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Körperstrafen, Schmerzlust, Autoren und Literatur

Einen Satz will ich vorausschicken: Ihr müsst nicht unbedingt körperliche Strafen in eure erotischen Romane einbauen, nur weil sie auch in der „neuen Mütterchenpornografie“ vorkommen. Und das Zweite, was mir am Herzen liegt, ist dies: Eine Körperstrafe besteht nicht darin, dass der trügerische Kasper der lieblichen Prinzessin aufs Gesäß haut und sie „Aua“ schreit.

Ganz generell ist die Rede von vielen unterschiedlichen Szenarien, wenn wir von „Körperstrafen“ sprechen:

1. Die Selbstkasteiung zur Reinigung der Seele ohne eigentliche Befreiung (meist durchaus in religiösem Zusammenhang).
2. Die Strafe als Buße und Aussöhnung, die von der Schuld befreit, wenn sie in echter Reue endet.
3. Die Läuterung als erwünschte Folge der Strafe (in Tränen ausbrechen und sich von jeder Schuld befreit fühlen).
4. Die ritualisierte Strafe, zum Beispiel in Internaten oder zwischen Paaren.
5. Der Gedanke, durch die Strafe unterworfen zu werden und das Glücksgefühl, das dabei entsteht.
6. Der Wunsch nach Strafe, um davon sexuell erregt zu werden.
7. Das Gefühl, bei heftigen Schlägen einen einen Rausch zu durchleben. („Schweben“)
8. Der Empfang einer Strafe als Mutprobe oder Beweis der Härte.
9. Unpersönliche Strafen, die nicht durch Schläge erzeugt werden, sondern den Körper anderweitig Schmerzen zufügen (Foltergeräte, chemische Substanzen, Elektrizität).
10. Die Bestrafung aus Zorn oder in Rage, die der Bestrafte als ungerecht empfindet.

Zumeist werden Rituale beschrieben

Die Strafen, die als „erotisch“ in die Literatur eingegangen sind, beruhen zumeist auf Ritualen, was kaum verwundert, denn sie beruhen auf Erlebnissen, die in irgendwelchen „Einrichtungen“ vollzogen wurden. Beispielsweise „im großen Haus“ am Dienstpersonal, in Schulen, dabei besonders in Internaten, in Erziehungsanstalten, Klöstern, Flagellationsbordellen, Zuchthäusern und dergleichen. Die Erotik ist oft sehr einseitig: Die Autoren haben schon eine Art „Publikum“ vorbereitet, das sich an mehr oder weniger freigelegten Gesäßen ergötzt. Die Leserin wird nun einbezogen: Sie wird Teilnehmerin an der Entkleidung, der Bewunderung der lustvoll dargebotenen Gesäße vor der Prozedur der Züchtigung. Dann folgt der Vollzug einzelner Hiebe, die möglichst plastisch beschrieben werden, sodass die Leserin sie gedanklich nachvollziehen kann, wenn sie entsprechend lüstern ist. Am Ende vermittelt der Autor dann oft das Gesamtbild eines geröteten, verstriemten oder übel verbläuten Hinterns oder Rückens, das mehrdeutige Informationen auslösen kann.

Das Konzept der Körperstrafe, nämlich jemandem, der bewusst gegen Gesetz oder Regeln verstoßen hat, durch Erniedrigung und Schmerz zur Einsicht zu kommen und den Verstoß au keinen Fall zu wiederholen, wird im erotischen Roman verworfen. Er wendet sich an Voyeurinnen und Voyeure, die am Ritual interessiert sind und teils optisch, teils akustisch, größtenteils aber wohl imaginär am Geschehen teilhaben, wollen.

Vielfältige Literaturbeispiele

Vorstellungen aus alten Büchern sind selten Realität
Niklaus Largier, Autor von „Lob der Peitsche“ (2001 erschienen) widmet der Literatur mehrere Seiten (1), doch will ich darauf hinwiesen, dass es nicht nur die Literatur war, die eine Rolle spielte. Auch Sensationsberichte aus dem 19. Jahrhundert und angebliche „realistische“ Schilderungen aus der Viktorianischen Zeit wurden oft verwendet, um den Leserinnen die „Freuden der Rute“ sinnlich nahezubringen. Ein Beispiel ist die zwar weitgehend authentische, aber aus fragwürdigen Dokumenten bestehende Sammlung von Henry Spencer Ashbee.

