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Bei Queer ist nicht viel los - deine Chance?

Er liebt sie, er liebt ihn, sie liebt sie ... warum eigentlich nicht?
Du suchst deine Chance, etwas zu schrieben, das noch nicht dutzendfach durch den Wolf der erotischen Literatur gedreht wurde?

Es könnte von einer Figur handeln, die entweder total „Queer“ ist oder jedenfalls nicht homonormativ handelt. Bei der ersten Gruppe handelt es sich um eine Szenerie, die Wert darauf legt, anders zu sein, eben „Queer“.

Es wird dir ziemlich schwerfallen, in diese Szene einzutauchen, falls du nicht schon drin bist - und wenn du nur Larifari darüber schreibst, bekommst du Ärger mit der Szene - trotzdem könntest du Erfolg haben. Dann würde es dir gehen wie der Autorin der „Shades of Grey“. Die hatte auch Ärger mit einer Szene (BDSM) aber die niedliche Cinderella-Geschichte mit dem bösen „Aua!“ begeisterte eben viele Frauen in „mittleren Jahren“.

Gut, ich hab‘ dich gewarnt.

Außerhalb der Norm ist auch "Queer"

Besser ist, eine Figur zu schaffen, die ein bisschen zu „schräg“ ist, um „straight“ zu sein, aber nicht so gepolt, dass sie sich einer Szene anschließen würde. Sie (oder er) ist eben „sexuell“im schönsten Sinn, aber auch mit allen Zweifeln und Anfeindungen, die jemand erlebt, der in kein Schema passt. Werre meint, dabei ginge es ausschließlich um Sexualität, ist auf dem Holzweg. Es geht darum, wie du dir ein Leben einrichtest, wenn du nicht denkst, fühlst und handelst wie die blubberende Masse an Stammtischen.

Klar kann deine Figur heteroflexibel, bi-amourös, bisexuell oder sonst etwas „sein“, was als Etikett gilt. Besser aber, wenn er oder sie einfach „ist“. Wenn etwas passiert, wenn Körper begeistern und Funken kreuz und quer springen.

Meist du, dass du es kannst? Es könnte eine Chance sein. Ein Risiko mag es auch sein, aber in jedem Fall wäre es eine Herausforderung.

Hier eher literarisch, hier aus der Sicht der „Queer-Bewegung“.

Bild: Künstlerdarstellung "Ein Mann innerhalb einer Triole" - Eigentum von liebesverlag.de

Könnt ihr noch schreiben? Fällt euch noch etwas ein?

Na, mein Herr ...
In Krisenzeiten fällt den meisten Menschen ein, dass sie irgendetwas versäumt haben. Nachholen können sie es dann nicht mehr, weil die Ressourcen weggebrochen sind. Ich habe beobachtet, dass die Kampagnenreiter gerade wieder aktiv geworden sind. Vor allem die Moralisten und Feministinnen. Sie schreien zeter und mordio, dass sich in der Krise das wahre Gesicht der Gesellschaft zeigt. Ihre Meinung: Alte weiße Männer beherrschen die Welt, legen die Regeln fest, bestimmen, was man noch wollen darf. Wahr daran ist, dass die konservative Welt gerade Triumphe feiert: Politisch relevant sind Familien, und unter ihnen gibt es einige, die noch relevanter sind: Die heißen dann „systemrelevant“.

Werdet unverschämt und tobt euch aus

Es ist Zeit, unverschämt und frivol zu werden. „Systemrelevant“ zu schreiben, verbietet sich als Erotik-Autor(in) sowieso. Warum dann also nicht gleich den nächsten Schritt tun? Hingabe bis zur Selbstaufgabe? Spermaflüsse auf Brüsten? Absatzspuren auf Männerkörpern? Frivole Rollenspiele in Kostümen? Das unverschämte Pegging bis zur Erschöpfung treiben? Das widerliche Snowballing genießen?

