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Die Lust an den Sinnen - wie beschreibe ich das Sinnliche?

Alles fühlen - der Weg dorthin geht über Berührungen
Einfache Hilfsmittel, um sinnlicher zu schreiben

Sinnlich schreiben bedeutet, die Sinne zu beschreiben, und zwar so, dass sich die Leserin absolut mit der Heldin identifizieren kann: im Sehen, Hören, Ertasten, Riechen oder Schmecken. Lesen Sie dazu bitte den ersten Teil dieses zweiteiligen Artikels.

Wenn Sie Zweifel daran haben, wie Sie das verwirklichen sollen, gebe ich Ihnen einen bewährten Praxisrat: Stellen sei sich Fragen:

1. Wovon möchte ich jetzt mehr sehen, wenn ich meine Heldin wäre? Was sieht sie (zum Beispiel im Spiegel?), wenn sie sich entkleidet oder sich jemand vor ihr entkleidet? Bei SM: Wie sieht sie aus, bevor das Spiel beginnt? Wie verändert sich ihre Haut, wenn sie sich (wieder im Speiegel) anseht? Oder aus was achtet Sie, wenn sie einen Zögling entsprechend straft?
2. Welche Klänge (Musik?) würde sie gerne beim Sex hören, und welche Geräusche der Wollust will sie von einem Mann hören? Wie klingt es bei ihr, wenn sie einen Orgasmus herausschreit? Und bei SM: Worauf achte ich, wenn es absolut dunkel ist? Auf welche Geräusche wird meine Heldin achten, wenn sie körperlich gestraft wird?
3. Welche Berührungen finden statt? Initiiert Ihre Heldin die Berührungen? Welche nimmt sie hin, welche forciert sie? Denken sei daran, dass vor vielen abstrakten sexuellen „Gefühlen“ im Grunde eine Berührung steht, und dass auch der Geschlechtsakt selbst eine der Berührung darstellt.
4. Was riecht Ihre Heldin, wenn sie einen Raum betritt, ihrem Lover begegnet, oder wenn sie sein Sperma auf der Haut verreibt? Welche Rolle spielen Moschusdüfte, Leder oder Schweiß?
5. Wie schmeckt die Haut ihres Lovers? Immer gleich? Probiert sie sein Sperma oder hasst sie dies? Oder viel raffinierter: Erinnert sie sich bei gewissen Speisen (Austern?) an sein Sperma? Wie ist es, wenn er mit ihr Miesmuscheln isst? Denkt sie dann an die sich öffnende Schamlippen?

Viele Fragen? Zu hart? Zu ungenau?

Geben Sie bitte Feedback, und wir sagen mehr dazu.

Verdammtes Schreiben in den Wind

Manche Menschen glauben, ich verdiene viel Geld mit Schreiben. Da kann ich nur lachen. Erotisch Schreiben ist ein Hurenjob. Wenn du was verdienen willst, musst du schreiben, was die Frauen und Männer da draußen geil macht. Und da hast du viel Konkurrenz. Oh ja, ja … du kannst auch versuchen, einen Bestseller zu schreiben oder „große Literatur“. Good Luck! Die Penner vom Feuilleton nehmen dich doch gar nicht wahr, wenn du erotisch schreibst.

Also schreibst du in den Wind. Der bläst es fort, und du erfährst nie wieder, wer es gelesen hat und warum.

Ach, du willst gar nicht so hoch hinaus?

Warum schreibst du dann?

Du verschwendest nichts als kostbare Zeit, in der du an der Kasse beim Discounter sitzen könntest. Da verdienst du mit Abstand mehr und kriegst noch Personalrabatt aufs Futter.

Frag mich jetzt nicht, warum ich schreibe.

Ach, du fragst doch?

Ich schreibe, also bin ich.

Liebesromane zwischen Gefühlskitsch und echten Gefühlen

Wer Liebesromane schreiben will, muss über Gefühle schreiben“ … ich habe diesen Satz irgendwo im Internet gelesen, gestutzt, ihn eine Weile vor mir hergeschoben und ihn schließlich entlarvt.

