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Erotisch schreiben – einfach loslegen?

Wer bist du? Weiblich, bereits lebenserfahren? Konntest du in deiner Jugend begeisternd erzählen, und wurden die Aufsätze bewundert, weil deine Lehrer(innen) und Mitschüler(innen) so berührt davon waren?

Dann kannst du auch erotisch schreiben.

Der erste und wichtigste Satz, falls es dich gerade durchzuckt hat wie damals in der Schule an der Elektrisiermaschine:

Erotisch schreiben heißt nicht, Sexszenen zu schreiben.

Aber was ist es dann?

Erotisch schreiben heißt, Liebesglück und Liebesleid mit Sinnlichkeit anzureichern, sodass bei deinen Leserinnen (und ein paar Lesern) Erinnerungen, Träume und Wünsche wachgerufen werden.

Wenn du das akzeptierst, warum beginnst du dann nicht JETZT? Es macht nichts, wenn du einen roten Kopf dabei bekommst oder die ersten drei Entwürfe in den Papierkorb donnerst.

Ein Beispiel, das mir gerade einfiel (wirklich, ganz spontan):

Versuch zum Beispiel, das Minenspiel und das übrige Verhalten einer Frau gegen 50 zu beschreiben, die einen jungen Mann aus einer Tagung verführen will. Bohr dich in ihre Gedanken hinein und schildere ihre geheimen Wünsche. Überleg, wie sie sich dem jungen Mann nähern könnte und wie sie ihn heute Nacht noch auf ihr Zimmer locken will – morgen ist die Tagung vorbei. Du kannst den Teil aussparen, in dem sie ihren Schoß darbietet und ihn zum Eintritt einlädt. Solange du genügend sinnliche Gefühle schildern kannst, ist dieser Moment nur noch am Rande wichtig. Interessanter ist, was sie am nächsten Morgen empfindet, und ob sich beide gemeinsam beim Frühstück zeigen werden.

Versuch es - oder etwas anderes. Eigentlich könntest du JETZT damit beginnen, oder etwa nicht?

Lust, Schmerz, Du und die Gehirnforschung

Die Lust an der Hölle - die Hölle der Lust
Dies ist eine Kurzfassung meines in der „Liebeszeitung“ veröffentlichten Artikels mit einem Anhang für Autorinnen.

Erst seit kurzer Zeit hat die Forschung ein Fenster geöffnet, durch das wir in das Gehirn „hineinsehen“ können. Dabei haben sie festgestellt, dass sich Lustzentrum und Schmerzzentrum gegenseitig beeinflussen. Vermutet hatte dies schon die Philosophie, die aber als wenig verlässlich gilt, was das Körperliche betrifft. Die Natur jedenfalls hat ihren Lebewesen offenbar eine Art Ur-Gehirn geschenkt, in dem wie wichtigsten Elemente des Überlebens beieinanderliegen: Lust und Schmerz. Wie sich beide durchdringen und welche Verknüpfungen das Gehirn schaffen muss, um sie gemeinsam zu aktivieren, liegt noch im Dunkel. Jedenfalls sagen uns die Gehirnforscher vorläufig, das Lustzentrum würde vor dem Schmerzzentrum angeregt, dann aber würde der Schmerz über die Lust siegen.

Schmerz und Lust sind miteinander verbunden

Was sagt uns das? Nun, vor allem, dass es keine „objektive“ Trennung zwischen Lust und Schmerz gibt, geschweige denn einen Gegensatz.

Die Brücke zwischen Schmerz und Lust ist, wie wir aus der Forschung wissen, fragil, aber immerhin vorhanden. Und ob die Gefühle darüber kriechen wie die Schnecken oder hüpfen wie die Kaninchen, wissen wir nicht. Was wir aber im Kopf behalten sollten: Schmerz und Lust sind „als solche“ keine Gegensätze, sondern Partner, die auf eine merkwürdige Art miteinander ins Geschäft kommen.

Rote Wangen und die Lüste beim Schmerz

Mit etwas geröteten Wangen könnten wir noch weitergehen in diesen Überlegungen. Denn die Brücke vom Schmerz zur erotischen Lust baut sich sehr wahrscheinlich erst auf, wenn wir ins Erwachsenenleben eintauchen. Es ist ja nicht so ungewöhnlich, Schmerzen beim „ersten Mal“ zu empfinden, und „gemischte Gefühle“ bei den ersten Versuchen mit einem Partner sind ja durchaus nichts Ungewöhnliches.

Wenn wir die Literatur anschauen, dann finden wir so gut wie ausschließlich Berichte und Erzählungen über junge Erwachsene, die eine merkwürdige, teils befremdliche, aber durchaus sinnliche Erregung durch Züchtigungen erfahren haben.

