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Wie schreibe ich ein erotisches Buch?

Wie schreibe ich ein erotisches Buch?

Ein Buch schreiben – davon scheinen viele Menschen zu träumen. Zahllose Werbeplakate in unseren Städten deuten darauf hin, und die einschlägigen Suchmaschinen zeigen eine große Anzahl von von Anzeigen, die alle dazu verlocken sollen, „schreiben zu lernen“. Unter ihnen gibt es Menschen und Institutionen, die davon leben, dass angehende Autoren offenbar nicht wissen, wie sie ein Buch schreiben könnten. Mal versuchen die Inserenten, Manuskripte abzusaugen, mal bieten sie Fernkurse an, mal gewöhnliche Kurse, und hin und wieder versprechen sie Hilfe bei Schreiben oder Vermarkten eines Buches.

Nur selten wird dabei erotische Literatur angesprochen. Das Thema gilt als Sonderfall, der stets den Duft von Pissoirs, Sperma und billigem Parfüm zu tragen scheint. Für viele ist es sogar völlig Tabu. Beliebt sind hingegen Themen, die als „klassisch“ gelten: der Zwist unter Brüdern, die Ablösung vom Elternhaus und natürlich die Liebe. Die Frage, „Wie schreibe ich ein erotisches Buch“ wird bei Google mit null Ergebnissen bedient, während die Frage „wie schreibe ich ein Buch“ immerhin auf 8.500 Treffer kommt.

Wie also schreiben Sie ein erotisches Buch?

Das erotische Werk, sei es ein Romane, eine Novelle oder auch nur eine Kurzgeschichte soll vor allem sinnliche Gedanken transportieren, und wenn es sein kann, sollte dabei eine Flut erotischer Gefühle angeregt werden. Damit wird bereits klar: Wenn sie ein sinnliches Werk schreiben wollen, müssen Sie sich sicher sein, dass Ihre Gedankenwelt, die von Ihnen beabsichtigte Sinnlichkeit, aber auch durchaus die ungebändigte Wollust bei Ihrer Leserschaft „ankommt“.

Wollen Sie darüber hinaus noch literarische Beachtung finden, so wäre hilfreich, die Sinnlichkeit, Erotik oder Wollust nicht für sich selbst sprechen zu lassen. Vielmehr sollten Sie einen Rahmen schaffen, in den sich ihre Leserin/ihr Leser hineinträumen kann. Denken Sie daran, dass sich viele Ihrer Leserinnen und Leser mit ihren Figuren identifizieren. Manche dieser Situation würden Leserinnen zwar im „wahren Leben“ ich fürchten oder meiden, aber beim Lesen Ihres Romans werden sie ganz bewusst in die absonderlichen oder gar gefährlichen Situationen eintauchen. Zwar wird in den Zeilen, die Sie schreiben, nur ihre Figur betört, verführt und beschlafen, doch die Leserin wird sich oftmals vorstellen, dass SIE es ist, die dem Verführer verfällt.

Wenn Sie schreiben, übermitteln und transportieren sie Gedanken und Gefühle – und in der erotischen Literatur bringen sie diese immer dann auf den Punkt, wenn Paare oder Gruppen einander Lust schenken.

Erotische Literatur gilt leider als minderwertig. In Wahrheit aber ist es wesentlich schwieriger, erotische Literatur zu schreiben, weil sie dazu etwas tun müssen, was den meisten Autoren schwerfällt: nachvollziehbare Emotionen zu transportieren.

In der erotischen Literatur erweist sich stets als günstig, die Begegnung ihrer Figuren sorgfältig zu beschreiben und dabei recht bald in eine Atmosphäre der Verführung zu wechseln. Dabei sollte eine Weile unklar bleiben, ob die Verführung tatsächlich stattfindet und wenn ja, ob sie zu einem sinnlichen Höhepunkt gebracht werden kann. Der „Trick“ dabei ist einfach: Solange Sie mit den Möglichkeiten spielen, können Sie die Szene mit einfachen Worten sinnlich, erotisch oder gar obszön darstellen. Sobald es hingegen „zur Sache geht“ zwischen Ihren Akteuren, wird es schwieriger, die geeigneten Worte dafür zu zu finden. Sie können sich mit „inneren Dialogen“ behelfen – so verlassen sie die erotische Spur nicht und geraten deshalb auch nicht in Gefahr, trivial oder gar vulgär zu werden.

