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Wenn der Traum Romane schreiben soll

Seit ich schreibe, Träume ich anders. Oftmals glaube ich zu erwachen, doch der Traum überlagert die Realität, und ich merke: Nein, ich bin nicht wach. Die erotischen Träume, besonders die heftigen unter ihnen, wandern an meiner Bettkante lang zwischen Tag und Traum. Vielleicht sollte ich ein Netz aufspannen, um sie aufzufangen … nur so ein Gedanke.

Ich nenne diesen Zustand „Zwischenzeit“, weil sich dort Realität, Perversion und Lust treffen, ohne dass etwas gesprochen oder getan werden müsste. In diesem sinnlichen Halbschlaf zwischen Nacht und Morgen senkt sich der Feenstaub auf die abgelegte Brille und die Höllenglut verfällt zu Asche.

Ein paar Stunden und zwei Tassen Kaffee später ergreife ich die Reste, suche das letzte Glitzern im Feenstaub und die verbliebenen Glutnester des Höllenfeuers. Es ist, als ob ich Spinnfäden zu Seide verweben müsste: Die sinnlichen Schwaden meiner Träume können in jede Richtung gehen, eine erotische Geschichte aber braucht einen Anker.

Die vagen Gebilde der Träume wollen erweitert werden. Jedes Detail, das ich schreibe, zerstört das sinnliche Bild, das die Nacht mir schenkte. Und je intensiver ich mich in die Details hineinfresse, umso mehr wird deutlich, dass die Geschichte, die ich schreibe, nur wenig mit dem gemeinsam hat, was im Hirn von meinem Traum verblieb.

Man wird mir vorwerfen, dass ich verallgemeinere, versachliche, Klischees verwende … und ich merke immer wieder, dass ich die Textstelle auslasse, die mich wieder einholen könnten – die qualvollen Lüste, die Erniedrigungen … aber nicht nur sie. Auch die sanften Hände, die über meine Haut streichen, die süßen, willkommenen Eindringlinge, die Flüssigkeiten, die meine Halbschlaf-Gestalten aufnehmen und abgeben … sie wirken irgendwie stumpfer, wenn sie in Worten stehen. Was von der wirklich ungehörigen, nackten und eindringlichen Erregung noch übrig bleibt, finden meine Leserinnen eher „zwischen den Zeilen“.

Und manchmal frage ich mich, ob sie es überhaupt wahrnehmen.