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Das Lustvolle an Schlägen? Ganz zu SEIN und sonst gar nichts

Es ist nicht die Oberfläche - es ist das Empfinden
Dieser Artikel wurde hauptsächlich für Autorinnen entworfen, die S/M-Geschichten schreiben wollen, aber nicht wissen, wie sie mit dem Schmerz und den daraus resultierenden Empfindungen umgehen sollen. Nach einer Selbstdarstellung einer Liebhaberin aus dem Englischen überarbeitet von Isidora F.

Einer der intensivsten Reize, die ich empfinde, wenn ich geschlagen werde, ist die Tatsache, dass der Schmerz all meine sonstigen Empfindungen überlagert. Er zwingt mich, im „Hier und Jetzt“ zu sein. In dieser Situation fühle ich mich außerstande, noch irgendetwas zu kontrollieren oder zu beherrschen. Ich habe keine Wahl. Ich kann nicht einfach aufstehen und hinausgehen. Ich kann nicht an mehrere Dinge zugleich bedenken – ich bin ganz darauf fokussiert, den Schmerz zu durchleben.

Ergänzend kann ich dazu sagen, dass schmerzvolle Schläge mich in einen Zustand versetzen, in dem ich nichts von meinem emotionalen Gepäck tragen muss. Zeitnot, Überlastung, Ärger, Trauer. Ich kann nicht einmal sagen, dass ich diese Gefühle unterdrücke, aber sie verschwinden hinter dem, fast ich unmittelbar empfinde – dem Schmerz.

Wenn Du als Autorin nur darüber nachdenkst oder sogar erotisch darüber fantasierst, wie sich der Schmerz wohl anfühlen mag, würdest du sehr überbracht sein, wie sich der Schmerz in Wahrheit anfühlt.

Schmerz beinhaltet eine Art Magie. Du kannst dabei beobachten, wie dein Hirn den Schlag auf deinen Po in eine wundersame Erfahrung umwandelt – nicht nur in Schmerz. Es ist nicht die Tatsache, Schläge zu bekommen, die dich reizt. Es ist das, was dein Körper daraus macht. Der Ausstoß von Endorphinen, das Rauschen in deinen Adern. Das Versinken in dich, bei dem alles Überflüssige verschwindet. Es sind dann nicht mehr die Schläge, auf die du wartest, sondern das, was du zwischen den Schlägen empfindest.

Du magst anders empfinden. Masochistinnen sollen Schläge als solche genießen, wie ich hörte. Und wenn du eine Autorin bist, deren Hintern niemals nachhaltig geschlagen worden ist, dann sei bitte vorsichtig mit dem, was du schreibst. Denk dran, dass es nicht die gleichen Gefühle sind, die ganz gewöhnliche Menschen beherrschen, die mal einen Klaps auf den Po bekommen haben.

Im erotischen Roman: die süßen Schläge vom geliebten Menschen

Erfühlen und beschreiben: Süße Schläge
„Um Himmels willen! Schläge!“ – sollten Sie das jetzt gerade ausgesprochen haben, dann sind Sie entweder ein sehr moralischer Mensch, der es grundsätzlich ablehnt, sich mit Züchtigungen zu beschäftigen. Oder Sie sind selber eines jener Opfer häuslicher Gewalt, die es auch heute noch gibt.

Was aber ist eigentlich los mit den süßen, sinnlichen, erotischen Schlägen, die manche Menschen voller Sehnsucht erwarten?

Das erste Wort, das sie zum Thema vielleicht schon gehört haben, könnte „Spanking“ sein. Sie sollten sich das Wort merken, und auch eine viel verwendete Abkürzung: OTK.

Spanking heißt sinngemäß „jemanden den Hintern versohlen“, und die Abkürzung OTK heißt soviel, wie „übers Knie legen“. Das Ganze fällt unter den Oberbegriff „häusliche Disziplin“. Ich sage Ihnen dies, weil ein großer Teil der einschlägigen Literatur britischen Ursprungs ist.

Also geht es zunächst einmal darum, den geliebten Menschen auf den Popo zu schlagen. In älteren Romanen können Sie nachlesen, dass dies fast immer mit einer sehr peinlichen Situation verbunden war: dem schrittweisen Entkleiden. Die jungen Herren bekamen die Schläge zuerst auf die Hose, dann auf ihre Unterhosen, schließlich auf den „Blanken“. Die jungen Damen wurden zuerst auf den Rock geschlagen, dann auf die Unterwäsche und schließlich ebenfalls auf den nackten Po. (1) Damit war sozusagen auch ein psychisches „Zwiebelschälen“ verbunden, denn von Mal zu Mal wurde die Situation für den Gezüchtigten peinlicher – und schmerzhafter.

Bei den Schlägen mit der Hand jedoch wird das Spiel mit der Strafe auch von Mal zu Mal intimer, denn am Ende berührt die nackte Haut der Hand die ebenfalls nackte Haut des Gesäßes. Gleich, wie weit Sie in Ihrer Spanking-Szene später noch gehen wollen – die Eröffnung ist fast immer gleich: das peinliche Ausziehen, die leichten Handschläge zur Einstimmung, die dann möglicherweise noch in ein furioseres, schmerzhafteres und weitaus erniedrigenderes Ritual übergehen können.

Die sinnliche Natur der Handschläge auf den nackten Po

Handschläge kommen immer unmittelbar von der Hand der/des Geliebten und haben deshalb eine besondere Qualität.

Wenn Sie einen Roman schreiben, ist die Frage nach dem „Warum“ eine Randerscheinung. Sie sind kein Psychologe (wie ich hoffe) und Sie sollen sich auch gar nicht erst um eine „psychologische“ Erklärung bemühen. In den Romanen, in denen die Frage nach dem „Warum“ ventiliert wurde, verkamen die Gründe zu lächerlichen Klischees. Was zählt, ist bei Ihnen und Ihrem Werk das „gegenwärtige Geschehen“ – also aus der Sicht ihres Helden oder Ihrer Heldin: „Wie fühle ich mich jetzt, wenn ich geschlagen werde.“ Ihre Leserin will wissen, was während der süßen Züchtigung in Ihrer Figur vorgeht. Beispielsweise, wie sich Zorn und Lust mischen, wie die Lust- und Schmerzschreie klingen, wann und wie die Schläge ihre Figur geil werden lassen, und wie sie gegen die Tränen kämpft oder sich ihnen einfach hingibt.

In der Kurzgeschichte geht alles – auch die reine Schilderung der Lust an der strafenden Hand. Sollten Sie einen Roman planen, so denken Sie bitte daran, dass die Erotik einer nackten Hand auf einem glühenden Popo nur für ein paar Seiten taugt. Sonst kommt es unweigerlich zu ermüdenden Wiederholungen – dafür gibt es genügend historische und aktuelle Beispiele.

(1) Gemeint ist ausschließlich: In Romanen. Aus gründen der Sittlichkeit war die völlige Entblößung im viktorianischen England in Schulen verboten, und in der häuslichen Disziplin verpönt.