Da haben wir wieder den Kardinalfehler der Deutschen – sie haben die Lösungen immer schon, wenn sie noch nicht einmal die Grundlagen des Problems erfasst haben. Denn wer behauptet, „über Gefühle zu schreiben“ hat schon eine Definition gebraucht, die so gar nicht zulässig ist – denn zuerst müssten wir fragen: Was sind denn, verdammt noch mal, eigentlich Gefühle?

Die Definition, die mir angeboten wurde, greift viel zu kurz: „Ein Gefühl ist eine spezifische Reaktion auf eine Wahrnehmung“. Für diejenigen, die sich mit dem Satz nicht näher beschäftigen wollen: Der Formulierung liegt ein vereinfachtes Reiz-Reaktions-Schema zugrunde. Irgendetwas geschieht – und Ihre Figur fühlt etwas.

Sie sehen schon: Das ist viel zu wenig. Denn Ihre Heldin soll ja etwas fühlen, bevor etwas geschieht, während etwas geschieht und nachdem etwas geschehen ist. Nach und nach dürfte klar werden: Es geht bei der Liebe nicht um „Gefühltes“, es geht um das Fühlen selbst.

Die Entwicklung des Fühlens zu beschreiben ist nicht einfach. Ich habe anderwärts geschrieben, dass „Gefühle“ in unserem Hirn schichtenweise existieren, wobei sie durchaus miteinander verwoben sein können. Das Problem dabei ist: Sie liegen großenteils völlig „analog“, vor allem, was die Liebe betrifft. Analog heißt, dass diese Gefühle nicht vorgeformt in Zeichen existieren. Und sobald sie tatsächlich als Zeichen vorhanden sind, werden sie plakativ. Darin liegt das Problem aller Schriftsteller, denen es um „wahre Gefühlswelten“ geht. Sie sollte dabei durchaus in bester Gesellschaft. Schon Goethe haderte damit.

Warum Sie mit echten Gefühlen Probleme haben können

Lassen Sie mich die Probleme zusammenfassen:

1. Die Gefühle, die bei der Liebe frei werden, sind zum überwiegenden biochemisch gesteuert – sie entziehen sich also unserem freien Willen. Wir können mit ihnen nur schwer umgehen und haben insbesondere keine Worte für sie. Da ist absolut normal. Man nennt solche Gefühle, die nicht wirklich verbal beschrieben werden können, auch analoge Gefühle.
2. Gefühle überlagern einander und sind teilweise miteinander verwoben. Neben der sprachlosen Verliebtheit steht die etwas holprig zu beschreibende „innigliche“ Liebe, aber auch andere Gefühle werden eingewebt, zum Beispiel der Konflikt zwischen Freiheit und Bindung.
3. Liebesromane, die „Emotionen wachrufen“ sollen, handeln im Grunde gar nicht vom Fühlen, sondernd davon, dass ein einziges Gefühl in den Vordergrund gestellt und verkitscht wird.
4. Wer die tatsächliche Gefühlswelt beschreiben will, wird nicht darum herumkommen, die Vielfalt der Gefühle darzustellen, die mit einer Liebe verbunden sind. Das bedeutet aber auch, sich an einen Leserkreis zu wenden, der dies nachvollziehen kann und will. Ohne den Leserinnen von Liebesromanen zu nahe treten zu wollen: Sie bevorzugen Kitsch, den sie problemlos abheulen können, wofür fälschlicherweise das Wort „Mitfühlen“ verwendet wird.
5. Die Kunst, echte Gefühle so umzuschreiben, dass sie tatsächlich transportabel und nachvollziehbar werden, ist nur wenigen Autorinnen und Autoren gegeben. Es ist wesentlich einfacher, Kitsch zu schreiben. Abgesehen davon gibt es für Kitsch einen größeren Leserkreis.

