eine Frau geht.

Die Junfrauenkarte spielen - ja oder nein?

In erotischen Romanen von Frauen für Frauen zeigte sich lange Zeit ein Trend, emotionale und körperliche „Jungfrauen“ als Heldinnen zu verwenden. Die meisten Autoren raten jedoch davon ab – und dies aus gutem Grund: Die Erfahrungen der Jungfrau reichen nicht aus, um die heftigen Emotionen während des Geschlechtsakts zugleich zu erleben und zu beschreiben. Es gibt andere Meinungen, zum Beispiel die, dass jeder Mensch die Ereignisse und Gefühle aus der „eigenen Biografie“ kennen würde. Ich hingegen warne davor, die eigene Biografie überhaupt ins Kalkül zu ziehen.

Drei erotische Grundtypen - sehr grob

Frauen – das ist eigentlich ein alter Hut, der aber noch mal neu aufgesetzt werden muss, teilen sich in Sexpositive, Sexneutrale und Sexnegative erotische Charaktere. Oder mit anderen Worten, einfacher:

1. Die Sexpositiven suchen sich Partner(innen) um möglichst intensive sexuelle Erlebnisse zu haben, bei denen sie selbst bestimmen können, wie die Sache läuft.
2. Die Sexneutralen brauchen „das gewisse Kribbeln“, das sie durch Menschen bekommen, die sie zu lieben glauben. Sie denken oder erfühlen, dass ihre Pater(innen) Sex wollen, und sie fügen sich dann in diese Rolle, die ihnen mal mehr und mal weniger gefällt.
3. Die Sexnegativen wollen eigentlich keinen Sex, tun „es“ aber trotzdem manchmal - aus den verschiedensten Gründen.

Nun gibt es für einen Menschen niemals nur ein Attribut, das ihn charakterisiert. Im Allgemeinen sagen wir, dass sich Menschen so gut wie sicher durch drei Eigenschaften charakterisieren lassen: „Eine Selbstbewusste, sexpositive Frau in guter Position“, beispielsweise.

Obgleich die selbstsichere, mutige und erfahrene Frau mit Sicherheit ein besseres Vorbild wäre als eine unsichere, wankelmütige und unerfahrene Frau, suchen Autorinnen zumeist den eher unsicheren Typ, der sich verführen lassen muss, um zum erotischen Glück zu gelangen. Es mag sein, dass daher auch der Trend zur „Jungfrau“ kommt.

Fünf Figuren eignen sich für erotische Romane

Wir fanden fünf erotische Frauenpersönlichkeiten, die sich für Romane und Kurzgeschichten eignen. Sieben davon wollen wir euch vorstellen, absteigend nach der sexuellen Aktivität:

1. Verführerinnen werden zumeist als selbstbewusst beschrieben. Sie wissen, was sie wollen, wann sie es wollen und wie sie es gerne hätten. Dazu gehen sie auch Abenteuer und Experimente ein. Diese Frauen sind oft nicht sehr gebildet und kommen nicht aus den sozialen Milieus der feinen Gesellschaft, begeistern aber durch ihre offene, natürliche Lebensart.
2. Krypto-Verführerinnen sind aktive, sexpositive Frauen, die nicht als „Schlampen“ verrufen werden wollen, und die sich deshalb vermeintlich zurückhalten, in Wahrheit aber das Gleiche Wollen wie aktive Verführerinnen. Sie täuschen Männer, indem sie vorgeben, nicht aktiv zu verführen, legen es aber darauf an, angesprochen zu werden und geben dem Mann das Gefühl, selbst der Verführer zu sein. Diese Haltung ist typisch für Frauen, die ihren Ruf verteidigen müssen.
3. Zurückhaltende Frauen stellen plötzlich fest, dass bei ihnen etwas „im Bauch kribbelt“ und versuchen dann auf Umwegen („Spielchen“), Sex zu bekommen. Das ist der Durchschnitt und zugleich der Lieblingstypus der meisten Autorinnen. Das Frauenbild, das dahintersteht, heißt ungefähr: „Der Mann erschließt ihr die Lust“, aber es kann heute auch eine Frau sein, der deine Figur verfällt.
4. Unsichere Frauen haben widersprüchliche Gefühle, zeigen diese aber nicht. Auch sie sind bei Autorinnen beliebt, weile es relativ leicht, aber andererseits sehr spannend ist, solche wechselnden Gefühlsbäder zu beschreiben und zu einem „Happy End“ zu führen: Dieser Typus eignet sich für den Plott „Verloren gehen und neu geboren werden.“
5. Weitgehend Neutrale, nicht an bestimmte Emotionen gebundene Frauen lassen Sex zu, weil es in bestimmten Situationen für sie „so üblich ist“. Dieser Typus eignet sich sehr gut für Alltagsschilderungen – vor allem, weil Sex im alltäglichen Leben ja eher eine „Option mit ungewissem Ausgang“ ist.

