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12 sinnreiche Tipps für Erotik-Autorinnen

Lesen, um zu schreiben?
Dieser Artikel bezieht sich nicht ausschließlich auf Erotik-Autorinnen und –Autoren. Sie können jedem Schreib-Anfänger auf die Sprünge helfen. Auch Ihnen.

Hier meine wichtigsten Tipps:

1. Schreiben Sie viel, und wagen Sie Experimente.
Schreiben Sie täglich, und versuchen sie, wenigstens 300 Wörter zu schreiben. Falls Sie Romane schreiben wollen (aber auch sonst wichtig): Legen Sie jede Seite ein paar Tage in den Brutschrank, und lesen Sie ihren Text dann nochmals vom Original laut vor. Versuchen Sie sich bitte zuerst an Kurzgeschichten. Wenn Sie dieses Genre beherrschen, können Sie sich an längere Texte wagen.

2. Lesen Sie, schreiben Sie um
Lesen Sie, versuchen sie, den Stil des anderen nachzuvollziehen und schreiben sie den Text dann so um, wie Sie ihn schreiben würden. Vermeiden Sie den deutschen Aufsatz-Stil: Er ist ein Erotik-Killer. Versuchen Sie, in mehreren Zeitformen und Stilrichtigen zu schreiben. Lesen Sie erotische Texte aus dem 19. Jahrhundert und achten Sie auf die Formulierungen. Experimentieren Sie dann mit modernen Stilformen wie SMS oder E-Mail-Nachrichten.

3. Analysieren Sie Wörter, Sätze und ganze Texte
Analysieren heißt nicht, intuitiv zu erfassen, so wie ich es im dritten Tipp beschrieben habe. Achten Sie auf die Wortwahl, die Länge der Sätze, die Struktur. Wie baut der Autor seine Figuren auf? Welche Möglichkeiten gibt er ihnen? Wie logisch oder realistisch sind sie? Ist alles nur Sex oder werden ihnen Gesichten erzählt, in denen Sex vorkommt? Wie nahe gehen Ihnen dabei die Gefühle? Welche Worte und Formulierungen wurden benutzt, um Sie als Leser(in) sexuell zu erregen?

4. Knüpfen Sie an Ereignisse und Realitäten an
Manche Autoren schreiben so, als seien sie bei wichtigen Ereignissen, die es tatsächlich gab, dabei gewesen. In jedem Fall aber können Sie das tatsächliche Zeitgeschehen in ihre Erzählung einbauen. Das gibt selbst der schwülstigsten Geschichte einen Hauch von Realität.

5. Schreiben Sie am frühen Morgen, wenn Sie können
Es ist manchmal schwer, vor dem „eigentlichen“ Arbeitsbeginn als Buchhalterin oder Programmierer ein paar Sätze zu Papier zu bringen. Aber: Notieren Sie dann wenigsten die Gedanken, die Ihnen beim Duschen oder beim Frühstück eingefallen sind. Oder auch die wilden Gedanken, die Sie aus Ihren Träumen oder beim Aufwachen gewinnen konnten.

6. Vermeiden Sie in jedem Fall Klischees
Sehen Sie fern? Lesen Sie Massenware über die Liebe oder die Wollust? Da folgt Klischee auf Klischee, und die Autoren glauben, wir doofen Leser(innen) oder Zuschauer(innen) merken es nicht. Allerdings können Sie auch Klischees aneinanderreihen, um sie ad absurdum zu führen. Das passiert zum Beispiel in der britischen Fernsehserie „Coupling“.

7. Lassen Sie heftige Gefühle zu
Der beste Weg, um gegen Klischees zu kämpfen, ist authentische oder ungewöhnliche Gefühle zu äußern. Gerade die Gefühle beim „ersten Mal“, bei extrem heftigem Sex und bei Orgasmen, aber auch die Gefühle bei Rollenspielen werden oft reichlich „unterbelichtet“. Wenn Sie das tun, benötigen Sie Mut, und wahrscheinlich werden Sie angegriffen, wenn Sie zu geil sind, zu sehr hassen oder sich als Schmerzkenner(in) ausweisen. Dazu passt Punkt sechs.