Zusätzliche Probleme entstehen, wenn Sie sehr bewusst erotisch schreiben wollen. Die grundlegenden erotischen Impulse liegen großenteils außerhalb des unmittelbaren Wahrnehmungsbereichs ihrer Figuren. Dazu gehört beispielsweise der gesamte Bereich nonverbaler Kommunikation (analoger Kommunikation), der sich besonders deutlich im Flirtverhalten zeigt: Frauen senden bestimmte nonverbale Zeichen aus, die sie selbst nicht als Aufforderungen erkennen. Wie wollen Sie das beschreiben? Und falls ihre Figuren nun tatsächlich einen gemeinsamen Raum mit einem Bett betreten sollten: Wie beschreiben Sie die Wollust, die sie bewegt, dass zu tun, was sie tun werden – und wie passt die Liebe dazu? Spielt sie überhaupt eine Rolle? Und wenn ja, wie verknüpfen sich beide ineinander? Welche Hoffnungen und Befürchtungen kommen nun auf?
Selbstverständlich geht das alles – aber es erfordert schon eine gewisse Schreib- und Lebenserfahrung, um es zu Papier zu bringen.

Über Gefühle schreiben? Ja, tun Sie es, bitte … aber versuchen Sie dabei doch auch, ehrlich zu schreiben, was ihre Heldin wirklich fühlte – und nicht, was Aschenputtel 2015 fühlen soll, damit ihr Schicksal allen zu herzen geht.

Erotik-Geschichten für absolute Anfänger: Was machen die da?

Erotik-Geschichten schreiben - für absolute Anfänger, Teil ZWEI

2. Teil: Was machen die denn da?

Nichts in der Erotik ist so langweilig wie eine Vagina, in der sich ein Penis befindet. Dabei ist völlig gleich, ob er sich heftig und wild bewegt oder genießerisch immer wieder seinen Weg hinein- und herausfindet. Klar, die Beschauer von Videos sehen sich das eine Weile mit an, sind wohl auch fasziniert, und denken dann: „Na ja, und … das gibt doch nicht viel her, oder?“

Ihr habt absolut recht. Der Geschlechtsakt als solcher ist langweilig.

Wesentlich interessanter ist, wie es dazu kam. Ihr könnt zehn und mehr Seiten darüber schreiben, wie sich eure Heldin gesträubt hat, überhaupt ein sexuelles Erlebnis mit DIESEM Mann zu haben. Wie sie sich dann gegen ihre Gefühle gewehrt hat, zuerst gegen die Verliebtheit. Und als diese mit Blitz und Donner durchbrach, gegen die Geilheit, den Wunsch ihm zu sagen, dass er sie doch bitte endlich verführen möge. Die Unfähigkeit, dies in Worte zu fassen. Und als er es endlich versucht? Da bekommt sie Angst, flieht aus dem Hotelbett, viel zu leicht bekleidet für die Nacht im Vergnügungsviertel der Großstadt.

Ähnliche Beispiele kannst du in vielen Romanen lesen. All diese Szenerien spielen damit, dass ETWAS passiert, aber nicht das, was du am Anfang denkst. Das ist völlig in Ordnung. Nicht nur, weil die Methode Spannung und Verzögerungen oder gar einen Glückswandel in die Geschichte bringt, sondern auch, weil es sich viel auf diese Weise viel besser erzählen lässt.

Wenn du das beherzigst, kommst du gar nicht erst in Verlegenheit, nur zu beschreiben, wie der Penis in die Vagina kommt. Selbst in einer sehr einfachen Szene kannst du alles sinnlich beschreiben, was deine Helden tun und was sie dabei empfinden.

Einfachste Formen: Hineingehen, Ausziehen, Vögeln

Nehmen wir mal so eine Situation: Sie betreten einen Raum, sie ziehen sich (einander) aus, sie vögeln.

Stell dir einfach mal die Frage, was das für ein Zimmer sein kann. Ist es ein Hotelzimmer oder ein Heuschober? Das elterliche Schlafzimmer (während diese in Urlaub sind) oder der Nebenraum einer Gaststätte, in dem sie niemanden vermuten? Wie sieht dieser Raum aus? Lädt er zur Liebe ein? Wonach riecht er? Gibt es ein Bett oder muss der nackte Dielenboden herhalten?