Deine Möglichkeiten

Die restlichen Frauentypen fallen aus dem Raster erotischer Romane, weil sie mit sich selbst kämpfen müssen, um schmerzlichen Geschlechtsverkehr zu haben oder – in anderer Weise schmerzlich – auf Geschlechtsverkehr verzichten. Diese Charaktere sind ausgesprochen interessant, eigenen sich aber nicht für erotische Romane.

In den meisten Romanen, insbesondere aber in Kurzgeschichten, gibt es einen offenkundigen Wandel des Fühlens, Wollens oder Handelns. Es mag sein, dass die „eher wenig spektakulären Figuren“ diesen Höhepunkt intensiver erleben können – und damit auch deine Leserinnen.

Die Verführerinnen hingegen eignen sich eher für Plots wie „Reise und Rückkehr“, also beispielsweise die Schilderung eines an Affären reichen Lebens oder für die Aufbereitung eines Doppellebens.

Erotik auf den Kopf gestellt: alles ganz falsch ist oft goldrichtig

Tabus brechen oder Klischees verwenden?
Ein älterer Mann verführt eine jüngere Frau – mag ja sein, dass euch dieses Thema interessiert. Kürzlich hat sogar jemand einen Welterfolg damit begonnen, eine „arme Jungfrau zart“ mal schnell von einem älteren, arroganten und manipulativen Fuzzi auf „devote Sklavin“ umzutrimmen.

An dem Machwerk war alles total alte Schule, der Plot war „Cinderella mit Aua, aua“ und sonst – na ja, da waren eben ein paar Schilderungen der Schmerzlust, die sich die Erfolgsautorin irgendwo abgelesen hatte.

Wer es wiederholen will, muss ein paar andere Tabus brechen – und der Tabubruch muss vor allem äußerst chic sein. Damit die Feministinnen „Verrat!“ schreien und den Leserinnen die Schamlippen anschwellen, wenn sie den Text aufsaugen.

Nein, nein – gab es alles schon. Cinderellageschichten und Soft-S/M sind zwar immer noch populär, aber ob du damit einen Blumentopf gewinnst? Ich glaube nicht daran, dass sich diese Zitrone noch weiter auspressen lässt.

Hier wäre ein anderes Prinzip: Stell alle auf den Kopf. Schreib über das, was nicht täglich vor deiner Nase geschieht, was „ganz falsch“ ist und möglichst unmoralisch.

Wer verführt wen?

Warum soll einen Mann eigentliche eine Frau verführen? Warum soll er sie verleiten? Was motiviert ihn, sie sogar erotisch zu versklaven?

Was wäre, wenn du eine Figur schaffen würdest, die einen Mann verführt, verleitet und versklavt? Und dies noch auf eine ausgesprochen elegante Art und dabei dennoch schamlos und konsequent?

Warum wagst du nicht den „doppelten Tabubruch“, und schaffst eine weibliche Figur, die Frauen und Männer schonungslos zu erotischen Eskapaden verführt?

Mann verführt Frau – ganz anders?

Der Sugar Daddy, sie ein lustvoll, bedürftig oder korrupt, der sein Sugar Baby durch Verführung rekrutiert, ist immer noch beliebt. (SoG lassen grüßen). Der jüngere, etwas eigenartig lebende Mann, der eine etablierte, verheiratete Frau verführt, wäre eine Alternative. Cinderellageschichten leben davon, dass der Mann wohlhabend ist, die die Frau hingegen bedürftig. Das könnt ihr ohne Weiteres umkehren.
Wer verführt wen ... und wie?

