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Halloween - bist du verrückt genug?

Seltsames Paar für ein Rollenspiel
„Nimm dich in acht vor ihr, sie hat nicht alle Tassen im Schrank.“ Na schön, mein Freund Henry hat mich gewarnt. Aber ich mag nun mal Frauen, die ein bisschen verrückt sind. Die Frau, von der die Rede ist, nennt sich Lucina. Man sagt in dieser Bar nicht, wie man wirklich heißt, wer man ist und was man hier will. Man nennt sich irgendwie. Und was du hier willst, weißt du ja selbst. Die Frage ist nur, ob du es kriegst.

Die Frau mit den fehlenden Tassen ist hier, weil sie jemanden sucht. Nur das ist wirklich sicher. Jeder, der hierherkommt, sucht irgendwen oder irgendetwas. Ich übrigens auch. Also gehe ich zu ihr und falle mal mit der Tür ins Haus: „Ich hab gehört, dass du nicht alle Tassen im Schrank hast?“

Du kannst den Trick mit der Provokation hier immer verwenden. Jeder kennt die Regel: Wenn sie lächelt, ist sie eine Dame auf Abenteuersuche,und dann musst du sie auch so behandeln. Wenn nicht, ist eine Prostituierte.

Sie lächelt, verzieht die Mundwinkel etwas und sagt: „Willst du mir eine Tasse schenken, damit sie wieder komplett sind?“ Na, der Flirt klappt ja wenigstens, also sag ich: „Eigentlich nicht - ich mag ganz gerne, wenn jemand ein bisschen verrückt ist.“

„Wie verrückt?“

„Na, ungewöhnlich eben – nicht so wie jede andere.“

„Was Genaueres?“

Gut, nun musste ich wohl sagen, was mich so umtreibt.

„Ziemlich unberechenbar, ein bisschen dominant … so etwas in der Art.“

„Bist du verrückt danach?“

Ich schlucke, um dann zu sagen: „Ja, ich bin wirklich ein bisschen verrückt danach …“

Sie lacht. „Ein bisschen reicht nicht. Schon mal daran gedacht, von jemandem wie ein renitenter Patient behandelt zu werden?“

Peinlich. Entweder sie weiß von meiner devoten Neigung oder es ist ein Schuss ins Blaue. Ich zögere … doch dann sage ich unvorsichtigerweise: „Du meinst so etwas wie grausame Psychiaterin – aufsässiger Patient?“

Sie lächelt sanft: „So etwas. Ich habe ein Klinikzimmer mit Eisenbett und Zwangsjacken. Das wäre mal der Anfang …“

Klar hab ich schon mal von Klinikspielen gehört. Doch nun bekomme ich doch kalte Füße. „Kennst du dich mit so etwas aus?“

Sie lacht hell auf: „Das musst du versuchen – du weißt ja, dass ich nicht alle Tassen im Schrank habe. Übrigens macht es mich an, wenn du so ängstlich guckst. Je ängstlicher du bist, umso mehr Spaß werde ich mit dir haben.“

Ich versuche, nachzudenken. Sie unterbricht mich. „Denk nicht so viel. Komm einfach mit, mein Auto steht gleich um die Ecke.“

„Dein Auto?“

„Na klar, ab jetzt geht alles nach meinem Willen, was hast du gedacht?“

Sie packt mich heftig am Arm. Ein richtiger Klammergriff. Sie ist viel kräftiger als ich dachte. „Kleiner Vorgeschmack“ sagt sie noch – dann schubst sie mich ins Auto.

Die Geschichte ist natürlich nicht zu Ende – aber wer schreibt sie zu Ende? Überflüssig zu sagen, dass sie reine Fiktion ist, oder?
Idee: Nach einem Blogbeitrag von "This Girl"

Thema: Rollenspiele mit etwas Realität

Rollenspiele können hart an der Realität kratzen - die Grenzen sind durchaus fließend.

Vorhang auf - Rollenspiel ab - Vorhang zu?

Bei der Art von Rollenspielen, die von Liebes- und Ehepaaren zur Steigerung der sexuellen Lust zelebriert werden, musst du die Realität zumeist eine Weile draußen lassen. Der Vorgang geht auf, die Bühne wird freigegeben, das Spiel beginnt. Beide amüsieren sich köstlich oder durchleiden sinnliche Qualen, und am Ende geht der Vorhang wieder zu.

