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Eigenwerbung

Was ist die Wahrheit in der Erotik?

Nicht sehr real ... in Corona-Zeiten
Ich weiß nicht, welche Geschichten wirklich wahr sind. Aber ich habe vielfach erfahren müssen, wie langweilig wahre Geschichten sind . Also nehme ich an, dass meine Kolleginnen sie ein bisschen würzen, um sie zu erotischen Leckerbissen zu machen.

Wer aus der Realität heraus schreibt, zeigt uns zunächst einmal nur eine Momentaufnahme seiner Gefühle. Wenn die echten Gefühle mit den sinnlich-scharfen Gewürzen verwurstet werden, dann munden sie auch anderen. Es nützt ja nichts, dir nur selbst zu zeigen, was du selber fühlst.

Was den Körper durchzieht - und was im Text davon übrig bleibt

Was immer du dir aus dem Geschmack im Mund, dem Ziehen in der Brust, dem Dehnen der Vagina, oder auch dem Spannen der Hoden herausziehst, ist ein Abklatsch dessen, was wirklich passiert: Text eben.

Die Wahrheit ist nicht "die" Wahrheit

Es ist nicht die Wahrheit. Es ist eine Sichtweise. Deswegen beschreiben die meisten Autoren nicht das, was sie erlebt haben, sondern das, was sie gerne erlebt hätten. Die erotischen Schilderungen sind viel intensiver als die Banalität des realen Lebens.

Im Lockdown - Fantasie zählt - Realität nützt nichts

Im Moment, da in fast allen Ländern eine Art „Lockdown“ herrscht. Sind spontane, wirklich intensive erotische Erlebnisse rar geworden. Insofern haben im Moment alle Autoren Vorteile, die sich wenig um die Realität kümmern - warum sollten sie auch?

Ich kennen wirklich viele Leute, die unbedingt einmal über „ihr Leben“ schreiben wollten. Eine meiner längst verstorbenen Verwandten war auch darunter. O oftmals wurde ich angesprochen: „Ach, ich hätte da noch ein paar Tagebücher, würdest du mir meine Biografie schreiben?“ Ja klar. So etwas kann ich tun. Nur wird sie niemals jemand lesen.

Deine erotische Geschichte sollte jemand lesen wollen. Und wenn du das möchtest, dann kauf dir ein Gewürzregal: Currys, bengalischer Chili oder ungarisches Paprikapulver. Meinetwegen Zimt und Vanille. Aber möglichst nicht die nackte Wahrheit.

Das Arrangement - die Überraschung folgt

Die letzten Sätze des vorigen Kapitels: . In ihrer Vorstellung sah sie zwei Paare, die ihre Beziehung erweiterten – nicht die Wollust einer Triole, die einen Partner draußen lässt – genau das wollte sie verhindern. Und weil nun ohnehin die Karten auf den Tisch mussten, sagte sie unverblümt: „Ich könnte mit ihm vögeln, während du dich mit Mandy beschäftigst ... davon träumst du doch, oder etwa nicht?“

Drittes Kapitel: Die Überraschung

Klaus wurde immer verwirrter und sagte in heiserem Tonfall: „Aber ... du bist doch nicht einmal wirklich scharf auf Henry?“

„Der Appetit kommt beim Essen“, warf Yvonne ein, als ginge es um eine Mousse au Chocolat. „Während du dich mit Mandy beschäftigst, kann ich mal sehen, was ich mit Henry anstelle - das ist fairer, findest du nicht?“

Ein trockenes Schlucken - dann sprach Klaus den ersten Gedanken aus, der ihm einfiel:

„Und du wärst nicht eifersüchtig?“

„Auf wen? Auf Mandy?“

Beide schwiegen lange, und in die Stille sagte Yvonne schließlich in ruhigem Ton: „Du könntest mit Mandy beginnen, während ich mich auf Henry konzentriere. Und danach wird Mandy dann zu mir kommen, während sie noch nach dir riecht. Das finde ich wirklich enorm scharf … meine Geliebte, die noch nach meinem Ehemann riecht. Hübscher Gedanken, nicht wahr? Macht dich so etwas gar nicht an?“