Oder sollten wir uns daran erinnern, dass es außer Corona noch andere Lebensrisiken gibt? Frauen, die bewusst Abenteuer suchen, die mit Risiken verbunden sind? Männer, die sich Frauengruppen unterwerfen, unwissend, dass sie aus deren Fängen nicht mehr entweichen können?

Und für die "Harmlosen" unter euch

Wenn ihr wirklich „auf ganz harmlos“ machen wollt: Schreibt ein Blog, an dem ihr jeden Tag eine erotische Fantasie entwickelt – sie kann beliebig kurz sein und darf so frivol sein, dass sie nicht der Zensur anheimfällt.

Solo-Sex mit mehr als drei Personen

Eins, zwei, drei ... und noch mehr
"Solo-Sex mit mehr als drei Personen" ist keinesfalls paradox. Als Autorin setzt du deine Figur in ein Szenario ein, das sie noch nicht kennt - und von dem du nichts weißt. Aber du kennst wahrscheinlich einige Fantasien. Und dies flüstere ich dir ins Ohr: Die meisten Geschichten über lustvolle Orgien beruhen ausschließlich auf Fantasien.

Sex mit mehr als drei anwesenden Personen

Eine sexuelle Begegnung mit mehr als drei Personen, also mit dir und mindestens drei weiteren Personen, gehört sicher nicht zu deinen üblichen erotischen Vergnügungen. Und doch fantasieren darüber nahezu 57 Prozent der Frauen (1). Falls ihr einen Vergleich braucht: Orgien unter Frauen oder Gruppensex mit einer Frau und mehreren Männern rangieren deutlich darunter.

Die Realität gibt kaum etwas Vergleichbares her

Bevor ihr ins Grübeln kommt: Die meisten dieser Fantasien werden niemals in die Realität umgesetzt. Die Theorie darüber sagt zumindest: In der Fantasie existiert so etwas wie die „pure Lust“, und die Wahl zwischen mehreren Frauen oder Männern setzt alle sinnlichen Gelüste zugleich frei. Auch das lässt sich statistisch belegen: Ein reichliches Drittel der Frauen fantasiert auch über gleichgeschlechtliche Beziehungen, die im Fantasieraum geschlossener erotischer Gedanken ebenso denkbar sind wie in der Realität einer echten Orgie.

Was theoretisch gegeben ist:: der letzte Hinweis zur Realität

Weichen wir kurz in die Realitäten aus, sehr unabhängig von Orgien: Frauen können Orgasmen sowohl ohne wie auch mit weiblichen oder männlichen Partner bekommen. Bei den üblichen Kontakten mit Männern bekommen Frauen allerdings oft keinen Orgasmus, bestenfalls aber deren zwei. Eine größere Anzahl erfüllender Orgasmen mit Personen ist nur erfüllbar, wenn ein Wechsel der Partner ermöglicht wird. Genau aus diesem Grund sind auch Triolen so beliebt - allerdings erfüllt die bei Frauen beliebte Variante „eine Frau - zwei Männer“ nur einen Teil solcher Wünsche.

Und in den Träumen?

In ihnen muss niemand an Schwierigkeiten denken. Der Weg von einem Partner zum Nächsten ist barrierefrei und völlig problemlos, denn jeder will ausschließlich Lust schenken und Lust empfangen. Und noch etwas fasziniert in den erotischen Tagträumen: Alle anderen Personen, Frauen wie Männer, sind nur dazu da, um der Träumerin zu gefallen oder ihr Gefälligkeiten zu erweisen.

Aus dieser Sicht ist Solo-Sex mit mehr als drei Personen die ideale Voraussetzung, um eine lustvolle Geschichte zu schreiben, die märchenhaft genug ist, um alle Probleme fernzuhalten, und dennoch so lustvoll, dass sich nahezu jede Frau in die vermeintliche Realität hereinträumen kann.

