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Welche erotischen Themen interessieren Forscher und Autoren?

Auch der stinknormale Sex interessiert
Die Stinknormalen

Die Stinknormalen haben nichts als heterosexuellen Blümchensex. Aber auch der kann ganz schön „an die Nieren gehen“ (und an sonstige Organe, versteht sich). Beim „Stinknormalen“ spielt eine große Rolle, wie intensiv „an sich „normale“ Sexpraktiken empfunden werden – es kommt also nahezu ausschließlich auf die Erzählkunst an, wie intensiv die Leser(innen) den Sex empfinden.

Die geschlechtlich anders Definierten

Die „sexuelle Orientierung“ fasziniert vor allem Psychiater und Psychologen seit dem 19. Jahrhundert – zuvor war das Thema kaum bekannt. Als literarisches Genre ist es spektakulär und es wird sehr intim und detailliert darüber geschrieben, sobald Bi-Neugierigkiet oder die Homosexualität der Frauen betroffen ist. Was meist nicht gesagt wird: Eine sexuelle Praxis auszuüben heißt nicht, die sexuelle Orientierung zu haben, der man ihr zumisst.

Die unmoralischen Moralisten

Nirgendwo versteckte sich so viel erotische Begierde wie hinter den Fassaden der Bürgerlichkeit, wenn wir den Klerus einmal ausnehmen. Auf der einen Seite wurde die Unmoral öffentlich bekämpft, auf der anderen Seite pflegte man sie. Das Thema ist sehr real – auch heute noch.

Der geheimnisvolle, geile Fremde

In der Literatur kommt er (auch sie) zunächst als böser Räuber oder (unter der Zensur) oft als Vampir hervor. Manchmal erscheinen auch Buhlteufel, die wahlweise Frauen und Männer heimsuchen, und beim Hexensabbat ist es Satan selbst, der sein „Membrum“ inzwischen die bereitwilligen Schenkel treibt. Ein Klassiker der Literatur, und auch heute wieder sehr populär - durch die Faszination der Internetbekanntschaften.

Drei Personen – mir vielen sinnlichen Varianten

Liebe zu dritt wird mal ernster, mal leichter genommen. Sex zu dritt bedingt keine Liebe, sondern nur Neugierde und Lust. Die Varianten sind viel größer als die meisten Forscher und Autoren annehmen. Zumal dann, wenn der Autor zulässt, dass die Sache nicht ausschließlich heterosexuell abläuft. Wer das Thema angeht, sollte die Varianten kennen. Zwar können auch die „berühmten“ MFF-Dreier (ein Mann, zwei Frauen) noch mit mehr Lust angereichert werden – das Thema ist aber reichlich ausgelutscht.

Orgien und Rudel-Sex - möglich, aber nicht unbedingt sinnlich

Eine Orgie ist ein ungezügeltes, von Lust und Begierde beherrschtes Ereignis, das mal nach festen Regeln, mal ohne jede Regel zelebriert wird. Man trifft darauf in Swingerklubs und anderen Gemeinschaften. Für Autorinnen und Autoren ist das Thema nur schwer zu bewältigen: zu viel Leute, zu viel Ereignisse. Mit Rudel-Sex sieht’s etwas anders aus. Man nennt sie verniedlichend auch „Herrenabende“, und es geht dabei lediglich darum, eine Dame sexuell gemeinsam (oder nacheinander) zu benutzen. Das ist beschreibbar – vor allem aus der Sicht der Frau, aber es ist sichtlich nicht „wundervoll“, so etwas zu beschreiben. Die Umkehrversion findet sich so gut wie nur im SM-Bereich, dann demütigt eine Gruppe von Frauen einen Mann sexuell. Forscher(innen) interessiert das Thema, um zu untersuchen, wie in Gruppen ethische Schranken fallen.

Voyeure und Voyeusen sowie Zurschaustellungen

Gut – Voyeure sind häufig als Voyeurinnen. Aber erstens ist nichts so beständig wie der Wandel, und zweitens sehen manche Frauen auch gerne andere Frauen, die sich entkleiden, masturbieren oder sich in einer sexuellen Beziehung vergnügen. Die Frage, ob sich Frauen gerne erotisch zur Schau stellen, muss eine Erotik-Autorin nicht beantworten – sie kann sich auf die Wirkung konzentrieren. Und natürlich gibt es Statistiken über diese erotischen Fantasien, die förmlich nach Autorinnen lechzen.

Fetische und Pseudo-Fetische

Echte Fetische werden in der Literatur selten behandelt – die Psychiater schreiben mehr über die armen Würstchen, die Höschen beschnüfflen und Büstenhalter sammeln. Pseudo-Fetische hingegen sind in der Literatur so beleibt, dass mittlerweile alles als „Fetisch“ bezeichnet wird, was irgendwie vom „Stinknormalen“ abweicht. Manchmal handelt e sich um Praktiken (Fesslungen, Rollenspiele), dann wieder um „Körperteilfetische“, die von Brust- oder Fußfetischisten zelebriert werden. Nimmt man den spektakulären Teil „Fetisch“ weg und ersetzt ihn durch „Liebhaber“, dann erkennt man schnell, dass alles „irgendwie gewöhnlich“ ist.

Rollenspiele, SM und alles drum herum

Das Lieblingsthema von Psychiatern und Psychologen, viktorianischer Autorinnen und Autoren und nicht zuletzt der Frauen und Männer, die einem Zeitgeist folgen. Ich habe die Themen „Machtspiele, SM-Aktivitäten und Demütigungen“ einfach mal zusammengefasst – sie müssen auch wirklich nicht getrennt werden. Die Frage ist eher, wie die Figuren in der Literatur sich dabei fühlen, in der einen oder anderen Rolle zu stecken. Darin findest du weiterhin viel unentdecktes Potenzial.

Sozialgefälle und Altersgefälle aus erotischer Sicht

Unterschiedliche soziale Herkünfte, ein erhebliches Altersgefälle und andere „verpönte“ Beziehungen sind stets gut für erotische Spannungen und Konflikte. Das Genre der erotischen „Aschenbrödel-Literatur“ lebt dafür (und davon), und man hat sogar ein Plot danach benannt. Zudem kommen MILFs und COUGARs zu ehren, und natürlich auch die fast vergessenen „Sugar-Daddys“ und „Sugar Babys“.

Alle anderen sinnlichen Themen

Es gibt Zeiterscheinungen, die auch in der Erotik eine Rolle spielen – sowohl im Forschungsbereich wie auch in der Literatur. Gegenwärtig wird seitens der Forschung versucht, Unterschiede der Geschlechter hervorzuheben und zu bewerten. Auf der anderen Seite finden wir immer mehr Forschungsberichte, reale Berichte und erotische Geschichten über Frauen, die gar nicht daran denken, ihre Lust auf ein Geschlecht festzulegen. Devote Männer sind ebenso zum Thema geworden wie außerordentlich selbstbewusste, teils herrisch anmutende Frauen. Und mit diesem Wandel wird es auch sowohl mehr als auch differenziertere erotische Themen geben, die heute noch ein Nischendasein fristen.

Bild: © 2019 by Liebesverlag.de