Ja, was „machte ihn an“? Wenn sich eine Frau bedingungslos hingab, wie in einem Luxusbordell? Wenn sie Yvonne wie eine Hure kleidete und unter ihm vor Wollust stöhnte? Oder wenn eine Frau gerade von einem Mann kommt und sich dem nächsten Freier hingibt? Er beschloss, sich am Riemen zu reißen – klar machte ihn das an. Aber was Yvonne da im Mund führte … das war doch etwas ganz anderes. Schließlich vergewisserte er sich, er „das heißt, Henry und ich sollen dabei zusehen, wie ihr beide … richtig intim werdet?“

Ein eher unterkühltes, süffisantes Lächeln kam über Yvonnes Lippen: „Etwas in der Art. Ihr könnt einfach zusehen oder euch ein wenig … miteinander vergnügen. Ich wäre nicht eifersüchtig … und Mandy sowieso nicht. Natürlich nur, wenn du dich für solche Erfahrungen interessierst.“

„Meinst du das nun wirklich ernst?“

„Ist nur ein Vorschlag.“

„Du kannst alles von mir verlangen, aber nicht so etwas …“ Nein, er konnte es sich wirklich nicht vorstellen, nicht jetzt, nicht hier. Schon das, was er bisher gehört hatte, überschritt seine Grenzen. Yvonne beobachtete Klaus scharf, dann legte sie nach: „Henry hat einen wirklich hübschen Körper, und er ist sehr zärtlich … .“ Nachdem sie Klaus weiter scharf im Auge behielt, sagte sie leise und eindringlich: „Und er ist wirklich ganz gut … bestückt.“

„Er ist was!?“

„Er hat einen hübschen Penis, unter anderem jedenfalls ... Wirklich, sehr gepflegt.“

Klaus konnte sich nicht mehr halten und brüllte: „Wann hast du seinen Penis gesehen?“

Der letzte Trumpf. Jetzt musste er ausgespielt werden. „Letzten Mittwoch, als du bis Mitternacht im Büro warst.“ Mandy hatte mich eingeladen, und wir haben ein bisschen miteinander getrunken ... und dann haben wir es zu dritt versucht. Erst hat Henry nur zusehen dürfen, wie Mandy und ich rumgemacht haben, aber dann haben wir ihm erlaubt, ein wenig mitzuspielen ... er ist sehr einfühlsam, weißt du ...“

Klaus sagte nun gar nichts mehr, er starrte nur still vor sich hin. Er wollte mit Yvonne weiterleben, und er wünschte sich ebenso, seine Lüste mit Mandy zu befriedigen. Und die Sache mit Henry - da würde nichts passieren. Nicht mit ihm. Er würde schon einen Ausweg finden.

Yvonne brach das Schweigen. „Mandy und Henry haben uns für nächstes Wochenende eingeladen, von Freitagabend bis Sonntag. Wir haben also alle zwei Nächte Zeit, einander wirklich näher zu kommen. Und weil du mir wenigsten treugeblieben bist, was Mandy betrifft, nimmt sie dich zuerst ... als Ausgleich sozusagen, dass du nichts von meinem kleinen Arrangement gewusst hast. Und dann ... wie ich schon sagte ... überleg dir, ob dir etwas zu Henry einfällt ...“

Klaus ging noch einmal in sich, fasste sich wieder und sagte: „Und wenn ich das nicht will, aber alles andere schon?“

„Dann müssen wir über die Kreditkartenabrechnungen sprechen“, sagte Yvonne, ohne zu zögern. „Die Abbuchungen von 500 Euro, an dem Tag, als du erst gegen Mitternacht heimgekommen bist. Ich hätte doch beinahe auf die Idee kommen können, dass es dir egal ist, in wen du dich versenkst.“

Klaus wusste, was die Stunde geschlagen hatte. Er würde Mandy gewinnen und Yvonne behalten, und niemand schuldete irgendjemandem etwas. Es klang, also ob alle gewinnen würden. Vor allem er selbst.

Und Henry? So als ob Yvonne Gedanken lesen konnte, flüsterte sie Klaus ins Ohr: „Der Appetit kommt beim Essen ... und du bekommst die Süßigkeiten von uns dreien sehr dezent - übrigens ohne Kreditkarte ...“

Am Ende behielt Yvonne einige Gedanken für sich. Vor allem den, dass ihr Klaus so egoistisch war, den Gewinn ganz bei sich zu sehen. Er würde Augen machen … aber für den Moment würde es reichen, ihm noch einmal das Gefühl zu geben, das er immer wieder suchte. Sie zog den Rock hoch, sodass er die Oberschenkel und die Strapse sehen konnte – und ließ ihn noch einmal das tun, was er am liebsten tat, während ihre Gedanken bei Maja und Henry waren … und noch ganz woanders.

