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Eigenwerbung

Ihre Figur im Leben und im Sog der Lust

Gefühle sind schwer zu beschreiben. Und es ist keinesfalls so, dass diese plötzliche Hemmung erst auftritt, wenn die Tür zum Schlafzimmer geöffnet wird. Wer es so sieht, verkennt, dass dem Öffnen der Schlafzimmertür, dem Blick auf die Strapse oder die Enthüllung der Brustwarzen immer noch etwas vorausgeht. Und bei all dem, was da im Vorfeld geschieht, geht es bereist um sinnliche Gefühle. Also vergegenwärtigen wir uns noch mal, was in Elisabeth Benecits Erotik-Autoren-Bibel steht:

In einer guten erotischen Szene dreht es sich immer um Sex und noch etwas anderes.


Das ist hübsch gesagt, aber nun könnte man auf die Idee kommen, Sex mit irgendetwas anderem zu kombinieren, etwa mit Liebe, was oft versucht wird, oder – sehr populär – mit Unterwerfung.

Das Trichterprinzip - der Sog der Lust

Viele wichtiger, so scheint mir, ist das Trichterprinzip: Ihre Figur hat zu Beginn noch alle Varianten, mit ihren Gefühlen umzugehen, doch wegen äußerer und innerer Wandlungen wird sie immer weiter in den Trichter getrieben. Varianten und Alternativen entfallen, und es gibt gar keinen Ausweg mehr als der Lust endlich nachzugeben – trotz der Mahnungen oder widersprüchlichen Gefühle, die dabei auftreten.

Bevor Sie diesen ausweglosen Strudel der Lust beschreiben, in den ihre Figur gerät, können Sie ihre Leserinnen mit verwirrenden Details versorgen, die neugierig machen. Ist sie wirklich heterosexuell? Welche Bi-Neugierden plagen sie? Masturbiert sie, und was, liest sie dabei oder an wen denkt sie? Wie stabil ist ihre Persönlichkeit wirklich, und wo liegen ihre Schwächen? Ist sie wirklich so brav, wie sie zu sein scheint, oder welche geheimen Sehnsüchte schlummern in ihr? Wem der Nebenfiguren wird sie sich zuwenden, und wer wird sie schließlich in den Sog der Lust treiben?

Alles, was vor der entscheidenden Sexszene kommt, kann die Faszination, den Ekel oder die Hassliebe zu bestimmten erotischen Szenerien widerspiegeln. Vergessen Sie aber bitte nicht, dass Sex kein Lebensinhalt ist. Bauen Sie den Alltag mit ein, zufällige Begegnungen und verwirrende Ereignisse, die mit Sex wenig zu tun haben.

Wie die erotische Handlung entsteht - in fünf Schritten

Damit es überhaupt zu einer starken erotischen Handlung kommt, müssen sie ihre Figur aus der anfänglichen Befangenheit und den scheinbar stabilen sozialen Beziehungen befreien und ihre Zufriedenheit mit sich selbst und anderen aufweichen.

Das geschieht am besten durch diese fünf Schritte:

1. Ihre Figur wird neugieriger, als sie bisher war.
2. Sie empfindet ein gewisses Defizit an erotischen Erfahrungen.
3. Sie sehnt sich danach, diese auch zu erproben.
4. Dazu wird sie offener, zugänglich und verführbarer.
5. Nun schicken Sie Ihre Figur auf den neuen, abenteuerlichen Weg.

In den meisten Fällen ist die innere Welt vor dem entscheidenden, aufrührenden und verwirrenden Ereignis eine andere als die Welt danach, und das lässt sich durchaus auch sprachlich ausdrücken.

Viele Berater/Lektoren sagen ihren Autorinnen: Am Ende muss ein Happy End stehen. Das Happy End muss aber nicht zwangsläufig eine innige Liebe oder gar eine Ehe sein. Wenn Sie das Trichterprinzip anwenden, kann am Ende auch eine persönliche Wandlung stehen. Ihre Figur kann sich „endlich selbst gefundene haben“, kann mit „dem neuen Verhalten sehr glücklich sein“ oder aber auch nur „Froh sein, es einem im Leben versucht zu haben.“

Und selbstverständlich könnte auch Ihre Erzählung erst am Ausgang des Trichters wirklich „heiß“ werden und noch viele interessante und hocherotische Seiten füllen.

"Erotik Schreiben", New York 2002, deutsch Berlin 2013.

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