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Manifest

Die Scheu und die Scham vor sich selbst

Scham kann erotisch sein - aber nicht Vermeidung
Die Scheu und die Scham vor sich selbst – warum Menschen so gerne, so schlecht und so unerotisch schreiben.

Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Nehmen wir an, er wäre es, wollten Sie dann etwas über ihn lesen? Über jemanden, der immer brav tat, was Mami, Großmutter und Tante sagten? Jemand, der verinnerlichte, was Moses und Jesus via Pfaffenwort verkündeten? Jemanden, der schon während seiner Lehre oder seines Studiums den Drang zum Höheren verspürte und dann aufstieg wie eine Trägerrakete?

Gut – sie wollen vielleicht das „positive Absolute“ verkünden, der Welt zeigen, dass es durch Autoren wie Sie die Gerechtigkeit und die Moral gestärkt werden. Vielleicht möchten Sie gar, dass wir, die Irdischen, danach streben, mit Herz, Hand und Hoden die Menschheit zu retten.

Sie wollen das Edle? Werden Sie Sonntagsprediger, aber kein Autor

Ach du Scheiße – das wollen Sie wirklich? Dann werden Sie Missionar oder Sonntagsprediger oder so etwas. Aber um des sündigen Himmels willen kein Autor.

Literatur – auch die mieseste, kitschigste und am schlechtesten geschriebene - lebt davon, die Schwächen des menschlichen Seins aufzuzeigen. Das kann aber nur derjenige, der seine eigene flatterhafte Seele kennt, seine wechselnden Emotionen, seine Schweinehunde und Drecksäue. Sobald er einen Zaun darum baut, gegen eben diese Gefühle auch nicht in seine Figuren ein. Die Guten und edlen übrigens auch nicht, weil sich diese ja erst gegen Schweinehund und Drecksau durchsetzen müssen.

Die Tiefen des Selbst beinhalten Säue und Schweinehunde

Wer auch nur einmal in die Tiefen des eigenen „Selbst“ abtaucht und sich dabei einfach treiben ließ, wird wissen, wovon ich spreche. Aber bitte – das tun ganz normale Sterbliche höchstens, wenn sie gewaltig der der Schuh drückt oder sie als übermütiger Esel unbedingt einmal aufs Eis wollten. Man sagt auch „Selbsterfahrung“ dazu. Doch der Autor, der seine Figuren zum Leben erwecken will, steckt immer wieder „in ihnen“, jedenfalls dann, wenn diese mehr sein sollen als nur Marionetten, die er an der Hand führt.

Wer also scheu und schamvoll ist, wer Gefühle wie Hass oder Wollust nicht zulässt, der wird sich schwer tun – und trotzdem schreiben. Und vielleicht gar Anerkennung bei der Kritik finden, weil diese ganz andere Maßstäbe ihr eigen nennt.

Erotisch oder sinnlich schreiben setzt voraus, dass Sie die Tiefen ihrer Verruchtheit in ihre Heldinnen und Helden legen können. Dann lassen Sie Ihre Puppen tanzen und schauen sie, was diese damit anrichten – im Guten wie im Bösen.

Schamvoll? Schreiben Sie niemals Erotik

Wenn Sie schamvoll sind, sich nicht erinnern mögen und ihre Psyche ein dunkles Kellerloch bleiben soll – dann schreiben Sie gerne über alles. Aber bitte nicht über die Gefühle, die Menschen an den Rand des Wahnsinns treiben, und das heißt: Schreiben Sie niemals Erotik.

Fehlt ein Nachsatz: Es geht auch ohne, und damit könnten Sie vielleicht sogar Erfolg haben. Dann schreiben Sie einfach Szenen aus der pornografischen Heftchen-Literatur nach, erfinden dazu eine neue Version der Aschenbrödel für Erwachsene und werden Millionär.

Und ein Nachsatz zum Nachsatz? Bitte: Das zuvor Gesagte gelingt höchst selten. Ich würde mich nicht darauf verlassen.

