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Schmerzlust statt "strenge Erziehung"?

Das Thema ist aufgebraucht -. aber nicht ganz
Ist Schmerzlust noch ein Thema? Sind Themen, in denen Körperstrafen vorkommen, überhaupt noch populär?

Ja und nein.

Ja, weil sie durch die „Shades of Grey“ vor einigen Jahren eine Renaissance erlebten, und nein, will die „alten Formate“ solche Geschichten heute reichlich „abgeblüht“ sind.

Das Schema "alter weißer Mann" schlägt "naive junge Frau" ist obsolet

Ein Format, das im Vereinigten Königreich äußerst populär war und mit dem sich enorme Umsätze erzielen ließen, waren junge Frauen, von denen der größte Teil zu Anfang der Geschichte Schul- oder Dienstmädchenuniformen oder ähnliche Formalkleidung trugen. Sie wurden dann zum Vorgesetzten oder Direktor gebeten, um dort meist entblößt und dann mit einem Rohrstock gezüchtigt zu werden. Es ist erstaunlich, dass dieser einfache Plot so viele Jahre überlebt hat.

Die Konstellation „abhängige junge Frau“ und „perverser alter Chef“, der angeblich nur Gutes im Sinn hat, gilt heute als Altenherrenfantasie und sozial völlig inkorrekt, auch als reine Fiktion.

Wie denken die Menschen heute darüber?

Die Lust am Schmerz hat sich, ebenso wie die Lust an der Unterwerfung, in der Fantasie verfestigt, auch dann, wenn sie nie praktiziert wurde. Mit ihr kokettieren zwischen zwischen zwei Dritteln und ein Drittel der Bevölkerung – je nachdem, wie die Konstellation aussieht, unter der dominiert wird.

Worüber können heutige Autorinnen noch schreiben?

Wenn sie überhaupt Handschläge Rutenschläge, Rohstockhiebe oder gar Peitschenhiebe erwähnen, dann stets so, dass sie die Lust an Unterwerfungen, Fesselungen und Schlägen in den Vordergrund stellen. Manche der Bestraften erleben durch die Strafe Orgasmen oder Ejakulationen, andere masturbieren als Folge des aufgeheizten Körpers.

Was sich aber vor allem geändert hat, ist das Rollenverhalten:

1. Gestraft werden ausschließlich Menschen im Erwachsenenalter.
2. Die zu Strafenden werden nicht mehr genötigt, sondern ergeben sich aus anderen Gründen „in ihr Schicksal“ – oftmals, weil sie die Züchtigung sexuell erregt.
3. Sie Strafenden sind zumeist Frauen, die sowohl andere Frauen wie auch Männer bestrafen.
4. Die Züchtigung wird nicht mehr angedroht, sondern der/die zu züchtigende verlockt den Züchtigenden zur Bestrafung.
5. Oftmals ist von vornherein klar, dass es sich um ein Rollenspiel handelt.

All dies erlaubt den Autorinnen und Autoren, völlig neue, ungewöhnliche Plots zu entwickeln. Beispielsweise kann man als Autor(in) heute auf die mühselige psychologische Begründung verzichten, die noch vor wenigen Jahren (und auch noch bei den SoG) als „Rechtfertigung“ eingebaut wurde. Schmerzlust wird dann als eigenständiges Lust-Element der Erwachsenen-Sexualität erlebt und nicht mehr als Folge von Jugenderinnerungen.

Die neue Ausrichtung hat durchaus emanzipatorische Züge: Jedem der Beteiligten wird die Eigenverantwortung für Lust und Leid zugewiesen, und was daraus entsteht, entscheidet jeder für sich selbst.