8. Sie müssen kein „braves Kind“ mehr sein-werden Sie erwachsen
Vergessen Sie ihre „Wohlanständigkeit“, und mit ihr die Welt Ihrer Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel. Wichtig ist, was Sie denken und fühlen und nicht das, was andere möglicherweise dagegen einwenden. Es ist Ihr Werk.

9. Schreiben kann schmerzen
Wenn Sie schreiben, können bei Ihnen selbst Gefühle hervorgerufen werden, die Ihnen nicht „geläufig“ sind. Versuchen Sie, gerade diese Gefühle hervorzubringen und nicht zu unterdrücken. In ihnen steckt Explosivkraft, die Sie nun auf Ihre Figuren abwälzen können. Versuchen Sie, die Gefühle so zu beschreiben, dass ihre Leserschaft sie nachvollziehen kann.

10. Finden Sie den besten Ort zum Schreiben
Meist ist es nicht das Klo, Bei mir ist es immer mein großzügiges Büro, in dem ich Ruhe habe. Andere ziehen sich auf Hütten und Dachböden zurück oder schreiben in Cafés oder auf Parkbänken. Leider ist eine enge Beziehung oft ein Schreibhindernis: Erbitten Sie sich Freiräume.

11. Schreiben Sie ruhig in Kladde
Nicht jeder ist so formulierungssicher, dass er sofort „ins Reine“ schreiben kann, auch bekannte Autoren nicht. Es ist besser, ein wüstes Manuskript, sogar ein solches mit Flüchtigkeitsfehlern, im Kasten zu haben als gar keines fertigzubringen. Wenn Sie beim Schreiben erregt sind – lassen Sie es zu, aber nehmen Sie sich alles, was Sie im Zustand der Wollust geschrieben haben, später noch einmal vor.

12. Schreiben Sie, weil sie es wollen
Schreiben Sie, weil sie wirklich schreiben wollen. Jeder Lektor oder spätere Leser bemerkt, ob sie aus wahrer Lust geschrieben haben oder nur, um Seiten zu füllen. Sie können auch mit „Seitenfüllen“ Geld verdienen und berühmt werden. Aber das ist selten.

Einen kleinen Teil dieser 12 Punkte habe ich dem Blog von „Girly Juice“ als Anregung entnommen. Dieser Text ist aber weder eine Kopie, noch eine Übersetzung des Originaltextes, der in eine andere Richtung führt. Der wichtigste Satz, den ich jemals gehört habe und weitergebe, kommt aus einer ganz anderen Richtung: Lassen Sie ihren Figuren die Freiheit, sich zu entwickeln. Es hat keinen Sinn, wenn sie nur bis an IHRE Grenzen gehen dürfen. Oder, ultrakurz: Ihre Figur darf das.

Hinweis: Dieser Artikel kann in etwas veränderter Form in mehreren meiner Medien erscheinen.

Wenn der Penis ins Spiel kommt

Eingehende Betrachtung - nicht, wenn es um Lust geht
Manchmal kommt der Penis in Kurzgeschichten heraus wie ein Kastenteufel: Da öffnet sich der Hosenschlitz (am Dümmsten: „der Zipp“) und wie von einer Spiralfeder getrieben, grüßt der Eichelkopf heraus. Wird der Schlitz weiter geöffnet, dann kommt ein riesiger 20-Zentimeter-Penis heraus, der zudem so dick ist wie „eine leere Klopapierrolle“, also gegen 45 mm. Na schön. Wir haben diese Sätze zur Abschreckung als Patchwork zusammengestellt. Sie wurde nicht genau so geschrieben.

Halt!

Ein Penis ist ein Körperteil, der trotz seiner unbestreitbaren Funktion vor allem mal mit einem Mann verbunden ist. Der Penis agiert nicht selbstständig, und er bewegt sich überhaupt nur dann aus seiner Ruhelage, wenn der Mann, der daran hängt, ausreichend gereizt wird.

Nochmals halt!

