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Madame beabsichtigt, zu strafen

Eine strafende Frau - erschienen 1990 - wirkt aber wie aus den 1950er Jahren
Die „moderne“ Pornografie beschert uns Bilder von dominanten Frauen, die sich wie Huren kleiden oder sich so weit ausziehen, dass der Mann den Respekt vor ihnen verlieren würde, wenn alles real wäre.

In der Anfangszeit der lustvoll dargebotenen Dominanz wurde noch mehr an die Fantasie appelliert. Wir finden ein natürliches, fast nüchternes Interieur vor statt der pornografischen, überladenen Installation eines „Studios“. Statt einer übertriebenen Geste sorgt das „Aufkrempeln“ der Ärmel für Entschlossenheit – und die Strapse zeigen, dass es hier um eine handfeste erotische Züchtigung geht. Und der locker gehaltene „Schlegel“ wird fast bedrohlicher als eine mühsam für ein Foto hochgehaltene Peitsche.

Und du? Regt dich das Bild zum Schreiben an? Versetzt es dich in eine Zeit, als die Fantasien noch im Kopf entstanden?

Das Bild entstammt dem legendären, auf einfachem Papier gedruckten „Ledagramm“ (ca. 1990) © (gegen) 1990 by Leda, San Marcos. .

Materialien: Huren und Zuchthausstrafen vor Publikum Fiktion und Realität

Eigentlich nichts Besonderes: Die Rute gehörte damals zum Internat wie die Butter aufs Brot

Fiktion und Realität - die Bestrafung von Huren in England durch Rutenschläge

Schon im 19. Jahrhundert mischten sich Fantasie und Realität, wenn es darum ging, besonders spektakuläre Schriften über Wollust, Prostitution und Körperstrafen zu scheiben.

Im ersten Teil beschreiben wir eine an die Realität angelehnte Fiktion, die nicht als Fantasie, sondern als realitätsnahe Schilderung vermarktet wurde (aus dem Englischen, hier etwas umgeschrieben).

Die Fiktion – Voyeure bei öffentlichen Auspeitschungen der Huren

Von der Epoche an, in der der Shakespeare lebte, erhielten Huren das, was sie nach Meinung der Zeit verdienten: Eine Auspeitschung vor Publikum, die sie in Zukunft daran hindern sollte, ihr fragwürdiges Tun weiterhin zu betreiben. Üblicherweise wurden sie, wie die männlichen Häftlinge, auf den nackten Rücken geschlagen (1), aber die jüngeren Huren erhielten ihre Schläge auf das nackte Gesäß. Die geschah ausschließlich, um die Prozedur interessanter für die Zuschauer zu gestalten, die sich zu derartigen Ereignissen zahlreich in den Zuchthäusern einfanden. (2)

Der Mythos der Strafbank

Die Beschreibung der Strafbank zieht sich durch die gesamte Literatur
Normalerweise verwendete man für sie eine spezielle Strafbank, die man in die Mitte der großen Halle im Untergeschoss des Zuchthauses stellte. Diese Bank hatte auf beiden Seiten hölzerne Fesselungsmöglichkeiten, die dem Pranger sehr ähnlich waren, sogenannte „Stocks“. Auf der einen Seite befanden sich die Öffnungen für den Hals und die Handgelenke, auf der anderen Seite wurden die Beine in Höhe der Fesseln befestigt. (3)

Rund um diese Strafbank, aber in sicherer Entfernung, versammelten sich die Damen und Herren der guten Gesellschaft, um sich an dem nun folgenden Spektakel zu ergötzen.

Es begann damit, dass zwei kräftig gebaute Wärterinnen die junge Hure hereinbrachten, um sie dann bäuchlings auf die Strafbank zu legen und an Händen und Füßen mithilfe der „Stocks“ zu fesseln (3). Sodann kam der Moment, nach dem das Publikum gierte: Der Rock wurde bis über die Schultern hochgeschlagen, sodass jedermann das nackte, noch weiße und ungezeichnete Gesäß betrachten konnte. Zu dieser Zeit trug die Frauen noch keinerlei Unterwäsche, sondern verdeckten die Scham und das Gesäß ausschließlich mit Unterröcken. (4)


Auspeitschungen zum Vergnügen der guten Gesellschaft?

