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Manifest

Wochenlange Sinnlichkeit – für Autorinnen

Wochenlange Sinnlichkeit – Worte des Herausgebers zu den Artikel dieser Woche für Autorinnen

Ich habe gut zwei Tage recherchiert, um euch die Hintergründe eines dreiteiligen, viktorianischen Romans zu präsentieren, der von der offiziellen Kritik nicht einmal mit der Kohlenzange angefasst wird.

Die Weiberherrschaft – aufgerollt und neu bewertet

Das Ergebnis kann sich – wie ich meine – sehen lassen. Die „Gynecocracy“ („Weiberherrschaft“) ist so oft verlegt, eingestampft, neu aufgelegt, weich gespült und zensiert worden, dass sie schon deswegen Beachtung verdient. Und sie ist – anders als mancher vermutet – durchaus auch eine Satire auf die merkwürdigen Moralvorstellungen jener Zeit, die auch heute noch durchschimmert. Die hieße dann:

These: Junge Menschen dürfen auf gar keinen Fall über alles informiert werden, was die Lüste betrifft, aber sie dürfen jedem Irrglauben darüber nachhängen.


Und weil das Werk (neben anderen merkwürdigen Attributen) auch als „Flagellationsroman“ bezeichnet wird, haben wir gleich mal geforscht, was der Begriff eigentlich bedeutet.

Der Schreibstil und das Suchmaschinen-Dilemma

In „Schreiben“ beschäftige ich mich diesmal mit dem „Schreibstil“ – und da finde ich ein typisches Suchmaschinen-Phänomen: Du bekommst etliche Webseiten angeboten, die dir sagen, was du tun kannst, um einen „erfolgreicheren Stil“ an den Tag zu legen. Aber keine sagt dir, wie du zu einem eigenen Stil findest. Die Ergebnisse sind furchterregend: Mehr und mehr erotische Artikel und Kurzgeschichten werden bereits „suchmaschinenoptimiert“ verfasst – was letztlich bedeutet: völlig stillos und austauschbar.

Tipp: Erotische Tagebücher sind wieder beliebt

Übrigens: Erotische Tagebücher sind wieder stark im Kommen. Sie sind leicht zu verfassen, können jederzeit aufgenommen und wieder aufgegeben werden – und sie benötigen keinen Plot. Ob sie wahr oder erlogen sind? Wer will denn das wissen? Wenn sie interessant geschrieben sind und deine Leserinnen nach dem lechzen, was drin steht - dann lohnt sich der Versuch allemal.

Wer mehr Hintergrund will, der darf die Frage beantworten, wie Frauen die männliche Rolle annehmen können – erotisch, sexuell oder auch – als Autorin.

Lass von dir hören, wenn du schreibst. Und verbreite das Zitat von mir, wenn du magst.

Schreiben - Teil fünf: Was ist eigentlich ein Schreibstil?

Finde (d)einen Stil - oder mehrere
Falls du ins Internet schaust, wenn du etwas über den Schreibstil wissen willst, wirst du erschlagen von sogenannten „Tipps“ oder „Thesen“, wie du deinen Schreibstil in fünf, sieben oder 10 Schritten verbessern kannst.

Wenn du jetzt sagst: Ja, aber ich habe doch noch gar keinen Schreibstil, dann sind wir da, wo wir hinwollen: Was ist eigentlich ein Schreibstil, wodurch zeichnet er sich aus und wie wird er wirklich individuell?

Was ist ein Schreibstil?

Zunächst einmal ist ein Schreibstil nichts als die Art, in der jemand schreibt. Dazu setzt du … (Zitat) (1):

sprachliche Mittel bewusst so ein … dass … (du) … durch sie, also durch die Art der Formulierung, Wirkung ... (erzielst.)