Frau verführt Mann?

Szenen, in denen Frauen Männer verführen, sind hocherotisch. In den meisten bekannten Entwürfen sind es „gestandene“ ältere Frauen, die den jüngeren Mann verführen – das war einmal ziemlich spektakulär. Darüber steht dann „MILF“ und gemeint sind Frauen zwischen 35 und bestenfalls 40, die einen jungen Mann in die Geheimnisse der Lust einführen. Ganz hübsch – aber ziemlich abgedroschen. Interessanter ist es, in die Geheimnisse der „Jägerinnen“ zwischen 45 und 55 einzudringen, die ihr Alter geschickt verbergen, und deren Beute hübsche, potente junge Männer sind: Cougars. Hinzu kommen all diese erotischen Märchen, in denen junge Männer in die Hexenhäuser dominanter Frauen gelockt und dort sexuell gereizt, aber auch entwürdigt werden.

Frau verführt Frau

Natürlich gibt es solche Geschichten schon, aber sie sind meist zu „brav“ angelegt. Die meisten entwürfe gehen von der gleichen Grundsituation aus wie ihre heterosexuellen Pendants: Die ältere, erfahrene, durch und durch lesbische, etablierte Dame verführt eine junge, noch unsichere, mädchenhafte Frau. Das passt auf manches Klischee, wirkt aber auf Dauer als Thema ermüdend. Wie wäre es mit einer jungen, bi-neugierigen Frau, die du auf ihrer Suche nach ersten oder ultimativen Erfahrung mit der lesbischen Liebe schicken könntest? Wenn du einen Schritt weitergehen willst, kannst du eine erfahrene Verführerin auf den Weg schicken, die ihre Amouren keinesfalls nur zum Lustgewinn, sondern auch zu wirtschaftlichem Erfolg nutzt?

Mann verführt Mann

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Die Verführung eines Mannes ist schwerer zu schildern – für Hetero-Männer noch mehr als für Hetero-Frauen. Zudem erwarten die meisten Leserinnen, dass homosexuelle Beziehungen zwischen Männern nicht zu drastisch geschildert werden. Und die meisten Leser, die nicht homosexuell sind, wünschen sich, dass der Mann „da so hineingeschlittert“ ist. Oftmals werden in erotischen Bi-Geschichten Frauen als „Vermittler“ eingesetzt. Die Kunst solcher Erzählungen liegt darin, die Verführung glaubhaft, sanft und nicht nachhaltig anzulegen – dann sind auch Hetero-Männer interessiert. Der beste Tipp, um Empörungen zu vermeiden: Deine männliche Figur sollte „passiv“ bleiben. Ein sehr interessanter Autor, der ist Jonathan Ames, speziell in „What’s not to Love“. Falls du noch ein Exemplar erwischt und englisch lesen kannst, dann kauf es, auch wenn es schweineteuer ist.

Gruppenverführungen

Vielleicht glaubst du es nicht, aber Gruppen-Verfühungen sind äußerst beliebt in der Erotik-Branche. Gemeint sind dabei keine Orgien, sondern simple Konstellationen: Ein Paar verführt eine Dritte oder einen Dritten – meistens sind dabei bisexuelle Handlungen involviert. Zumeist wird dabei der Fehler gemacht, das „Sexuelle“ zu sehr in den Vordergrund zu stellen – deshalb stehen solche Szenen im Pfui-Teufel-Verdacht des pornografischen. Für eine anspruchsvolle erotische Geschichte wäre interessant, wie es dazu kam, eventuell sogar, indem du gescheiterte Vorerfahrungen mit einbringst.

Ohne wenigsten eine aktive Verführung ist ein erotischer Roman kaum etwas wert – und für viele Kurzgeschichten ist die „schnelle, aktive Verführung“ sogar unerlässlich.