Um euch einen Eindruck zu verschaffen, wie eine rituelle körperliche Züchtigung um die 1900ter Jahrhundertwende ausgeschmückt wurde, haben wir hier eine von einem von einem Briefwechsel inspirierte Version in die heutige Sprache übersetzt: (2)

Es war stets erregend, die feierliche Zeremonie einer Züchtigung zu erleben. Dabei war es üblich, die zu Strafende ein einem sittsam wirkenden Kleid hineinzuführen, das von der Vorderseite hochgeschlossen und züchtig aussah. Doch von hinten ließen sich diese Kleider leicht öffnen, sodass es sehr einfach war, das Opfer unzüchtig zu entblößen. Als nun die Zeit gekommen war, wurde die Delinquentin vor das Pult geführt und sie musste sich auf eine kleine Kiste stellen. Noch verdeckte das lange Kleid ihre Blößen, doch nun tauchten zwei der jüngeren Bediensteten auf, die ihre Hände ergriffen. Nachdem die Züchtigung angekündigt und das Strafmaß verlesen wurde, erhielten sie die Anweisung, die zu Strafende über das Pult nach vorne zu ziehen, und sobald sie sich vorbeugte, teilte sich der Rockteil ihres Kleides und entblößte ihr Gesäß und die Beine in ihrer vollen Nacktheit.


Historisch ist dieser Text völlig absurd, denn die Schülerinnen wurden in den viktorianischen Schulen nicht auf diese Weise bestraft – und schon gar nicht mit einem nackten, dem Auditorium zugewandten Gesäß. Es zeigt aber, wie wichtig den Autoren die Rituale waren, unter denen die Züchtigungen durchgeführt wurden.

Soweit die Rituale. In den meisten Paarbeziehungen, die sich auf das sinnliche Bestrafen und die spielerische körperliche Züchtigung eingestellt haben, werden solche Rituale praktiziert. Der Grund dafür ist einleuchtend: Das Ritual trennt die Realität vom Spiel.

(1) Zum Beispiel bei de Sade, Sacher-Masoch, Algernon Charles Swinburne, James Joyce,
(2) Nach zwei englischen Vorlagen, die einander sehr ähnlich sind - umgeschrieben von Isidora.

Weihnachten – endlich mal etwas Sinnliches schreiben?

Die sinnliche Fortuna schüttet Liebe aus
Seht ihr Weihnachten manchmal fern? Und was fällt euch auf? Draußen liegt Schnee, und trotz alledem finden sich Paare, kuscheln miteinander und lassen das Kuscheln dann in zwar rückstandslosen, aber heftigen Sex übergehen. Weihnachten und Sperma wollen einfach nicht zueinanderpassen.

Einsame Menschen - Vibratoren und andere Partner

Die Geliebte muss sich mit Rotwein, Pralinen und Vibratoren begnügen: Ihr Lover muss in Familie machen und die Kinder bescheren. Der vom Studentendienst angeheuerte Weihnachtsmann schäkert noch ein bisschen mit der neuen Bedienung im Pub – nein, sie hätte nichts dagegen, sich noch zu ihm zu legen. Schließlich wartet daheim nichts anders auf sie als die Familienbande, die möglicherweise schon volltrunken vor dem Fernseher sitzt.

Aufgegabelt werden und Weihnachtsfrust vermeiden

Für die Geliebten, Mätressen, Freundinnen und Zweitfrauen dieser Erde ist Weihnachten einfach Scheiße – und für die meisten Singles auch. Mancher fängt sich im letzten Moment noch ein vorbeihuschendes dunkelhaariges Engelchen oder einen blassen Programmierer, der noch ein paar Bits durcheinanderwirbeln musste, bevor er einsam nach Haus geht. Der Resterampe leert sich oft zögernd, und selbst im Rundfunk werden noch ein paar einsame Singles feilgeboten.

Im Bett lernt man einander recht gut kennen

Wer sich noch jemanden gefischt hat, behält ihn oder sie gerne über die Feiertage – oft gar nicht schlecht, da kann man sich ganz gut kennenlernen. Besser als auf solche einem doofen Caféhausstuhl. Überhaupt lernt man sich im Bett oft viel besser kennen als außerhalb. Da wir das Miezekätzchen zur Raubkatze und der Sitzpinkler zum talentierten Züngler – und zudem sieht man den anderen unter – nun ja – besonderen Gesichtspunkten.

Was die Autorinnen daraus machen könnten ...