Erotisch schreiben -und der Berg der Worte, der vor ihnen liegt

Erstaunlicherweise kann das deutsche Bildungsbürgertum zwar inzwischen akribisch definieren, was eine Kurzgeschichte, eine Novelle oder ein Roman ist, aber nicht einmal, wie viele Worte dort üblicherweise verwendet werden. Ich gebe Ihnen hier eine kleine Hilfe:

Kurzgeschichten beinhalten zwischen einigen hundert bis zu 20.000 Worten, wobei weniger oft mehr ist. Wer darüber hinausgehen will oder soll, dem wird empfohlen, mehrere Episoden zu einer Novelle zusammenzufassen. Eine Novelle erweitert die Möglichkeiten der Kurzgeschichte und lässt Ihnen Spielraum, die Episoden auszuweiten oder gar mehrere Episoden zusammenzufügen. Wenn Ihre Geschichte zwischen 20.001 und gegen 50.000 Worte enthält, gilt sie als Novelle. Romane erlauben mehrerer Parallelhandlungen und Entwicklungen über weite Zeiträume. Hat Ihr Werk also über 50.000 Wörter, so könnte man es als Roman bezeichnen.

Sie brauchen Zeit - zu viel Zeit?

Um etwa 1000 Wörter in einem größeren Zusammenhang sinnvoll zu schreiben und zu korrigierend, darüber noch einmal nachzudenken und sie neu zu fassen, benötigen Sie je nach Schreibkunst, Veranlagung und Recherche zwischen zwei und zehn Stunden.

Für eine Kurzgeschichte benötigen Sie also bis zu 200 Stunden, für eine Novelle bis zu 500 Stunden und für einen Roman mit 100.000 Wörtern bis zu 1000 Stunden. Das ist leider nur Theorie, denn während der Zeitbedarf für eine Kurzgeschichte durchaus zutreffen könnte, benötigen die meisten Autoren für einen literarisch hochwertigen Roman wesentlich länger. Falls Sie also literarische Ansprüche verwirklichen wollen, planen Sie bitte getrost mehr Zeit ein. Falls Sie wegen Ihres Kenntnisreichtums gelobt werden wollen, benötigen Sie eine ausführliche Recherche. Und falls das Blut ihrer Leserinnen die Hautoberfläche durchströmen soll, werden Sie beim Schreiben getrost geil. (1)

Wirtschaftlich gesehen schreiben Sie weit unter dem Mindestlohn

Um Ihnen noch einen Hinweis zu geben, ob es sich wirtschaftlich lohnt, rechnen Sie sich mal den „Mindestlohn“ eines Hilfsarbeiters aus, den Sie in dieser Zeit erwirtschaften könnten. Dann verlieren sie also zunächst einmal 4.000 Euro bei einer Novelle, falls Sie sich wirklich auf dem Niveau eines Hilfsarbeiters fühlen, haben aber noch keinen Urlaub und keine Rentenversicherung. Normalerweise sollten Sie Ihre Arbeitsstunde für selbstständige Tätigkeit mit gegen 50 Euro brutto kalkulieren, was bedeutet: Sie verlieren bei einer Novelle zunächst gegen 25.000 Euro.

Wollen Sie immer noch schreiben?

Vor kurzer Zeit wurden von einem Alternativverlag einmal die Hauptanforderungen an eine erotische Novelle formuliert.

Wir mögen Handlungen (Plots) und Figuren, die Wagnisse eingehen … Wir mögen Bücher, die Leser vom Hocker werfen, entweder, weil wir neugierig auf jede neue Seite sind oder weil sie uns erregen.


Ersetzen Sie einfach „erregen“ durch „bewegen“, und Sie haben das „Geheimrezept“ gefunden. Wenn Sie wirklich mehr wissen wollen, dann lesen Sie hier im Blognach. Dort finden Sie alles, was nötig ist, um die Feder zu spitzen.

Für Autorinnen und Autoren ist die Zeit, die sie benötigen, um Ihre Geschichten zu entwickeln und ausführen, von erheblicher Bedeutung – zumal die meisten von uns nicht vom Schreiben leben können. Daher halte ich für eine gute Idee, mit einer Novelle zu beginnen, wenn Sie eine sehr ausgeprägte erotische Geschichte relativ kompakt erzählen wollen. Wenn Sie an Werktagen zwei bis maximal vier Stunden schreiben können, sind 500 Stunden möglicherweise bereits zu viel. In diesem Fall könnten Sie sogar mit einer Kurzgeschichte beginnen, an die sie eine zweite oder dritte Episode anhängen, um so zu Ihrer ersten Novelle zu kommen.

(1) ist nicht von mir, sondern von Elisabeth Benedict. "Es ist -wirklich! - völlig in Ordnung, wenn Sie beim Schreiben erregt werden."