Was stellst du dir vor, wie sich ein Liebespaar auszieht? Zieht er sie aus? Sie ihn? Beide einander? Beide getrennt, er im Schlafzimmer, sie im Badezimmer? Ziehen sie sich überhaupt ganz aus? Was sehen sie voneinander, während sie sich ausziehen? Schämen sie sich dabei? Sprechen sie miteinander?

Die meisten Paare vögeln nicht sofort, wenn sie sich soweit ausgezogen haben, dass es möglich ist. Sie berühren einander, sie streichlen Brüste und Genitalien, sie Küssen einander, und dies wahrscheinlich nicht nur auf den Mund. Manchmal vöglen sie gar nicht, sondern lassen es bei Berührungen, die ihnen den Atem verschlagen.

Rat für sehr junge Autorinnen

Falls du sehr jung (unter 25) sein solltest, wenn du zu schreiben beginnst, noch ein Tipp: Schreib über eines deiner „ersten Male“ aber NICHT über „das erste Mal“. Schreib einfach über „das erste Mal mit einem neuen Partner“ und hübsche die Situation ein bisschen auf, sodass sie am Ende als romantisch gelesen werden kann. Geh dabei immer einen Schritt über deine eigenen Erfahrungen hinaus. Denn der Schritt, den du gerne getan hättest, und den du nun deine Heldin machen lässt, ist der Schlüssel zum Interesse deiner Leserinnen. Gehe ruhig davon aus, dass sie mit ihren Lovern gerne noch ein bisschen weitergegangen wären, wenn der Mut ausgereicht hätte.

Solltest DU, liebe Leserin, erst in späteren Jahren erotisch schreiben wollen, empfehle ich, die Fantasie noch wesentlich weiter schweifen zu lassen – aber dabei immer im Auge zu behalten: Deine Leserin muss davon träumen, es selber zu tun.

Erotisch schreiben – Sex oder Lust?

Paar beim Sex - auch angewittert erotisch

Erotisch schreiben bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als Lüste freizulegen, die in den Gehirnen unserer Leserinnen und Leser ohnehin lauern, die sie aber selber nicht wachzurütteln wagen.

Ich widerspreche energisch den Menschen, die immer davon sprechen, wir müssten als Autorinnen und Autoren „Erfahrungen“ haben. Sexuelle Erfahrungen sind nicht wirklich schädlich, aber sie nützen uns auch recht wenig. Denn der eigentliche Schatz, den wir heben, liegt in den Tiefen der „Seele“, oder besser in den geheimen Wolllüsten, die selten in Taten verwandelt werden.

Unsere typischen Leserinnen sind im Leben weder devot noch sexuell aggressiv. Sie haben weder Liebhaber, die sie sanft und intim küssen noch solche, die sie „richtig hart nehmen“. Sie lassen ich weder die Füße lecken noch den Po verstriemen. Gehen wir ruhig davon aus, dass sie absolut „Vanilla“ sind.

Wir hier bei „Sinnlich Schreiben“ sind fest davon überzeugt, dass nicht alles, was mit Nacktheit, Körpergefühlen und Sinnlichkeit zu tun hat, auch etwas mit dem zu tun hat, was man „Sex haben“ nennt. Sinnlichkeit ist eine Erfahrung, an der alle Sinne beteiligt sind, und Erotik ist nichts als eine engere Sichtweise der Sinnlichkeit, die sehr viel mit Verlangen und Begehren zu tun hat.

Erotisch schreiben ist also nicht davon abhängig, wie viel Sex du selber hattest, oder ob du heterosexuell, homosexuell oder bisexuell bist. Wenn du menschliche Körper schön findest und Gefallen daran hast, sie zu berühren ist dies eine bessere Voraussetzung, als wenn du dich jede Woche von einem anderen Mann vögeln lässt.

Erotisch schreiben bedeutet deshalb, etwas erfühlen zu können und nicht, etwas erlebt zu haben. Hab also keine Angst, einfach drauflos zu schreiben.