Das bedeutet natürlich auch, die Fähigkeit zu erwerben, solche Stilmittel in Variationen einzusetzen – das heißt, du solltest viele Stilebenen kennen und wissen, wie du sie am besten benutzen kannst. Aus dem Bereich der Edelliteratur wird oft abgeleitet, du müsstest einen „eigenen, unverwechselbaren Schreibstil“ entwickeln.IIn Wahrheit kannst du verschiedene Schreibstile nutzen, die zu den Umgebungsfaktoren deiner Geschichte passen: Milieu, Zeitalter, Genre. Und du kannst (wenn du viel schreibst oder eben auch erotisch schreibst) für jedes deiner Pseudonyme einen eigenen Schreibstil zurechtlegen.

Es gibt kein „Richtig“ im Schreibstil

Kein Schreibstil ist „richtig“. In der Schule haben wir gelernt, keine „Bandwurmsätze“ zu verwenden, weil sie sich nur schwer lesen lassen. Doch E.T.A Hoffmann schrieb halbe Seiten in einem einzigen Satz. Wir haben auch gelernt, keine Satzfragmente zu verwenden, doch eine Fülle von Kurzgeschichtenautoren begeistert gerade dadurch.

Nachdem wir darüber soviel erfahren haben, schauen wir mal nach den Stilmitteln, die es gibt.

Wörter aneinanderreihen – nicht wie jede(r) andere

Rein formal ist Schreiben das Aneinanderreihen von Wörtern nach bestimmten Regeln. Es geht also um die Wahl der Wörter, die typisch für deinen Schreibstil werden, und um den Aufbau der Sätze. Dabei gilt: Deine Leserin muss verstehen, was du sagen willst – es heißt aber nicht, dass jedes Wort „gebräuchlich“ sein muss – ja, es muss nicht einmal im Duden stehen. Und in gleicher Weise muss nicht jeder Satz „grammatikalisch korrekt und vollständig“ sein.

Die wichtigsten Stilmittel

Nun kommen die Stilmittel, die eine große Rolle spielen:

1. Die Erzählweise (historische Zeit, Person, die erzählt.(2).
2. Die Art und Häufigkeit, in der du Handlungen schilderst.
3. Wie du deine Figuren beschreibst.
4. Dein Umgang mit den Gefühlen deiner Figuren.
5. Der Einsatz von Kommunikation und Dialogen.

Was du an „Tipps“ im Internet liest, hat zum allergrößten Teil nichts mit einem eindringlichen literarischen Schreibstil zu tun, sonder orientiert sich an „Content-Kriterien“, wie sie Werbetexter verwenden.

Nicht unbedingt ein "erotischer Schreibstil" ...
Der erotische Roman - die Nähe zur Figur

Im erotischen Roman spielt normalerweise die „Nähe zur Figur“, die wichtigste Rolle – das entspricht etwa dem Entwurf von Liebesromanen. Daher empfiehlt sich, deine Figuren möglichst so transparent darzustellen, dass sie deine Leser(innen) in sie völlig hineinfühlen können. Das gilt für ihre Gefühle (Lüste, Begierden) ebenso wie für ihre Körper (Berührungen, Eindringen in den Körper).

Lebendige, direkte Sprache und Zensur

Weil nun aber das Schwert der Zensur über dir als Autorin schwebt, kommst du in eine Zwickmühle: Du musst versuchen, die Gefühle so zu verklären, dass sie diene Leserin nachempfinden kann, der Zensor aber keinen Anstoß nehmen wird. Dazu werden üblicherweise bildhafte Umschreibungen benutzt.

Womit wir wieder beim Zitat wären, das ich hier einmal abwandele: Die Wirkung wird durch die Art der Formulierung der Handlungen erzielt und auf keinen Fall dadurch, dass etwas „stattfindet“. Und somit hätten wir auch gleich einen Anfängerfehler entdeckt: Die Handlung in den Vordergrund zu stellen, während die Gefühle verdrängt werden.

In eigener Sache - wir wollen dir nichts verkaufen

Natürlich kann „Sinnlich Schreiben“ auf diese Probleme im Detail eingehen. Aber „Sinnlich Schreiben“ ist nicht kommerziell und unsere Autoren schreiben deshalb nicht, um ihre Bücher und Kurse zu verkaufen. Und deshalb: Schreibt uns, was ihr denkt, wo wir uns irren, wo es bei euch hakt und wie ihr eure Schreibprobleme löst. Wir freuen uns darüber.

