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Sexuelle Wünsche – wie denkt die Frau, die Erotik liest?

Wovon du auch träumst - es kann beschrieben werden
Wenn du nicht ständig raten willst, was deine Leserin vielleicht gerne von dir lesen würde, dann kann ich dir ein wenig helfen. In einer Recherche der Liebeszeitung und einiger anderer Medien haben wir festgestellt, was wahrscheinlich gut ankommt. Zwar stammend die meisten unserer Ergebnisse aus England, aber dies dürften nahezu 1:1 auf deutsche Leserinnen übertragbar sein.

Die Liebeszeitung schrieb:

Unter den häufigsten Suchbegriffen britischer Frauen, die den deutschen sicherlich nahekommen, finden wird beispielsweise drei Erwähnungen mit dem Wort „lesbisch“ und drei Erwähnungen von Praktiken, die mehr als zwei Personen beinhalten: Dreier, Orgien und extreme Orgien.


Oh, hättet ihr das gedacht? Für unser Team war’s eigentlich keine ganz so große Überraschung, jedenfalls nicht, was die Orgien betrifft. Denn die Träume vieler Frauen drehen sich nun einmal darum, von mehreren Männern begehrt zu werden. Übrigens gehörten zu den Lieblingsthemen auch Fesslungen (Shades of Grey grüßen von überall) sowie „richtig harter Sex“.

Nachdem wir nun beim Thema sind, lohnt sich, das Thema „lesbische Liebe“, eigentlich eher Bi-Sexualität, noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn während „lesbisch“ nicht aussagt, weil „lesbische erotische Literatur“ (oder Pornografie) eine Kategorie ist, sind Suchbegriffe wie „lesbische Verführungen“ und „lesbische Praktiken“ darauf hin, dass nach ganz bestimmten erotischen Themen gesucht wurde, die man so zusammenfassen kann:

1. Die Faszination bisexueller (1) Beziehungen.
2. Die Fantasie, von einer erfahreneren Frau verführt zu werden.
3. Der Wunsch, sich in die Praktiken der lesbischen Liebe hineinzuträumen.
Und im weiteren Sinne auch: extreme Erfahrungen, die mit einem Mann als sehr gefährlich angesehen werden, in der Fantasie eher mit einer Frau zu durchleben – auch dann, wenn es „etwas heftiger“ zugeht.

Die zweite Kategorie, rauer, intensiver Sex oder Sex mit einer Reihe von Männern, dürfte deutlich schwerer zu erfassen sein, da Intensiv-Sexerfahrungen, Dreier und Orgien schwerer darzustellen sind als Verführungen.

Was können wir nun daraus entnehmen?

1. Plane eine Frau ein, die deine Figur in die Welt der Bisexualität einführt.
2. Diese Frau kann deine Figur auch in die Welt der SM-Praktiken einführen – das ist wesentlich spektakulärer, als wenn ein Mann dies tut.
3. Erwäge einmal, Dreier mit zwei Frauen und einem Mann zu beschreiben, bei dem die Frauen das größere Vergnügen haben.

Du kannst dabei bleiben, dass am Ende doch eine Beziehung zwischen Frau und mann dabei herauskommt. Beispielsweise kann der übliche Konflikt der Wahl zwischen zwei Männern viel spektakulärer auf die Alternative „eine sinnliche Frau ohne Zukunft oder ein verlässlicher Mann ohne Vergangenheit“ verlagert werden.

Was du über lesbische Liebe oder Bisexualität wissen musst? So gut wie gar nichts. Überleg dir, was du an deinen eigenen Freundinnen jetzt oder vor Jahren einmal gefiel, und warum du vielleicht gehofft hättest, mehr von ihnen zu bekommen als die üblichen Zärtlichkeiten unter Freundinnen. Wenn du Praktiken beschreiben willst, dann beginne mit Zärtlichkiten wie Küssen oder sanftes Streicheln, und mach beim Cunnilingus oder bei gegenseitiger Masturbation Schluss. Es kommt überhaupt nicht darauf an, die Praktiken ausführlich zu beschreiben, sondern die Gefühle, die deine Figur dabei bekommt. Falls du Bondage oder Disziplin unter Frauen beschreiben willst: Sie ist ein bisschen sinnlicher, wird aber als ebenso intensiv empfunden. Interessant sind eher die Gefühle und Gedanken bei den Praktiken und nicht, dass du jeden Strick um den Körper geschlungen hast oder jedes Schlaggerät ausprobiert hast.