Die in Text und Titel verwendeten Bilder sind Buch-Illustration, deren Urheber nicht gefunden werden konnte

Fakten: warum du keinen Roman schreiben solltest

Etwas zu wissen, heißt nicht unbedingt, es auch verinnerlicht zu haben. Und so „weiß“ eine große Anzahl von Internet-Bewohnern, was eine Kurzgeschichte, eine Novelle oder ein Roman eigentlich ist. Man ordnet die Begriffe hübsch ein, freut sich, dass sie so nett dastehen, und hat am Ende eigentlich gar nichts über sie ausgesagt.

Der Schreibanfänger möchte allerdings zunächst etwas ganz Einfaches wissen: Wie lang darf, soll oder muss meine Geschichte eigentlich sein? Diese Frage hat Sinn, denn wir wollen unser Werk ja nicht mit 18 anfangen und mit 68 beenden, nicht wahr?

Wenn du die Sache so siehst, dann lies einfach weiter:

Die Kurzgeschichte

Die Kurzgeschichte, in Deutschland oft als „minderwertig“ verpönt, ist in Wahrheit eine schriftstellerische Meisterleistung, weil sie dich dazu zwingt, das Wesentliche deiner Erzählung herauszustellen. Wenn du „netto“ 200 Wörter am Tag stehen lässt (vielleicht musst du die dreifache Anzahl schreiben – überleg es dir gut!), dann kannst du eine recht gute Kurzgeschichte in fünf (1000 Wörter) bis 14 Tagen (2800 Wörter) schreiben. Oder eine etwas Längere in einem Monat, also an 20 Arbeitstagen (4.000 Wörter). Dazu muss ich dir allerdings sagen: Je länger, umso schwerer wird es dir fallen, weil du die Geschichte ja „irgendwie schlüssig“ darstellen musst – und das heißt, sie immer mal wieder daraufhin durchzulesen. Wer kürzere, aber dennoch packende Geschichten schreiben kann, ist im Vorteil.

Die Novelle

Eine Novelle ist – nach deutschem Verständnis – eine etwas längere, aber ähnlich gestaltete Form wie eine Kurzgeschichte. Sie führt aber etwas breiter aus, was mit deiner Figur im Laufe der Handlung geschieht. Die Novelle hat deswegen meist mehr Kapitel, mehr Seiten und naturgemäß dann auch mehr Wörter. Wenn du deine Geschichte also in mehreren Episoden oder Kapiteln erzählen willst, ist die Novelle gerade richtig. Man sagt, sie könne etwa 20.000 Wörtern beherbergen. Das bedeutet für dich unter gleichen Bedingungen: Es ist eine Arbeit, die dich mehrere Monate beschäftigt. Es kann übrigens durchaus sein, dass du gegen Ende beschließt, auch ein voraufgegangenes Kapitel noch einmal zu ändern. Das ist eine ganz normale Schriftstellertätigkeit, aber sie kostet viel Zeit. Nach oben ist bei den Worten noch etwas „Luft“. Es dürfen also auch etwas längere Geschichten sein.

(Warnung! Im englischsprachigen Raum ist eine „Novelle“ („Novel“) ein Roman)

Der Roman

Das „Buch“, das du schreiben willst, ist meist ein Roman. Ich finde, „Roman“ ist heute ein mehr als grober Sammelbegriff für alles, was viele Seiten hat. Meist handelt es sich um Erzählungen, die breit ausgeschmückt werden, und in denen mehrere Personen und ihre Schicksale behandelt werden. Um einen solchen Roman von Anfang bis Ende schlüssig zu schreiben, brauchst du neben viel Erzähltalent auch einen aufgefächerten Plot – und jede Menge Ausdauer. Rein formal musst du mindestens 60000 Wörter zu Sätzen zusammenfügen und dem Gesamtwerk mit diesen Sätzen Sinn und Ziel vermitteln. Das kannst du in etwas mehr als einem Jahr schaffen. Dein Werk dürfte dann etwas schmal ausfallen – das macht aber nichts.

Was empfehle ich?

Die Empfehlung geht ganz klar in Richtung Kurzgeschichte. Du kannst dein Schreibtalent, dein Durchhaltevermögen und deine Sprachgewalt überprüfen und lernen, deine Gedanken zu raffen und auf das Wesentliche zu konzentrieren. Was willst du mehr?