(1) Zitatenquelle: Was ist Stil?
(2) Dieses Thema ist unerschöpflich und soll hier bewusst nicht weiter ausgeführt werde.
Foto: Historisch, möglicherweise aus einem "Herrenmagazin" der 1950er Jahre.


Alle Sechs Teile – Schreiben für Einsteiger
Teil 1: Was bedeutet eigentlich Schreiben?
Teil 2: Reich deine Zeit für einen Roman?
Teil 3: Finde deine Idee und diene Figur.
Teil 4: Deine weibliche Figur entsteht.
Teil 5: Was ist eigentlich ein Schreibstil?
Teil 6: Kreatives Schreiben.

Erotische Geheimbünde – ein Thema für dich?

Dieser Artikel handelt davon, wie du „heftige“ erotische Themen in einem anderen Gewand präsentieren kannst und damit dem Vorwurf entgehst, eine „Pornografin“ zu sein.

Erotisches Femegericht
Es gibt zahlreiche Romane aus alten wie aus neuen Zeiten, bei denen es an der Oberfläche um Mystik oder Esoterik geht, die in Wahrheit aber erotische Praktiken darstellen, die ohne diese Umhüllung aber zweifellos als Pornografie eingestuft würden. Soweit diese Romane nicht in der Gegenwart spielen, handeln sie zumeist von verbotenen oder weitgehend verpönten Aktivitäten, am häufigsten von Gruppen, die von „freier Liebe“, meist weiblicher Homosexualität oder erotischer Flagellation geprägt sind. Dazu kommen wirkliche oder vermeintliche Geheimbünde, die erotische Gericht (Pseudo-Femegerichte) betrieben und sich in diesem Zusammenhang auch mit schweren Körperstrafen oder der Folter beschäftigen.

Die Gegenwart - es gibt noch Geheimbünde

In der Gegenwart sind religiöse, esoterische und psychologisch orientierte Geheimbünde bekannt geworden, die teils rigide, teils aber auch sanft-erotische Rituale praktizieren. Auch abgespaltene Teile der BDSM-Szenerie haben sich wieder in den Untergrund zurückgezogen.

Rituale - verbreitet bei sogenannten "Hexen" und im Voodoo-Kult

Außerdem gelten manche nicht-erotische, aber rituell geprägte Gemeinbünde, wie Voodoo oder Hexenkult, als Brutstätten erotischer Fantasien. In dem Zusammenhang, den wir hier betrachten, spielt keine Rolle, ob es sich dabei um Tatsachen oder Behauptungen handelt. Schließlich befinden wir uns im Bereich der erotischen Literatur, in der manches erlaubt ist, was in der Realität eher befremdlich wäre.

Insbesondere Geheimkulte, die von sogenannten „Hexen“ oder allgemein von Göttinnen und ihren Dienerinnen ausgehen, haben eine magische Anziehungskraft auf Leserinnen. Die liegt vermutlich an den Ritualen, die in ihnen praktiziert werden. Erstaunlicherweise hat auch „Voodoo“ wieder an Bedeutung gewonnen, als bekannt wurde, dass aus Afrika stammende junge Frauen sich unter Einwirkung des Voodoo-Zaubers prostituierten.

Die "üblichen Verdächtigen": Internate und Erziehungsanstalten

Mysterien und Gerüchte gehen aber auch von Internaten, geschlossenen Frauen- und Männerzirkeln, Erziehungsanstalten und Zuchthäusern aus. Werden die erotischen Komponenten geschickt verpackt, entgehen sie so der Kritik. Das „Picknick am Valentinstag“ ist so ein Buch, bei dem die lesbische Grundtendenz soweit mystifiziert wurde, dass sie sogar manchen Literaturkritikern kaum auffiel.

Wie geheim ist der erotische Geheimbund?