Was meinst du? Haben wir recht mit dem, was wir herausgefunden haben?

(1) Es ist interessanter, Bi-Neugierde und Bi-Verführungen zu beschreiben als lesbische Liebe oder eine lesbische Lebensausrichtung.

Warum du Erotik schreiben solltest und Pornos vergessen

Heiße Literatur
Ein Freund, der sich ein bisschen bei erotischer Fotografie auskennt, hat mal gesagt, bei einem guten erotischen Foto ist mehr drin zu sehen, als drauf zu sehen ist.

So ist es auch bei einem guten erotischen Buch: Du liest viel mehr heraus, als drin steht.

Also, was ist das Beste an einem erotischen Roman oder auch nur einer Kurzgeschichte bei deinen Leserinnen?

Fünf Vorteile beim Lesen erotischer Bücher

1. Deine Leserin kann sich in die Rolle deiner Figur hineinversetzen. Wahrscheinlich macht sie das geil, aber das gehört einfach dazu.
2. Wer dein Werk liest, muss sich nicht verstecken. Alle können es überall lesen, und wenn deine Leserin rote Wangen bekommen sollet, wir man das auf ihren Leseeifer zurückführen.
3. Über Bücher kann man mit Freundinnen (manchmal sogar mit Männern) reden. Bei Pornos würde ich das nicht empfehlen.
4. Erotische Romane wenden sich hauptsächlich an Frauen. Nach einer Untersuchung an vielen historischen Beispielen war das schon immer so. Heute triff es garantiert zu: Erotische Romane sind Frauenromane.
5. Anders als Pornografie ist Erotik meistens sinnlich, weil deine Leserinnen sich alles Ausmalen können, aber nicht sehen müssen. Glaub mir, ein paare Szenen in Pornos sind wirklich widerlich – und auch du möchtest sie nicht sehen. Wenn die gleichen Szenen aber geschrieben dastehen, macht sich deine Leserin ein eigenes Bild, und das erschreckt sie nicht.

Vergiss Pornografie – und bringe deine Leserin dazu, dass ihre Gefühle im Kopf explodieren, dann hast du dein Ziel erreicht. Du wirst gelesen.

Sanfte Erotik und Sex – wie verträgt sich das mit dem Liebesroman?

Träumt sie von der Liebe oder von der Lust?
Sanfte Erotik zu schreiben, also eine Erotik jenseits von Kitsch einerseits und Pornografie andererseits, ist ausgesprochen schwierig. Am besten ist, man verlängert und erweitert eine „ganz gewöhnliche“ Liebesgeschichte bis ins Schlafzimmer hinein.

Ich denke, Sie kennen das Schema von Liebesgeschichten?

Stark vereinfacht geht es so:

Sie trifft ihn - sie verliert ihn - sie bekommt ihn.

Lust und Seelenschmerz

Genau genommen ist es etwas komplizierter: Denn „eigentlich“ hätte gar nichts dagegen gesprochen, ihn zu treffen und sich schnurstracks in ihn zu verlieben. Also müssen Sie diese Hemmung erfinden. Ihre Figur könnte, wie so oft in Kitschromanen, schon einem anderen Mann versprochen sein. Sie könnet aber auch noch Jungfrau sein, und das vielleicht in einem Alter, in dem man solches nicht mehr erwartet. Was es auch immer ist: Es sollte halbwegs glaubwürdig und äußert emotional sein. Man sagt, die Heldin verdiene sich ihr „Happy End“, indem sie durch Dornenhecken geht – und erst, nachdem ihr Seelenschmerz sich in Unerträglichkeit gesteigert habe, winke die Erlösung. Wer einen recht langen Roman schreiben will, kann dies „in Wellenbewegungen“ zu. Nach ein bisschen Schmerz und etwas Demütigung folgt die lustvolle Erlösung, die wieder in Schmerz, Abwertung und Zweifel mündet, bis sich am Ende alles zum Guten wendet.

Einsatz von Sex als Glückswandel

Wo hat in diesem Geflecht von sinnlicher Lust und völliger Verzweiflung die sanfte Erotik ihren Platz?

Wir hatten schon angedeutet, dass der Liebesroman aus emotionalem Schmerz (Sehnsucht, Zweifel, Abwertung) im Wechselspiel mit der Lust (Küssen und Kosen) entsteht.
Das Gewürz „Sex“ wird immer interessant, wenn sich die Liebenden einander so weit nähern, dass der „Moment ohne Wiederkehr“ naht, also die totale sexuelle Hingabe aneinander. Dieser Moment ist nicht nur körperlich erregend, sondern er verändert in der Regel die Gefühle ihrer Figuren füreinander.