Was du über die Kurzgeschichte wissen musst …

Nahezu alle Kurzgeschichten folgen heute der amerikanischen Tradition. Deine Figur ist schon beim ersten Satz erkennbar, ihr Charakter wird durch das weitere Geschehen definiert. Die Handlung beginnt sofort, und sie wird so geschildert, als ob deine Leserin danebenstehen würde und zusehen könnte. Doch nun geschieht etwas Ungewöhnliches, das deine Leserin nicht erwartet hat. Dieser Umstand wird dann zur eigentlichen Handlung ausgebaut, die meist ohne Umschweife auf den Höhepunkt zuläuft. Je nach Art der Erzählung und dem gewünschten Spannungsaufbau kannst du einen oder mehrere Wendepunkte einbauen, die aber letztlich alle in zu einer Veränderung führen. Am Schluss steht ein Wandel oder jedenfalls der Beginn eines Wandelns. So, wie die Geschichte begonnen hat, verlassen wir sie wieder: Die Figur geht … und wir wissen nicht genau, was sie nun tun wird.

Andere "kurze" Geschichten

Erwähnen will ich noch, dass es auch andere „kurze Geschichten“ gibt, die man auch „Episoden“ nennt. Wie auch die Kurzgeschichte erzählen sie eine kurze Episode aus dem Leben eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen. Die Teilgeschichten beginnen ähnlich wie Kurzgeschichten, haben aber ein Ende, das auf eine neue Episode mit einem anderen Ausgang hindeutet. Das bedeutet für sich, dass du sie aneinanderreihen kannst, wobei jede Episode neue Spannung erzeugt. Eine andere Form, in Abschnitten zu schreiben, bilden Briefromane oder Tagebuchromane.

Episodenromane genießen (wie Kurzgeschichten) einen schlechten Ruf, der absolut unbegründet ist. Das „wahre“ Leben setzt sich beispielsweise aus Episoden zusammen, deren Bedeutung oft erst später erkannt wird. Daher ist es durchaus möglich, auf der Basis von Episoden eine kontinuierliche, schlüssige Story aufzubauen. Episoden über Liebe, Lust und Leidenschaft kommen vor allem in Serien vor, zum Beispiel in „Coupling“ von Steven Moffat. Das sollte aber niemanden hindern, Episoden auch einfach aufzuschreiben – und dabei Komik mit Erotik zu verbinden.

Wie auch immer – kurze Geschichten ebnen dir den Weg zum Wesentlichen. Und du kannst „dran bleiben“ – was besonders für Schreibanfänger ein enormer Vorteil ist.

Die Fallen des narrativen Schreibens – am Beispiel

Nackt im Garten
Wenn du eine erotische Geschichte schreiben willst, solltest du dir vorher gut überlegen, ob du den „Erzählmodus“ wählen solltest, den wir alle einmal in der Schule gelernt haben.

Ich will euch zunächst ein Textbeispiel aus dem Internet zeigen. Im Original (1) zeigt es sich so:

Die Frau lag dort und schlief. Sie war splitternackt. Ich war wie vom Blitz getroffen, denn erstens war ich überrascht und zweitens hatte sie einen wunderschönen Körper.


Er ist ein Beispiel, wie mit einem Thema erzählerisch, also narrativ umgegangen wird. Ein Mann erzählt, wie er seine Nachbarin überraschenderweise im Garten vorfand: auf einer Liege, schlafend und splitternackt.

Daraufhin berichtet der Mann, er sei „wie vom Blitz getroffen“, bleibt aber offenbar bei Sinnen und seine angedeutete Ohnmacht wandelt sich in die „Überraschung“, gefolgt von „und zweitens hatte sie einen wunderschönen Körper.“

Mir geht es nicht darum, die dahinterstehende Geschichte zu kritisieren. Ich will euch nur zeigen, wie die sogenannte „narrative“ Schreibweise, zum „Aneinanderreihen von Sätzen“ führt, statt zu einer lebendigen erotischen Geschichte.