Geschlagen wurde mit Ruten, die aus Birkenzweigen hergestellt waren. Sie wurden zuvor in eine Mischung aus Essig und Salz gelegt (5), um nun in einem großen Korb auf ihre Verwendung zu warten. Man brauchte recht viele solcher Birkenruten, denn die Bestrafung dauerte sehr lang und wurde so heftig ausgeführt, dass die Ruten oftmals auf den Hintern der Frauen zerbrachen. Es wird behauptet, dass die Zuschauer erst wirklich zufrieden waren, wenn Blut floss und die Frauen aus Leibeskräften schrien. Anderen Berichten zufolge konnte man die Schreie der jungen Huren überall im Zuchthaus hören. Ganz offensichtlich waren es nicht die Birkenruten allein, die den Schmerz verursachten, sondern auch die Mischung aus Essig und Salz, die immer tiefer in die geröteten oder gar wundgeschlagenen Hintern eindrangen. Man rechtfertigte die Behandlung der Ruten übrigens auch damit, dass man sie mit Salz und Essig deinfiziert habe.

Die Damen und Herren der Gesellschaft vergnügten sich an den rot geschlagenen Gesäßen, an den Wunden und vor allem an den Schreien und den Tränen, die die Frauen vergossen. (6)


Die angebliche „Besserung“ als Vorwand für Schläge

Die jungen Huren, so glaubte die damalige Gesellschaft offiziell, würden das Zuchthaus geläutert verlassen und sich zwei Mal überlegen, ob sie ihrem fragwürdigen Beruf wieder nachgehen würden, wenn sie entlassen wurden. Allerdings war eher zu erwarten, dass die Bordellbesitzerinnen und Zuhälter schon vor dem Gefängnistor auf sie warteten. (7)

Tatsächliche öffentliche Auspeitschung von Huren

In anderen Ländern, vermutlich auch in Schottland, wurden Frauen mit unsittlichem Lebenswandel ebenfalls öffentlich auf den weitgehend nackten Körper geschlagen - dann allerdings in öffentlichen Auspeitschungen. Verbürgt ist ein Ereignis aus Schottland (Inverness) von 1817. (8) zudem gibt es zahllose ähnliche Berichte aus ganz Europa.

Ob die Dinge sich tatsächlich genauso abgespielt haben, ist allerdings fragwürdig. (Lesen Sie bitte die Anmerkungen). Zumeist haben die Autorinnen und Autoren der damaligen Zeit eine ebenso heftige Fantasie entwickelt wie ihre Nachfolger(innen) in der Jetztzeit. Zudem wurden verschiedene Schilderungen aus dem deutschsprachigen Buch „Lenchen im Zuchthause“ (1840) kurzerhand nach England (9) verlegt, wo Frauen nach verschiedenen Quellen bis 1820 auf den nackten Körper geschlagen werden duften.

Immerhin bekommen Sie einen Einblick in die Realität und die Fantasiewelt der Jahrhunderte vom 17. Bis zum 19. Jahrhundert.

Realität: Die Umgebung, in der die Rute herrschte

Man muss sich dabei vergegenwärtigen, dass die Rute als Züchtigungsinstrument bei der „häuslichen Disziplin“, der Schuldisziplin und gegenüber Bediensteten zum Alltag gehörte.

Zudem wäre daran zu erinnern, dass die Gentlemen jener Zeit nicht nur Gefallen an sadistischen Szenen fanden, sondern sich auch gerne in die Flagellationsbordelle (beispielsweise in London) begaben. Dort wurden sie unter ähnlichen Bedingungen, aber gegen Bezahlung, mit Ruten und Peitschen traktiert, in der Regel, bis Blut floss. Besonders bekannt war das Flagellationsbordell von Mistress Theresa Berkley, die sich damit ein Vermögen erarbeitete. Möglicherweise hat man die Erfahrungen dieser Gentlemen einfach als Vorlage für die Körperstrafen an Huren genommen.

Die Realität der Hurenstrafen – eher ernüchternd

Die Rute war also allgegenwärtig. Doch war es wirklich so in den Zucht- und Arbeitshäusern?
Nein. Zunächst einmal war nur die öffentliche, unsittliche Zurschaustellung verboten, nicht die Prostitution als solche. Wenn Huren dieser Art auf der Straße aufgegriffen wurden, wurden sie in der Regel nach einer Ermahnung am nächsten Tag wieder entlassen. Nur wenige kamen nach Bridewell, eine Art Zuchthaus und Arbeitshaus. Dort verbrachten sie zwischen zwei Wochen und einem Monat. Die Frauen, die Körperstrafen empfingen (ungefähr die Hälfte) wurden sogar früher entlassen. Das Wachpersonal war zudem in hohem Grad bestechlich – teils durch Geld, teils durch „Nettigkeiten“, sodass allerlei Varianten der „Partys“ möglich erscheinen. Üblicherweise wurde aber Sex gegen Alkohol undn Tabak getauscht.