Wenn ihr etwas anderes gelesen habt, dann waren es entweder die wenigen gesegneten Kerle, die „immer einen Steifen in der Hose haben“ oder vielleicht auch Mietrammler, die davon leben. Und möglicherweise stammt die Szene aus einem pornografischen Film.

Ein gewöhnlicher Mann will erst einmal überzeugt werden, dass deine Heldin für ihn überhaupt infrage kommt. Und bevor der Penis überhaupt als Protagonist in Erscheinung tritt, muss sehr viel passieren. Männer haben nämlich eine Gefühlswelt, die nicht so funktioniert: „Hebel umlegen, Signal geht hoch.“ Je nach Alter und Erfahrung will ein Mann nämlich durchaus verführt werden – und das gilt sogar dann, wenn er glaubt, eigentlich die Frau zu verführen.

Also mal ganz kurz und für den Notizblock: Wenn er jung, unerfahren und geil ist wie Nachbars Lumpi, geht alles fix – viel zu schnell, als dass deine Heldin etwas davon hat – außer Flecken auf Rock oder Pullover. Und wenn er ein Genießer ist, dann muss deine Heldin schon etwas tiefer in ihr Ressourcen-Repertoire greifen, als nur ein paar Standards aufzulegen. Soweit zur Verführung generell.

Irgendwann kommt der Penis doch ins Spiel. Wie wäre es, wenn er nur eine Nebenrolle bekommt und du dem Mann die Hauptrolle gönnst? Oder deiner Heldin, die auch noch andere Ideen hat, was sie vom Mann bekommen kann?

Und falls du eben doch nicht darauf verzichten willst: Keine Frau (auch deine Heldin nicht) geht mit dem Zollstock und Scheidermaßband ins Bett, um seinen erigierten Penis zu vermessen. Die Wirkung, die ein Penis hinterlässt, wird „erfühlt“. Und das Gefühl ergibt sich nicht allein durch die Länge. Überhaupt solltest du genau auf diese Gefühle deiner Figur achten. Wie steht sie dazu, einen Penis zu sehen, zu berühren oder in sich aufzunehmen? Was fühlt sie, wenn sie es tut? Wie wandeln sich die Gefühle, wenn es dann „richtig losgeht“? Wie sind ihre Gefühle hernach?

Männer sind ja angeblich „stolz auf ihr bestes Stück“ – und doch beherrschen nur die wenigsten Männer all die Künste, die ihr euch aus pornografischen Filmen herausziehen könnt. Und eure Männerfiguren? Sind sie alle perfekt? Beherrschen Sie die Frau beliebig wie Mr. Grey? Muss deine Heldin sich nur „hinlegen“, damit „etwas läuft“?

Oh, oh … sicher sollen die Männer in manchen Romanen selbstbewusst auftreten, und klar sollen sie manchmal unwiderstehliche Verführer sein. Aber nicht alle und nicht immer. Und der Penis? Der ist wahrlich schnell abgehandelt – und auch ziemlich schnell wieder geschrumpft. Das füllt deine Seiten nicht.

Die Frage, was mit einem "zu kleinen Penis" geschehen kann, beantwortet die "Liebeszeitung"

Verführungen im erotischen Roman

Wer verführt hier wen?

Ob Roman, Essay, Novelle oder Short Story: Entweder die erotische Geschichte beginnt mit einer Verführung oder sie beinhaltet mindestens eine Verführung.

Da ergibt sich doch die Frage: Welche Verführungen gibt es eigentlich, wie spektakulär sind sie, und wie kann ich sie in Worte fassen?

Hetero-Verführungen und homosexuelle Verführungen

Verführungen unter Heterosexuellen sind generell nicht so spektakulär wie Verführungen zu homosexuellen Handlungen. Letztere interessieren auch ein allgemeines Publikum, besonders, wenn es sich um Bi-Kontakte handelt.