Ihre Heldin kann also beispielsweise keinen Sex schenken, oder sich im letzten Moment zurückziehen, weil sie glaubt, sich dadurch zu entwerten. Indem sie es nicht tut, verliert sie ihn für den Moment und macht sich nun Vorwürfe, „es“ nicht getan zu haben.

Die andere Variante bewirkt im Liebesroman paradoxerweise das Gleiche: Ihre Heldin schenkt ihrem Liebhaber Sex, ist sich aber nicht sicher, ob sie das „wirklich richtig macht“. Sie vermutet, dass er enttäuscht ist und sich rarmacht – jedenfalls meldet er sich tagelang nicht. Ihre Heldin macht sich also Vorwürfe, weil sie „es“ getan hat.

Sex kann also ein Hemmer oder ein Beschleuniger sein. Und Sie können durchaus mehrfach Zweifel einsähen, denn beim Sex gibt es ziemlich viele Varianten, die zu Anfang als beschämend empfunden werden und viel Überwindung kosten. Gerade in modernen erotischen Romanen kann sich Ihre Heldin durchaus die Frage stellen, ob eine vom Mann gewünschte sexuelle Handlung „pervers“ ist.

Auch bei gleichgeschlechtlichen Beziehungen einsetzbar

Ich mag sie noch darauf hinweisen, dass dies alles nicht nur für heterosexuelle Beziehungen gilt. Bei homosexuellen Beziehungen (er/er oder sie/sie), liegt die Schwelle oft noch wesentlich höher, wenn zumindest einer der Partner unsicher über sein Verlangen ist.

Denken Sie bei umfangreicheren Romanentwürfen auch daran, das Liebespaar nicht zu isolieren. Lassen Sie Verführerinnen und Verführer auftreten, die den Schmerz oder die Abweisung ihrer Figur nutzen wollen, um selbst erotisch davon zu profitieren.

Feminsierung in der lustvollen Literatur

Vollkommen angepasst ... oder doch nur verkleidet?
Im ersten Teil diskutierten wir, was eigentlich erotische "Feminisierung" bedeutet und wie sie durchgeführt wird. Heute wollen wir untersuchen, warum das Thema so attraktiv ist.

Feminisierung in der Literatur – der naive Mann und die manipulative Frau

Im Grunde genommen handelt es sich bei den meisten dieser Werke, die teils nicht reizlos sind, um Geschichten von älteren Gouvernanten und jungen Zöglingen. Die jungen Männer, die sich noch nicht recht klar sind über ihre geschlechtliche Identität, werden belohnt, wenn sie sich „wie Mädchen“ benehmen. Hingegen werden sie bestraft, wenn sie jungenhafte Allüren an den Tag legen. Dabei treten skurrile Situationen auf, denn das oberste Gebot heißt, sich der Frau zu unterwerfen – unabhängig davon, ob sie ihn als Mädchen oder als Jungen behandelt.

Zur Transformation gehört gehört selbstverständlich das Einkleiden in weibliche Kleidungsstücke von Kopf bis Fuß und von der Wäsche bis zum Rock. Hinzu kommen kosmetische Veränderungen sowie der Unterricht in weiblichen Verhaltensweisen. Der besondere Reiz entsteht zunächst dadurch, dass sich der Betroffene in seinem sexuellen Drang weiterhin zum anderen Geschlecht hingezogen fühlt, während er andererseits beweisen muss, ein „braves Mädchen“ zu sein. Die Situationen können noch verschärft werden, indem man ihm den Kontakt mit „Männern“ gestattet, die ihrerseits wieder verkappte Frauen sein können.

Feminisierung von Männern, die sexuell bedürftig sind

In der Regel leben alle Romane und sonstige Geschichten davon, dass der meist recht junge Mann in seiner sexuellen Identität verwirrt wird. Soweit es sich um einen Mann jenseits des Jugendalters handelt, treibt ihn letztendlich die erotische Neugierde an, sich auf die Erziehung zur Frau einzulassen. Je erwachsener der Held zu Anfang der Geschichte ist, umso mehr wird es sich um eine sexuell bedürftige Gestalt handeln. Beispielsweise erhoffen sich viele Männer, durch die Feminisierung ständig die Gegenwart von schönen, sinnlichen Frauen genießen zu können.