Zunächst einmal sind Geheimbünde deswegen geheim, weil kein Außenstehender etwas von den dort vollzogenen Praktiken wissen soll. Deine Geschichte kann also so unglaubwürdig sein, wie du sie anlegst: Weil ein Geheimbund eben „geheim“ ist, weiß niemand etwas davon außer deiner Figur, die mitten drin steckt. Dennoch kannst du gelegentlich auf ähnliche mysteriöse Fälle in Gegenwart und Vergangenheit hinweisen.

Öffentlich sichtbare Organisationen mit inneren Geheimbünden

Manche Organisationen hüten Geheimnisse, die nur einem inneren Kreis offen stehen, die aber auch einen öffentlichen zugänglichen Teil haben. Im Inneren besteht dann eine geheime „Schnittstelle“, über die neue Mitglieder für einen „inneren Zirkel“ rekrutiert werden. Diese Themen sind aus der Esoterik- und Psycho-Bewegung bekannt.

Nicht geheim, aber dennoch verborgen

Nicht alle Geheimbünde haben tiefe, alte Wurzeln. Der Sinn neugegründeter Gruppen besteht zumeist darin, gewisse Rituale und erotische Praktiken auszuüben, mit denen die Mitglieder in der Öffentlichkeit nicht in Verbindung gebracht werden wollen. Dagegen spricht nichts, solange sie nicht gegen Gesetze verstoßen oder versuchen, Außenstehende zu rekrutieren und für ihre Zwecke zu nutzen.

Die Attraktion der erotischen Geheimbünde - heute

Die erotischen Geheimbünde der Vergangenheit standen unter dem Verdacht, für ihre Zwecke Mitglieder aus niederen Ständen zu rekrutieren, die vom Luxus oder der Magie geblendet waren. Hingegen versuchen Psycho- und Esoterik-Sekten besonders attraktive Personen aus der guten Gesellschaft zu überreden, Mitglieder zu werden. Einige der neu entstandenen heutigen Geheimbünde werden verdächtigt, kriminelle Machenschaften zu decken – auf dieses Feld begebt ihr euch besser nicht – es sei denn, ihr schreibt Krimis, die voll davon sind.

Es gibt zwei wichtige Fragen, die ihr beantworten müsst, bevor ihr einen erotischen Roman in das Milieu der Geheimbünde verlegt:

1. Welche dieser Gruppen sind euch bekannt, oder wie könnt ihr Informationen über die wirklichen oder vermeintlichen Rituale bekommen?
2. Wie kommt eure Figur in die Nähe dieser Gruppen, und auf welche Weise wird sie in den „inneren Zirkel“ aufgenommen?

Wenn ihr auf beide Fragen eine Antwort wisst, kann es losgehen. Eure Story kann vom langsamen Untergang (möglicherweise mit später Errettung) handeln, eventuell auch davon, das Leben in der Geheimgesellschaft zu genießen oder gar vom Aufstieg in der Hierarchie der Gruppe.

Bild: (Femegericht) by Jim Blake (Pseudonym)

Dieser Artikel muss hier nicht beendet werden – ihr allein entscheidet mit euren Klicks, ob wir die Hintergründe oder gar Textbeispiele veröffentlichen. Eines kann ich euch schon jetzt verraten. Die Hintergründe sind höllisch heiß – und wir kommen dabei in die Nähe von Sadistinnen, Foltermägden, Geheimdienstmitarbeiterinnen, gleichgeschlechtlichen Verführerinnen und den Priesterinnen vorgeschichtlicher Gottheiten. (Wen die weibliche Form stört – denkt daran, dass ihr überwiegend für Leserinnen schreibt).

Wer war eigentlich P.N. Dedeaux?

