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Die Person in deiner Geschichte - kritisch betrachtet

Und am Ende füge man die Figur hinzu ...
Was wichtig ist? Das Thema? Na gut. Das Plot? Na ja. Die „Dramatik“? Großes Wort, aber was denn nun? Ach, der Hauptkonflikt etwa? Die Person? Wie, es gibt da auch noch eine Person? Ja, es gibt sie – die Hauptfigur, vorzugsweise die Person, die erzählt. Es ist die Figur, um die sich alles dreht – jedenfalls zumeist.

Alles durchplanen, dann Figuren erfinden?

Ich habe jüngst gelesen, dass sich Schriftsteller erst um „alles andere“ kümmern sollten, bevor sie ihre Figur entwickeln. Na schön, jeder darf eine Meinung haben. Ich muss dabei unwillkürlich lächeln – und glaube kein Wort davon. Du kannst keine Handlung entwickeln, wenn du deine Person nicht ganz genau im Auge hast – schließlich soll sie ja die Geschichte erzählen, durchleben und gegebenenfalls durchleiden.

Ach, das soll sie gar nicht?

Marionette oder Protagonistin?

An dieser Stelle entgleitet mir die Welt professioneller Schreibschulen. Wenn die Person erst ziemlich weit hinten steht, wie glaubwürdig ist sie dann noch? Und warum denke ich da zum Beispiel an Anastasia Rose Steele, die von ihrer Schöpferin wie eine Marionette im Roman spazieren geführt wird? Nein, ich habe den Erfolg dieser Bücher nicht vergessen. Und dennoch darf ich sie für mies halten – das gestatte ich mir einfach.

Also gut, das war die Kritik. Doch immerhin – auch Schreiblehrer(innen) und Schreibschulen brauchen Figuren. Man nennt die Hauptfigur auch den Protagonisten, also denjenigen, der „zuerst handelt“. Die Klassiker benötigen noch einen Antagonisten, also einen Gegenspieler. „Protagonistin“ ist ein großes Wort für eine kleine Figur, die noch nicht mit Leben befüllt wurde..

Die mit Eigenschaften ausstaffierte Figur

Zu meiner Freude erfuhr ich auf einigen schriftstelleraffinen Seiten: Ja, irgendwie ist der der Protagonist ja nun doch wichtig, der Held, die Heldin, die Figur … denn sie verändert sich im Laufe der Geschichte am meisten. Hübsch, dass man ihr wenigstens zutraut, „sich“ zu verändern. Im Übrigen, auch das las ich, sei es nun ganz wichtig, diese Person „auszustatten“. Vorzugsweise mit etwas Ungewöhnlichem, und ich frage mich: ja, mit was denn sonst? Wird sich jemand für einen Buchhalter interessieren, der Tag für Tag in sein Kontor geht, sich jeden Tag von seiner Ehefrau ein Fleischgericht kochen lässt und sie am Samstag Abend in Missionarsstellung vögelt?

Na gut, ich entschuldige mich für das Vögeln. Für den Rest, so denke ich, muss ich mich nicht entschuldigen. Wer alles andere an den Anfang stellt, bevor er die Person überhaupt erwähnt, muss sich gefallen lassen, das man so lapidare Sätze wie „statte deine Person mit etwas Interessantem aus“, mit Spott überzieht.

(Oh, ich weiß, dass ich in diesem Punkt angreifbar bin, danke für die Brennnesseln und Rosen).

Die Person in den Mittelpunkt stellen

Gut, gut … also, für mich gehört die Person in den Mittelpunkt. Ob sie ein echtes Schicksal durchlebt oder ob du sie als verlängerte Spielwiese deines erotischen Dranges benutzt, ist ziemlich gleichgültig. Deine Leserin muss ihr später unter die Haut kriechen können und mit ihr weinen, mit ihr lüsten und mit ihr leiden.