Autorinnen können über all dies wunderbare Geschichten verfassen mit ausgesprochen sinnlichen Bezügen – da nimmt euch heute kein Mensch mehr übel. Ihr könnt euer Augenmerk aber auch auf die „die „Zeit zwischen den Jahren“ lenken, in denen nach dem Volksglauben die Realität für einige Tage entschwindet. Manche Menschen stellen sich vor, in diesen Zeiten mehr wagen zu können, weil hernach alles wieder ausgelöscht wird.

Die langen Nächte verleiten Paare außerdem zu Rollenspielen, zu denen Ruten oder deren Äquivalente durchaus willkommen sind – denn niemand war im letzten Jahr so „brav“, dass er nur Äpfel, Nüss‘ und Mandelkern bekommt, nicht wahr? Für die Liebhaber von heißen dun kalten Spielen anderer Art eignet sich Schnee einerseits und Wachs anderseits. Selbst, wenn’s eure Figur nicht tut – vielleicht macht sie (oder ihn) der Gedanke daran schon höllisch heiß?
Das alles kann in Dutzende von Ideen umgesetzt werden, um einen Winterroman erotisch aufzupeppen – oder um eine entsprechende Kurzgeschichte zu schreiben. Und außerdem: Draußen ist es kalt und regnerisch, ungemütlich oder verschneit. Da kann man schon mal irgendwo übernachten, wo man es eigentlich nicht tun sollte … auch so ein Thema, das im Winter ausgezeichnet funktioniert.

Nehmt euch die Anregungen, und macht daraus wundervolle Dialoge oder feuchte Träume … oder was immer ihr sonst wollt.

Was ihr auch vorhabt: Ein frohes Weihnachtsfest, sei es nun sinnlich oder besinnlich, wünscht die Redaktion.

Ein letzter Gedanke zum heutigen Nikolaustag

Der erotische Teil vom Nikolaus-Tag: der Krampus - in Österreich und Ungarn beliebt
Heute ist ja nun wirklich Nikolaustag. Wen auch immer wir damit ehren, ob einen katholischen Heiligen oder das regionale Brauchtum, immer wieder steht der „liebe gute alte Mann“ im Fokus. Oft (früher sicher noch häufiger als heute) sind seine jeweiligen Begleiter wilder Kerle, die auch mal jemanden „in den Sack stecken“ oder mit der Rute traktieren.

Der „Santa Claus“, sein namensgleicher Vetter, verzichtet auf dererlei Begleitung, und dies, obgleich er auch mit Sack und Pack sowie der unvermeidlichen Rute unterwegs ist.

Erotik und die Gestalten des Weihnachtsfests

In die Erotik schaffen es die Gestalten des Waldes und der Eiswüste selten – nur der Krampus ist für seine wilden Zungenspiele bekannt. Wobei sich die Frage ergibt: Wie heilig ist (uns) denn eigentlich der Bischof Nikolaus von Myra, der Namensgeber, ja eine „heilige“ Figur, worauf das „Sankt“ sowieso hindeutet.

Tatsächlich gibt es – auch für viele Christen – weder „Heilige“ noch „Christkinder“, womit gleich drei der Weihnachtsgestalten genannt wurden. Das Christkind, das alle Jahre wieder kommt, der bereits genannte Nikolaus und sein ewig grinsender Ho-Ho-Vetter, der Santa Claus, hier besser als „Weihnachtsmann“ bekannt.

Ein rechter (Weihnachts-) Mann

Die Weihnachtsmann-Erotik leitet sich daher, dass da ein „knackiger Kerl“ aus dem Wald (oder aus Grönland) kommen muss, aber auch von den jungen Studenten, die diese knackigen Kerle auf Weihnachtsmärkten und anderwärts mimen. Ein Teil der Geschichten wärmt das Herz, ein anderer den Po – was immer der Autor bevorzugt.

Das Christkind im Nachthemd

Die „Christkind-Erotik“ ist seltener, leitet sich aber davon ab, dass sich sehr junge Frauen mitten im Winter öffentlich in nachthemdartigen Roben auf Marktplätzen aufhalten. Selbst in Schweden, wo es (nach offizieller Haltung) gar keine Erotik geben darf, locken die jungen Frauen mit weißen, jungfräulichen Gewändern und einer Lichterkrone als „Lucia“. Man sagt, die jeweilige Dorf- oder Stadt-Lucia würde enorm viele Verehrer haben – der „Zauber“ wirkt also.

