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Manifest

Vielversprechende erotische Themen (44): Kondome

Die Welt der Normalbürgerin sieht so aus: Sie weiß weder, wie Sperma schmeckt, noch will sie es auf ihrem Körper drapiert wissen. Lediglich für diejenigen, die sich nach Schwangerschaft sehnen, ist Sperma das Lebenselixier, nach dem sie lechzen, aber sehen wollen sie es nicht.

Für die meisten Menschen, die dem feucht-frivolen Vergnügen des Vögelns nachgehen, ist beim „gewöhnlichen Sex“ etwas „zwischen ihnen“, was sowohl vor Schwangerschaften wie auch vor Krankheiten schützen soll: das Kondom.

So häufig es auch in der Praxis angewendet und deshalb auch erlebt wird, so wenig ist es in die Literatur eingegangen. Die im Inneren der Vagina gefüllten „Lümmeltüten“ werden möglichst schnell versteckt, und ebenso heimlich wieder entsorgt. „Die sind eklig, wirklich eklig“, sagte mir einmal eine „solide“ Dame, die stets ein Kondom verlangte, aber niemals ein gefülltes Kondom im Bett erduldete.

Und also landet Spermaladung nach Spermaladung im Mülleimer, wird scheu entsorgt, auf, dass es nur niemand merke. Schon allein dieses Thema ist goldig, wenngleich nicht sonderlich erotisch.

Literarisch wäre es günstiger, nicht von der Hure zu schreiben, die emotionslos dutzendweise Kondome entsorgt. Eher schon von der grauen Maus, die Kondome errötend in den Gemeinschaftsmülleimer wirft und sich dabei umsieht, ob wirklich niemand zuschaut.

Wirklich interessant wäre ein frivolen Paar, das sich ein Spiel daraus macht? Ein bisschen süßsauerer Ekel-Sadismus? Ein Spiel mit der Herausforderung? „Was du liebst mich, und du mutest mir zu … aber selber willst du nicht einmal …“ Oh, das wird der Mann ganz schön nervös, nicht wahr?

Das Kondom ist relevant für dich - wirklich

Das Kondom hat – entgegen allen Einreden – inzwischen sogar Einzug in die Handtasche weiblicher katholischer Teenager gefunden. Es ist einfach „da“ und wird sogar in dem Buch „Erotisch schreiben“ von Elisabeth Benedict erwähnt. Dort allerdings noch recht „brav“ – unverheiratete Paare berichten über ihr Sexualleben, bevor sie sich zum Vöglen entschließen, und manchmal ist ein Kondom die Antwort auf das Vorleben.

Hier einer Ihrer Tipps im Original (1):

Seien sie weder politisch korrekt (2) noch künstlerisch schwach. Es reicht nicht, wenn ihre Figuren Kondome bei sich haben und sie im richtigen Moment hervorzaubern.


Inzwischen (das Buch erschien 2002) könnet man diese äußert dezente Aussage noch wesentlich erweitern.

1. Deine Figur sollte den Geschlechtsakt mit und ohne Kondomausführen und beides vergleichen können. Was denkt sich deine Figur, was ihr Partner)?
2. Wenn du selbst keine zeitnahe Erfahrungen „mit“ hast, kannst du ein Kondom über deinen Finger streifen und damit ihre Haut berühren – das ist sich nicht wie „im Original“, aber eine Hilfe.
3. Auch der Oralverkehr wird gelegentlich mit Kondom ausgeführt. Dabei werden teilweise Kondome mit Fruchtgeschmack eingesetzt – schmeckt angeblich widerlich. Wie empfindet dies deine Figur?
4. Kondome legen sich nicht automatisch an. Wer „rollt sie rüber?“ Und was, wenn der Penis nicht steif genug ist?
5. Irgendwann erblickt da Kondom wieder das Tageslicht, wird abgesteift und … muss deine Heldin es sofort angewidert in den Müll werfen?
6. Kondome, die frisch gefüllt sind, werden bisweilen für frivole Partnerspiele eingesetzt. Das mag nicht sehr appetitlich sein, kann aber dennoch ausgesprochen interessant beschrieben werden.
7. Versuche einmal, das Anlegen wie auch das Abziehen eines Kondoms bildhaft zu beschreiben. Was, wenn deine Heldin nicht nur im Vorfeld darüber spricht, ein Kondom zu verlangen, sondern hinter fragt: „Was machen wir jetzt damit?“


Relevanz:

Erfahrungen und wissenschaftliche Beweise für die Lust am Gebrauch von Kondomen liegen nicht vor. „Spermaspiele“ habe eine gewisse Relevanz, nach unserer Skalierung können sie bei „noch befriedigend“ eingestuft werden.