Die Person, von der du nicht weißt, wozu sie fähig ist

Wenn du zu schreiben anfängst, dann beschäftige dich mit einer Person an, die du kennst, von der du aber noch nicht alles weißt. Die geeignetste Person bist du wahrscheinlich selbst. (1) Wenn du das nicht so siehst, dann suche dir eine Person, die dich schon immer fasziniert hat: eine, die wesentlich selbstbewusster ist als du. Oder wesentlich unterwürfiger. Es ist sehr günstig, das Milieu zu kennen, in dem sie lebt oder nach dem sie sich sehnt. Erstaunlicherweise ist das Alter nicht ganz so wichtig, und manchmal nicht einmal das Geschlecht. Ich denke, die meisten Menschen erkennen, wenn eine soziale Umgebung, eine erotische Praxis oder ein Ort falsch beschrieben wird. Sie erkennen hingegen kaum, ob ein inneres Gefühl exakt dargestellt wird. Wieder mal sind die „Shades of Grey“ ein „gutes“ Beispiel für das Schlechte: Ach, Miss Steel durfte die Peitsche zwischen den Beinen spüren? Da sagt sie „Aua“. Ja was sagt eine naive Leserin denn sonst …?

Die Person - anders definiert

Na ja, also wir waren bei der Person, nicht wahr?

Das Wichtigste ist, dass deine Person, dein Protagonist, dein Held oder deine Figur zum Leben erwacht. Auch, wenn es schon andere tausendfach geschrieben haben, sage ich es noch einmal:

Deine Figur ist keine Bauchrednerpuppe, die du an der Hand führst. Sie ist eine Person, und sie will hinaus auf die Bühne ihrer bescheidenen kleinen Existenz, die du ihr gibst.

Nimm einmal an, du würdest die Geschichte einer Schriftstellerin schreiben, die gerade ihr erstes erotisches Werk beginnt, und die eine Figur entwickelt, die so viel freier und sinnlicher ist als sie selbst. Das Schreiben über diese Figur würde das Leben ihrer Autorin verändern, sodass sie selbst freier und sinnlicher würde, und dies wiederum würde die Figur zu noch sinnlicheren Höhepunkten führen.

Hast du das ganze Szenario noch vor Augen? Dann ahnst du vielleicht, warum Figuren in sinnlichen Geschichten nicht einfach Marionetten sind, und warum du sie nicht nach festgelegten Handlungsabläufen agieren lassen solltest.

(1) Die Person, die du beschreibst, und die Person, die du bist gehen eine Beziehung ein. Und wenn du aufgefordert wirst, ein „psychologisches Profil“ deiner Person zu beschreiben, dann überlege dir mal, ob du es überhaupt schaffst, ein „psychologisches Profil“ von dir selbst zu entwerfen.
Zeichnung: Historisch, ca. 1818

Erotische Literatur: Den Reaktionen des Körpers folgen

Der Leser hat kein Bild wie dieses - du musst beschreiben, wie die Haut unter der Berührung erschauert
Im Lehrbuch für angehende Schriftsteller würde wahrscheinlich stehen:

Du kannst zustandsorientiert, eigenschaftsorientiert, ergebnisorientiert, personenorientiert, dialogorientiert oder handlungsorientiert schreiben.


Was uns das sagt? Zunächst einmal zeugt es davon, dass sich jemand große Mühe gemacht, alle Möglichkeiten aufzuzählen, ohne uns etwas Genaues darüber mitzuteilen. Manche Schreib-Lehrer ziehen zwei Möglichkeiten heraus: handlungsorientiert und personenorientiert. Einige von ihnen behaupten, dass alle guten handlungsorientierten Geschichten zwangsläufig auch personenorientiert sein müssten, weil es ja die Personen sind, die für die Handlungen verantwortlich sind. Und sie sagen auf der anderen Seite: Die personenorientierte Geschichte benötige letztlich eine spanende Handlung, und dies bedeute, dass sie ebenfalls handlungsorientiert seien.

Das Bekannteste wird herausgegriffen, um es zu lehren

Dahinter steht eine sehr simple Tatsache: Von Kindesbeinen an hat man uns gelehrt, wir sollten handlungsorientiert Schreiben – und wir sind dabei geblieben. Also ist es auch für Schreib-Trainer am einfachsten, zu sagen: Schreibt doch bitte handlungsorientiert, also schreibt darüber, was Personen „machen“.