Hetero: Mann verführt Frau kontra Frau verführt Mann

„Mann verführt Frau gegen ihren anfänglichen Widerstand“ ist als Thema restlos ausgelutscht, findet aber immer wieder Liebhaber. Das konträre Thema scheitert oft an der Annahme, bei Männern müsste die Frau nur Strapse tragen und drei Worte flüstern, dann hätte sie den Mann schon im Bett. In einem Satz: Jede Verführung, die sofort und reibungslos klappt, ist entweder langweilig, oder bewusst so gewählt oder die reine Masturbationsvorlage.

Homosexuell: Frau verführt Frau oder Mann verführt Mann?

Klar – das Thema „Frau verführt Frau“ ist beliebter, ob unter lesbischen Frauen, unter Bi-neugierigen Frauen oder unter lesenden Männern. „Mann verführt Mann“ ist heikel, jedenfalls für Ihr Mainstream-Publikum. Abhilfe: Entweder romantisch verklären oder aber einen der Männer als Frau in die Geschichte einführen. (Transsexueller oder Transvestit, Sissy oder dergleichen).

„Alt verführt Jung“ gegen „Jung verführt Alt“

Üblich ist „Alter verführt Jugend“, aber das Thema ist schrecklich abgedroschen, vor allem in der Version „älterer Herr verführt junge Frau“. Spektakulärer ist es, wenn die ältere Frau den jüngeren Mann verführt. Noch interessanter: wenn die jüngere Person die ältere verführt.

Reich verführt Arm oder Arm verführt Reich?

Na klar, im „Groschenroman“ herrscht das Cinderella-Prinzip: Generöser, meist älterer Mann verführt jugendliche Naive. Oder reicher Gay verführt armen Hetero. Oder … oder … aber wie sieht es aus mit „Arm verführt Reich?“ Es darf ruhig ein wenig Berechnung dabei sein, wie im richtigen Leben.

Gruppen: Mehr Personen, mehr Probleme

„Paar verführt Mann“ ist ganz anders als „Paar verführt Frau“ und die jeweiligen Konterpartien, „Mann verführt Paar“ oder „Frau verführt Paar“ müssen schon ausgezeichnet aufgebaut sein, um sich interessant beschreiben zu lassen. Je größer die Gruppe, umso komplizierter wird die Beschreibung. Von erotischen „Herrenrunden“ und „Damenkränzchen“ sowie von allen anderen Orgien sollte man ganz die Finger lassen.

Mehr als eine Verführung? Geht das?

Wenn Sie sich die Literatur durchsehen, gib es zwei wesentliche Richtungen: Ein Paar, bei dem einer den anderen zu immer neuen Abenteuern verführt, und oder eine Person, die immer wieder neue Partner verführt. Selbstverständlich können Sie auch eine Antiheldin wählen, die immer wieder verführt wird.

Wer verführt wen zu was?

Nichts ist so langweilig wie eine Verführung zu „ganz normalem Sex“. Eine Hetero-Frau zu Bi-Abenteuern zu bringen, ist für das Lesepublikum wesentlich interessanter. Oder eine sehr bürgerliche Studentin zu einem BDSM-Rollenspiel zu überreden? Das gab es zwar gerade erst, aber bevor es den einschlägigen Bestseller gab, hat sich kaum jemand herangetraut. Das liegt einerseits daran, dass die Autorinnen zumeist nur darüber schreiben, was sie selbst näherungsweise nachvollziehen können. Und wenn sie’s nicht können dun auch sonst nicht viel drauf haben, dann „assimilieren“ sie irgendwelche Szenen aus dem Internet. Extreme Verführungsszenen werden selten beschrieben, so, als hätten die Autorinnen nie etwas von stofflichen und körperlichen „Fetischszenen“ gehört. Und was immer wieder fehlt: Wenn es keinen latenten „inneren Widerstand“ gäbe, würde sich niemand verführen lassen wollen.