(1) Das Schlagen auf den nackten Rücken galt – trotz aller „Urschicklichkeit“ als sittlicher als das Schlagen auf das Gesäß.
(2) „Flogging Parties“ in Zuchthäusern sind nicht verbürgt – angesichts der Korruption ist aber nicht auszuschließen, dass sie gelegentlich in privaterem Kreis veranstaltet wurden.
(3) Es ist nicht hinreichend belegt, ob diese „Stocks“ tatsächlich so verwendet wurden, oder ob der Körper einfach durch eine der Wärterinnen niedergedrückt wurde.
(4) Verbürgt. „Richtige“ Unterwäsche kam erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf.
(5) Ob Essig verwendet wurde, ist nicht sicher. Üblicherweise wurden die Ruten dabei in einer Salzlake aufbewahrt.
(6) Es ist, wie bereits erwähnt, nicht sicher, ob dies zutrifft – bei „privaten“ Veranstaltungen, die durch Bestechung möglich waren, könnte all dies jedoch der Fall gewesen sein. Zuschauer gab es bei entsprechenden Ereignissen immer genügend, wie andere Dokumente beweisen, bei denen die Auspeitschungen in der Öffentlichkeit stattfanden.
(7) Nach offiziellen Berichten aus heutiger Zeit bewirkten die Ruten-Peitschungen gar nichts. Sie wurden auch nicht bei allen Huren angewendet.
(8) Nach Zeitungsberichten jener Zeit.
(9) „Nell in Bridewell“.


Bilder:

Oben: Zeitgenössisch, möglicherweise Internatserziehung vor Mitschülerinnen. Mitte rechts: Jean-Baptiste Le Prince, 18. Jahrhundert, Das Bild stellt angeblich die Bestrafung der Maitresse Anna Lopukhina dar. Mitte unten: Helga Bode (Auszug, teils koloriert)

Thema: Das erotische Dienstmädchen

Das Dienstmädchen ist – aus heutiger Sicht – ein Relikt der bürgerlichen Blütezeit. Damals gingen viele unverheiratete junge Frauen vom Lande in die Stadt, um dort „in Stellung“ zu gehen. Wer ernsthaft über die Dienstmägde jener Zeit schreiben will, tut gut daran, einige historische Quellen nachzulesen. Doch worin lag die Erotik, die den Dienstmädchen zugesprochen wurde? Das lässt sich in zehn Punkten zusammenfassen:

Zehn Punkte, warum Dienstmädchen erotisch interessant waren

1. Nahezu alle Mädchen kamen vom Lande, waren naiv und nicht vertraut mit den städtischen Gegebenheiten.
2. So gut, wie alle Dienstmädchen waren im medizinischen und psychischen Sinne Jungfrauen.
3. Dienstmädchen trugen Uniformen – diese haben insbesondere bei britischen Gentlemen eine unglaubliche erotische Wirkung.
4. In die Dienstverträge konnte theoretisch jede Pflicht hineingeschrieben werden – aber Rechte hatten die Dienstmägde so gut wie gar keine.
5. Die Drohung mit Entlassung oder schlechten Zeugnissen machte viele der Frauen zu willfährigen, von Angst getriebenen Objekten für sexuelle Handlungen des Dienstherrn oder anderer männlicher Personen im „großen Haus“.
6. Die Züchtigung gehörte zum „guten Recht“ der Herrschaft, konnte aber auch von höher gestellten Bediensteten ausgeführt werden. Einen konkreten Anlass benötigte man nicht, und auch das Strafmaß blieb der Herrschaft überlassen.
7. Es ist nicht verbürgt, aber sehr wahrscheinlich, dass die Dienstmägde auch genötigt wurden, gelegentlich Gästen „zu Diensten“ zu sein.
8. Nicht nur der Hausherr, auch die Dame des Hauses nutzten gelegentlich die Dienstmägde zu erotischen Dienstleistungen.
9. Die Gefahr, bei Entlassungen in die Prostitution abzugleiten, war außerordentlich groß. Sie hinderte die Dienstmägde auch daran, einfach „wegzulaufen“.
10. Niemand von ihnen hatte das Geld, um „schmutzige Bücher“ zu erwerben - in der Bibliothek der Herrschaft und in Leihbibliotheken waren – in der Bibliothek der Herrschaft und in Leihbibliotheken waren sie jedoch zu finden.