Zu den Geheimnissen der Autorinnen und Autoren von erotischen Werken, insbesondere von pornografisch anmutender Flagellationsliteratur, gehört ihr Pseudonym. Wer edle Literatur einerseits schreibt, kann durchaus anderseits ein Groschenromanschreiber oder ein pornografischer Schriftsteller sein. Zudem kommt es vor, dass mehrere Schriftsteller das gleiche Pseudonym benutzen. Ja, es soll sogar vorkommen, dass Verlage den Namen eines Goldesels weiterhin nutzen, auch wenn der ursprüngliche Autor längst keine Bücher mehr schreibt. Und letztendlich werden manche Novellen unter neuen Titeln und mit neuen, ebenfalls verschleiernden Autorennamen herausgebracht.

Wenn der Autor seine Identität nicht selber lüftet, ist es kaum möglich, seine Autorenschaft festzustellen oder zu bezweifeln. Dennoch hörte ich, dass die Identität eines bekannten Schriftstellers flagellantischer Literatur, inzwischen gelüftet sein soll.

Es handelt sich um den Flagellations-Romancier P.N. Dedeaux. Angeblich will man Geoffrey Atheling Wagner „mit ziemlicher Sicherheit“ als Autor identifiziert haben. Diesen Namen gibt e tatsächlich. Er soll von 1927 bis 2006 gelebt haben, war nach glaubwürdigen Quellen eigentlich Übersetzer, schrieb aber auch eigene Novellen und Essays, die allerdings in Vergessenheit gerieten. Sofort ergibt sich wieder die Frage, ob alles, was unter dem Namen Geoffrey Wagner veröffentlicht wurde, tatsächlich von ihm stammt, denn darunter sind auch einige Groschenromane zweifelhafter Herkunft.

Angeblich will Dedeaux/Wagner eine ganze Liste von Werken geschrieben haben, die, wie bei erotischen Büchern nicht unüblich, entweder anonym oder unter Fantasienamen veröffentlich wurden und deren Titel ebenfalls variierten. Das erste seiner erotischen Werke soll 1969 erschienen sein: „The Nothing Things“.

Insgesamt soll es sich bei den Werken um folgende erotische Schriften handeln:

1969
The Nothing Things (W)
Tender Burns (W)
The Territory Within (W)
Carols Tribal Costum (X)

1970
The Tutor (D)
Wealed Venus (W)
The Prefect (The Prussian Girls) (D)

1972
Rosie’s Aunt (W)
The Gouverness Goverend (D)

1973
SM – The Last Taboo (Sachbuch, X)

1989 - 1999
1989
Clotilda (X)
1992
The Camp (X)
1999
Aunt Anna – 1999 (X)

Nicht alle literaturkritischen Quellen wollen dem Gedanken folgen, dass Geoffrey Atheling Wagner tatsächlich der Autor oder jedenfalls nicht der alleinige Autor ist, der als P.N. Dedeaux schrieb. Die Liste mag Ihnen zeigen, welche Werke angeblich endgültig Geoffrey Atheling Wagner zugeschrieben werden können. Es sind insgesamt nur fünf erotisch-flagellantische Werke, die zwischen 1969 und 1972 verfasst wurden. (mit „W“ gekennzeichnet). Die mit „D“ gekennzeichneten werden nach wie vor „Dedeaux“ zugeschrieben, und die mit „X“ bezeichneten lassen sich offenbar nicht eindeutig zuordnen – sie werden oft als „Spätwerk“ bezeichnet.

Wie bereist erwähnt, wird auch behauptet, einige von Dedeaux Werken könnten auch von anderen Autoren geschaffen worden sein, zum Beispiel von dem ideenreichen Andrew Jefferson V. Offutt. Er war ein Erotik-und Serienschreiber, der etwa zur gleichen Zeit lebte – die Quelle, die Wikipedia dafür verwendet, ist aber fragwürdig und sie konnte bei einer Nachrecherche nicht bestätigt werden. Freilich ist es ebenso möglich (und in dieser Branche nicht unüblich) dass mehrere Autoren unter ein und demselben Pseudonym schrieben.

Was ist nun mit den „The Prussian Girls“?