Dialoge, Gefühle, Körperreaktionen

Besser wäre, wir würden Dialog- Gefühls- oder Körperorientiert schreiben lernen. Wenn wir die Erotik-Geshichten von Afroamerikanern lesen, finden wir viel mehr Dialoge, Wünsche und Gefühle, die in Sprache umgesetzt werden konnten. Gefühle lassen sich wesentlich tiefer, detaillierte und auch kompromissloser beschreiben. Und der Körper? Bereits der bekleidete Körper spricht zu uns und zu anderen. Männer versuchen sich so hinzusetzen, dass man ihre Erektion nicht sieht (oder sie möglichst deutlich sieht, je nach Situation), Frauen versuchen, die Beine geschlossen zu halten und streben oft zugleich danach, sie aufzuspreizen. Dabei müsste man gar nicht bei den Genitalien anfangen: Die Gesichtszüge, Augen, Mund und Brustspitzen sprechen Bände.

Der nackte Körper ist ein offenes Buch – bei Männern ohnehin, weil ihre Wollust stets hervorsticht. Bei Frauen muss der Mann etwas genauer „hinlesen“, und vielleicht muss sie ihm etwas mehr „Einblick“ gewähren, um ihm den Grad der Erregung zu signalisieren.


Wenn es nur darum geht, die Reaktion des Partners in seiner Nacktheit zu ergründen, ist vielleicht dieses Zitat hilfreich:

Unter deiner Kleidung liegt eine verborgene, endlose Geschichte. Dort befinden sich deine Geheimnisse, und ich werde sie erforschen.

Den Körper erforschen und seine Reaktionen beschreiben

Ob du die Reaktionen „seines“ oder „ihres“ Körper lustvoll erforscht, spielt kaum eine Rolle. Es ist ein Spiel mit der Frage „Was passiert, wenn?“ Wann lacht, wann lechzt, wann leidet die Person? Wann zittert sie vor Lust, wann schreit sie auf vor Schmerz?

Natürlich müsstest du „im richtigen Leben“ dazu eine Vereinbarung treffen, was du versuchen darfst und was nicht. Deine Figuren können dennoch immer etwas Gewagteres tun als die Menschen in der Realität. Deine Leserinnen und Leser dürfen aber nicht dadurch befremdet werden, sonder das, was die Figuren tun, muss sie erregen.

Manche Frauen und Männer wollen nur ihr Wohlbefinden steigern, wenn sie nackt „behandelt“ werden, andere wollen durch Berührungen zu Orgasmen und Ejakulationen kommen, und wieder andere wollen lachen, schreien oder weinen.

In jedem Fall aber ist es eine Möglichkeit, die Lustmöglichkeiten und Lustgrenzen plastisch zu beschreiben.

Und DU? Schreibst du schon darüber? Dann sag es uns. Und - wir bedauern, keine Beispiele der "intimen Art" veröffentlichen zu können.

Erotische Geschichten einmal „ganz anders“?

Das ungewöhnlich gewöhnliche Ungewohnte, leicht genommen
Nehmen wir mal an, du hättest allerlei erotische Storys im Internet gelesen und auch einige Bücher aus den erotischen Schmollwinkeln der Buchhandlungen hervorgezogen. Nicht zu vergessen, das kleine bisschen an optischem „Anschauungsmaterial“, das dir nötig erschien, um zu wissen, was wer wie in Hand, Mund, Vagina und Anus versinken lässt oder aufnimmt. Weiterhin nehmen wir mal an, du hättest ein Buch über „das Schreiben“ gelesen oder gar eines über „erotisches Schreiben“. Vielleicht hast du gar eine Schreibschule besucht und weißt, was ein „Plot“ ist oder wie man „kreativ schreibt.“

Keine Geschichte wie tausend andere zuvor?

Jetzt kannst du deine Geschichte schreiben. Und nun glaube ich beinahe zu wissen, dass es nicht „deine“ ist. Sondern du fügst den vielen bestehenden Storys ein weitere hinzu, die so ähnlich ist wie alle anderen zuvor.

Geht es dir so? Suchst du nach neuen, ungewöhnlichen Modellen für deine Geschichte?

Es gibt einige Schriften, die völlig von dem abweichen, was du im Internet lesen kannst, und die dennoch voller Sinnlichkeit, Erotik und absonderlichen sexuellen Ereignissen stecken.

Mische Musik mit Erotik

Trotz des lange Kleides galt dieses Bild als erotisch
Ich beginne mal mit E.T.A. Hoffmanns „Schwester Monika“. Das Werk ist nicht durchgehend gelungen, und es wirkt bisweilen befremdlich, aber es enthält einen Kunstgriff, der nicht oft verwendet wird: die Kombination von Musik und heftiger Erotik. Dabei erinnere ich mich beispielsweise an eine Cellistin, die mir von den erotischen Fantasien berichtete, die ihr Cello bei ihr und anderen auslöst – nur, weil es zwischen die Beine geklemmt wird.