Lust auf mehr? Schreib selbst, und sag uns, was dir eingefallen ist ...

Das Arrangement - ist ein Dreier die Lösung?

Der letzte Satz der ersten Folge:

Einige Wochen später, beim dritten Glas Wein, brachte Yvonne selbst das Thema auf und sagte zu Klaus: „Du hast neulich ziemlich heftig mit Mandy geflirtet, mein lieber … was versprichst du dir eigentlich davon?“

Zweites Kapitel: Faire Lüste für alle?

Klaus dachte gar nicht daran, die Frage direkt zu beantworten - schon deshalb, weil er nie über seine Gefühle sprach. Stattdessen versuchte er es mit einer Retourkutsche: „Und du? Mandy hat dich doch so offensichtlich angemacht, als ihr euch verabschiedet habt ... Beinahe hätte sie dir die Zunge in zwischen die Lippen gesteckt ... ich habe mich jedenfalls schrecklich für dich geschämt!“

Yvonne dachte einen kurzen Moment nach, reagierte aber nicht auf seine Beobachtung. Schließlich sagte sie fast tonlos und wie aus dem Zusammenhang gerissen: „Und wenn wir versuchen würden, Mandy gemeinsam zu lieben … ich meine, wir alle?“

Diese Form von Offenheit war für Klaus absolut neu. Sie hatten noch nie über ihre geheimen Lüste und Wünsche gesprochen. Und jetzt gleich so etwas? Wie kam seine Ehefrau auf den Gedanken, eine Triole vorzuschlagen? Seine Gedanken überschlugen sich: er mit Yvonne und Mandy – ein Männertraum, sicher. Aber es schien nicht so, als ob es in diesem Moment, sein Traum wäre. War es also ihr Traum? Er verwarf beide Gedanken und beschloss, die ganze Idee als Folge des genossenen Alkohols anzusehen. „Ich glaube, dir ist der Wein zu Kopf gestiegen … du kannst so etwas unmöglich ernst meinen ... wir beide sollen mit einer gemeinsamen Geliebten Sex-Scharaden zu dritt aufführen?“

Die Worte verhallten an den Wänden. Yvonne dacht gar nicht daran, seinen Vorwurf aufzunehmen, und sagte stattdessen kühler als zuvor: „Ich dachte nicht an einen Dreier.“

„Woran dann, um Himmels willen?“

Wieder antwortete Yvonne nicht direkt. „Unsere Freuden heißen Mandy und Henry. Hattest du Henry vergessen?“

Klaus sah die nicht als Frage. Ohnehin war er viel zu verwirrt, um noch etwas Vernünftiges zu dem beizutragen, was Yvonne zu ihm sagte. Also fragte er das, was ihm auf der Zunge lag: „Was willst du denn von Henry?“

Yvonne hatte eigentlich nur andeuten wollen, dass ein Dreier wohl nicht die richtige Art war, um ein faires gemeinsames Sex-Erlebnis mit einem anderen Paar zu haben. In ihrer Vorstellung sah sie zwei Paare, die ihre Beziehung erweiterten – nicht die Wollust einer Triole, die einen Partner draußen lässt – genau das wollet sie verhindern. Und weil nun ohnehin die Karten auf den Tisch mussten, sagte sie unverblümt: „Ich könnte mit ihm vögeln, während du dich mit Mandy beschäftigst ... davon träumst du doch, oder etwa nicht?“

Me Too … was geht (noch) und was geht nicht mehr?

„Non Consensual“ heißt der Begriff aus dem Englischen, den du immer häufiger hören wirst, wenn du erotisch schreibst. Übersetzt heißt er „nicht im Einverständnis“ und ist (leider) ein Gummibegriff.

Festere Regeln hat dieser Begriff nahezu ausschließlich in der SM-Szene (Sadomaso für die einfachen Gemüter). Dort unterscheidet man sozusagen die „Bösen Übergriffe“ (Tunnelspiele, Rack, Nocon), von den „Übergriffen im Einverständnis“ (SSC).

