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Die Zeit der mystischen Erotik - JETZT

Alles beginnt mit einem Kuss ...
Was ist die Schnittstelle zwischen der Weihnachtszeit, Covid-19, Erotik und Mystik? Wir ziehen die Verbindungslinien für euch

Nikolaus und seine Gesellen

Zunächst einmal die Weihnachtszeit: Sie reicht „gefühlt“ vom Ersten Advent bis zum „Dreikönigstag“, auch wenn nicht alle Nächte als „Weihnachten“ bezeichnet werden. Zu Anfang finden wir vor allem den Nikolaus als „Bringer“ des Süßen, während seine Gesellen für das „Saure“ zuständig sind. Sie haben viele Namen, aber der Knecht Ruprecht oder der Krampus dürften vielen Menschen geläufig sein. Von wem mehr Erotik ausgeht, hängt von den individuellen Vorstellungen ab.

Der Weihnachtsmann, die guten Gaben und die Rute

Zwischen dem Nikolaustag und dem letzten „Weihnachtsfeiertag (meist der 25/26 Dezember) hat der Weihnachtsmann dann Hochkonjunktur. Speziell, wenn er, müde vom nächtlichen Schlittenfahren, eine Bleibe im Bett reifer Damen sucht. Anders als der Nikolaus, der für die „Drecksarbeit“ sein Geselle hat, straft der Weihnachtsmann höchstselbst. Zu diesem Zweck trägt er als konservativer, gestandener Mann stets eine Rute bei sich – der Traum vieler Damen mittleren Alters, die zu viel „SoG“ gelesen haben.

Die wilde, verwegene Jagd dunkler Gestalten

Auch die Raunächte fallen in die Weihnächte. Nun tauchen wirklich Figuren wildester Art auf, weshalb man Fenster und Türen schloss und die Wäsche von der Leine nahm, wenn sie ins Land einfielen. Wer sein Fensterchen dennoch öffnete, vor allem in Mansardenwohnungen, musste (oder durfte?) mit Besuch der wilden Frauen und Männer rechnen. In manchen Gegenden gab es auch leibhaftige Exemplare, die in Teufelsmasken ihr Unwesen trieben. Auch sie wurden gelegentlich eingelassen – höchst leibhaftig.

Die Raunächte und die Zeit, die kein Datum kennt

Die Raunächte (oder auch Rauchnächte) beginnen und enden regional etwas unterschiedlich, und ein Teil von ihnen wird auch als „Zeit zwischen den Jahren“ bezeichnet. Im Ursprung sind sie zwischen der Wintersonnenwende und dem 6. Januar angesiedelt. Sie fallen auch in die „Zeit zwischen den Jahren“ – also in die Zeit, in der in früheren Zeiten das alte Jahr schon vorbei war und das neue noch nicht begonnen hatte.

In diese Zeit fallen die meisten Begegnungen mit den Gestalten der Finsternis – jedenfalls in der Fantasie der Menschen, die aus Winterstürmen, Dunkelheit und knarrenden Balken gespeist wurde.

Um die Sache noch etwas mysteriöser zu machen, kann man die Begegnungen auf die Zeit zwischen den Jahren“ ansetzen, in der die Gestalten der Nacht auch mehrfach zu Besuch kommen können. Und weil die Ereignisse ja in keinem „echten“ Jahr stattfand, verschwinden die Kratzer, Striemen und Wunden im Verlauf des 6. Januars wie von selbst wieder.

Mysteriös, höchst mysteriös

Der Bogen ist nun gespannt – vom guten Nikolaus und dem lieben Weihnachtsmann, die beide die braven Menschen belohnen, bis hin zum Krampus und unterschiedlichen weiblichen Gestalten, die als Begleiter des Teufels auftreten. Wie üblich in den Vorstellungen des Volkes, verwandeln sie sich in herrliche weibliche und männliche Gestalten, und sie werden in dieser Form dann auch beschlafen oder beschlafen in dieser Gestalt Frauen wie Männer.

Was hat nun die Pandemie damit zu tun?

Gestalten der Fantasie und „fühlbare Geister“ mögen Menschen verführen und beschlafen, aber sie verbreiten keine Viren oder STDs, schwängern niemandem und schädigen meist auch sonst nicht körperlich, Vampire einmal ausgenommen. Als solche sind sie tatsächlich „ideale“ Geschlechtspartner für einsam Menschen. Jedenfalls in den Erzählungen, in denen die Heldin oder der Held nach einer von Erotikträumen schwangeren Nacht mit allen Anzeichen eines vollzogenen Geschlechtsverkehrs erwacht – oder alternativ auch mit Kratzern oder den Folgen der verabreichten Hiebe. Ob du die Mysterien am Ende auflöst oder den Leser in mystischer Verzückung und Unsicherheit belässt, liegt allein an dir.