Schreib-Erfahrung:
Für Anfänger nur als Essays und Kurzgeschichten (mit und ohne), ansonsten eher für Fortgeschrittene und Schreib-Profis. Passt hervorragend, wenn „Spermaspiele“ Ihr Thema sind.
Form:
Kurzgeschichten, Episoden, Novellen und Romane.
Recherche, Kenntnisse:
Ausgeprägte Fantasie, möglichst eigene Erfahrungen, Ekel- und Lustgefühle ausschlachten.
Erotische Wahrnehmung:
Je nach Thema gering bis absolut herausfordernd.

(1) Benedict, Elisabeth: „The Joy of Writing Sex“, New York 2002
(2) „Politisch korrekt“ ist ein Synonym für „sozial korrekt“, das wieder ein Synonym für die Aussage ist: „ein braver Bürger sein, der niemandem wehtun will“.


Erotiktisch in der Buchhandlung

Gestern war ich in einer Buchhandlung, was an sich nichts Besonderes ist. Schließlich muss man doch immer mal sehen, was die Bücher schreibende „Konkurrenz“ an Worten ablässt. Das Besondere daran war lediglich, dass es eine sehr große Buchhandlung in einem Einkaufszentrum war, und dass die Stadt ein etwas durchgemischteres Publikum hat als gerade Altenburg.

Und da war er, der groß aufgemachte Tisch in der Nähe des Eingangs, vollgestopft mit meist enorm teuren, aber dennoch zumeist äußert oberflächlich geschriebenen Werken. Man kann sagen: Da liegt das Schneewittchen E. L James und drum herum liegen die sieben Zwerginnen. Doch warum liest jemand diese Bücher? Oder besser gleich so gefragt: Warum lesen Frauen diese Bücher?

Weil solche Bücher den Frauen zugleich die Tränen in die Augen und das Blut in die Vagina treiben. Warum sollte sonst jemand ein Buch lesen, das zwischen Liebesroman und Softporno chargiert?

Für die Trendsetterin und manche Nachahmerin hat sich’s allerdings gelohnt: Kitsch plus Sex kommt an. Schade eigentlich. Erotik wäre so ein wundervolles Thema, wenn es nicht in die die falschen Hände gefallen wäre – und wenn es nicht nach Millionen zählende Frauen gäbe, die nach Erotikkitsch gieren.
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Kann Ostern erotisch sein?

Ostern - Hase und Liebe
Wenn wir das Volk fragen, dann ist Ostern höchst sinnlich: hoppelnde Hasen, lustige Küken, das Hühnerei auf dem Frühstückstisch und noch viel mehr. Selbst die „frommen Bäckersleut“ sind dieser Tage bemüht, uns nicht das Evangelium, sondern die „süßen Zuckersachen“ zu verkaufen. Überall glänzt die Welt: aus staunenden Kinderaugen oder den lustvoll geweiteten Augen der hoffnungsfroh nach Liebe suchenden Frauen. Die Eier hängen bunt bemalt an den Sträuchern, obgleich deren Knospen kaum aufgehen wollen. Kurz: Ja, die Zeit des Erwachens der Natur naht, wir schnuppern Frühling, und wir bekommen wieder Lust aufeinander.

Was wäre erotischer als Ostern? Es muss nicht immer der etwas dümmliche Spruch sein: „Wer Ostern mit den Eiern spielt, hat Weihnachten die Bescherung“. Nein, wir wollen gar nicht wissen, was alles aus dem Ei schlüpft, trotz dieser schlüpfrigen Fernsehsendung von Johannes B. Kerner. Das ZDF war sich nämlich am 1. April (denkwürdiges Datum, nicht wahr?) im Deutschen öffentlich-rechlichen Fernsehen nicht zu schade, zu beweisen, dass man mit viel Aufwand so gut wie gar nichts zeigen kann.

Ostern – lassen Sie es sich sagen - sollten Sie weder Eier befruchten noch bebrüten, sondern welche essen. Solche, die das Huhn legte und solche, die der Osterhase legte.

Nehmen wir einmal an, Sie wollten etwas über ein Liebespaar schreiben, und Sie würden die Handlung auf den 5. April verlegen (falls Sie lieber aufs nächste Jahr warten wollen, dann ist Ostern schon am 27. März), was hätten Sie dann Ihren Lesern zu sagen?

Ich denke, Sie würden alles aufwenden, was Sie an schriftstellerischem Talent haben, um laue Lüfte, süße Düfte, hoppelnde Hasen, sinnliche Verstecke und kleine, süße Geheimnisse präsentieren. Und das ist auch gut so. Ostern ist und bleibt ein Fest des Volkes – und eines, an dem wir und getrost der Liebe, der Lust und der Leidenschaft hingeben dürfen.

Bild: Unbekannter Künstler, Postkarte, oberer Teil. mehr auf dieser Webseite.