Wichtig ist in diesem Zusammenhang nur die Idee des SSC, nämlich „Sicher, bei klarem Verstand und in Übereinstimmung“ zu handeln. Weil auch die Grenzen für die Übereinstimmung fließend sind, vereinbart man ein Sicherheitswort, das alle Aktivitäten beendet.

Man kann diese durchaus auf ganz gewöhnliche Liebes, Lust- und Sexaffären übertragen. Tatsächlich gibt s für ein Paar, das sich zur körperlichen Lust entschlossen hat, keine „wirklichen“ Grenzen. Das Paar kommt zusammen in der Überzeugung, dass beiden die Lust als solche gefällt, aber nicht in dem Bewusstsein, bestimmte Handlungen auszuführen. Man kann auch sagen: Es gibt kein Drehbuch. Meist entscheiden beide Partner spontan, was „noch geht“ und „was nicht mehr geht.“

Ich denke, es ist bekannt, dass es keine „eindeutigen“ Regeln mehr gibt: Küssen, leichtes Petting ohne Ausziehen, heftiges Petting mit Ausziehen, Oralverkehr, PiV – werde die Reihenfolge ist vorgegeben noch die Intensität. Welcher „innere Widerstand“ überwunden werden muss, welche sorgsam gepflegten Normen und Ansprüche überwunden werden müssen, und wie dies alles vonstattengeht – es ist „Sache des Paares“ geworden.

Im Zusammenhang mit der #MeToo-Bewegung ist aber die Frage entstanden, welche Handlung (oder gar welche Frage) bereits einen Übergriff oder gar eine Nötigung beinhaltet.

Die Antwort fällt nicht leicht, denn was jemand als einen mentalen „Übergriff“ wertet, ist abhängig von der Kultur, der Situation und der Spannung, die zwischen beiden herrscht.

Daher zählt das Argument auch nicht, man könne einer Person „so etwas nicht zumuten“. Was für jemanden zumutbar ist, kann nur die Person selbst entscheiden.

Kommen wir zur Literatur. Sie lebt, ob erotisch oder nicht, niemals davon, das „Gute und Richtige“ in Situationen zu beschreiben, die allen geläufig sind und denen alle zustimmen. Dafür findest du keine Leser(innen).

Dir blieibt also gar nicht anders übrig, als scharf an den Grenzen „langzufahren“ und sie dann und wann auch zu überschreiten. Allerdings hat sich eine Art „Kodex der Wohlanständigkeit“ verbreitet, der uns sagt, dass wir unsere weiblichen Figuren niemals durch eine andere Figur „zwingen“ lassen dürfen. Damit einher geht eine Fortsetzung der Doppelmoral unter anderen Vorzeichen – denn alle anderen Nötigungen sind mehr oder weniger weiterhin toleriert:

- Wenn Frauen einzeln oder in Gruppen einen Mann nötigen.
- Wenn ein Mann einen anderen Mann nötigt.
Und auch:
- Wenn eine Frau von einer anderen Frau genötigt wird.


Stark tabuisiert ist hingegen, wenn eine Frau von einem Mann genötigt wird, insbesondere, wenn sie eben nicht bei in einer „sicheren Umgebung“, nicht bei „klarem Verstand“ und – vor allem – nicht restlos einverstanden mit den Handlungen des Mannes ist.

In diesem Zusammenhang wäre wünschenswert, wenn mehr Autorinnen dazu übergehen würden, ihre weiblichen Figuren „selbstbestimmt“ handeln zu lassen, also nicht im Licht, dessen, was Männer von ihnen erwarten.

Der Mann, der sich nicht traut

Verführt ... wozu?
Die meisten Männer reagieren eigenartig, wenn eine Frau verführt – zumal, wenn es sich sich um eine Frau mit viel Erfahrung handelt, die weiß, wie man Männer „in etwas hineinziehen“ kann. Und was passiert, wenn ein scheuer, heterosexueller, an Blümchensex gewohnter Mann an eine solche Frau gerät?

Starke Frauen: Flüchten oder standhalten?

