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Die Nacktheit des Körpers und der Psyche

Naiv spielen kann man zuvor, wähernddessen und hernach
Erotische Storys verfolgen oft ein ähnliches Script wie die Bühnen- oder Privatdarbietungen gespielter Keuschheit und Naivität. (Lest dazu in "Sinnlich Leben" über die Grundlagen gespielter erotischer Naivität)

- Die Figur ist in einer Umgebung aufgewachsen, in der man sich keusch und züchtig verhält.
- Dies führt auch dazu, dass sie sich nicht attraktiv kleiden kann – ihre „Klamotten“ wirken wie „zusammengesucht“.
- Man sieht ihr die Unsicherheit und Schüchternheit an.
- Sie ist gehorsam und folgsam, zumindest innerlich.
- Sie hatte keine eindeutige erotische Identität, von Geschlechtsverkehr ganz zu schweigen.

Obgleich der Strip auf der Bühne und die Wandlungen in einer erotischen Story nicht vergleichbar sind, folgen sie doch dem gleichen Prinzip. Statt Schicht um Schicht der Kleidung abzulegen und dabei immer mehr Fantasien zu erfüllen, wird die Psyche abgeschält und die geheimen Lüste werden erkennbar. Je behüteter, gehorsamer und unsicherer die Heldin zu Anfang war, umso mehr wird sie durch neue Erlebnisse oder Begegnungen erotische befeuert – und sie kann darüber glücklich sein oder sich dessen schämen. Und wenn du willst, sicher auch beides im Wechsel. Solche Wechselbäder der Gefühle sind sehr interessant für Erotik-Storys.

Die Story des grauen Mäuschens modernisiert

Wer seine Story modernisieren will, kann einen moderneren Frauentyp beschreiben: Gut ausgebildet, selbstbewusst und erfolgreich, aber sexuell nahezu völlig „unbeleckt“. Das kann so weit gehen, dass sie mit 25 entweder noch „Jungfrau“ ist oder – im Extrem – gar keine eindeutige sexuelle Orientierung besitzt. Trotz ihrer emanzipatorischen Züge und eines geistig-sozialen Selbstbewusstseins erweisen sich ihre Emotionen als labil. Dann ist sie, wie auch ihre Schwester mit konservativ-prüder Erziehung, ein beliebtes Objekt für Verführungen und erotische Wegweisungen.

Welche Bedeutung hätte dies im Zusammenhang mit Züchtigungen oder erotischen Rollenspielen? Manchmal gar keine. Doch oftmals wird deutlich, dass Autorinnen ihre Figuren so definieren, dass sie nach einer „konsequenten Wegweisung“ suchen, die sich in Strenge und Konsequenz äußert. Wie aus einschlägigen Romanen bekannt, wirken solche Szenen auch erotisierend auf Leserinnen. Dies mag auch der Grund sein, warum die Autorinnen ihre Heldinnen gerne als „Jungfrauen“ in die Geschichte einführen.

Fassen wir mal zusammen:

Eine labile Psyche und wenig sexuelle Erfahrung sind die Grundstoffe dafür, einen Charakter erotische aufzubauen oder umzuformen.

Mit jedem Erlebnis, das dorthin führt, wandelt sich der Lebensweg, weil neue und ungewöhnliche Schichten der Psyche freigelegt werden. Dabei entstehen neue Lüste, aber auch neue Ängste.

Eine selbstbewusste, erfolgreiche Frau ist ebenso verführbar wie eine behütete, naive Frau, die unsicher und schüchtern ist. Es geht dabei immer nur darum, die „Zwiebel zu schälen“, also die Hemmungen oder Verkrustungen zu entfernen. Ob dies im Alltag so ist oder einmal war, braucht uns nicht zu kümmern. Die Hauptsache ist, deine Heldin sieht eine Perspektive für sich, im Sexuellen erblühen. Lass sie nicht allein, bis sie weiß, was sie will.

Bild: Buchillustration von Becat.