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Eckenstehen, Schämen und Nachdenken

Schämen, Besinnen, Hoffen
Zu den Ritualen körperlicher Züchtigung gehörte einst das Eckenstehen. Ich will Ihnen heute erzählen, warum es von „ungezogenen“ Menschen verlangt wurde und warum es in einer Literatur interessant sein kann, in der „devote“ Menschen vorkommen.

In Erotik-Romanen der Vergangenheit spielt das Schämen eine große Rolle (1), und die „körperliche Züchtigung“ ist eigentlich nur das Vehikel, um über das sinnliche Schämen zu schreiben.

Das Schämen besteht vor allem darin, sich vor einem Menschen ausziehen zu müssen. Um das Gefühl noch zu verstärken, wird oft beschrieben, dass sich die zu strafende Person vor ganzen Gruppen (beispielsweise Herrschaft und Gesinde) ausziehen muss. Hofft die Person zu Anfang noch, die Schläge würden gnädig auf Hose, Rock oder Höschen fallen, so erkennt sie nach und nach, dass sie ihr nacktes Gesäß (oder gar noch mehr) präsentieren muss.

Nahezu alle Autorinnen und Autoren haben Probleme mit der Beschreibung einzelner Schläge, zumal, wenn mehrere Dutzend Hiebe verabreicht werden. Das liegt nicht nur daran, dass sich die Hiebe in ähnlicher Art wiederholen, sondern auch an mangelnder eigener Erfahrung mit den Körperstrafen. Hier ist sehr viel Fantasie gefordert, um die Szenen recht farbig, lustvoll und dennoch differenziert auszumalen.

Am Ende steht die Hoffnung auf ein Ende der Bestrafung, und sie wir gelegentlich dadurch enttäuscht, dass nun das „Schämen“, die „Besinnung“ oder das „Nachdenken“ über die Frevel gefordert wird. Das geschieht durch das „Eckenstehen“, das deshalb peinlich ist, weil die/der Bestrafte sich nackt gegen eine Wand stellen muss.

Was geschieht während dieser Zeit wirklich? Kaum jemand, der je nackt und mit Spuren der vorausgegangenen Züchtigung behaftet in der Ecke stand, fühlt Reue oder schämt sich seiner Taten.

Stellen Sie sich die Situation vor: Bewegungslos in der Ecke oder vor einer Wand zu stehen, die Hände nach oben gestreckt oder über dem Kopf verschränkt. Wer wirklich gestraft wurde, entwickelt vermutlich in erster Linie Hass auf seine Peiniger, wer eine Lust-Strafe erhielt, wird hingegen darauf warten, sich endlich befriedigen zu dürfen oder befriedigt zu werden. Je nachdem, wie die Situation sein wird, wandern die Gedanken ihrer Figur ab. Und genau da setzt wieder die Möglichkeit an, über die Gefühlsvielfalt zu schreiben, also über Lust die Lust an der Strafe, die Scham über die Nacktheit und an die Abhängigkeit, in der man sich befindet. Es mag aber auch eine Zeit sein, in der sich Ihre Figur darüber Gedanken macht, warum sie sich überhaupt aus freien Stücken in diese missliche Lage begibt und welchen Gewinn sie daraus zieht.

Menschen, die sich in dieser Lage befanden, schildern sie als „die einsamste Situation der Welt“, und so fragt sich natürlich, wem sie Lust bereitet. Möglicherweise ist es die sinnliche Hoffnung auf Erlösung, ähnlich, wie sie in den erotischen Geschichten anderer Art beschrieben wird?

(1) Zum Beispiel in "Die Freuden der Rute"

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