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Das erste Mal - sinnlich beschrieben

Naiv oder erfahren? Das Spiel mit dem "ersten Mal"

„Das erste Mal“ hat zwar als Thema fast ausgedient, weil es mittlerweile viele „erste Male“ gibt, in denen recht unterschiedliche sexuelle Praktiken „erstmalig“ erprobt werden. Dennoch beinhaltet gerade das „erste Mal der ersten Male“ eine ungeheure Faszination.

Grundannahmen für erste Male

Doch wie können Sie dieses erste Mal variieren? Wir verfügen über drei Grundannahmen, unter welchen Voraussetzungen dieses „erste Mal“ stattfindet:

- Beide sind naiv.
- Er ist erfahren, sie ist naiv.
- Sie ist erfahren, er ist naiv.

Variationen mit "süßen kleinen Lügen"

Möglicherweise finden Sie diese Annahmen schon interessant genug, um darüber zu schreiben, aber diese Ausgangssituationen lassen sich variieren, hier anhand der zweiten Grundannahme:

- Er ist erfahren, und sie gibt vor, erfahren zu sein, obgleich sie naiv ist.
- Er ist erfahren, aber sie gibt vor, naiv zu sein, obgleich sie erfahren ist.
- Er gibt vor, erfahren zu sein, ist es aber nicht und trifft auf sie, die vorgibt, naiv zu sein.
- Er gibt vor, erfahren zu sein, ist es aber nicht, und trifft auf sie, die wirklich naiv ist.

Damit fügen Sie jeweils eine erzählerische Ebene hinzu, auf der sich gedankliche Prozesse, Hoffnungen und Erwartungen und alle Arten von widersprüchlichen Gefühlen einstellen können.

Metaebenen für Anspruchsvolle

Psychologisch gesehen sind es Metaebenen, die recht ausführlich von dem Psychiater Ronald D. Laing dokumentiert wurden. Einfach ausgedrückt: Die Schilderungen orientieren sich einerseits an dem, was die Personen vorgeben zu sein, andererseits aber auch daran, was sie wirklich sind oder empfinden. Allerdings beschränkt sich dies nicht auf "kleine süße Lügen", sondern findet auch unter Menschen statt, die nicht vorhatten, sich zu "verstellen"".

Psychologisch geschieht daher auch unter "ganz normalen" Bedingungen noch wesentlich mehr in den Köpfen der Beteiligten, und auch diese Beobachtung eignet sich für verschachtelte Erzählungen auf mehreren Ebenen. Nehmen wir uns mal ein gewöhnliches Pärchen vor, das sich nicht verstellt, und bleiben wir bei unserer zweiten Grundannahme:

Die erste handelnde Person („er“) sagt von sich, dass sie etwas ist, also erfahren. Die zweite Person („sie“) sagt von sich selbst, sie sei naiv.

Die erste Metaebene

In Wahrheit allerdings nimmt er nur an, dass sie naiv ist, während sie nur annimmt, dass er erfahren ist. Er denkt also von ihr, dass sie naiv ist, weiß es aber nicht wirklich. Denken Sie dabei daran, dass Naivität ("Jungfräulichkeit") den Partner sowohl ängstigen wie auch beflügeln kann.

Die zweite Metaebene

Er denkt aber auch, dass sie denkt, er wäre erfahren, kann aber nicht wissen, ob dies wirklich das ist, was sie über ihn denkt. Dass gleiche gilt für sie: Sie denkt aber auch, dass er denkt, sie wäre naiv, weiß aber nicht, ob er tatsächlich so denkt.

Was bedeutet dies alles für Autoren?

Was ich hier beschreibe, ist ein Spiel, das im Kopf der Partner vorgeht, die sich hier zu ihrem „ersten Mal“ versammelt haben. Nehmen wir einmal an, er glaubt, sie sei naiv – und das ist sie auch. Dennoch kann er überrascht sein, wie sinnlich sie sich verhält und welche Fähigkeiten sie bereits entwickelt hat, sodass er annehmen wird, sie sie doch nicht so naiv.

Oder: Sie ist sicher, dass er hinreichend erfahren ist, und das ist er auch. Sie ist auch tatsächlich „Jungfrau“, hat aber dennoch Vorstellungen davon, wie sie sich Lust verschaffen kann. Er weigert sich jedoch, das Vorspiel so zu beginnen, und sie bezweifelt nun, dass er überhaupt genügend Erfahrung hat.

Schreiben Sie viel über Gefühle - und wenig über die physischen Vorgänge

Wenn Sie nicht „reißerisch“ und „erregend“ schreiben wollen, sondern sich für das interessieren, was in Menschen vorgeht, ist „Das erste Mal“ ein hervorragendes Feld, um solche Beschreibungen zu versuchen. Die Spannung in Ihrer Geschichte entsteht dadurch, dass sie zwischen der reinen Handlung, den Dialogen und den unausgesprochenen Wünschen, Vorstellungen und Ängsten und den tatsächlich erlebten Gefühlen wechseln können.

Ein kleiner Tipp am Rande. Sie ersparen sich durch die Aufnahme von Metaebenen die Schilderung der schnöden Realität. Mit anderen Worten: Sie können den „Moment der Wahrheit“, also das Eindringen des Penis in die Vagina, in aller Kürze erwähnen, ohne anatomisch „aufdringlich“ zu werden.