Fantasiespiele, die an der Realität kratzen

Manchmal erhalten Geschichten dieser Art einen Nachsatz, der darauf hindeutet, dass sich die Machtverhältnisse in der Beziehung nun doch verschoben haben – obgleich alles nur ein Spiel zu sein schien. Diese wird in der erotischen Literatur oft verfolgt: Die Fantasie ist so utopisch und irreal, dass man sie nicht in die Realität übernehmen kann, aber ein kleiner Spalt zur Realität wird dennoch geöffnet.

Als Beispiel ein Dialog:

Deine Figur ist ein „Freund des Hauses“, der im Rahmen eines Rollenspiels von einem Ehepaar zu ungewöhnlichen sexuellen Handlungen verführt wird. Am Ende steht folgender Dialog:

Freund des Hauses: „Ich bin so froh, dass ich es mit euch getan habe. Alles war wundervoll, und auch an unserer Freundschaft wir dies nichts ändern.“

Ehefrau: „Es war für uns alle schön, aber ich denke, es wird sehr viel an unserer Freundschaft verändern.“

Freund des Hauses: „Aber ich möchte wirklich nicht, dass unsere Freundschaft dadurch gefährdet wird.“

Ehefrau: „Das wird sie auch nicht – aber sie wird sich verändern. Das Spiel ist noch nicht vorbei – es hat gerade erst angefangen.“


Das harte Rollenspiel im Roman - mehr als eine Rolle?

Falls du nun aber eine Situation schaffen willst, die wesentlich härter an die Realität herankommt, so kannst du versuchen, das ursprüngliche erotische Rollenspiel in eine tatsächliche psychische oder körperliche Abhängigkeit zu verwandeln. So etwas wurde bereits vielfach von Schriftstellern getan, sodass du reichlich Anschauungsmaterial vorfinden kannst. Ob es nun die „Venus im Pelz“ ist oder ob du die „Die Kallipygen oder die Freuden der Rute“ gelesen hast, lesen – immer wieder wirst du auf erotische Beziehungen unter dem Aspekt der Abhängigkeit stoßen.

Gestern - die Rolle war kein Spiel

In der heutigen Zeit ist dies verpönt – gleich, ob die Verführung von der Herrschaft oder der Dienerschaft ausging. In früheren Zeiten nahm man dergleichen nicht so genau – theoretisch konnte man in Dienstverträge hineinschreiben, was man wollte, und noch manchen Berichten sogar, wie oft, wie und wann man der Herrschaft zu Diensten sein musste. Wer glaubt, zu biblischen Zeiten sei man anderer Auffassung gewesen, sollte nachlesen: Die Verführung von Sklavinnen und anderen Leibeigenen war dem Prinzipal jederzeit gestattet. Nur die Sklavinnen und Mägde des Nachbarn duften nicht angerührt werden.

Aus dieser Sicht kann es ratsam sein, für die Schilderungen sehr realistischer und heftiger Abhängigkeiten in die Vergangenheit auszuweichen – dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Die Autorinnen und Autoren des 19. Jahrhunderts verstanden dies meisterhaft. Ob es nun die Gouvernante und ihr naiver Zögling waren oder der despotische Scheich und die jungfräuliche Sklavin, und ob alles historisch richtig war oder nicht – wen juckte es? Die Hauptsache war, dass die Situation den Leserinnen und Lesern imponierte – und das hat sich bis heute kaum verändert.


Heute – die Welt der psychischen Süchte und Abhängigkeiten

Du kannst ganz sicher sein, dass derartige absolut „schräge“ Liebesaffären auch heute noch vorkommen, wenngleich sexuelle Beziehungen bei einer erkennbaren oder gesetzlich definierten Abhängigkeit unter Strafe stehen. An ihrer Stelle rücken immer mehr Storys erzählt, die auf psychische Abhängigkeit und Liebessucht fußen. Das Thema ist jedoch anspruchsvoll und wird deshalb von vielen Autorinnen und Autoren gemieden. Das typische Genre, in dem solche Plots verarbeitet werden, ist heute eher der Kriminalroman als der erotische Roman.

Deine Art, Rollenspiele zu beschreiben

Das Rollenspiel – egal wie du es auffasst – erlaubt deiner Figur, sich auf eine andere Ebene zu begeben, die nicht ihrem üblichen Alltag entspricht. Der Reiz solcher Geschichten liegt vor allem darin, durchaus einen kleinen Spalt zur Wirklichkeit offenzulassen, um zu suggerieren: „Oh, ja .. es muss keine Fantasie bleiben, es könnte auch Realität werden.“ Oder, wie im Dialog angedeutet: Alles könnte sich verändern. Die Liebe, die Begierde oder auch mal das gesamte Leben, das mit einem einzigen Rollenspiel auf den Kopf gestellt wird.