Erotisches Thema Numer eins: Frühling

Jetzt hinausgehen mit den Gedanken ...
Selbst wenn der März sich nicht zum vorgezogenen Wonnemonat mausern sollte, dringen die sehnsuchtsvollen Gedanken an erotische Genüsse zum Frühling schon jetzt ins Hirn der Leserinnen und Leser. Heute, zum Frühlingsanfang, gebe ich Ihnen erste Tipps, um ihre Leserinnen auf die Jahreszeit einzustimmen. Im "Wonnemonat" kommen dann die gewohnten Vorschläge zur Wollust im Mai.

Wenn Sie also jetzt sinnliche Kurzgeschichten für sehnsüchtige Frauen schreiben, dann liegen Sie immer richtig. Mögen die Außentemperaturen im März gelegentlich auch noch um den Gefrierpunkt herum liegen, so steigt die Fieberkurve der inneren Sehnsucht mit jeder Sonnenstunde. (Vergleichen Sie diese Tendenz auch bitte mit St. Valentin).

Vorschlag:

Gut geeignet ist die Sehnsucht, sich „endlich“ zu verlieben und dabei wieder erste Verabredungen zu planen, die angesichts der niedrigen Temperaturen mit dem Einkuscheln zu zweit enden. Werden Sie im Vorfrühling ruhig etwas sentimental, etwa im Sinne von Heine: „Die Liebe begann im Monat März, wo mir erkrankte Sinn und Herz.“ Bringen Sie die Liebe mit den ersten zaghaft sprießenden Blüten in Verbindung oder beschrieben Sie ihre erotischen Liebessehnsüchte im Hinblick auf den kommenden Frühling.

Sinnliche Woche: Guten Sex schreiben

Schlechten Sex (be-)schreiben können alle – die Götzen der Weltliteratur ebenso wie die Autoren in Deutschland, die Jungen ebenso wie die Alten, die Frauen ebenso wie die Männer.

Doch wie, zum Teufel, schriebt man eigentlich „guten Sex“? Wir versuchen eine Antwort – neben den vielen Dutzend sinnreicher Antworten, die wir hier bereits veröffentlicht haben.

Außerdem setzten wir die Folge „Argumente für weibliche Autoren“ noch bis zur vierten Folge fort – mehr Folgen oder noch ausführlichere Ausführungen wären vorläufig „kostenlose Perlen vor gierige, undankbare Wortvernichter“ geworfen. Oder so ähnlich. Überzeugen Sie mich, dass es nicht wahr ist? Dann sagen Sie mir, warum Sie die Perlen hier lieben.

Worte der Lust – „Sinnlich Schreiben“ zeigt Ihnen, wie Sie diese finden können – oder einfach bestellen. Denn nach wie vor schreiben wir hier erotische Stellen ihrer Manuskripte um. Das Büro ist jederzeit (außer Mitte/Ende April) erreichbar.

Apropos Worte: Es ist nie gut für Erotik-Autorinnen, von Sex „peinlich berührt“ zu sein oder „beschämt zu sein“ über die eigenen Worte. Darüber sage ich Ihnen gerne mehr – schreiben Sie mir, und Ihr Thema wird behandelt. Übrigens ist auch das Eindringen eines Penis beschreibbar. Frau muss es nur tun und nicht etwa auslassen.

Die Themenvorschläge der Woche zielen diesmal bewusst auf Autorinnen, die am „richtigen Leben“ und seinem Gegenteil, dem virtuellen Leben interessiert sind: Das Schwärmen für ein Idol ist ja durchaus „mädchenhaft“ und leicht beschreibbar. Dann wäre da noch die Liebe zu einer Puppe – das Thema hat E.T.A. Hoffmann berühmt gemacht – warum nicht auch Sie?

Fall Sie ganz neu an irgendein Thema – oder an das Schreiben selbst -gehen wollen, lesen Sie bitte die sieben Universalregeln von Miss Y. (Ina Yanga), die Ihnen nahezu jede Aufgabe erleichtern.

Haben Sie Themen, über die Sie sprechen wollen? oder über die Sie mehr wissen wollen? Themen, zu denen Sie etwas sagen wollen? Willkommen! Schreiben Sie mir einfach!

Versagen Ihnen die Worte den Dienst bei der Lust?

