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Erotisch schreiben heißt: Geh deiner Leserin unter die Haut

Du willst also erotisch schreiben? Lass dir zunächst sagen, was Schreiben überhaupt bedeutet.

Bevor es gedruckte Bücher gab, wurden Geschichten meist mündlich weitergegeben. Das heißt, man saß abends am Herd und erzählte von allerlei Begebenheiten, von denen man annahm, dass sie andere begeistern würden. Ein Erzähler war damals eine Art Schauspieler, der seine Zuhörer zu begeistern wusste. Er gab den bösen Räubern und den adligen Damen in der überfallenen Kutsche seine Stimme und illustrierte sie mit heftigen Bewegungen seiner Hände.

Was eine Erzählerin eigentlich tut

Weil viele Menschen nicht lesen konnten und Bücher sehr teuer waren, wurde auch später aus manchem Buch vorgelesen. Wieder waren es die „Umsetzer“ der Texte, denen die Aufmerksamkeit galt – sie waren die „Träger der Information“, wie man heute sagt.

Diese Geschichten brachten den Menschen etwas nahe, das sie nicht sehen und erfahren konnten. Der Klang der Stimme, die Geste des Vortragenden: All dies verschmolz mit den Worten, die aus den Büchern herausflossen.

Ein Buch ist keine Aneinanderreihung von Sätzen

Ein Buch zu lesen ist etwa ganz anderes: Du sitzt allein auf einem Sessel, das Buch vor den Augen. Alles, was du hast, sind Wörter, die zu Sätzen zusammengefügt wurden, und auf die wieder Sätze folgen. Mit anderen Worten: Es ist zunächst nur eine belanglose Erzählung, weiter nichts.

Die meisten Geschichten, die wir auf diese Weise lesen, werden mit Spannung angereichert – sie leben von der Neugierde der Leserinnen und Leser. Diejenigen, bei denen dies nicht der Fall ist, spielen die Trumpfkarte seelischer Empfindsamkeit aus. Sie wollen sozusagen „ans Eingemachte“, also an die Tiefen unserer Empfindungen. Das können alle Gefühle sein, die unsere Existenz hergibt: Trauer, Wut und Hass einerseits und Lebensfreude, Lust und Begierde andererseits.

Lust, Scham und der Zwiespalt

Ich nehme an, dass es dir um die Lebensfreude, die Liebe, die Lust, das Verlangen und die Begierde geht, wenn du erotisch schreiben willst. Vergiss dabei aber nicht, dass die Menschen auch zwiespältige Gefühle haben. Häufig paart sich der Wunsch, nichts als sinnliche Ekstase bei völliger Hingabe zu erleben und sich andererseits schamvoll zu fürchten solche Gedanken zu äußern.

Gehe deiner Leserin unter die Haut

Die erotische Erzählerin wird normalerweise immer auch mit ihrer eigenen Begierde und ihrer eigenen Scham konfrontiert. Das ist kein Hinderungsgrund, sondern eine ungeheuer wirksame Motivation, deinen Leserinnen wirklich „unter die Haut zu kriechen.“ Und die Figuren, die du erzeugst, kannst du nicht nur mit mehr Mut und Wollust, sondern auch mit mehr Zwiespälten ausstatten, als du sie selbst jemals erlebt hast.

Nimm am Leben deiner Figur teil

Langweile deine Leserinnen nicht mit langatmigen Schilderungen. Lass sie am Leben deiner Figur teilnehmen. Komm ihr nahe, wenn sie einen Kaffee trinkt, flirtet, verführt oder verführt wird. Und besonders dann, wenn sie vor Wollust juchzt und ganz und gar nicht mehr sie selbst ist.

Übrigens kannst du auch einen Mann auf die Reise in die Lust schicken. Ich habe im Text vermeiden, „Autorinnen/Autoren“ zu trennen oder „Leserinnen/Leser“. Du kannst aber damit rechnen, dass anspruchsvolle erotische Bücher überwiegend von Frauen gelesen werden.

