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Als seine Hand forschend über den Seiden-Slip fuhr

Jeden Tag ein bisschen mehr gestatten ...
Damals trugen wir Rock und Bluse - und alles andere kam auf den Anlass an. Das Unterkleid kam langsam aus der Mode, und das Mieder trugen nur noch etwas „frauliche“ Damen, die Ansätze von kleinen Pölsterchen verdecken wollten.

Wenn du besonders elegant ausgehen wolltest, kamen eigentlich nur „hochhackige“ Schuhe in Frage, in denen die Beine hübscher wirkten und der Po ... oh, ja, wir taten es auch, um den Po zu präsentieren. Dazu kamen Strapse und Nylons, auch wenn sie sündhaft teuer waren und immer wieder „Laufmaschen“ zeigten. Und das Höschen? Es bedeckte damals noch den ganzen, vollen Po, und zu besonderen Gelegenheiten ... ja, solchen Gelegenheiten ... mussten sie aus feiner Seide sein.

Feine Damen wussten natürlich, dass der Slip unter dem „Tanzgürtel“ getragen wurde. Aber so etepetete waren nicht alle. Nachts auf einer unbeleuchteten Parkbank musste alles ziemlich schnell gehen. Wenn du den Jungen wirklich mochtest, musstest du ihm ja etwas bieten ... nicht alles. Aber immer so viel, dass er sich beim nächsten Mal mehr versprach.

Also trugen wir den Slip über dem Strapsgürtel, und ließen zu, dass seine Hand sich langsam auf den Slip zu bewegte. Eine warne, sinnliche Männerhand auf Seide fühlte sich einfach gut an, wenn sie dich streichelte.

Ein paar Mal hast du ihn damals hinhalten können, hast die forschenden Finger abgewehrt, aber schließlich hast du das gemacht, was alle gemacht haben - den Slip zur Seite geschoben und ...

Erinnerst du dich noch daran? Ja? Dann schreib eine Geschichte darüber ... du hast doch jetzt Zeit, Geschichten zu schreiben, oder?

Das Selbst in der Quarantäne

Das Selbst wurde all seiner Dienste enthoben, es sei denn, sich im Spiegel zu betrachten.

Dieses Selbst, zu dem wir immer gut sein wollten, das wir beobachtet haben und dessen Veränderungen wir sorgsam registrierten.

Und nun? Wir haben dem Selbst eine Auszeit verordnet. Nicht willig, auch nicht ganz freiwillig, aber auch nicht restlos widerwillig. Jetzt also liegt das Selbst auf der Couch herum und langweilt sich. Es ist nicht mehr in der Lage, Lust zu suchen - jene Lust, die man riechen und schmecken und fühlen kann. Es ist voll von der Sucht danach, endlich wieder mit seiner Droge vollgepumpt zu werden - es ist, ohne jeden Zweifel, dopaminsüchtig. Man hat mich gelehrt, mein „Selbst“ hübsch zu pflegen und es gar nicht erst rauszulassen aus meiner Persönlichkeit, und jetzt liegt es da, wie ein struppiger Köter.

Ich erinnere mich an die süßen Worte: Komm zu Sinnen! Umarme dein Selbst! Entdecke das Hier und Jetzt!

Wenn ich das täte, wäre mein Leben schwer, sinn- und ziellos. Also habe ich mein Selbst vorübergehend ersetzt. Das, was da auf dem Sofa liegt, mag das Original sein, aber ich habe einige Kopien aufbewahrt. Und sie können etwas, das andere längst nicht mehr können: Mit einem leeren Blatt Papier kommunizieren. Oder einem leeren Bildschirm.

Dieses Selbst muss auch nicht schmachten oder darben: Es erfindet gute und böse Welten und es kann Schrecken und Freude verbreiten.

Eine Kollegin von mir sagte, nun können man ohne Skrupel Sachen schreiben, die einfach nur geil wären - und man könnte auf den ganzen Quatsch von der sozialen Sensibilität verzichten.

Oh ja, schön ... ich hoffe, sie schafft es. Und ihr auch.