Sieben Zutaten plus sieben Varianten

1. Deine Figur als sinnlich-lustvolle Person, die zugleich begierig und neugierig ist.
2. Eine etwas exotische, aber dennoch sozial vertraute Atmosphäre: Deine Figur wird in eine Umgebung eingeladen, die ihr einerseits vertraut vorkommt, die aber andererseits verborgene Lüste erweckt.
3. Ein Anlass, der von der normalen, erotisch geladenen Party-Atmosphäre zur Orgie führt. Meist spielen verborgen Absichten, Absprachen oder Verführungen eine Rolle - manchmal auch „schwüle Sommernächte“ und oftmals „ein wenig zu viel Alkohol.“
4. Bei dieser Konstellation ist deine Figur Single und eher sinnlich-naiv-neugierig, die übrigen vier Personen können auch Paare sein, die Erfahrung mit dem Metier haben. (2)
5. Je mehr du die romantische Träumerei als Erzählungsform benutzt, umso mehr dient das ganze Geschehen nur dazu, deiner Heldin Lust zu bereiten.
6. Falls du mehr Hintergrund einbringen willst, kannst du dieses Thema zu einer „erregenden Selbsterfahrung“ ausbauen.
7. Realismus ist nicht unbedingt empfehlenswert. Falls du es dennoch willst: Schildere diesen oder jenen „inneren Konflikt“, aber so, dass am Ende eine wertvolle Erfahrung“ herauskommt.

Die sieben Varianten während der Orgie

Die Möglichkeiten aus der Sicht deiner Figur: (a) Voyeurin sein, sich (b) solo präsentieren, (c) Lüste mit einer Frau zu tauschen, desgleichen mit einem Mann (d) und letztendlich innerhalb einer MFF (e) oder FMM (f) Konstellation. Schließlich bietet sich auch noch eine FFF-Konstellation an.

Das ganze Füllhorn auszuschütten, würde dich sicherlich bei zum Ende der Corona-Krise beschäftigen. Orgien können übrigens auch als erotische Elemente in Liebesromane eingebaut werden.

(1) Nach verlässlichen, uns vorliegenden Studien
(2) Mehr als vier weitere Personen zu integrieren, halte ich für zu schwierig.
Bild: Oberer Teil einer Buchillustration, ca. 1930.

Masturbation - drei Arten, darüber zu schreiben

Erst Stöhnen vor Lust, dann erröten vor Scham?
Ein Teil denjenigen, die häufig masturbieren, findet es absolut normal. Ein anderer Teil aber hat von Anfang an Schuldgefühle dabei und konnte sie niemals ablegen. In Studien wird sogar manchmal behauptet, etwa die Hälfte der Frauen zwischen 18 und 38 habe "ungute Gefühle" bei sexuellen Themen.

Heimlich masturbieren und sich noch heimlicher schämen

Was ich euch heute schreiben will, betrifft alle, die mehr oder weniger „heimlich“ masturbieren und sich dessen schämen. Ob deine Figur verheiratet oder ledig ist, 18 oder 58 - die Angst, „erwischt“ zu werden, ist groß. Aber natürlich tut sie’s trotzdem. Der Weg zum selbst erzeugten Orgasmus ist kurz, die Lust, die daraus entsteht, durchaus sensationell, und überhaupt - es ist ein Nervenkitzel, wenn der Partner, oder je nach Situation auch die Mutter oder die Tochter, unbeabsichtigt die Tür öffnet, und ...

Ei, ei ... wenn das kein Thema ist ...

Drei Szenarien und noch mehr ...

Viele der Frauen, die voller Lust masturbieren, sich aber dennoch dessen schämen, suchen nach einer Gesprächspartnerin. Dabei sind drei Szenarien denkbar:

1. Beide sprechen über die Masturbation. Wann immer wir jemanden treffen, der das gleiche tut wie wir, glauben wir, eine Freundin im Geiste (oder im Fühlen) gefundne zu haben. Das ist die normale Methode, über innere Konflikte zu sprechen - sie kostet aber Überwindung. Sensible Autorinnen können daraus interessante Dialoge entwickeln.