Deine Figur könnte eine Schlagzeugerin (1) sein, die sich damit beschäftigt, in welcher Weise sich das menschliche Gesäß als Resonanzboden eignen könnte, wenn die Haut darüber mehr oder weniger angespannt wird. Alles kann dabei um so skurriler werden, je mehr du das Thema einerseits verwissenschaftlichst, deine Heldin andererseits dazu verleitest, „Feldversuche“ durchzuführen und sie zum Dritten in eine SM-Beziehung einspannst. Falls dir das als zu „weit hergeholt“ erschient, solltet du wissen, dass durch das Schlagen der Haut hervorgerufene Töne in verschiedenen Volksmusikarten durchaus eine Rolle spielen.

Skurril, erotisch … und erfolgreich?

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Ganz anders – und höchst zeitgemäß – geht der Autor Nicholson Baker in seinem höchst skurrilen amüsant-erotischen Roman „Das Haus der Löcher“ mit der Erotik um. Es beschreibt zugleich eine wirre Utopie der Sinnlichkeit und eine Karikatur der herrschenden Verhältnisse in der Massenpornografie. Wem das Buch zu skurril erscheint, der mag sich mit einem anderen „Kaninchenloch“ trösten, in den die Heldin fällt … und fällt … und fällt … bis sie sich selber nicht mehr wiedererkennt in einer absonderlichen Umgebung von Sinnlichkeit und Sinnlosigkeit.

Der dazugehörige Plot heißt „Reise und Rückkehr“, nur mit dem Unterschied, dass alles, was deine Figur auf der „Reise“ erlebt, zunächst völlig absurd erscheint. Statt begehrt zu sein, wird sie gemieden, das Aktive wird ins Passive verkehrt, das Absurde zur Normalität erklärt und die Normalität erscheint absurd. Allerdings kann auch dies ausgesprochen nützlich sein, um die Überzeugungen, Werte und Lüste hernach wieder zu einem neuen Puzzle zusammenzusetzen.

Es gibt noch viel mehr Themen, Ideen, Plots und Absurditäten. Die meisten ruhen noch in den Hirnen, und einige von euch glauben sicher auch jetzt noch nicht, dass sie mit einer absurden Idee Erfolg haben könnten.

Also frage ich mal: Wer will es versuchen?

(1) Ich empfehle eine Schlagzeugerin - also eine Frau. Denn als dies einmal ein Drummer "in der Realität" versucht hatte, wurde er übel beschimpft. (Sexist usw.)
Titelbild: Nach einer Buchillustration, die leider etwas retuschiert werden musste. Nach dem Stil könnte es in die 1920er Jahre fallen.

Erotische Themen? Suchet, und ihr werdet finden …

Jedes Buch über das Schreiben, jede Schreibschule und jeder Blogger, der Metakommunikation über „das Schreiben“ zelebriert, hat Vorschläge zu Themen. Natürlich auch zu erotischen Themen. Elizabeth Benedict (1) ordnet sie in Kategorien und und würzt sie mit Zitaten, andere werfen uns Begriffe hin wie „MILF“ oder „S/M“ , damit wir diese Knochen abnagen können. Und Ines Witka (2) hat gar 50 Vorschläge, wie man sich an Themen heranrobben kann.

Deine Haltung dein Alter, dein Leben, deine Fantasie …

Doch Themenkataloge haben ihre Tücken – was du da schreibst, muss schon deinem Alter, deine eigene Haltung zur Sexualität und deinem Einfühlungsvermögen entsprechen. Und zudem – im Grunde schreibt jeder am liebsten über das, was ihn am meisten fasziniert.

Junge Autorinnen, alte Autorinnen – und die Mitte

Das fortgeschrittene Alter hat einen großen Vorteil: Es bringt Fetzen von Erinnerungen zurück, die sich nahezu beliebig zu erotischen Romanzen oder eindringlichen Sexszenen ausbauen lassen – auch, wenn’s gar nicht so war. Die Jugend hingegen projiziert die gegenwärtige Begierde in die Zukunft und versucht, Beispiele aus dem eigenen Erleben mit dem zu kombinieren, was ein erfahrener, erwachsener Mensch fühlt. Wer „mitten im Leben“ steht, muss sich keinesfalls mit der „schnöden Realität“ begnügen. Wenn du in diesem Alter bist, solltest du ins Reich der sexuellen Abenteuer eindringen, die deine Heldinnen und Helden erleben werden, auch wenn du sie nicht selbst genießen oder erleiden kannst.