Beigaben aus dem Volk - wilde Kerle udn Lichtgestalten

Neben dem Zauber der „offiziellen“ Gestalten des Weihnachtsfestes kommen andere hinzu, die auch mitmischen wollen: die Gestalten der Raunächte, die eher auf der dunklen Seite der Psyche angesiedelt sind, und die Lichtgestalten, die uns die Wiederkehr der Sonne verheißen. „Erotik“ zu Weihnachten hat also viel mit dem Licht und der Dunkelheit zu tun – Zutaten, die man immer verwenden kann, wenn man religiöse Konflikte meiden will.

Na denn … lassen wir die Kirche im Dorf, uns wenden wir uns zu Weihnachten der Sinnlichkeit zu, die in den langen Winternächten erhofft oder herbeigesehnt wird.

Was ist ein Flagellationsroman?

Das Sinnliche wurde in Illustrationen durchaus betont
Eigentlich gibt es dieses Genre gar nicht. Aber derartige Romane sind so verbreitet, dass sich die Bezeichnung wirklich lohnen würde. In der Literatur finden wir zwei merkwürdige Anmerkungen:

Die Flagellationsromane, vorzüglich aus England, Österreich und Ungarn, waren schon vor 1914 Legion, die „Süße Kleine Reitpeitsche“ von Lola Montez längst Symbol einer Weiberherrschaft sui generis. (1,2)

Oder:
Die außerordentliche Konjunktur der Flagellationsromane ab 1880 ist der schlagendste Beweis dafür, dass es sich beim Masochismus um ein epochenspezifisches Sozialprodukt handelt. (3)


Hervorgehoben werden in der „seriösen“ Kritik als Flagellationsromane allerdings nur zwei Werke: einmal die sattsam bekannte „Venus im Pelz“ (Sacher-Masoch) und dann „The Mysteries of Verbena House“ (George Augustus Sala).

Doch nun zum Thema: Was zeichnet einen Flagellationsroman aus?

Das Thema Herrin und Zofe wurde oft behandelt
Nach der Definition erotischer Romane handeln sie immer von der „Sexualität und noch etwas Anderem“. Doch dieses besondere Genre handelt in Wahrheit von dreierlei: der Lust, dem Schmerz und noch etwas Anderem. Das „Andere“ hat meist mit „“Entwicklung“, „Zucht“ oder „Erziehung“ zu tun – und allein deshalb spielen viele dieser Romane in Internaten, Erziehungseinrichtungen, Besserungsanstalten oder im Umfeld von bei Privat-Erzieherinnen. Hinzu kommen Geheimgesellschaften mit esoterischem, religiösen oder schmerzbetontem Hintergrund. Dem Wort entsprechend werden dabei „Flagellationen“ (meist mild beginnende und sich später steigernde) Auspeitschungen, Rohrstock- oder Rutenschläge zelebriert. Der Großteil davon wird als „erotische Strafe“ verabreicht..

Beispiele aus der erotischen Literatur

Der schon häufiger erwähnte Roman „Gynecocracy“ beispielsweise handelt von fehlender sexueller Aufklärung, aufkeimender Sexualität, Geschlechtsverwirrungen, erotischen Experimenten und Schlägen im Haus einer Gouvernante. "Die Kallipygen" ist ein durch und durch flagellantischer Roman, in dem einige vornehme Damen sich am Schlagen ihrer Bediensteten ergötzen – er wäre deshalb eher als Flagellationsroman zu bezeichnen, weil dies sein nahezu ausschließliches Thema ist.

Solltest du das Thema aufgreifen?

Das erotische Schlagen weiblicher und männlicher Hinterteile hat an Attraktion eingebüßt. Das hat viele Gründe:

1. Einen Menschen zu entblößen oder entblößt zu sehen, war in der Viktorianischen Zeit in England, aber durchaus auch noch in den 1950er Jahren in Deutschland, eine Attraktion besonderer Art. Das galt besonders, wenn es vor Publikum (anderen Zöglingen, Zuschauern) geschah.
2. Sowohl die häusliche wie auch die schulische Erziehung bestand zu einem Teil aus Körperstrafe, an die man sich ungerne, aber dennoch teilweise erregt erinnerte. Diese Intimkenntnisse fehlten späteren Generationen.
3. Bei modernen Menschen erzeugt der Gedanke an das Schlagen zwiespältige Gefühle, weil es als „sozial inkorrekt“ gilt. Das bedeutete: Die Menschen schämen sich nicht mehr, entblößt und geschlagen zu werden, sondern bei dem Gedanken, jemanden zu schlagen.
4. Dem sadistisch geprägten Menschen ist es nicht genug, den Hintern sinnlich mit der Hand zu bearbeiten – er will Blut, Schweiß und Tränen sehen, was zu völlig neuen Formen des erotischen Romans führen wird.
5. Der Masochist will hingegen das tief greifende sinnliche Gefühl echter Schläge durch die Sprache vermittelt bekommen – das fällt außerordentliche schwer.