Szenen der Verführung: Sie dürfen lang und widersprüchlich sein

Wie langweilig, wenn ihr Höschen so feucht ist, dass der Liebessaft schon durch den Rock schlägt, und sich sofort die berühmte Beule in den Jeans zeigt. Verführungen schreiten oft über viele Etappen mit unterschiedlichen Ergebnissen voran. Klar kann es mal sein, dass der ungeduldige, stark erigierte Penis schon aus der Hose fluppt, wenn sie „den Zipp öffnet.“ Aber das ist, mit Verlaub, auch dann keine Verführung, wenn sie zuvor auf dem harten Baumwollstoff herumgerubbelt hat. Viel interessanter ist eine Geschichte, in der die Frau erst das ganze Feuerwerk ihrer Künste abbrennen muss, bevor der Mann bereits ist … physisch wie psychisch. Entsprechen ergeht es vielleicht ihrem Helden, der unendlich lange versucht, der Damen „Lust auf Lust“ zu machen, bis diese schließlich sagt: „Worauf wartest du eigentlich noch?“

Und wie verführen?

Verführungen sind Kompositionen aus Gesten, Worten, Berührungen und Umgebungsvariablen. Je nachdem, wie und wo die Verführung stattfindet, und wie intensiv die Person agiert, die als Verführer(in) vorgesehen ist, können Gesten, Worte oder Umgebung dominieren. Die Berührungen sind letztendlich lediglich Handlungsabläufe, die nicht zu sehr in den Vordergrund gestellt werden sollten. Gemeinhin bevorzugen Verführer die „AIDA“-Formel: Aufmerksamkeit, Interesse, Verlangen (Desire), Aktion. Das können sie recht lange ausbauen. Andere Formeln eignen sich weniger. Zwischen Interesse und Verlangen, aber auch zwischen Verlangen und Aktion können noch retardierende Momente eingebaut werden. Meist tritt zwischen Interesse und Verlangen noch eine Phase auf, in der die psychischen und physischen Konditionen abgeklärt werden, teils spielerisch, teils sehr konkret (Kondome? Wie wirst du über mich denken, wenn …? Wie würde ich mich hernach fühlen, falls ...?). Zwischen Verlangen und Aktion sind es dann die „letzten Zweifel“, die insbesondere seitens der/des Verführten eingebracht werden. Falls Sie aus der Sicht des Verführers / der Verführerin schreiben, können Sie ebenfalls letzte Skrupel oder Befürchtungen einbauen, ob sie lustvoll/potent/skrupellos genug sind, um die Verführung zu vollenden.

„Stille Verführungen“ ohne Dialoge kommen vor, sind aber äußerst schwierig darzustellen, weil Sie dann alle physischen Prozesse, aufkommende Gefühle und ins Leere gehende Gedanken beschreiben müssen.

Sie wollen mehr, viel mehr?

Stellen Sie Fragen – wir beantworten sie.

Späte Begegnung

Gedanken an den ersten Zungenkuss ...

Sie kommt auf mich zu. Sinnliche, tiefblaue Augen hat sie, und sie durchdringt mich damit, als wolle sie direkt in meine bedürftige Seele schauen.

„Du bist allein?“, fragt sie.
Ich antworte nicht.
„Du hast auf jemanden gewartet, nicht?“
Ich nicke.
„Frau oder Mann?“

Ich sollte empört sein, bin es aber nicht. „Mann“, sage ich leise.
„Willst du ein Glas mit mir trinken? Sieh mal, die Flasche ist noch zur Hälfte voll, und ich könnte sie mit dir teilen … wenn du willst.“

Ich trinke mit ihr. Guter Wein. Teuer. Sie hat Geschmack.
Und sie kann sich gut unterhalten. Tolle Stimme, sehr selbstbewusst. Lächelt bei jedem Satz ein wenig.

„Hast du Vorlieben?“, fragt sie plötzlich, so als würde sie sagen: „Weißt du, wie das Wetter morgen wird?“ Ich ahne, was sie meint. Aber ich frage erst mal, unsicher: „Beim Wein?“

Sie lächelt mich an, sehr offen. „Du weißt genau, was ich meine“, sagt sie mit einem ironischen Unterton, „Du hast dir heute Nacht doch etwas erwartet, oder nicht?“

Mir wird heiß. Ja, hatte ich. Aber so etwas gibt man nicht einfach zu. Also sage ich: „Ja, ein bisschen.“