Es ist schwer zu beurteilen, ob „The Prussian Girls“ tatsächlich aus der Feder von Geoffrey Atheling Wagner stammt. Ursprünglich erscheint dieser Roman unter den Titeln: „The Prefect“ und „The Prefects“. Erst in den Ausgaben von „Blue Moon“ aus den Jahren 1987 und 1998 erschienen die Romane im Rahmen der „Internatswelle“ unter diesem Namen.

Sicher ist hingegen, dass der Roman die komplizierten Beziehungen zwischen Erzieherinnen und Eleven in strengen Internaten nicht ausreichend würdigt. Vielmehr handelt es sich um einen Flagellationsroman einfacher Art, der sich liest, wie „schon einmal gelesen“, nur nicht vom selben Autor. Offenbar wollte der Autor die Strenge, die Pflicht und die Schuldigkeit, die er im alten Preußen vermutete, einfach für eine Variante des erotischen, lesbisch geprägten Flagellationsromans nutzen. Heute gibt es viele Autorinnen , die über lesbisch geprägte Flagellationen in Internaten schreiben, beispielsweise Yolanda Celbridge.

Quellen: Die angebliche Enthüllung und die Bücher sowie ihrer Ausgaben. Andrew Jefferson V. Offutt Biografie und Werk (falsch) und hier richtig. Geoffrey Wagner Werk (ohne "Atheling").

Zucht, Züchtigung und lesbische Fantasien im Internat

Dies Geschichte, die ich euch hier präsentiere, stammt aus dem Jahr 1970 und wurde verschiedenen Autoren zugeschrieben. Sie erweckt den Eindruck, als sei sie wesentlich früher geschrieben, aber das Erscheinungsdatum ist verbürgt. Allgemein wird behauptet, dass ein gewisser P.N. Dedeaux dieses Buch verfasst habe. Über seine wahre Identität (1) gibt es zahllose Gerüchte und Behauptungen, die letztlich nicht endgültig verifizierbar sind. Das gilt auch für den Illustrator zumindest einer der vier bisher erschienen Ausgaben, Hans Braun.

Genre: lesbischer Flagellationsroman im Internat

Das Genre ist des „lesbischen Internatsromans“, ist vor allem im Vereinigten Königreich verbreitet. Die Handlungen solcher Novellen, die sich alle irgendwie ähneln, wurden allerdings in viele Länder verlegt, um wieder „frisches Blut“ in die Handlungen zu pumpen, die sich auffällig ähnelten. Derartige Werke erlebten ind en 1990er Jahren eine Renaissance, als Autorinnen sich auf eine lüsterne, weibliche Leserschaft zu besinnen, die solche Werke verschlang.

Schauplatz Preußen

Im Fall der Novelle, über die ich schreibe, wurde der Schauplatz nach Preußen verlegt - etwas zu Zeiten des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Novelle erschien unter verschiedenen Titeln, einmal als „Die preußischen Mädchen“ (The Prussian Girls), und dann wieder als "The Prefect" (Die Präfektin, sinngemäß eine leitende Erzieherin)“.

Die Teile, die ausgesprochen heftig und beschämend sind, wurden von uns ganz und gar entfernt. Wir haben nur zwei kleine Absätze ausgewählt, um euch zu zeigen, wie die Autoren früherer Zeiten sich die Erziehung in einem Internat vorgestellt haben, und wie sie mit erotischen Komponenten angereichert wurde.

Die Vorgänge auf „Schloss Rutenberg“ sind frei erfunden, und es kann keinen Zweifel daran geben, dass sie auf gar einen Fall ein Ausdruck „preußischer Disziplin“ waren, sondern die freie Erfindung des Autors.

Die Auszüge wurden frei übersetzt. (2) Das Original in englischer Sprache ist heute noch im Buchhandel erhältlich.