Themen nach erotischer Popularität?

Die Themen, die ich vor einigen Jahren für euch ausgesucht habe, orientierten sich an den erotischen Sehnsüchten der Menschen, und ich will dies gerne wieder versuchen. Ich orientiere mich dabei diesmal an einer wissenschaftlichen Untersuchung. Dort sollte festgestellt werden, was Menschen als „normale“ sexuelle Erregung in ihren Fantasien erlebten. Wenn man nun nur die „Abweichungen“ von dem nimmt, was Frau und Herr Mustermann üblicherweise im Bett tun, kommt man auf eine erhebliche Anzahl von Lüsten und Sünden. Und ich darf euch verraten: Sie sind fast alle äußerst spektakulär und kitzeln die erotische Fantasie von Frau und Mann. Eine weitere Quelle für ungewöhnliche, äußert erregende erotische Fantasien mit realem Hintergrund sind Schilderungen von Dominatricen, Escort-Girls und anderen Rotlichtbewohnerinnen.

Erotik aus Nicht-Erotik generieren

Wer die Fähigkeit besitzt, diagonal zu denken, kann Themen auch aus ganz anderen Bereichen schöpfen: aus Redensarten, Liedertexten, Polizeimeldungen einerseits aus aus Lebensbeichten oder gar Blogs andererseits.

Erotik aus Satzfetzen heraus schreiben

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Ich las gerade ein wundervolles Tagebuch eines 90-jährigen Mannes, der sich an seine vergangenen Liebesgeschichten so lebhaft erinnert wie er seine gegenwärtigen Amouren lebensnah beschreibt. (3)

Damals war ein Blickwechsel mit einem Mädchen schon eine Liebesgeschichte“, schreibt er über ein Ereignis im Jahr 1925 – und ich hoffe doch, dass sich wenigstens die Schreiber unter 65 an ein solches Erlebnis erinnern. Und mit 90? In seinem Tagebuch schreibt er aber auch über eine Dame, die er aktuell besuchen wird: „Müsste ich sie nur sehen, so ginge es ja. Aber ich werde mit ihr schlafen müssen.“

Es gibt viele Stellen in diesem Tagebuch-Roman, der nie einer werden sollte, die mich anrühren, und sie werden dich, gleich, welchen Alters du bist, auch faszinieren. Und nun komme ich zu dem Grund, warum ich das Buch überhaupt erwähne: weil alles Momentaufnahmen sind und sich daher leicht weitererzählen lassen.

Themen gibt es wirklich genug –sammle sie zuerst, wenn du magst

Auf diese Weise kannst du Themen über Themen sammeln, und je mehr sie dich faszinieren, umso mehr kannst du sie zu wahnsinnig lustvollen Geschichten ausbauen.

Abschreiben ist feige und doof

An dieser Stelle komme ich unweigerlich zu einem Thema, das nicht so hübsch ist: Das ständige Abschreiben von Fragmenten, die dann ein wenig umgeschrieben werden, um den Ursprung zu verschleiern. Was dann noch fehlt, ist nur noch ein wenig geistiger Alleskleber, um die Szenen etwas verändert aneinanderzureihen. Also: Ich finde es feige und doof, denn gerade in der Erotik ergeben sich ständig neue Facetten – es lohnt sich nicht, das Sauerkraut immer wieder aufzuwärmen.

Themen finden ist also kein Problem - die Umsetzung schon

Nachdem ich dies alles geschrieben habe. Fühle ich mich verpflichtet, noch etwas zu sagen: Ein erotisches Thema zu finden ist eine Sache – und diese Geschichte nun wirklich mit erotischen Inhalten zu füllen, eine andere.

Wahrscheinlich wollt ihr wissen, wie so etwas verwirklicht werden kann. Ich verspreche: Es wird hier stehen. Schon bald.

(1)Elizabeth Bendict: Erotik schreiben", deutsch Berlin 2002.
(2) Ines Witka: "Dirty Writing", Tübingen 2015.
(3) Die erotischen Abenteuer des Monsieur Mathiot, Original 2008, Paris, deutsch 2010 München.

