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Fantasie im Lockdown

Virtuelle Begegnung
Das Hotel hat geschlossen, aber die Betten sind noch dort. Und war da nicht ein zweiter Eingang, irgendwie über den Hof? Schade, dass ich nicht durch die Lobby gehen kann. Der junge Portier errötet immer so nett, wenn ich zart grüßend an ihm vorbeigehe. Er ahnt, welche Utensilien ich in meiner etwas überdimensionierten Handtasche trage. Vielleicht hat das Zimmermädchen auch etwas erzählt. Manchmal blieben Spuren zurück – eigentlich nicht so ungewöhnlich, aber eben doch auffällig. Reste von Ingwer im Bett? Wir kommen die dahin?

Das Schlimmste an Hotels sind die langen Gänge. Du könntest jemanden treffen, wenn du gerade wirklich niemanden treffen willst. Nein, jetzt willst du nicht in die begierigen Augen der Männer sehen und nicht in die musternden Augen ihrer Ehefrauen.

Ich gehe ins letzte Zimmer – das bevorzugte Zimmer der Paare, bei denen es laut werden könnte. Die Türen stehen jetzt ohnehin offen. „Ei, ei, wer hat in meinem Bettchen gelegen?“ War es seine Sekretärin oder ein Escort-Girl, dass er sich bestellt hatte?

Jetzt ist es mein Bett. Ich kuschele mich darin ein und küsse meinen Oberarm, dann die Armbeuge. Schließlich lutsche ich am Zeigefinger, dann an zwei Fingern. Speichel fließt aus meinem Mund, direkt in das ungewisse Innere des Hotelkissens. Der Kontakt mit der eigenen Haut erregt mich intensiver, als ich dachte. Ich massiere meine Zunge mit den Fingerspitzen und denke: Warum nicht mehr? Nur die Zunge?

Beinahe hätte ich vergessen, dass mich der Herr dabei beobachtet. Er ist anonym, und er ist heute vielleicht in Sidney statt in diesem Hotelzimmer. Aber das ändert nichts. „Masturbiere dich“, ich höre seine Worte … sanft und doch fordernd.

Ich zögere nicht. Es ist genau das, was ich will, und ich hoffe, dass er am Ende erfüllt ist von dem, was er sieht. Ob er mehr bekommt? Dies ist ein Ort, an dem alle Wünsche erfüllt werden … und die Wände haben keine Ohren und keine Augen. Wie das Bettlaken aussehen wird? Schließ einfach die Augen und stell es dir vor. Du musst dich dabei nicht um das Zimmermädchen kümmern – sie ist den Anblick gewohnt. Jedenfalls zu normalen Zeiten. Und für mich? Es ist der Weg zurück über den langen Hotelgang, vorbei an einem späten, gaffenden Gast. Er denkt genau das, was du jetzt denkst.