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Sie sind nicht allein: Auch Profis schreiben miese Sexszenen

Schalter umlegen - strahlende Erotik an?
Der Bad Sex Award ist ein Gag, den die britische Literaturzeitschrift "Literary Review" seit 1993 vergibt. Selbst Norman Mailer erhielt ihn (2007) und in diesem Jahr ist es – neben anderen - der nigerianische Schriftsteller Ben Okri für diese Stelle (1):

Als seine Hand ihre Brustwarze streifte, löste sich ein Schalter in ihr und sie wurde erleuchtet. Er berührte ihren Bauch, und seine Hand schien durch sie hindurch zu brennen. Er ging verschwenderisch mit ihrem Körper um, sodass die indirekten Berührungen und die bittersüßen Empfindungen ihr Gehirn fluteten. Sie wurde sich bewusst, dass es Stellen in ihr gab, die nur von einem Gott mit Sinn für Humor dort versteckt worden sein konnten."


Das ist ein Beispiel für schwelgerische, zusammengestückelte Übertreibungen, die weder einen Sinnzusammenhang ergeben noch die Gefühle eines Menschen plastisch und hautnah schildern. Der Autor bemüht sich, „literarisch“ zu schreiben. Aber es gelingt ihm nicht: Beim Sex bleibt er auf der Strecke, und die Geschichte ist so erotisch wie die Wasserstandsmeldungen. Als Nächstes wird die Dame von „warmen Strömen“ getrieben, die „nicht von dieser Welt waren“ –und dann „wurde ihr bewusst, dass er in sie hineingleitet“.

Wie Sie unschwer erkennen werden, ist es nicht einfach, einen erotisch geprägten Abschnitt in einen Roman einzubringen – und selbstverständlich ist es ebenso schwer, in einen schwülstigen Lieberoman eine ebenso schwülstige erotische Szene einzubauen.

Mein Tipp: Versuchen Sie immer, an einer der aktuellen Empfindungen ihrer Heldin „entlangzuschreiben“. Erst, wenn eine Empfindung „aufgebraucht“ ist oder ein plötzliches, unerwartetes Ereignis eintritt, nehmen sie die nächste Empfindung in die Hand und versuchen, ihr eine lustvolle Darstellung zu geben. Es ist sicher eine Herausforderung, einander widersprechende Gefühle zu beschreiben oder Gefühle zu wie in Meereswellen zu überhöhen und dann wieder zusammenbrechen zu lassen. Aber das sollten Sie (und ich) Autorinnen und Autoren, überlassen, die sich wirklich mit Gefühlen und deren Beschreibung auskennen.

Zum Vergleich das englische Original:

“When his hand brushed her nipple it tripped a switch and she came alight. He touched her belly and his hand seemed to burn through her. He lavished on her body indirect touches and bitter-sweet sensations flooded her brain. She became aware of places in her that could only have been concealed there by a god with a sense of humour.


(1) Übersetzung für den in "SinnlichSchreiben" veröffentlichen Auszug von Gebhard Roese, Altenburg nach der Veröffentlichung im „Guardian)