Das beginnt schon bei dem Satz: „Sie war splitternackt.“ Er beschreibt einen Zustand, aber nicht das Gefühl, das der Erzähler hatte, als er diese Frau plötzlich nackt im Garten sah. Das Wort „splitternackt“ wird zudem plakativ. Der Autor will die Gefühle im nächsten Satz nachliefern, begeht aber wieder den gleichen Fehler.

Wieder ist es ein plakativer Begriff, die in keiner Weise das ausdrückt, was die Person empfindet: „Er war wie vom Blitz getroffen.“ Diese Redensart steht normalerweise für einen emotionalen Zustand, in dem kein klares Denken mehr möglich ist: Der Blitz zerstört die Wahrnehmung, und man konzentriert sich auf das psychische Überleben. Ist das hier der Fall? Nein, offenbar nicht. Denn indem uns der Erzähler mitteilt, dass er völlig paralysiert vor der Nackten steht, wertet er den Zustand im nächsten Satz ab: Er war überrascht. „Überrascht sein“ ist sicherlich der korrektere Ausdruck, denn er hat nicht erwarten, die Nachbarin nackt zu sehen. Aber auch dieser Satz sagt nicht über seine Gefühle aus. Kombiniert mit „denn sie hatte einen wunderschönen Körper“ wird sein Zustand der Verwirrung erneut verflacht: „Ach, sie hat einen wunderschönen Körper.“ Ungefähr der Gedanke, der viele Männer befällt, wenn sie sich Aktfotos ansehen: „Guck, die hat einen schönen Körper.“

Wie ich schon sagte, greife ich ich den Autor damit nicht an. Er orientiert sich, wie so viele andere, an dem, was er gelernt hat: „Schreiben heißt erzählen.“

Wie würde diese Situation nun auf uns wirken, wenn wir „Show, don’t Tell“ verwenden würden und den „Passivmodus“ dabei auch verließen?


Ihr schöner Körper lag völlig nackt vor mir, und ihre Brüste hoben und senkten sich, während sie atmete. Ich war so überrascht, dass ich sie eine Weile anstarrte, bevor mir bewusst wurde, was ich da eigentlich tat. Erst dann lockerte sich mein Blick und ich sah, wie schön sie war. Eine reine, makellose Haut, wunderschöne Brüste … und schließlich der leicht geöffnete Schritt, um den sich feine blonde Schamhaare kräuselten.

Obgleich der Text erweitert wurde, ist er kürzer als der Originaltext (2), in den zahllose „Füllsätze“ eingebaut wurden, die für eine Kurzgeschichte nicht notwendig sind.

(1) Falls ihr die Original-Geschichte aufruft, aus der ich zitierte: Sie enthält mehrere Passagen, die eine ausgesprochen „direkte“ Sprache verwenden. Das ist übrigens auch eine Folge der Unsitte, Sätze aneinanderzureihen statt sich sich in die Situation der Figuren einzufühlen. Meine Warnung: Nicht am Arbeitsplatz lesen und möglichst gar nicht, wenn du Bedenken gegen „harte“ Sexszenen hast. Hier der Link zu Orion.
(2) Die zitierte Textpassage ist kürzer als der Absatz, aus dem sie stammt.

Der Liebesroman – noch nicht sehr erotisch, aber sinnlich

Romantik und Sex im Roman
Liebesromane handeln von der Liebe, aber gute Liebesromane schließen noch ein anderes Thema mit ein. Beschrieben wird ja das Leben, und das findet nicht nur in lauschigen Sommernächten statt. Die Liebe bohrt sich sozusagen wie ein Pfeil in den Alltag, der vielleicht ganz anders geplant war. Und schon sind wir „mitten drin“: Im Mittelpunkt jedes publikumssicheren Liebesromans steht ein Konflikt, der die Liebenden zu trennen droht.

In der einfachsten Form der Liebesgeschichte ist es der innere Konflikt deiner Figur. Sie ist sich nicht sicher, ob sie sich wirklich auf die Liebe (aber auch auf Lust, Leidenschaft, Obzessionen oder Sex) einlassen soll. Der innere Konflikt wird also von Widersprüchen getragen, zum Beispiel, wie sich die Hingabe an den anderen auf die eigene Zukunft auswirkt.