Häufig Anlehnungen an übliche BDSM-Praktiken

Soweit „Zuckerbrot und Peitsche“ betroffen sind, lehnen sich die Romane stets an die übliche BDSM-Literatur an. Der der Held wird emotional belohnt, wenn er gehorcht, und man sorgt sich durchaus darum, dass er auch Befriedigung findet, sei es durch eine weibliche Hand oder durch einen Koitus. Auf der andren Seite durchlebt er Erniedrigungen aller Art, ja sogar den Rohrstock oder die Reitpeitsche, wenn er sich nicht so verhält, wie es die dominante Frau erwartet. Dabei gibt es sowohl Toleranzerbereiche als auch Überschneidungen („Double Binds“), die den Mann noch mehr verwirren sollen.

Was begeistert an der Umerziehung in der erotischen Literatur?

In der klassischen britischen Variante wird mit dem Wunsch vieler Gentlemen gespielt, ihre „weibliche Seite“ zu zeigen, aber keinerlei Verantwortung dafür tragen zu müssen. Dabei handlet es sich um ein durchaus übliches Motiv finden wir häufig in der erotischen Literatur: Man tut etwas Anrüchiges, kann aber die Verantwortung dafür auf eine andere Person abschieben. Dies trifft auch auf die jungen und nicht mehr ganz so jungen Männer zu, die sich feminisieren lassen.

Die perfekte falsche Dame ... und der passende Herr

Die Konflikte treten auf, wenn die Verweiblichung weiter geht, als ursprünglich geplant: Dann stellt die Herrin den jungen Mann, sinnlich geschminkt und in Frauenkleider gehüllt, einem anderen Mann als Tischdame vor. Ob der Mann nun mit seiner Zustimmung oder gegen seinen Willen feminisiert wurde: Es ist allemal eine Herausforderung, möglicherweise aber auch eine ausgesprochen peinliche, Angst einflößende Situation. In einem einschlägigen, historischen Beispiel ist der Herr eine verkleidete Dame, die sinnigerweise einen Dildo nutzt, um den Lover anal zu penetrieren. Dies allerdings weiß zu diesem Zeitpunkt werde der Held noch der Leser.

Im Gegensatz zur Pornografie, die ja immer nur „in eine Richtung“ geht, kann die erotische Literatur mehr. So kann man den inzwischen völlig an die weibliche Rolle angepassten jungen Mann von Zeit zu Zeit daran erinnern, dass er eben auch ein Mann ist (zum Beispiel, indem eine der Frauen die in „erzieht“ den Koitus verlangt).

Lesen Sie im dritten und letzten Teil, wie Sie Geschichten über die Feminisierung modernisieren können.

Kein Etikett aufdrücken lassen

Nehmen wir einmal an, sie schrieben Liebesromane. Dann schreiben Sie Liebesromane, genauso, wie Sie für Ihre Leserschaft „Liebe“ definieren. Sie schreiben niemals Erotik, niemals Pornografie – Sie schreiben über die Liebe in ihren vielfältigen Ausprägungen.

Lassen Sie sich niemals das Etikett „Erotik“ aufdrücken und schon gar nicht den Schmuddelbegriff „Pornografie“. Was Ihre Figuren bewegt, das geht auch andere an – Menschen, die da draußen nach Ihren Werken lechzen. Sie erdenken keine Erotik, sie schreiben keine Pornografie. Sie schreiben über Menschen, die sich als Figuren in ihren Werken wiederfinden, um Leserinnen und Leser anzusprechen.

Auch Ihre Figuren sollten keine Etiketten tragen. Wenn Sie eine offene sexuelle Entwicklung beschreiben, kann diese alles beinhalten: Heterosexualität oder Bisexualität, sanfte, romantische Hingabe oder „harten, ausdauernden Sex“. Sie müssen sich nicht festlegen. Ihre Heldin kann sich heute in einem Daunenbett selbst befriedigen, morgen einer imponierenden Frau in einer Bar verfallen, übermorgen einem Kranführer erliegen und nächste Woche einem Nadelstreifenmann den Po versohlen. Sie muss nur ihren Bedürfnissen folgen, und die Umgebungsvariablen müssen noch glaubhaft sein.

Also: Lassen Sie sich selbst keine Etiketten aufdrücken und gönnen sie auch Ihren Figuren eine freizügige, möglichst schrankenlose Entwicklung.