2. Durch das Gespräch über Masturbation entsteht eine Intimität, in der die sicherere Person die unsicherere verführt. Das erzeugt eine unerwartete Wende in der sexuellen Definition, und kann sowohl zu mehr Selbstzufriedenheit führen wie auch zu neuen Ängsten: „Bin ich normal, wenn ich mich von einer Frau verführen lasse?“

3. Das Gespräch verläuft von vorn herein asymmetrisch. Die Gesprächspartnerin ist machtvoll und manipulativ und fordert die Ratsuchende auf, nicht dauernd „um den heißen Brei herumzureden“. Diese fühlt sich wie in einem Verhör und entblößt ihre „wirklich geheimen“ Lüste, die sie beim Masturbieren als Fantasien durchlebt. Sie macht sich dadurch zunächst verwundbar und liefert sich am Ende völlig aus. Denn mit dem erworbenen Wissen kann die Ratsuchende in ein Spinnennetz verwickelt werden, aus dem sie allein nicht mehr herauskommt.

Alle drei Themen sind natürlich schon häufiger in die erotische Literatur eingeflossen, aber derzeit könnten sie erneut Leserinnen finden.

Also: Viel Glück und Erfolg beim Thema.

Ein Intermezzo: Rotkäppchen, der Wolf und Du

Was hat der Wolf der Grimms mit der Sinnlichkeit zu tun? Erste Antwort: Nichts. Zweite Antwort: Er hat nur damit zu tun.

Gut – das ist nicht recht logisch, solange du dies nicht weißt: Das grimmsche Märchen stammt werde von den Grimms noch ist es ein Volksmärchen, das den Grimms erzählt wurde. Es ist ein höfliches Lehrstück des Franzosen Charles Perrault, der im 17. Jahrhundert lebte. Und es warnt junge Frauen, sich mit lüsternen Wölfen einzulassen, die ihnen „an die Wäsche“ wollen.

So weit der Zusammenhang. Und nun kommt das Thema: Woran erinnerst du dich beim Rotkäppchen am besten? Vermutlich an Grimms Texte, vorgetragen von einer Erzählerin. Ich bevorzuge Perraults Version, die dir dennoch bekannt vorkommen wird:

"Großmutter, was habt Ihr für große Arme!" "Damit ich dich besser umfangen kann, mein Kind!" "Großmutter, was habt Ihr für große Beine!" "Damit ich besser laufen kann, mein Kind!" "Großmutter, was habt Ihr für große Ohren!" "Damit ich besser hören kann, mein Kind!" "Großmutter, was habt Ihr für große Augen!" "Damit ich besser sehen kann, mein Kind!" "Großmutter, was habt Ihr für große Zähne!" "Damit ich dich fressen kann!"


Es ist ohne Zweifel der spektakulärste Teil des Märchens, der allen Zuhörern lebhaft in Erinnerung bleibt. Das zögerliche, naive, ängstliche, zugleich faszinierte und befremdete Mädchen mit seiner zarten Stimme, die die Erzählerin so trefflich zu imitieren verstand. Dann der Wolf, der mit fester, tiefer Stimme voller Überzeugungskraft und zunächst gespielten Charme erklärt, warum alles so schrecklich groß an ihm ist. Und schließlich das wilde Aufbäumen in der Stimme, wenn die Erzählerin mit verzerrtem Gesicht und voller Heftigkeit den finalen Satz herausschreit: „Damit ich dich besser fressen kann.“

Erinnerst du dich an meinen Artikel über die Erzählkunst? Man nennt so etwas heute „kreatives Schreiben“ oder auch „Show, Don‘t Tell“. Oder mal ganz einfach:

Gute Dialoge lockern nicht etwa nur auf, sondern bleibe auch dann noch in Erinnerung, wenn der Rest der Erzählung längst verblasst ist.

Es sind nicht ausschließlich die Dialoge. Aber sie sind ein gutes Beispiel dafür, warum das, was du schreibst, mehr sein kann als eine Anreihung von Texten.