Skip to content
Werbung

Die britischen Romane rund um die Disziplin

Stilisierte Erziehung durch eine Gouvernante
An wen wandten (und wenden) sich die britischen Romane, in denen es um Disziplin, besser bekannt als „körperliche Züchtigung“ geht?

Wenn dich das interessiert, kann ich dir folgenden Hinweis geben, der auch für deine heutige Tätigkeit als erotische Schriftstellerin eine große Rolle spielen dürfte.

Lasst mich zuvor sagen: Es geht mal um Frauen, mal um Männer, aber alle haben eines gemeinsam: Sie sind Abkömmlinge aus vornehmen Familien. In diesem Umfeld haben sie ein Selbst- und Standesbewusstsein entwickelt, das als Grundlage verwendet wird.

Das Spiel mit dem Selbstbewusstsein und der Hingabe an die Rute

Meist werden sie in eine Situation gebracht, in der sie „zu weit gingen“, worauf man versucht, ihr übertriebenes Selbstbewusstsein auf ein erträgliches Maß zu stutzen. Dabei werden allerlei befremdlich erscheinende Mittel angewendet, vor allem aber die körperliche Züchtigung.

Wenn sie „Glück“ haben, werden diese Züchtigungen durch eine erotisierende Erzieherin (Gouvernante) wahrgenommen. Doch in vielen Fällen werden sie von (immer weiblichen) Bediensteten gezüchtigt, mindestens aber durch sie fixiert oder gedemütigt.

Warum? Haben wir nicht gehört, dass es einige Romane gab, in denen Bedienstete vertraglich verpflichtet wurden, sich von der Dienstherrin schlagen zu lassen?

Zielgruppe: vornehme, gebildete Damen der Gesellschaft

Die Lösung ist einfach: Diese Romane und Novellen wenden sich nicht an Dienstmägde oder sadistische Ladys. Ihre Zielgruppe sind vielmehr Damen und Herren der Gesellschaft, die sich danach sehnten, hilflos, naiv und ohne eigenes Zutun in solche Lagen zu geraten.

Der andere Schlüssel zu diesen Romanen ist die körperliche Nähe und Intimität zwischen Erzieherinnen und Zöglingen, die an sich nicht erlaubt war – doch bei der körperlichen Züchtigung war sie unvermeidlich.

Man darf nicht vergessen, dass diese Romane auch ein Zugang zur Körperlichkeit an sich boten, denn die zu Strafenden mussten sich nach und nach entkleiden. Das bot den Autorinnen und Autoren reichlich Gelegenheit, die Beschaffenheit ihrer Körper zu schildern. Schließlich wurden die Damen aufgefordert, ihre letzten Hüllen fallen zu lassen, um schließlich sogar ihre Schlüpfer (Drawer) zu entfernen.

Hier muss man allerdings erwähnen, dass dieses Kleidungsstück neueren Datums ist. Wenn es zuvor erwähnt wurde, ist die Geschichte historisch bedenklich – aber das spielte bei den meisten Romanen keine Rolle.

Im Hauptteil wird dann zumeist geschildert, wie das Gesäß der Damen und Herren beschaffen ist, bevor die Rute, der Rohrstock oder die Reitpeitsche auf die Oberfläche einwirkt. Dabei werden auch die Gefühle der Gouvernante, der Mägde, der Zuschauerinnen und nicht zuletzt des Opfers recht plastisch geschildert.

Die Zielgruppe heute? Es sind emanzipierte, selbstbewusste Frauen und Männer des 21. Jahrhunderts, die davon träumen, in eine Welt abzutauchen, in der sie keine Verantwortung tragen. Die schweren, teils schmerzvollen Entscheidungen, die eigene Überheblichkeit und die Selbstzweifel werden einfach getilgt – durch eine „Lektion in Disziplin“. Zumeist halten die Autorinnen und „Weg hinaus“ offen: Die jungen Ladies und Lords waren aufgefordert, ihr Standesbewusstsein zurückzugewinnen – noblesse oblige.

Die heutigen Figuren des Genres sollten ähnlich behandelt werden. Wenn wir sie als selbstbewusste, aber dennoch von Zweifeln geplagte Frauen und Männer schildern, die eine Art „Läuterung“ oder gar eine „Absolution“ in der schmerzvollen Züchtigung sehen, dann treffen wir vermutlich auf eine intellektuelle, erfolgsverwöhnte Leserschaft.

Ein Beispieltext aus den 1930er Jahren, dessen Handlung aber nach Österreich verlegt wurde, findet ihr ebenfalls hier.

Bildquelle unbekannt, vermutlich eine Buchillustration zur "schulischen Disziplin"