Beispieltext – eine Züchtigung nach britischem Vorbild

Zwar keine Rute, aber ein Beispiel für die Beschämung
Die britische Autorin hat diese in den 1930 Jahren geschriebene Novelle nach Österreich Ende des 19. Jahrhunderts verlegt. Der Text wurde in der Übersetzung sprachlich etwas angepasst. Ganz offensichtlich ist die Gouvernante erbost über die Arroganz, mit der ihr weiblicher Zögling ihr gegenübertritt, aber wir sparen uns die Vorgeschichte. Falls ihr fürchtet, dass in diesem Extrakt brutal zugeschlagen wird: oh nein. Es ist nur die Einführung, und auch sie ist stark gekürzt. Die Geschichte soll nur zeigen, an wen sich derartige Geschichten wandten.

"Deine gesamte Haltung stinkt nach Unverschämtheit, und es gibt nur ein Heilmittel dafür. Ich warne dich, Marie: Ich werde dir die Rute geben, und ich verspreche dir, dabei streng zu sein und dich nicht zu schonen. Wir werden dann sehen, was eine Birkenrute dich lehren kann. Es ist höchste Zeit, dass du einen Eindruck von der wahren Disziplin bekommst."

"Die Rute? Sie meinen, sie werden mich damit bestrafen?" Maries Augen weiteten sich, und ihre roten Lippen schlossen sie nicht mehr, so große war ihre Verwirrung. Sie trat unwillkürlich einen kleinen Schritt zurück, der beinahe anmutig wirkte, und bedeckte ihr Gesäß mit den Händen. Dabei wechselte ihr Gesicht die Farbe, und der purpurfarbener Schimmer reichte von den Ohren bis zum Hals.

(…)

Alsbald wurde die Tür geöffnet, und Frieda, eine Bedienstete bäuerlicher Herkunft, trat ein. Sie diente bei Züchtigungen oftmals als Helferin und trug ein silbernes Tablett herein, auf dem eine große, bedrohlich aussehende Birkenrute lag. Ihr folgte Martha, eine weitere Bedienstete, die über einen muskulösen Körper verfügte, fast so wie ein Mann. Beiden verschlug es die Sprache, als sie sahen, wer mit dieser Rute geschlagen werden sollte.

Marie hatte sich inzwischen von ihrem ersten Schock erholt und ihr Trotz und ihre Verachtung goss sich in einer Flut von Worten über ihre Peinigerin aus.

(…)

Sie beendete ihre Beschimpfungen erst, als die Gouvernante die Birkenrute langsam vom silbernen Tablett nahm, um, damit kräftig auf die Luft einzuschlagen. Es sah aus wie ein Versuch, die Biegsamkeit zu testen, aber es war mehr. Man konnte eine eiserne, unbeugsame Gesinnung dahinter erkennen. Als sie sich erneut an Marie wandte, konnte man die Eiseskälte in ihrer Stimme wahrnehmen, die Marie durch Mark und Bein ging.

"Marie, du sollst nun bekommen, was dir zugedacht wurde. Du bist bereits eine junge Dame, und es ist deine erste Körperstrafe, wie ich erfuhr. Normalerweise wäre es üblich, dir in einem solchen Fall zu erlauben, dein Höschen anzubehalten, um die Schläge abzumildern und deine Scham zu wahren. Aber in in Anbetracht deiner Frechheiten ziehe dich dieses Privileg zurück. Deine Unterhose wir also heruntergezogen werden und du wirst die Strafe auf dein nacktes Gesäß erhalten. Ich habe dein ironisches Lächeln gesehen, als ich andere Zöglinge schlug. Doch nun werde ich dir beweisen, dass die Rutenschläge auf deinem nackten Allerwertesten keine sehr amüsante Sache sind."


Fälschlch wird im Original behauptet: Die Szene spielt in Wien, ungefähr um 1860. Sie beruht auf authentischen Berichten aus einer Bildungsanstalt für höhere Töchter auf dem Kontinent.

Übersetzung des Originaltextes und sprachliche Bereinigung von Isidora.
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