Junge Männer berichten, dass es der körperliche Kontakt zur züchtigenden Erzieherin gewesen sei, oder einfach die erotische Empfindung, die sie plötzlich befiel, als eine Züchtigung nach Eintritt der Pubertät anstand. Manchen dieser Berichte können wir nicht recht trauen, aber andere sind wenigstens plausibel.

Schreib über Erwachsene und ihre Schmerzlüste

Im Originaltext gehe ich auf die Literatur ein, die sich mit den üblichen erotisierenden Züchtigungen in Internaten beschäftigt. Hier sollte es reichen, von Erwachsenen zu sprechen.

Wenn es richtig ist, dass Schmerz und Lust eine Brücke bilden, und wenn wir zugleich annehmen, dass Erwachsene ihre Gefühle bewusster erleben können, dann wäre es nur logisch, beides erst in den späteren Jahren, also vielleicht zwischen dem 25. und 50 Lebensjahr, zu entdecken.

Reife, Mut zur Erweiterung der Lüste und Versuche mit dem Schmerz könnten eine sehr bekömmliche Mischung für lustvolle Spiele sein. Und sie wären zugleich eine ideale Kombination für intensives Fühlen, das über die erotischen Sensationen der frühen Jahre hinausgeht. Soweit decken sich Realität und Fantasie. Und damit wären wie bei „Pawlow für Autorinnen“. Ich entwerfe euch eine Kurzgeschichte über eine Züchtigung, die gar nicht stattfindet.

Pawlow für Erotik-Autorinnen

Es ist nicht nötig, dass deine Figur wirklich „gezüchtigt“ wird. Ganz im Sinne der grotesken Erzählung kannst du deine Figur in einen Zustand der Hoffnung und Furcht vor der Erfüllung ihrer Schmerzlüste oder Lustschmerzen stellen. Deine Figur hört harsche Anweisungen, das Rascheln der Kleider, das Klatschen des Rohrstocks, die unterdrückten oder heftigen Schreie - und empfindet dies so, als würde sie selbst gezüchtigt. So weit ist also Pawlow. Mehrere Frauen werden aufgerufen, wie bei einem Arztbesuch, und immer wieder dringen durch die Tür Geräusche unterschiedlicher Art - mal heftiger, mal moderater. Nur deine Figur wird nicht aufgerufen. Ein bisschen Kafka, gefällig? Wie du diese Erzählung „auflöst“, überlassen ich gerne dir.

Die Zeit JETZT und die Zeit DANACH

Meinst du, die alten, ausgetretenen Wege wird es bald wieder geben, und du kannst als Autorin/Autor weiterhin darauf herum trampeln?

Wenn du meinst ... meinetwegen. Wahrscheinlich bist du in diesem Fall berühmt und längst Gefangene(r) deines Stils.

Und die neuen Wege? Wir wissen nicht, was sich für Autoren verändert. Bisher wurden wir schlecht bezahlt (klar, außer dir). Werden wir in Zukunft noch schlechter bezahlt? Oder müssen wir wieder zurück auf die Holperwege, die uns eigentlich aus dem Hals heraushängen?

Ich weiß, dass eine große Anzahl von euch JETZT Frust schiebt. Der Blutdruck steigt, aber euer Schreibgriffel bleibt liegen. Wenn es denn eine PC ist: Ihr schaltet ihn ein, schaut auf das Elend der Welt und der Menschen und - schaltet ihn wieder aus.

Schaut nicht mehr in die Medien

Gegenwärtig versuchen fast alle Autorinnen/Autoren etwas über ihr verdammtes Leben zu schreiben. Klar „interessiert“ das eure FACEBOOK-Freunde und alle anderen, die auch nichts zustande bringen, sondern lieber Frust schieben. Alles, was du da an „Input“ bekommst, ist zu viel. Ob soziale Medien oder von Journalisten aufgebauschte Horror- und Frustmeldungen - meidet alle Medien. Die Leute schreiben zu viel, viel zu viel. Und wenn du da sitzt und grübelst und grübelst und noch mehr grübelst, erschaffst du keine bessern Welten, ja nicht einmal geilere Welten.

Das einzige, was dir nützt, ist JETZT zu schreiben - nicht über dich. Wen soll denn interessieren, was du über dich schreibst? Hauche deine Figuren an, bringe sie zueinander, aufeinander, übereinander und ineinander.

Sei diszipliniert. Schreibe jeden Tag. Es schadet auf keinen Fall, wenn du geil dabei wirst.

Im Moment ist alles besser, was du selbst schaffst.