Erotisch schreiben: bringen Schreibtechniken Sie wirklich voran?

Sie wissen wahrscheinlich, dass viele Frauen erotische Novellen beginnen, aber die meisten nach ein paar Seiten aufgeben. Die Schreibschulen haben dann diese tollen Vorschläge, was Autorinnen alles ändern könnten: bessere Plots entwickeln, Gerüste bauen, rote Fäden einweben und als Krönung „Clustering“. Letzteres wird angeboten wie Sauerbier, aber es bedeutet kaum mehr, als ein paar Gedanken zu verketten. So etwas als „kreatives Schreiben“ zu vermarkten, erfordert eine Menge Chuzpe.

Mag sein, dass es manchmal funktioniert. Sicher ist aber auch, dass damit lediglich eine Ideenkrücke geschaffen wird, an der man sich festhalten kann, wenn’s beim Gehen mal hapert.

Clustering als Gehirnschmiere?

Behauptet wird ja, dass Clustering dafür sorge, dass sich Emotionalität (die Gefühlswelt) und Rationalität (Vernunft, Logik) jederzeit verbinden könne. Ich sag mal: Das ist eine nette Idee, aber mehr nicht. Denn die meisten Autorinnen und Autoren, berühmte Dichter durchaus eingeschlossen, versagen bei der Darstellung der sinnlichen Gefühle.

Schreiben ist Arbeit - und auch an Gefühlen muss gearbeitet werden

Schreiben ist Arbeit. Und gefühlvoll zu schreiben, ist entweder problematisch, weil wir Klischees verwenden, oder kritisch, weil wir bestimmte Gefühle nicht zulassen wollen. An einem einzigen Gefühlsmoment, sei es ein Kuss, eine Penetration oder eine Ohrfeige, kann man als Autorin oder Autor stundenlang arbeiten, um das Wesentliche hervorzuheben.

Na klar – man könnte dies auch anders schreiben: Trivial, versachlicht, verkitscht. Das passiert, wenn man für wenig Geld viel schreiben muss. Aber ich sage Ihnen wahrscheinlich auch nichts Neues, wenn ich behaupte: Die meisten erotischen „Erfolgsautorinnen“ schreiben schon dann oberflächlich und ideenlos, wenn sie die Verbindung von Klitoris und Psyche schildern sollen, die man allgemein „Lust“ nennt. Vom Schmerz ganz zu schweigen. Da lässt man die Protagonistin schon mal „Au“ schreien oder „einen tiefen Schmerz fühlen“ und das war’s dann.

Aus der Situation heraus fühlen, denken und handeln

Wenn’s nicht läuft – legen Sie ihr Manuskript einfach mal weg. Erfinden Sie die Situation noch einmal – und lassen sie die Zügel der Gedanken und Empfindungen frei. Beispielsweise solche, die ihre Protagonistin entwickelt, wenn sie in einem billigen Stundenhotel mit verbundenen Augen auf ihren neuen Liebhaber wartet und mit jeder Minute unsicherer und furchtsamer wird, wer da wohl den Raum betreten wird. Denken Sie dabei zum Beispiel auch an die Geräusche, die durch die Wände dringen.

Wenn Sie das nicht schaffen, dann bringt Ihnen auch Trick 17 mit Stern nichts mehr. Schreiben können Sie trotzdem – denn wie ich schon oft sagte: Mal wird jeder Mist veröffentlicht, weil Leserinnen gerade danach gieren, und dann wieder verschwinden erstklassige Manuskripte, weil sie nicht marktfähig sind.

Warum logisch, warum konsequent?

Sagte irgendjemand, dass ihre Geschichte logisch und konsequent sein muss? Warum sollte Sie? Sind Gefühle logisch oder konsequent? Nein, niemals. Wer von Lust getrieben wird, fühlt, denkt und handelt ganz selbstverständlich irrational. Und das darf Ihre Figur natürlich auch.

Mein Rat: Vertrauen Sie der Begierde ihrer Figur. Sie will Lust – und diese Lust saugt Sie aus ihnen heraus. Der einzige Unterschied zwischen Ihnen und Ihrer Figur: Die Protagonistin darf alles, was Sie sich niemals zutrauen würden.