Versagen Ihnen die Worte den Dienst bei der Lust? Nein, ich schreibe hier nicht über Lösungen - ich wüsste aber gerne, ob Sie sich in diesem Text wiederfinden.

Wo lustvolle Feuchtigkeit herrscht, lässt sie sich auch in Worte umsetzen
Die Aufgabe des Schriftstellers besteht in erster Linie darin, Worte zu finden. Denn hätte man sie schon, die Worte, und könnte man sie hübsch sauber zu einem „Ganzen“ (was immer das ist) zusammenfügen, so bräuchte man keine Schriftsteller.

Solang es sich um Hohlworte handelt, wie sie bei Geburten, Hochzeiten und Sterbefällen benötigt werden, ist der Schriftsteller so gut gewappnet wie der Pfarrer oder der Standesbeamte. Schwieriger wird es, sobald es irgendetwas zu sagen gibt, das jenseits des hohlen Wortes bleibende Eindrücke bewirkt. Worte, die in die Haut eindringen, dort weiterwandern und im Hirn Spuren hinterlassen. Oder meinetwegen durch die Augen in die Seele wandern, oder in die Vagina – beide sind empfänglich für Worte.

Sind empfänglich für … Worte?Wahrhaftig? Ich habe schon erlebt, wie Saxofone tief in die weibliche Seele blasen oder raue Stimmen sich vibrierend um die Klitoris bemühen. Aber Worte? Wirkliche Poesie soll ja zum Träumen verleiten, sogar die Kitsch-Poesie der Schlagertexter.

Reden wir über die Worte der ganz gewöhnlichen Schreiber? Wenn’s interessant wurde zwischen den Paaren im alten Kintopp, wurde das Licht abgeschaltet. Wenn’s interessant wird im Buch, dann wird der gesamte Genuss ausgelassen: vom sanften Gleiten der Hand unter den Rocksaum über den Zungenkuss bis hin zur „finalen Entkleidung“. Niemand beschreibt uns, wie die Frau sich rekelt vor Wollust, die Beine erwartungsvoll voneinander spreizt, geschweige denn, wie ihre Schamlippen sich erwartungsvoll öffnen. Und das ist erst der Anfang der Lust, die noch nicht einmal im Ansatz erfüllt wurde. Der Mittelteil, so hören wir immer wieder, sei allerdings langweilig: Ist der Stecker mal in der Dose, fließt Strom. Bestenfalls pulsiert da noch irgendwo das Blut – meist im Penis, weniger in der Vagina. Frauen lieben in der erotischen Literatur passiv, jedenfalls, wenn sie heterosexuell sind. Und also wird die Frau „gerockt“ – muss sich also von fremden Kräften innerlich bewegen lassen. Der Orgasmus mag er auch noch so kurz sein, wäre ein Gebiet, um sich literarisch auszutoben. Stattdessen „kam er“ oder „kam sie“ oder es kamen beide miteinander, nacheinander oder ähnlich. Nicht immer im Inneren der dafür vorgesehnen Organe, aber das ist den Autorinnen meist viel zu heiß. Wenn überhaupt einer der üblichen, literarisch aber ungängigen „Spritzer“ auf Brust und Bauch landet, wird er vergessen. Was mal drauf ist, ist drauf und klebt bestenfalls fest. Sie erröten bereits jetzt? Sagen wir’s ruhig – alles, was sexuell ist, ist auch schambesetzt. Das wäre noch nicht ganz so tragisch für Autorinnen und Autoren, wenn es nicht auch noch als ehrenrührig gälte, über Sex zu schreiben.

Scham lässt sich überwinden – in jeder Phase. Die Feuchtigkeit und Wollust eines Zungenkusses ist ist so gut beschreibbar wie die Feuchtigkeit einer begierigen Vagina, die sich der Lust öffnen will. Und das ist wahrhaftig erst der Anfang. Über jeder neuen Aktivität, auch solchen nach mehrfachen Orgasmen beider Partner kann man ein Schamtuch decken oder es fortziehen. Das alles ist kaum anders, als einen Spaziergang mit nackten Füßen auf einem heißen Sand zu beschreiben, oder das Essen eines Krustentiers.

Sex ist einfach – köstlich. Ihre Leserinnen und Leser genießen die Beschreibung in jeder Hinsicht. Und wenn Sie wirklich genüsslich schreiben, wie die Lust durch den Körper wandert, dann werden Sie damit auch sinnliche Leserinnen gewinnen.