Wieder lächelte sie. „Und ein bisschen mehr auch, wenn’s geklappt hätte, nicht? Man sieht doch, dass du dich für die Liebe angezogenen hast. Und du weißt auch, wie man sich für die Liebe auszieht, habe ich recht?“

Nun wird mir mulmig. Sie hat in allem, was sie sagt, recht. Jemand sollte mein Lover sein, mehr nicht. Und ich habe mich genau dafür hergerichtet. Ich beschließe, das Gespräch zu versachlichen: „Na ja, es war ziemlich aufwendig, mich so aufzubrezeln, da hast du recht.“

„Du kannst meinen Namen sagen“, lacht die Fremde. „Ich heiße Birgit, aber man nennt mich hier Bibi.“

Ich sage ihr meinen Namen, weiß nicht, warum ich ihr den Kosenamen verrate, muss wohl am Wein liegen: Ich bin Margot … und man nennt mich … Muschi.

„Bibi und Muschi“, lacht Bibi nun, „darauf sollten wir noch ein Glas trinken …“

Na ja, warum nicht. Bibi gießt also noch mal nach, beugt sich zu mir rüber und sagt leise: „Da war noch eine Frage offen, oder? Hast du nun Vorlieben oder nicht?“
„Nicht für so etwas“, sage ich ein bisschen aus der Fassung.
„Nicht für so etwas? Dachtest du etwa … dass ich etwas von dir will?“
Wieder diese Verwirrung. Klar denke ich das. Und nein, es könnte ja auch ganz anders sein. Was sage ich jetzt? Ich frage einfach.
„Ja, eigentlich schon … wäre schön, wenn du mir sagen würdest, was du wirklich willst.“
Sie hält einen Moment inne, als wolle sie direkt antworten, doch dann dann fragt sie etwas Merkwürdiges:
„Bei wem hast du das Küssen gelernt?“
Ich erinnere ich sofort, als hätte mich ein Blitz getroffen. Eine Mitschülerin im Internat. Zungenküsse. Nur zum Lernen, eigentlich. Soll ich es sagen?
„Von einer Frau, aber ich war jung und es war nur … zum Lernen.“
„Aber es war schön für dich, nicht wahr?“

Was war es noch einmal? Mein Mund redet schon, bevor ich mir recht überlegen kann, was ich sagen könnte, um mich aus der Affäre zu ziehen.
„Es war … sehr verwirrend. Aber ich mag nicht davon reden.“
„Du musst nicht reden. Willst du mich küssen?“

Wieder diese abrupte Wendung.

Ich stottere ein wenig. Bibi macht eine Handbewegung in Richtung Bar, wischt das Weinglas vom Tisch, das im Bogen auf meine weiße Bluse zufliegt und mir dann in den Schritt fällt. Dort bleibt es liegen.

Bibi sieht das Malheur, wirkt fürsorglich.

„Oh, wie ungeschickt von mir … ich denke, du brauchst trockene Klamotten. Und duschen willst du sicher auch?“

Alles an mir klebt vor Nässe. Bibi tupft mich mit einem Taschentuch ab. Meine Brüste, meinen Schoß. Ich fühle mich wie ein kleines Mädchen, dem ein Missgeschick passiert ist. Oder doch nicht? Woher kommen all diese Gefühle, die gerade auf mich einstürzen? Bibi zahlt, holt ihren leichten Sommermantel von der Garderobe und legt ihn mir um. Sie verabschiedet sich von der Barfrau. Dunkle Stimme, ein bisschen zynisch. „Eine schöne Nacht noch für dich, Bibi“. Wir gehen schnell aus der Bar, draußen wartet schon ein Taxi. Setzen uns auf den Rücksitz, ich will etwas fragen. Sie legt mir den Finger auf die Lippen: „Frag nichts, genieße einfach alles.“ Sie küsst mich sanft auf die Lippen, und ich will sie zurückküssen, wie damals meine Mitschülerin. Sie wehrt mich ab. „Nicht hier. Wir haben die ganze Nacht Zeit, und es gibt noch viel, viel mehr Süßes, wenn du schön brav bist.“ Die Worte „Süßes“ und „brav“ klingen so merkwürdig exotisch aus ihrem Mund. Ich sollte mich fürchten, aber ich bin neugierig auf das Süße. Wir schweigen eine Weile, ohne uns zu berühren. Der Fahrer biegt in ein Villenviertel ein, fährt bis zum Ende der Straße, bis zum letzten Haus am Waldrand.