Die erotische Dienstmagd – Lustbringerin und "Prügelfleisch"

In der erotischen Literatur der Vergangenheit sind Dienstmägde so gut wie immer verführbare, meist zunächst störrische, später aber durchaus willfährige Objekte männlicher und weiblicher Lüste. Besonders ausgeprägt kommt dies in dem „klassischen“ erotischen Episodenroman „Die Wonnen der Rute“ zur Geltung, in der eine Gruppe von vornehmen Damen ihre Dienstmägde in schamverletzender Weise vorführt, um ihnen dann gehörig die Rute zu geben. Wenn ich hier „schamverletzend“ schreibe, so solltest du die Epoche beachten, in der Damen öffentlich noch Handschuhe trugen, um die Hände nicht nackt erscheinen zu lassen.

Vorschlag: Historisierend schreiben, ein wenig über die Epoche wissen

Es ist nicht nötig, jedes Detail der Bürgerlichen (hier hauptsächlich der englischen, viktorianischen) Epoche zu kennen. Stell dir einfach vor, da wäre eine brodelnde, schlecht organisierte Großstadt mit einer typischen „Klassengesellschaft“. Jeder macht hinten verschlossenen Türen seine eigenen Verträge und handelt nach Gutdünken. Das Dienstpersonal ist in jeder Hinsicht abhängig von der Herrschaft. Die vor dem gesamten Gesinde vollzogene „offizielle“ Züchtigung ist ebenso populär und legal wie die „private“ Züchtigung auf den nackten Leib. „Ausgang“ ist im brodelnden Moloch der Stadt höchst gefährlich – Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung. Also bleibt man unter sich – trifft sich bestenfalls mit Dienstmägden der unmittelbaren Umgebung. Falls du darüber schreibst, baust du am besten eine naive Heldin auf, die nach und nach durch Schläue einerseits und Nachgiebigkeit andererseits das Vertrauen der Herrschaft gewinnt – und die dadurch gewonnen Macht auch ausspielen kann. Besonders interessant sind dabei Dreiecksverhältnisse: Sowohl die Hausherrin wie auch der Hausherr verlangen und erhalten erotische Dienste. Solange keine unvorhergesehenen Ereignisse „dazwischenkommen“ wächst die Macht der Dienstmagd mit jedem Tag.

Übrigens sind auch Dienerinnen oder Zofen der Damen ein ähnlich interessantes Thema.

Moderne Dienstmädchen und andere Bedienstete

In der heutigen Zeit und der heutigen Welt ist eine entsprechende Konstellation nicht nur schwer vorstellbar, sondern sie ist auch ein krimineller Akt. Dennoch sind die erotischen Komponenten (Uniform, Abhängigkeit, Schamverletzung und sinnliche Schläge) nicht einfach fortgelaufen – sie halten sich nur in den Büschen der Fantasie versteckt. So sind Zofen, Küchenhilfen, Dienerinnen und Sklavinnen immer noch Gegenstand männlicher Fantasien. Parallel dazu haben sich weibliche Fantasien ähnlicher Art entwickelt, sowohl aktiv wie auch passiv. In der Regel – und hier liegt nun die Chance moderner Autorinnen – werden diese in Rollenspielen verwirklicht, die recht umfassend sein können. Sobald weibliche Erotik betroffen ist, wird das „Zofenthema“ immer populärer: Die erfolgreichere und mächtigere Frau hält sich ein armes, aber williges „Kätzchen“, mit dem sie nach Gutsherrinnenart verfährt.

Wer erzählt?

Das Thema ist literarisch anspruchsvoll, weil du die Gegebenheiten der Zeit oder der verwendeten Rollenspiele gut kennen solltest. In der Regel erzählt das Dienstmädchen selbst, es gibt aber durchaus auch Varianten, in denen eine dritte Person das Geschehen beobachtet.

Relevanz

Obgleich die Relevanz des Themas nicht unmittelbar messbar ist, liegt sie doch im Bereich zwischen „gut“ und „befriedigend“. Als Vergleich dienten dabei Aussagen wie „ich träume davon, dominiert/geschlagen zu werden.“

Deine Schreiberfahrung

Du solltest dieses Thema nur dann aufgreifen, wenn du sensibel genug bist, die vielen Nuancen der Beziehung zwischen „Herrschaft und Dienerschaft“ und ihre erotischen Komponenten zu erkennen und zu beschreiben. Die erotische Fantasie spielt dabei eine erhebliche größere Rolle als die oft schnöde Realität.