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Die Rocky Horror Picture Show – Vorbild für erotische Verführung?

Faszination und Abscheu sind nahe Verwandte
Wäre die „Rocky Horror Picture Show“ nicht so kultig durchsetzt, so wäre sie eine wundervolle Vorlage für die Faszination, die von „alternativen Lebensweisen“ ausgeht.

Befreit man den Plot von all dem sinnlichen Horror, dem Doppelspiel von Transsylvanien und Transsexualität, wird die eigene Story realistischer. Sie muss auch nicht so spektakulär beginnen wie in der „Rocky Horror Picture Show“. Es reicht völlig, wenn ein junges, naives Paar zufällig (zum Beispiel durch einen Ortswechsel) auf ein anderes Paar trifft, das einen „alternativen Lebensstil“ führt. Die merkwürdigen Geräusche, die vom Nachbarhaus ausgehen, können als Einstieg genutzt werden. Bald wird das neu zugezogene Paar zu einem Besuch eingeladen, und schon sind wir mittendrin: Diese merkwürdigen Plakate an den Wänden, die Video-Sammlung, die Literatur … da kann schon mal die Schamesröte in die Wangen gehen. Und gerade diese Reaktion, die ja davon zeugt, einen gewissen Nerv getroffen zu haben, lässt sich eben auch in Neugierde wandeln. Meist werden nicht beide Partner zugleich befremdet oder auch fasziniert sein.

Der Kunstgriff besteht vielmehr darin, zunächst einen der Partner verführerisch in den ungewöhnlichen Lifestyle einzubeziehen. Bi oder straight, mit erotischer Faszination oder mit dem Versprechen, eine höchst sensationelle Erfahrung machen zu dürfen lässt sich manche Frau und mancher Mann verführen.

Ich will nicht behaupten, dass dieses Thema niemals in der erotischen Literatur verwendet wurde, aber es ist nicht völlig „ausgelutscht“. Die Spannung wird in diesem Fall dadurch erzeugt, dass einer der „naiven“ Partner eher dazu neigt, an den lustvollen Spielen des „alternativen“ Paares teilzunehmen, während der andere Teil zunächst davon befremdet ist. Die Fragen und Konflikte, die sich daraus für das naive Paar ergeben, können nahezu beliebig ausgebaut werden, um die Spannung zu steigern.

Das Thema gibt alles her, was die erotische Literatur ausmacht: Wollust, Voyeurismus, Triolen, Vierer, Bisexualität und SM-Szenen. Wer literarisch anspruchsvoll schreiben will, kann die Emotionen auftrennen und auch solche schildern, die in der Pornografie nicht vorkommen: Angst, Scheu, Homophobie, Treue, Scham und Wohlanständigkeit konkurrieren mit Neugierde, Sinnlichkeit, Lust, Begierde und Abenteuergeist.

Bild: Ausschnitt aus einem Original von Malteste.