Wir steigen aus. Das Taxi fährt weg. Bibi wartet, bis es um die Ecke gebogen ist. „Da unten ist das Tal, siehst du die Lichter der Stadt? Es sind ungefähr acht Kilometer zu Fuß …“ Dann wendet sie sich in die andere Richtung: „Und dort ist mein Hexenhaus.“ Sie zieht einen Schlüssel aus der Tasche und geht wortlos in Richtung der Villa. „Warte“ … rufe ich … und laufe ihr nach.

Kurzgeschichte; © 2016 by Liebesverlag.de

Die erotische Autorin in einer absonderlichen Situation

Wie mag es wohl sein, wenn es Wirklichkeit wird?


Haben Sie sich schon einmal versucht, eine „Geschichte in der Geschichte“ zu schreiben? Und könnten Sie sich vorstellen, darin ihre Zweifel als Autorin unterzubringen? Hier ist ein stark gekürzter und „weich gespülten“ Auszug aus einer Kurzgeschichte, die wir eigens für Sie als Anregung geschrieben haben.

Kathrin las ihr Essay nochmals und lächelte dabei. Ja, es entsprach ganz dem Geist der Zeit, mit Anklängen an die „50 Shades of Grey“, aber mehr aus der Sicht einer lustvollen jungen Frau. Doch trotz ihrer Zufriedenheit hatte sich sein Langem ein Sandkörnchen in ihrem Gemüt eingenistet. „Warum lesen Frauen eigentlich so ein Zeug“, dachte sie sich. Irgendwie, so hatte sie schon oft festgestellt, ist die Handlung in allen SM- oder Spanking-Geschichten vorhersehbar. Und dennoch fühlte sie selbst die eigenartige Faszination, die von den Materialen aus dem Internet ausging, die sie recherchiert hatte. Wie war das noch mit diesen Texten?

„Du wirst mir nicht verbieten, einen Vibrator zu benutzen, wann immer ich Lust dazu habe. Ich habe ein Recht dazu.“
„Das ist nicht die Frage. So etwas hat Konsequenzen, wie du dich sicher erinnerst.“
Miriam erinnerte sich nur zu gut. Die gleiche Situation. Sie hatte nicht gekocht, weil sie ihn später erwartet. Und sie hatte ihren neuen Vibrator sofort ausprobiert und dabei jedes Zeitgefühl verloren. Dann hatte er in der Tür gestanden, die Situation erkannt und sie vollständig aufgedeckt. Sie drehte sich schnell um, weil sie ihre immer noch sichtbare Erregung verbergen wollte. Doch irgendwie musste ihr nackter, blütenweißer Hintern ihren Mann so erregt haben, dass er einfach mit der Hand darauf einschlug. Zuerst schrie sie laut auf, wand sich unter seinen Schlägen und nannte ihn alles, was ihr Wortschaft an Beschimpfungen hergab. Doch dann … sie schämte sich beinahe bei dem Gedanken – war die Hitze, die ihren Po erfasst, auch auf die Schamgegend übergegangen, und sie wurde … ja, richtig geil.

„Das wirst du nicht wagen“. Ihr Unterton sollte zornig klingen, aber das gelang nicht ganz.
„Und ob – und diesmal wird es nicht bei ein paar Schlägen mit der bloßen Hand bleiben, mein Fräulein.“

Immer, wenn er „mein Fräulein“ sagte, wusste sie, dass er sich etwas ausgedacht hatte. Und das war gut so, denn diesmal wollte sie nicht anderes, als noch einmal über den Schmerz zur Geilheit kommen. Er musste einfach denselben Gedanken haben wie damals, denn sie hatte die Situation genau so angelegt: Nicht gekocht, mit dem Vibrator masturbiert, mit nacktem Unterleib im Bett liegen geblieben.