Kurzgeschichten eignen sich durchaus für die Liebe

Diese Form eignet sich bestens für Kurzgeschichten, da die übrigen Personen (mit Ausnahme des Geliebten) nur als „Spiegel“ der Gedanken deiner Figur dienen oder die Konflikte sinnbildlich in ihrem Hirn austragen.

Ein äußerer Konflikt wird eingebaut

Die nächste Stufe besteht darin, dass ein echtes Hindernis auftaucht oder der Konflikt durch eine dritte Person angeheizt wird.

Hier bieten sich beispielsweise „Trennung und Wiederkehr“ an. Deine Figur muss beruflich vorübergehend ins Ausland gehen – und dort gibt es Männer, die unglaublich anziehend sind. Diese „dritte“ Person kann ihr aber auch im Inland begegnen, und si kann so faszinierend sein, dass deine Figur zweifelt, ob sie sich nicht lieber mit der anderen Person verbindet. Vielleicht ist sie jünger, älter, praktischer, klüger, sanfter oder potenter als die ursprüngliche Wahl. Jedenfalls wird sie „in Betracht gezogen“ und eventuell gar vorübergehend als Alternative angesehen. Und falls du dir so etwas zutraust: es könnte auch eine Frau sein, in die sich deine Figur verliebt.

In besonderen Fällen wird es schwieriger

Sonderfälle sind Ängste vor körperlicher Nähe, unerwiderte Liebe oder der Reiz, der vom „Flattern von Blüte zu Blüte“ ausgeht.

Ein modernes Rezept für deine Liebesgeschichte

Weil es so unendlich viele Liebesromane gibt, und ein großer Teil davon nach ähnlichen Muster verläuft, ist es etwas heikel, den vorhandenen Romanen einen weiteren hinzuzufügen. Ein gutes Rezept für Innovationen besteht darin, die sinnliche Liebesromantik mit Facetten des eigenen Erlebens zu verbinden und die Faszination des Befremdlichen darin zu integrieren. Dann hast du den Mix, der immer mehr Leserinnen anspricht.

Wie sonst auch, musst du deine Figur schöpfen und dann laufen lassen. Nicht DU bist verantwortlich für das, was ihr geschieht, sonder SIE ist verantwortlich dafür. Wähle dazu eine Figur, deren Lebensumstände du mindestens ein wenig nachvollziehen kannst. Es kann eine sehr junge Frau sein, eine Frau mittleren Alters oder eine Rentnerin – Liebesgeschichten lassen sich in jedem Alter erleben. Das einzige, was du wirklich tun musst, ist in ihre Haut zu schlüpfen. Denn die Liebe geht immer durch die Haut – auch wenn es nicht um Sex geht.

Wie steht es mit Liebe und Sex?

Wo ich gerade bei Sex bin: Ein erotischer Roman, so schreibt Elisabeth Benedict, handelt immer von „Sex und noch etwas anderem“. Auch ein Liebesroman handelt nicht nur von der Liebe, sondern ebenfalls noch von etwas anderem, wie ich schon zu Anfang schrieb. Und wenn ich spitzfindig bin, dann muss ich sogar sagen: Ein erotischer Roman handelt einerseits von Liebe, andererseits von Sex und noch von etwas völlig anderem.

Sexuelle Lust oder romantische Liebe?

Etwas, an das du denken solltet, wenn du Sex in einen Roman integrierst: Die Person, mit der deine Figur erregende sexuelle Abenteuer erlebt, muss nicht die Person sein, mit der sie eine romantische Liebe teilt. Und schon hast du einen weiteren Konfliktstoff, den du ausbauen kannst.

Soweit die Romane, die auf vielen Varianten romantischer Zweierbeziehungen plus zahlloser Eskapaden beruhen. Wenn mehr als zwei Personen beteiligt sind und sich die weitere(n) Personen nicht herauslösen, wird das Schreiben von Liebesromanen und Erotikromanen noch aufregender.

Ich habe vor (aber noch nicht geplant) für euch auch über V-Beziehungen, Dreiecke, Vierecke und Kreuzbeziehungen zu schreiben. Ich denke, wir treffen uns bald wieder zu diesen Themen.Titelbild nach einem "Groschenroman" von Florence Stonebraker.