Der sinnliche Nikolaus - die sinnliche Nicola - 2018

Auch ein rotes Kleid hilft bei der Illusion, eine Nicola zu sein
Du willst 2018 eine Nikolaus-Geschichte schreiben, bei der es erotisch kribbeln soll?

Hier sind erst einmal die Fakten:

- Der „echte“ Nikolaus fällt aus. Der war der Legende nach der Bischof von Myra, und man hörte nur Edles von ihm. Lass ihn ich Ruhe.
- Sein falschbärtiger Kollege, der Volks-Nikolaus, hat von ihm den roten Mantel, den Bischofsstab und die guten Gaben geerbt, und aus bürgerlichen Erziehungstraditionen auch die symbolische Rute, mit der gegebenenfalls aber auch ganz unsymbolisch der Po traktiert wurde. Und weil der Nikolaus so viele Gaben verteilen musste, besaß er auch einen Sack – und da steckte er gegebenenfalls sogar ganz böse Kinder hinein.
- In vielen Gegenden Europas trennt man den guten Nikolaus und den bösen Nikolaus. Der „Böse“ heißt dann „Knecht Ruprecht“, „Pelzmärtel“ oder „Krampus“. Letzterer ist besonders in Österreich allzeit bereit, junge Damen zu entführen.

Und nun … zur Story.

Drei Fragen vorab

Erste Frage: Kommt Nikolaus oder Nicola? Geschlechterrollen sind heute austauschbar – also Hauptsache Nico, roter Mantel und Sack – Rute ist optional. Krampus & Co kommen selten vor.

Zweite Frage: mit etwas Mystik ohne Auflösung oder mit einer plausiblen Erklärung am Schluss? Die Sache mit der Mystik ist erregender: Wer war er/sie, mit de, deine Figur in dieser Nacht erotische Spielchen veranstaltete?

Dritte Frage: Zuckerstange oder Rute? Bei erotischen Nikolausgeschichten empfiehlt sich: entweder nur die Zuckerstange oder erst die Rute, dann die Zuckerstange. Bei allen SM-Anklängen ist die Grundsituation: „Du warst ein böses Mädchen (ein böser Knabe), und du musst zuerst dafür büßen.“ Ei, ei. Das Süße gibt’s später.

Nikolaus-Plots mit Variationen

Wenn du nun einen Plot brauchst, dann ist er eigentlich schon geschrieben.

Grundsituation - direkter Einstieg

Nikolaus oder Nicola steht plötzlich vor der Tür, erzählt eine plausibel oder fantastische Story, warum er/sie ausgerechnet deine Figur besucht.

Mittelteil: Situation geheimnisvoll verhüllen, dann Sex oder SM

Dann wird deiner Figur plötzlich „so anders“, sie es vom Konfekt, von einem Glas Sekt, vom Anblick des/der Fremden oder von der Drohung, nun das Strafregister zu verlesen. Wenn du sehr mystisch schreiben willst, siehst du hernach den Raum anders, in dem ihr euch befindet. Das ist zugleich die Rechtfertigung für das „Unerhörte“, das dann passiert. In diesem Mittelteil ist sonst alles so, wie es auch in einer gewöhnlichen Erotik-, Flagellations- oder Sexszene wäre, nur etwas verklärter.

Plot - Teil drei: Auflösung oder nicht?

Manchmal entschließen sich Autoren für ein Happy End – ach, da haben die Freunde mir noch einen Streich gespielt, aber Nico war wirklich so toll, dass …“. Doch ein „Open Ende“ mit dem ungelüfteten Schleier letzter Geheimnisse ist meist interessanter. Dann ist Nikolaus oder Nicola am nächsten Morgen verschwunden, und die Spuren der Liebesnacht (Sperma, Kondome, Kratzspuren, zerrissene Kleidungsstücke) sind nicht mehr vorhanden: Alles ist so, wie es am Abend zuvor war. Nur – wo kommt dieser merkwürdige Gegenstand (denke dir einen aus) her, den deine Figur unter dem Bett/Kopfkissen oder sonst wo gefunden hat. Oder: „Warum ist das Fenster nicht verschlossen?“ Bei Flagellationen bleiben manchmal Spuren zurück … die kann deine Figur im Spiegel betrachten und sich darüber wundern …

Ei holla, Nikoläuse und Nikolinen! Nehmt den Schreibgriffel in die Hand und fabuliert ins Blaue hinein. Es lohnt sich …

Über alle Monster der Nikolaus-Nacht klärt diese Seite auf - die Bilder sind köstlich, der Text leider fremdsprachlich. Bild: nachgearbeitete historische Buchillustration.

