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Die Narzisstin und ihre Hoffnung auf Lust

Magische Spiegel und Vorstellungen ...
Diese Geschichte verwendet eine etwas angejahrte Form des Schreibens. Die Dritte Person verhindert die direkte Identifikation mit der Figur, und die Art zu schreiben ist etwas konservativ. Dennoch mischen sich Ereignisse und Gefühle, und die Leserin bekommt einen ausreichenden Eindruck der Protagonistin, um sich den Fortgang der Story auszumalen.

Katrins Herz schlug schnell und heftig, als sie sich nackt vor dem Spiegel betrachtete. Dort sah sie also die Frau, die sie jetzt war: ausgestattet mit innerer wie äußerer Schönheit, gut ausgebildet und ihrer Stärken bewusst.

Vor wenigen Jahren hätte sie sich noch geschämt, ihren unbekleideten Körper zu betrachten. Auch jetzt noch erinnerte sie sich manchmal daran, wie „unartig“ es doch war, sich selbst in einem großen Spiegel zu bewundern, der ihren gesamten Körper offenbarte. Keine Frage, sie war das, was man eine „Narzisstin“ nennt, verliebt in sich selbst und ihren Körper.

Sie strich über den kräftigen Eichenrahmen des Spiegels, so, als würde sie den Körper einer fremden Gestalt streichen. Ein Mann? Eine Frau? Sie liebte Berührungen. Im Internat hatte sie manche zärtliche Begegnung gehabt, aber seither fehlte ihr die Gelegenheit.

Die Sinnlichkeit der Frauen war immer wie ein Hauch - sehr intim, aber flüchtig wie ein Spiegelbild. Nein, sie hatte noch nie das, was man eine „Beziehung“ nennt, weder mit einer Frau noch mit einem Mann. Das, was man sie im Internat gelehrt hatten, und was sie später durchaus eigennützig weitergab, nannte sie „naschen“.

Heute hatte sie eine Verabredung. Sie musste vor allem überlegen, was sie anzog, obwohl ihr klar war, dass es darauf letztlich nicht ankam. Sie würde sich ausziehen, sich präsentieren, sich anbieten.

Nichts dem Zufall zu überlassen und vorzugeben, sich vor keiner sinnlichen Lust zu fürchten, ist nicht einfach. Zumal Katrin sich vorgenommen hatte, das ganze Spektrum der Lüste auszukosten, das ihr ein abenteuerlustiges heterosexuelles Paar geben konnte. Selbstverständlich hatte Katrin Grenzen, aber ihr war auch klar, dass der volle Genuss beider Geschlechter an einem einzigen Abend Kompromisse von ihr fordern würde.


Dies Geschichte hat Isidora für euch angefangen, um euch zu zeigen, wie schnell man eine Person charakterisieren kann, wenn man sie vor einen Spiegel stellt. Das Textfragment unterliegt keinem bekannten Copyright, da es 2021 von Isidora eigens für dieses Blog verfasst wurde.

Eine erotische Geschichte beginnen – am Beispiel

Bilder machen neugierig - auch als Text
Dieser Artikel behandelt den „schnellen Einstieg ins Thema“ anhand der ersten Zeilen eines existierenden Romans. Du kannst daraus entnehmen: Im Grund ist es gleich, ob du eine Kurzgeschichte oder einen Roman schreibst. Es geht bei den ersten Sätzen nur darum, wie du deine Leserinnen neugierig machen, weiterzulesen.

Interesse wecken in vier Stufen

Der erste Satz einer erotischen Geschichte

„Ich nehme an, es kann befremdlich wirken…“

Mit diesem Satz beginnt der erotische Roman „Lulu“ von Almudena Grandes.

Der Satz erfüllt alle Voraussetzungen eines spannenden Beginns, denn wir fragen uns: „Ja, was denn?“

Nun schiebt die Autorin ein Bild nach:

„Aber dieser Anblick, dieses unschuldige Bild, hatte eine gewaltige Wirkung, übte eine überaus magische Wirkung aus.“

Wir wissen immer noch nicht, wo wie sind und was geschieht. Und das bleibt auch noch eine Weile so, denn

„Ihre schönen Gesichter rahmten rechts und links den Hauptakteur ein.“

Nun ahnen wir – da ist jemand, mit dem etwas geschieht. Aber was?

Statt das Geschehen sofort zu beschreiben, greift Almudena Grandes zu einem Kunstgriff: Sie produziert uns ein Bild der fleischgewordenen Wollust:

„Vollkommenes, glänzendes Fleisch schien sich ohne jegliches Tabu selbst zu genügen, Subjekt und Objekt einer totalen Lust …“

Erst später folgt die Beschreibung der Szene – und wir erfahren, was auf den erotischen Einstieg folgte..

Die Theorie dazu

Der schnelle Einstieg in eine Geschichte ist immer ähnlich:

1. Du erzeugst Aufmerksamkeit.
2. Deine Leserin will mehr erfahren.
3. Nun versuchst du, ein Verlangen in ihr wachzurufen.
4. Anschließend schilderst du mit klaren Worten die Szene, mit der du beginnen willst.

Diese Segmente können wesentlich länger sein als hier angeführt.

Versuche, dieses Schema zu verwenden – es lohnt sich in jedem Fall. Du kannst damit die erste Seite oder die ersten beiden Seiten füllen. Bis dahin wird deine Leserin an. deiner Figur kleben und wissen wollen, wie es weitergeht.

Unser Autor ist Fachmann für Kommunikation und Problemlösungsverfahren.
Der Roman "Lulú" erschien zuerst 1989 in spanischer Sprache und wurde ein grandioser Erfolg.