Setzen Sie Gefühle nur dann ein, wenn sie wirklich sicher sind, diese beschreiben zu können und wenn Sie halbwegs darauf vertrauen können, wie diese „auf der anderen Seite“ aufgenommen werden. Eine sinnliche Umgebung ist leichter zu beschreiben als ein aufwühlendes erotisches Empfinden, hat aber einen ähnlichen Effekt. Ebenso kann die Wirkung des Partners in Aussehen, Mimik und Kleidung flüssiger beschrieben werden als sein „inneres Selbst“. Und letztendlich könne Sie mit sparsamen Dialogen oft mehr erreichen als mit Rede und Gegenrede. Denn das Ziel des erotischen Romans ist ja nicht, die Gedankengänge IHRER Figuren nachzuvollziehen, sondern ihre Leserinnen (und manchmal ihre Leser) so zu faszinieren, dass sie die Stelle ihrer Figuren annehmen.

Ich höre und lese recht häufig, Schriftsteller müssten sich ein genaues Bild vom Ablauf Ihrer Geschichte machen, bevor sie auch nur die erste Seite in Angriff nehmen … und dann folgen noch sieben, zehn oder gar zwölf „essenzielle“ Schreibtipps.

Wenn Sie diese Tipps beherzigen, werden Sie sicherlich ein Buch schreiben können – aber ebenso sicher wird es nicht lebensnah, nicht erotisch und nicht erregend sein. Erlauben Sie stattdessen ihrer Heldin, sich über das hinauszuheben, was Sie sich persönlich vorstellen können, und schenken Sie ihr ein eigenes Leben, eine eigene Sinnlichkeit und eine eigene Wollust.

Zehn Tipps für Erotik-Autoren zur Themensuche

Jede Begegnung im Alltag kann eine erotische Kurzgeschichte ergeben
Was machen sie eigentlich, wenn sie erotische Literatur schreiben sollen oder müssen, aber Ihr Erfahrungsschatz nicht über ein paar eher harmlose ONS und über sogenannte „Vanilla“-Beziehungen („Blümchensex“) hinausgeht?

10 Tipps für erotisches Schreiben bei wenig eigenen Erfahrungen

Hier meine Tipps:

1. Beobachten Sie ihren Alltag. Suchen Sie das „Erotische“ in ihren Mitmenschen. Steigern Sie ihre Wahrnehmung für das Flirtverhalten, aber auch für verborgene sinnliche Gesten.
2. Mischen Sie diese Beobachtungen in Ihre eigenen (auch längst vergangenen) erotischen Erlebnisse mit ein.
3. Übersteigern Sie alles durch Ihre Fantasie. Niemand will belanglose Liebesgeschichten lesen, gleich, ob erotisch oder nicht.
4. Konzentrieren Sie sich auf die bildhafte Schilderung der „erotischen Momente“ in der Geschichte.
5. Wenn sie sich auf völlig unbekanntes Territorium vorwagen (SM, Bisexualität, Triolen, Paartausch), versuchen Sie, an möglichst objektive, sinnliche Schilderungen zu gelangen. Wenn Sie diese intellektuell und emotional nachvollziehen können, sind sie zumeist auch authentisch. Oftmals finden Sie diese Schilderungen nicht in den Foren, die solche Sparten bedienen, sondern eher in Frauenforen und Gesundheitsforen.
6. Falls eine komplizierte Situation geschildert wird, die Sie niemals erlebt haben und auch nicht erproben können, versuchen Sie bitte wenigstens, die Geschichte plausibel zu halten. Überlegen die beispielsweise, ob und wie es möglich ist, an einem ungewöhnlichen Ort (Badewanne, WC, Besenkammer) Sex zu haben. Falls Sie SM-Geschichten schreiben wollen, können Sie viele Praktiken durch einen harmlosen Test am eigenen Körper erproben.
7. Die Schilderung bisexueller Handlungen fällt ihnen leichter, wenn sie sich vergegenwärtigen, wie viele Menschen masturbieren – auch das ist „gleichgeschlechtlicher“ Sex. Gehen sie von dort aus, wenn Sie über bisexuelle Liebe schreiben.
8. Versuchen Sie erst gar nicht, ohne eine plastische Schilderung der Gefühle auszukommen. Erotische Geschichten werden erst wirklich erotisch, wenn sie möglichst unmittelbar das Lustzentrum im Gehirn aktivieren.
9. Wenn Sie Details des Geschlechtsverkehrs einbeziehen, achten Sie bitte darauf, die Anatomie des Menschen halbwegs korrekt zu beschreiben. Das gilt nicht nur für die äußerlich erkennbaren Geschlechtsmerkmale, sondern auch für die Orgasmen bei Frau und Mann.
10. Geschlechtliche Betätigungen werden von Gedanken, Gefühlen, Geräuschen, Gerüchen und dann und wann auch von Bedenken begleitet. Versuchen Sie, diese menschlichen Regungen nachzuvollziehen.