Nikolaus ist ein guter Mann

Eine Nikolaus-Kurzgeschichte von Ubomi Ulobi - aus dem Archiv des Liebesverlags

Du willst selber eine erotische Nikolaus-Geschichte schreiben? Die "Bauanleitung" (den Plot) findest du bei uns.

„Gibt es eigentlich noch echte Ruten?“ Kathrin sah mich mit ihren großen Unschuldsaugen fragend an. „Echte Ruten?“, erwiderte ich, „du meinst nicht etwa Angelruten?“ Ich muss gestehen, dass ich Kathrin erst kürzlich auf dem Weihnachtsmarkt kennenlernt hatte, gleich am ersten Tag. Ein paar lockere Sprüche, ein paar Gläser Glühwein, dann folgte eine wilde und überaus feuchte Nacht. Seither war sie geblieben, und ich habe nicht gefragt, warum. Immerhin lohnte es sich für mich: Sie dekorierte die Wohnung adventlich ein, kaufte guten französischen Champagner und feierte mit mir Abend für Abend das sinnliche Fest der Lust auf eine Weise, die ich noch nie erlebt hatte. „Kleien Wildkatze“, dachte ich, „hat Freude daran, die Krallen zu gebrauchen.“

Auf meine Antwort zur „Rutenfrage“ hin lächelte Kathrin verhalten, küsste mich sanft auf die Wange und sagte leise: „Nein, richtige Ruten, mit denen man die Bediensteten schlägt.“ Nun grinste ich: „Du meinst diese Ruten, die wir noch aus unserer Kindheit kennen? Nikolaus-Ruten mit Zuckerzeug dran?“ Kathrin bekam einen merkwürdig sanften Gesichtsausdruck, wie eine Ärztin in der Psychiatrie, wenn sie dir erklären will, dass du besser noch ein paar Tage in der Klinik bleiben solltest. Doch dann hauchte Sie: „Nein, mein Süßer – richtige Haselnussruten oder vielleicht Birkenruten, mit denen man auf einen Hintern den Sternenhimmel zaubern kann.“ Ich hätte gleich richtig schalten sollen und zurückfragen: „An wen dachtest du dabei?“ Aber ich sagte: „Ich erkundige mich einmal!“ – das würde immerhin ein nettes Nikolaus-Geschenk geben, und damit sie es nicht missversteht, würde einfach noch ein Goldkettchen dazu tun, damit sie eine echte Freude hatte.

Ich wusste, dass es keine wirklichen Ruten zu kaufen gab, kannte aber eine alte Dame am Fluss, die noch die Kunst des Rutenschneidens beherrschte. Ich kaufte für Kathrin ein Goldkettchen und beim Konditor einen echten Marzipan-Weihnachtsstollen für die Dame am Fluss, und in der Tat erbot sie sich, mir die passenden Birkenruten zu binden. „Für deinen Zweck“, lächelte sie, „ist es besser, sie nicht zu umfangreich zu wählen, eher etwas länger.“ Ich muss sie wirklich verblüfft angesehen haben, denn sie sagte nun sanft: „Kennst du die Dame schon lange, und habt ihr schon … ähnliche Spiele betrieben?“ Mir stand der Mund offen. „Woher wissen Sie (ich siezte sie immer, während sie mich duzte), dass es sich um eine Dame handelt, für die sich sie besorgen soll?“ Sie hob den Kopf, lächelte sanft und sagte sehr leise, aber eindringlich: „Weil nur Frauen die Küsse der Rute wirklich zu schätzen wissen.“ Sie nahm mich bei der Hand, führte mich ins Nebenzimmer und drückte mir ein altes Tagebuch in die Hand. „nimm es mit und lies, was dort unter dem 6. Dezember 1911 steht – du kannst doch die alte Schrift noch lesen? Du kannst mir das Buch zurückgeben, wenn du die Rute holen kommst. Vermutlich brauchst du sie zum Nikolaustag?“ Nun, ich lief leicht rot an, was die alte Dame amüsierte, und verabschiedete mich schnell.


Das Tagebuch enthielt die Schilderung einer Dienstmagd, die in gutem Hause in Stellung gegangen war und am Nikolaustag dafür bestraft wurde, dass sei eine wertvolle Vase fallen ließ. Sie drückte in einfachen Worten ihre Scham aus, ihren Unterleib entblößen zu müssen, was schlimmer gewesen sei als die Rutenhiebe, die sie daraufhin erhielt. Ich wollte das Tagebuch schon teils amüsiert, teils angeekelt zur Seite legen, als sie beschrieb, welch merkwürdige Lustgefühle ihren Körper nach und nach durchströmten, und wie sie schließlich „in jeder Hinsicht ermattet“ aufstehen, die Rute küssen und der Herrin Dank sagen dufte.