Kathrin sah von ihrer Lektüre auf. „Wirklich absehbar“, dachte sie sich. Klar wird er jetzt merken, wie sie es mag, und wenn sie nicht gestorben sind, dann machen sie immer noch das gleiche Spiel. Erst Schmerz, dann Geilheit.

Sie dachte nun an ihre eigene Story: Sehr kurz und sehr weiblich sollte sie sein. Also sagt ihre Heldin Alice, weit in den Dreißigern, eines Tages zu ihrem 10-jahre jüngeren Freund Tommy:

„Denkst du eigentlich, dass ich immer brav bin, wenn du nicht hier bist?“ Kannst du dir vorstellen, dass ich wie wild masturbiere? Und willst du wissen, an was ich dann denke?“ Tommy gingst erst ein bisschen, dann sagt er: „Doch nicht etwa an … meinen Penis?“ Alice bemüht sich, empört auszusehen: „Ihr Männer glaubt wohl immer, euer Schwanz ist alles, an was wir denken?“
„Nun, dann an unseren schönen Sex, oder wie?“
„Ist er denn so schön? Wann hast du zuletzt gebrüllt wie Tarzan, als du gekommen bist?“
„Also, an was denkst du? Oder gibt es jemand anders?“
„Und wenn es so wäre?“
„Dann verhau ich dich, du kleine Schlampe.“
Tommy grinst ihr ins Gesicht. Sie redeten oft in dieser Weise.
„Tust du sowieso nicht, Langweiler!“
Sie weiß, dass sie Tommy provozieren muss. Er ist viel zu wohlerzogen, um etwas vorzuschlagen. Also hebt sie ihre ohnehin schon sehr kurzen Rock an, zeigt ihm ihre nackten, vollen Hintern und sagt: „Ich leg mich über die Sofalehne. Du weißt, was du zu tun hast?“

Der hochgereckte Hintern, steil aufgestellt und sinnlich weich, hätte jeden Mann verrückt gemacht. Tommy denkt nicht lange nach und holt aus, doch nur ein leises Klatschen kommt zurück, während Alice keinen Ton von sich gibt. Er schlägt zurückhaltend, wie ein Mann, der sich nicht ganz sicher ist über das, was er tut, und es dauert lange, bis sich die fahlen weißen Backen endlich röten. Alice beginnt, leise zu seufzen, doch will sich die volle Lust nicht einstellen, und auch der Schmerz reicht nicht, um sie zu erregen.

„Geh jetzt“, sagt Alice abrupt. Tommy weiß, dass er sofort gehen muss, wenn sie es will. Er wird wiederkommen, ein andermal. Alice öffnet jetzt die Schublade, in der sie auch ihre Dessous aufbewahrt, nimmt den Vibrator heraus, legt sich aus Sofa und beginnt das Spiel erneut in ihrer Fantasie. Ja, der Po brennt. Wenigstens ein bisschen. Gutes Gefühl. Sie wird ein klein wenig von dem Nachhall der Schläge mitnehmen, wenn sie ihre Orgasmen erlebt, da ist sie ganz sicher.


Kathrin besann sich einen Moment. Wie war es eigentlich wirklich, wenn man da lag – mit nacktem Po, und wenn man tatsächlich geschlagen würde? Würde sich erst der Schmerz einstellen oder war es überhaupt nur der Schmerz? Würde man die Schläge stoisch ertragen oder schon bald schreien? Oder würde man wimmern und schließlich weinen? Und wie war das eigentlich mit der Lust? Bei dem Gedanken bemerkte sie, dass sie längst Lust auf sich selbst hatte. Sie packte ihren Vibrator aus, den sie schon lange nicht mehr benutzt hatte. Vielleicht würde sie ihn gar nicht brauchen, weil der Gedanke an die Schläge allein sie schon erregt hatte. Irgendwann, nach mehreren schönen Orgasmen, dachte sie, dass sie es doch einmal selbst erproben müsste, wie sich echte Schläge auf den nackten Po anfühlen.

Alle Rechte an der Geschichte: © 2016 bei Isidora Fecekazi.