Zuerst wird die Furcht und zugleich die erotische Bewunderung für eine „Präfektin“ des strengen Internats geschildert:

Die Präfektin marschierte wie eine Soldatin – links, zwo drei, recht, zwo drei. Monika konnte diesem schnellen Schritt kaum folgen, aber sie wusste, dass sie nicht sprechen durfte. Das Oberlicht umschattete die kräftigen, breiten Schultern der Person, der sie folgte. Ihre Schultern verjüngten sich zu einer betont schmalen Taille, die von einem breiten Ledergürtel umschlossen war. Darunter bewegte sich ihre Hüfte trotz ihres militärischen Schritts heftig von einer Seite zur anderen, sodass ihr kurzer Rock dabei mitschwang, während ihr Absätze markige Geräusche auf dem Steinboden erzeugten.


Wir sparen die Flagellationsszene aus und fahren mit den „Gedanken danach“ fort, die ebenfalls bemerkenswert erotisch sind.

Sie war froh, dass sie es überstanden hatte, ohne Blamage, und das war es auch schon, was sie darüber dachte. Es war eine Routinebestrafung und eine weitere Herausforderung, um widerstandsfähiger zu werden. Ganz ähnlich wie eine sportliche Herausforderung. Sie hatte eine Grenze überschritten, und dies war die Konsequenz. Sie bewunderte Fräulein Wedell, dass sie ihre Bestrafung tatsächlich so schmerzhaft gestalten konnte, so konsequent, und sie wusste, dass sie alles aus diesen acht Rohrstockschlägen gewonnen hatte, was damit erreichbar war. Der eine oder andere Schlag mag wohl etwas heftig gewesen sein, und am Ende hatte sie vielleicht eine Überreaktion. Aber im Großen und Ganzen war es eine methodische, genau kalkulierte Rohrstock-Strafe von der Art, in der sie sich durch und durch sinnvoll gezüchtigt fühlte. Wenn sie den gleichen Fehler noch einmal begehen würde, könnte es gut ein Dutzend Schläge setzen.
Monikas Hintern fühlte sich an, als sei er drei Mal so groß wie zuvor und schwer wie Blei, aber sie wusste, dass die körperliche Züchtigung ihre Ziele nicht verfehlt hatte.
Und überhaupt – das Schlimmste am Schmerz würde sich bald in eine durchdringende Hitze verwandeln, die eine Art Befriedigung in ihrer „Mitte“ auslösen würde.


Die Vorgänge sind frei erfunden - behauptet wird aber das Gegenteil

Vor einiger Zeit wurde versucht, das Werk, dessen Qualität ausgesprochen zweifelhaft ist, als „authentische Schilderung“ des Lebens in einem preußischen Internat für verarmte adlige Mädchen umzuwidmen. Dazu wurden ebenso fragwürdige Fragmente von angeblich authentischen Autorinnen verwendet, die angeblich aus der Zeit "Preußischer Disziplin" stammen.

Einheimische preußische Gouvernanten jener Zeit schienen noch weniger Skrupel zu haben, junge Frauen ohne Grund zu peitschen oder ihre Hintern so zu malträtieren, dass sie während der Mahlzeiten kaum noch ruhig sitzen können.


Weiter heißt es in dem Blog-Artikel:

Um Ihnen einen wirklichen Eindruck zu geben, zitiere ich Ihnen: "Eine Flagellation, die Tränen verursacht, ist unerlässlich, aber eine, an deren Ende Blut fließt, ist manchmal notwendig."


Preußen-Bashing aus dem Vereinigten Königreich

Oh, oh … die Preußen werden diese Ansicht, die im Vereinigten Königreich gepostet wurde, nicht unbedingt lieben, fürchte ich. Übrigens haben wir nachrecherchiert und das wiedergefunden, was wir ohnehin vermutet hatten: ein Massenprodukt, dessen Autor auch nach einer angeblichen „Enthüllung“ noch nicht zweifelsfrei feststeht.

Hinweis: In der ersten Version dieses Artikels gab es eine Ungenauigkeit , die ich ausräumen musste.
(1) Behauptungen über die Autorenschaft sind nicht wirklich schlüssig.
(2) Die Zusammenhänge werden im Original nicht deutlich, Wir haben versucht, die Situationen transparenter zu übersetzen.