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Eigenwerbung

Schläge und Tränen in der Erotik: Strafe oder Lust?

Emotionen zu beschreiben ist mehr als "den Tränen nahe zu sein"
Obgleich sich in den letzten Jahren viele Autorinnen mit „Schlägen und Wollust“ beschäftigt haben, fehlt zumeist das, was im Hintergrund der Figuren an Emotion abläuft. Zwar wird die Psyche gelegentlich „irgendwie eingebaut“, doch wirkt zumeist alles, was sich dort abspielt, ausgesprochen plakativ.

Das Schlagen als verstecktes Tabu, wenn es um Disziplin geht

Eine Frage wird ohnehin selten behandelt, weil sie den Autorinnen zu heikel ist: Werden Schläge als Mittel der Disziplinierung oder zur körperlichen Erregung verabreicht? Geht es also um ehrliche Buße mit heißen Tränen, die angeblich die Psyche reinigen? Oder geht es um die viel beschworene und oft verherrlichte rein erotische Lust am Schmerz, den man im Volksmund als „Schmerzgeilheit“ bezeichnet? Vielleicht geht es ja auch eher um die Produktion von Endorphinen, also körpereigenen Drogen, die bei extremen Schmerzen im Übermaß in den Körper ausgeschüttet werden?

Einst war es edel, sich selbst zu geißeln

Erinnern wir uns bitte zunächst daran, dass Menschen einst geschlagen wurden, um ihre Taten zu bereuen, und, soweit es sich um religiöse Übertreiber handelte, eben auch selbst geißelten. Gerade die Bewegung der Geißler zeigt uns, wie ekstatisch sich die Menschen der damaligen Zeit der Nagelpeitsche hingaben – und sie rührten auch das Publikum zu tränen.

(
Die Züge der Geißler) waren so voller Stöhnen und Jammern, dass alle Zuschauer nicht nur in Tränen ausbrachen, sondern … (sich) … sogleich selbst diesem Gefolgsmann Gottes und seinen Begleitern anschlossen.


Schläge – das ist das Einzige, was wir dieser Zeit entnehmen können, haben also den Sinn gehabt, die aufgewühlten Seelen zu beruhigen, indem man sie dem körperlichen Schmerz aussetzt. Dass dies alles um „Gottes oder Christi Willen“ geschah, kann man getrost ignorieren, denn das menschliche Hirn kann nachträglich alle Emotionen rationalisieren.

Wenn ehrliche Tränen fließen

Erstaunlich ist aber auch, dass dieses eine Wort so wichtig ist: das Weinen. Schon immer haben Kirchenlehrer, Asketen und Philosophen behauptet, das Weinen habe eine veredelnde, befreiende Wirkung.

Wer eine Stunde lang wirklich über sich selbst weinen kann, ist größer als einer, der die ganze Welt unterrichtet.


Die Funktion des Weinens ist so gut wie völlig unerforscht. Zwar glaubt man, dass weinende Menschen soziale Signale aussenden, jedoch können viele Menschen auch intensiv in der Stille weinen, wie es Isaak von Ninive beschrieb. Und dies kann wieder positive Folgen haben, zum Beispiel die Emotionen zu klären, die uns zum Weinen veranlasst haben.

Immer, wenn wir etwas nicht wirklich erklären können, sind Autorinnen und Autoren gefragt, die alle diese Vorgänge „von innen heraus“ beschreiben können – und genau hier liegt der Mangel.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass heutige Flagellanten empfehlen, sich weder schlagen zu lassen noch zu schlagen, wenn daraus ein Zorn entsteht. Das Ziel sei Demut, und sie zeige sich in Tränen.

Thesen zu erotischen Züchtigung

Ich stelle Ihnen hier noch einmal einige Thesen zusammen, die Ihnen helfen können. Ihren Ansatz für „erotische Erziehungsrituale“ zu finden.

1. Die reine Schmerzlust. Dabei werden durch Schläge sexuelle Gelüste frei, volkstümlich als „Schmerzgeilheit“ bezeichnet.
2. Die Lust auf „bleibende Eindrücke“. Dabei werden Intimitäten mit Schmerzen verbunden – und da Schmerzen meist länger anhalten als Lüste, werden beispielsweise Striemen auf dem Gesäß als „lustvolle Erinnerung“ empfunden.
3. Die reine Sucht nach der Ausschüttung körpereigner Drogen. Dabei werden Menschen so lange gepeitscht oder anderweitig gepeinigt, bis sie durch die hohe Dosis an körpereignen Drogen „schweben“.
4. Die psychische Erleichterung, allein durch Schläge von den Sünden und Verfehlungen „reingewaschen“ zu werden. Dazu gehört auch das „Schlagen, bis die Tränen kommen“.
5. Die Illusion, als „Folge der Schläge“ erotische Handlungen vollzogen zu haben, die man ohne diese „Ermunterung“ verweigert hätte.

Die Zitate wurden verschiedenen Internet-Quellen sowie dem Buch "Lob der Peitsche" entnommen. Es erschien 2001 im Verlag C.H Beck, München.

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