Ich schwieg gegenüber Kathrin über das Gelesene, wie ich auch nichts von der Bestellung der Rute erwähnte. Die Nacht vor dem Nikolaustag war seltsam angespannt, und Kathrin bestand darauf, dass ich ihren schönen Po ausgiebig ansehen und küssen sollte, bevor sie sich mir wieder voller Wonnen hingab. „Morgen komme ich erst gegen Abend“, flüsterte sie leise, „und du musst mein Nikolaus sein.“

Die Dame am Fluss erwartete mich schon, als ich gegen Morgen bei ihr eintraf, übergab mir stolz ihr Werk und sagte geheimnisvoll: „Es wäre gut, wenn du die Führung der Rute lernen würdest.“ Dann führte sie mich wieder in die abgedunkelte Bibliothek, in der sich jetzt ein gepolsterter Bock befand, auf dem ein Kissen lag. „Du musst jetzt auf das Kissen schlagen, ohne die Hülle zu verletzen“, sagte sie, „dann machst du es richtig.“ Ich probierte es, aber die Dame war nicht zufrieden. „Hol weiter aus, aber verwende nicht so viel Kraft, und überlasse der Biegsamkeit der Zweige die eigentliche Arbeit “, sagte sie, „das ergibt die Wirkung eines prasselnden Wasserfalls auf ihrem Po.“ Nach ein paar weiteren Versuchen war sie zufrieden. „Du bist ein guter Junge“, lächelte sie, "deine Besucherin wird ausgesprochen begeistert sein von dir“.

Kathrin kam an diesem Abend in einer weißen Bluse mit rotem Schottenrock, schenkte mir ein paar goldene Manschettenknöpfe und sagte erwartungsvoll: „Du hast ein Geschenk für mich bekommen?“ Ich übergab ihr das kleine Goldkettchen mit der großen Birkenrute, die einem Kerkermeister jede Ehre gemacht hätte, und ihre Augen erstrahlten. „Ich war überhaupt nicht artig in diesem Jahr“, sagte sie kaum hörbar. „Meinst du nicht, dass ich eine Strafe verdiene?“ Ich dachte an das Buch, an das Kissen und sah die rot glühenden Wangen. Ich beschloss, das Spiel mitzuspielen: „Ich sehe, du bist ein böses Mädchen – wo war doch noch dein Sündenregister?“ Sie zog einen handgeschriebenen Zettel aus der Handtasche: „Lies jeden Satz einzeln vor. Und dann gib mir so viel Schläge dafür, wie du für richtig hältst.“

Sie erwies sich als unersättlich, provozierte immer wieder mit ihrer bösen Zunge und ihrem schönen Körper, und zog mich erst gegen Mitternacht ins Bett, wo wir das Werk der extremen Sinnlichkeit ekstatisch besiegelten. Gegen drei Uhr hörte ich eine Tür klappen – sie war wohl ins Badezimmer gegangen. Ich drehte mich um und schlief weiter.

Ich freute mich auf den Morgen danach auf unser Sektfrühstück. Doch Kathrin war verschwunden, und sie hatte auch die Rute und das Goldkettchen bei mir gelassen. Ich wunderte mich nicht sonderlich. Sie hatte bekommen, was sie wollte, und jetzt würde sie vermutlich wieder zu ihrem Mann zurückschleichen – den Po mit den kleinen, funkelnden roten Sternen darauf würde sie ihm wohl erklären müssen, aber das war nun wirklich nicht mein Problem.

Ein paar Tage später klingelte das Handy, das sich ausschließlich für meine Liebschaften benutzte und ich meldete mich mit der Telefonnummer - das habe ich immer so gehalten. „Wie hoißet Sie“, fragte eine männliche Stimme auf Schwäbisch. „Rohrservice Deppermeister“, log ich, „ist ihr Abfluss verstopft?“ Eine Pause entstand. „Entschuldiget Sie bitte, es ist nur so, dass meine Braut Ihre Nummer hatte … “, sagte er. „Oh, sagte ich, das macht nichts … so etwas kommt schon mal vor. Einen schönen Tag noch.“

Am nächsten Tag ging ich durch die Kirchgasse, die noch herbstlich mit feuchtem Laub bedeckt war, und hörte ein Hupkonzert – eine dieser schrecklichen pompösen Hochzeiten mit Oldtimer und dergleichen. Mein Blick fiel auf die Braut, und ich blieb wie angewurzelt stehen. „Gell, sie sind ein schönes Brautpaar“, sagte eine Passantin, die ebenfalls stehen geblieben war. „Ja, und sie werden sicher sehr glücklich“, erwiderte ich, während ich in mich hineinlächelte und mir ein Lied in den Sinn kam: „Nikolaus ist ein guter Mann, dem man nicht genug danken kann.“

(Erstveröffentlichung am 05.12.2011 in "mehrhaut.de")