Das heißt aber nicht, dass eine sinnliche Schilderung solcher Vorgänge auch heute noch lustvolle Gefühle erzeugen und ebensolche Fantasien beflügeln kann, wie die SoG (Shades of Grey) beweisen.

Der Flagellationsroman heute

Was den Autoren heute hilft, ist die Tendenz, Rollenspiele als erotische Abenteuer zu zelebrieren. Dazu gehören auch Demütigungen und Schläge, wenn sie ins Rollenspiel passen.

Die meisten Autorinnen und Kritikerinnen sind sich einig: Dominanz und Unterwerfung sind – mit oder ohne Hiebe – weiterhin absolut sinnliche Themen und sind sie nicht auf devote Frauen und dominante Männer beschränkt. Wer diesen Irrtum überwindet, hat eine Fülle von neuen, sinnlichen Themen gefunden. Beispielsweise die Architektin, die ihren Mann sowohl durch Muschi- wie durch Peitschenmacht dominiert, die Künstlerin, die in intimer Wohngemeinschaft mit ihrer „Lustzofe“ lebt, oder auch ganz klassisch der Meister-Macho, der von sinnlichen und lustvollen jungen Frauen belagert wird, damit er sie unter seinen „Obhut“ nimmt. Alle drei geschilderten Situationen gibt es in der Realität – aber als Märchen wirken sie natürlich noch viel hübscher.

(1) Bea Lundt, ‎Michael Salewski, ‎Heiner Timmermann - Frauen in Europa: Mythos und Realität.
(2) Übersetzung: "Waren Legion" heißt "kamen zahlreich vor", "Lola Montez" - erotische Person der Zeitgeschichte, keine Autorin. "sui generis" - "von ganz besonderer Art."
(3) Häufig verwendetes Zitat von Albrecht Koschorke - leider eine höchst fragwürdige Aussage.
Titelbild: "Das infantile Erlebnis" - Helga Bode zugeschrieben
Bild seitlich: Buchillustration, Anonym, Frankreich 1938

Zucht, Züchtigung und lesbische Fantasien im Internat

Dies Geschichte, die ich euch hier präsentiere, stammt aus dem Jahr 1970 und wurde verschiedenen Autoren zugeschrieben. Sie erweckt den Eindruck, als sei sie wesentlich früher geschrieben, aber das Erscheinungsdatum ist verbürgt. Allgemein wird behauptet, dass ein gewisser P.N. Dedeaux dieses Buch verfasst habe. Über seine wahre Identität (1) gibt es zahllose Gerüchte und Behauptungen, die letztlich nicht endgültig verifizierbar sind. Das gilt auch für den Illustrator zumindest einer der vier bisher erschienen Ausgaben, Hans Braun.

Genre: lesbischer Flagellationsroman im Internat

Das Genre ist des „lesbischen Internatsromans“, ist vor allem im Vereinigten Königreich verbreitet. Die Handlungen solcher Novellen, die sich alle irgendwie ähneln, wurden allerdings in viele Länder verlegt, um wieder „frisches Blut“ in die Handlungen zu pumpen, die sich auffällig ähnelten. Derartige Werke erlebten ind en 1990er Jahren eine Renaissance, als Autorinnen sich auf eine lüsterne, weibliche Leserschaft zu besinnen, die solche Werke verschlang.

Schauplatz Preußen

Im Fall der Novelle, über die ich schreibe, wurde der Schauplatz nach Preußen verlegt - etwas zu Zeiten des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Novelle erschien unter verschiedenen Titeln, einmal als „Die preußischen Mädchen“ (The Prussian Girls), und dann wieder als "The Prefect" (Die Präfektin, sinngemäß eine leitende Erzieherin)“.

Die Teile, die ausgesprochen heftig und beschämend sind, wurden von uns ganz und gar entfernt. Wir haben nur zwei kleine Absätze ausgewählt, um euch zu zeigen, wie die Autoren früherer Zeiten sich die Erziehung in einem Internat vorgestellt haben, und wie sie mit erotischen Komponenten angereichert wurde.

Die Vorgänge auf „Schloss Rutenberg“ sind frei erfunden, und es kann keinen Zweifel daran geben, dass sie auf gar einen Fall ein Ausdruck „preußischer Disziplin“ waren, sondern die freie Erfindung des Autors.