In der Realität ist’s wie im Roman: Er hat zwei Möglichkeiten: Flüchten oder Standhalten. Flüchtet er, ist er aus der „Gefahrenzone“ heraus. Keine ungewöhnlichen Gefühle, keine ungewöhnlichen Begierden, kein eigenartiger Geschmack auf der Zunge. Entweder aktiven Blümchensex, schon frivol, schon ekstatisch – aber eben Standard: Er küsst sie hier, er küsst sie dort, sie zieht sich aus, sie ermuntert ihn ein wenig, und dann ist’s PiV (1), nicht Paff und nicht Puff.

Hält er stand – nun, dann kann er entweder etwas lernen, etwas leiden lernen oder die Macht erspüren, die Frauen haben, wenn sie wollen. Und daran kann er über sich hinauswachsen oder daran zugrunde gehen. Und ich denke, genau da wollt ihr als Autorinnen hin – denn das ist wahrhaftig am interessantesten.

Neulich als ich eine recht interessante Geschichte über eine „späte Flucht“. Der Mann hat Zweifel, weiß nicht, worauf sie genau hinauswill. Er wäre auch bereit, den nächsten Schritt zu vollziehen, aber etwas hält ihn zurück. Oder soll sie ihn wirklich erst auffordern, sich auszuziehen?

Es handelt sich um eine Nacherzählung aus dem Ausland. (2) Der Vorfall soll sich in ähnlicher Weise tatsächlich ereignet haben.

Er ist ein wenig ängstlich, scheint sich nicht zu trauen. Also frag ich ihn, ob ich ihn küssen darf. Er strahlt, also fange ich an. Bei einem neuen Lover gehe ich mit der Zunge auf Entdeckungsreise, reize ihn mehr und mehr und erfühle seine Reaktionen. Er wehrt sich gegen nichts, ist offen dafür, dass ich ihn dabei ziemlich geil mache.

Oh – etwas hat sich jetzt verändert. Er will nicht mehr reden, nur noch küssen. Ich gönne ihm noch ein paar Lustküsse, dann nehme ich seine Zunge und beiße ein wenig hinein - sanft, aber fühlbar. Er zuckt ein wenig, lächelt.

„Hab ich dich erschreckt?“
„Ein bisschen, ja.“

Er kommt mir näher, versucht, sich an meinen Körper zu schmiegen. Sanft, zurückhaltend. Ich soll nicht merken, wie geil er schon ist. Manche Männer haben gelernt, dass man besser verbirgt, was da hervorquillt – aber Nähe will er eben doch.

Ich frag ihn, ob er ein Schmuser ist. Er sagt „Nein“, nicht wirklich. Klar ist er einer. Er will sich in den Sex hineinschmusen. Romantiker, eigentlich ganz nett, mal damit zu spielen.

Na schön, es gibt mehr Küsse, viel mehr. Gar nicht schlecht. Ich drücke ihn gegen mich, will wissen, wie geil er inzwischen ist. Na klar ist er scharf, bockscharf.

Ich denke, dass er weiß, was er jetzt zu tun hat. Die Sachen passieren im Untergeschoss, nicht im ersten Stock.


An dieser Stelle verlasse ich das Fragment dieser Geschichte. Es ist der Versuch einer Frau, die viel mehr bietet und viel mehr erwartet, und eines Mannes, der gelernt hat, sich zurückzuhalten und seine Geilheit auch nicht erfühlen zu lassen. Wie sie in Wahrheit ausgehen mag, weiß ich nicht, aber die Fantasie setzt keine Grenzen.

Der schüchterne Mann, der zum Küssen aufgefordert werden muss und der sich wünscht, dass man ihm ins Ohr flüstert: „Wenn du dich ausziehen würdest, könnte ich viel mehr von dir spüren“, kommt tatsächlich noch selten vor in der erotischen Literatur. Und je weniger plakativ die Verführung ausfällt, umso erfrischender und überraschender sind die Effekte.

Das Thema: „Ich verführe den schüchternen Mann erst sanft und mache ihn dann zum Werkzeug meiner geheimen Lüste“ steht auf einem anderen Blatt. Es ist sicher ebenfalls ein geeignetes Libretto für eine furiose Opernaufführung geheimer Lüste.

(1) PiV - Penis in Vagina, Slangausdruck aus den USA.
(2) Nacherzählung, Anreicherung und Übersetzung: Isidora.
Bild: Ca. 1840, Buchillustration, Ausschnitt, koloriert und retuschiert.