Die Auszüge wurden frei übersetzt. (2) Das Original in englischer Sprache ist heute noch im Buchhandel erhältlich.

Zuerst wird die Furcht und zugleich die erotische Bewunderung für eine „Präfektin“ des strengen Internats geschildert:

Die Präfektin marschierte wie eine Soldatin – links, zwo drei, recht, zwo drei. Monika konnte diesem schnellen Schritt kaum folgen, aber sie wusste, dass sie nicht sprechen durfte. Das Oberlicht umschattete die kräftigen, breiten Schultern der Person, der sie folgte. Ihre Schultern verjüngten sich zu einer betont schmalen Taille, die von einem breiten Ledergürtel umschlossen war. Darunter bewegte sich ihre Hüfte trotz ihres militärischen Schritts heftig von einer Seite zur anderen, sodass ihr kurzer Rock dabei mitschwang, während ihr Absätze markige Geräusche auf dem Steinboden erzeugten.


Wir sparen die Flagellationsszene aus und fahren mit den „Gedanken danach“ fort, die ebenfalls bemerkenswert erotisch sind.

Sie war froh, dass sie es überstanden hatte, ohne Blamage, und das war es auch schon, was sie darüber dachte. Es war eine Routinebestrafung und eine weitere Herausforderung, um widerstandsfähiger zu werden. Ganz ähnlich wie eine sportliche Herausforderung. Sie hatte eine Grenze überschritten, und dies war die Konsequenz. Sie bewunderte Fräulein Wedell, dass sie ihre Bestrafung tatsächlich so schmerzhaft gestalten konnte, so konsequent, und sie wusste, dass sie alles aus diesen acht Rohrstockschlägen gewonnen hatte, was damit erreichbar war. Der eine oder andere Schlag mag wohl etwas heftig gewesen sein, und am Ende hatte sie vielleicht eine Überreaktion. Aber im Großen und Ganzen war es eine methodische, genau kalkulierte Rohrstock-Strafe von der Art, in der sie sich durch und durch sinnvoll gezüchtigt fühlte. Wenn sie den gleichen Fehler noch einmal begehen würde, könnte es gut ein Dutzend Schläge setzen.
Monikas Hintern fühlte sich an, als sei er drei Mal so groß wie zuvor und schwer wie Blei, aber sie wusste, dass die körperliche Züchtigung ihre Ziele nicht verfehlt hatte.
Und überhaupt – das Schlimmste am Schmerz würde sich bald in eine durchdringende Hitze verwandeln, die eine Art Befriedigung in ihrer „Mitte“ auslösen würde.


Die Vorgänge sind frei erfunden - behauptet wird aber das Gegenteil

Vor einiger Zeit wurde versucht, das Werk, dessen Qualität ausgesprochen zweifelhaft ist, als „authentische Schilderung“ des Lebens in einem preußischen Internat für verarmte adlige Mädchen umzuwidmen. Dazu wurden ebenso fragwürdige Fragmente von angeblich authentischen Autorinnen verwendet, die angeblich aus der Zeit "Preußischer Disziplin" stammen.

Einheimische preußische Gouvernanten jener Zeit schienen noch weniger Skrupel zu haben, junge Frauen ohne Grund zu peitschen oder ihre Hintern so zu malträtieren, dass sie während der Mahlzeiten kaum noch ruhig sitzen können.


Weiter heißt es in dem Blog-Artikel:

Um Ihnen einen wirklichen Eindruck zu geben, zitiere ich Ihnen: "Eine Flagellation, die Tränen verursacht, ist unerlässlich, aber eine, an deren Ende Blut fließt, ist manchmal notwendig."


Preußen-Bashing aus dem Vereinigten Königreich

Oh, oh … die Preußen werden diese Ansicht, die im Vereinigten Königreich gepostet wurde, nicht unbedingt lieben, fürchte ich. Übrigens haben wir nachrecherchiert und das wiedergefunden, was wir ohnehin vermutet hatten: ein Massenprodukt, dessen Autor auch nach einer angeblichen „Enthüllung“ noch nicht zweifelsfrei feststeht.

Hinweis: In der ersten Version dieses Artikels gab es eine Ungenauigkeit , die ich ausräumen musste.
(1) Behauptungen über die Autorenschaft sind nicht wirklich schlüssig.
(2) Die Zusammenhänge werden im Original nicht deutlich, Wir haben versucht, die Situationen transparenter zu übersetzen.