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Erotik auf den Kopf gestellt: alles ganz falsch ist oft goldrichtig

Tabus brechen oder Klischees verwenden?
Ein älterer Mann verführt eine jüngere Frau – mag ja sein, dass euch dieses Thema interessiert. Kürzlich hat sogar jemand einen Welterfolg damit begonnen, eine „arme Jungfrau zart“ mal schnell von einem älteren, arroganten und manipulativen Fuzzi auf „devote Sklavin“ umzutrimmen.

An dem Machwerk war alles total alte Schule, der Plot war „Cinderella mit Aua, aua“ und sonst – na ja, da waren eben ein paar Schilderungen der Schmerzlust, die sich die Erfolgsautorin irgendwo abgelesen hatte.

Wer es wiederholen will, muss ein paar andere Tabus brechen – und der Tabubruch muss vor allem äußerst chic sein. Damit die Feministinnen „Verrat!“ schreien und den Leserinnen die Schamlippen anschwellen, wenn sie den Text aufsaugen.

Nein, nein – gab es alles schon. Cinderellageschichten und Soft-S/M sind zwar immer noch populär, aber ob du damit einen Blumentopf gewinnst? Ich glaube nicht daran, dass sich diese Zitrone noch weiter auspressen lässt.

Hier wäre ein anderes Prinzip: Stell alle auf den Kopf. Schreib über das, was nicht täglich vor deiner Nase geschieht, was „ganz falsch“ ist und möglichst unmoralisch.

Wer verführt wen?

Warum soll einen Mann eigentliche eine Frau verführen? Warum soll er sie verleiten? Was motiviert ihn, sie sogar erotisch zu versklaven?

Was wäre, wenn du eine Figur schaffen würdest, die einen Mann verführt, verleitet und versklavt? Und dies noch auf eine ausgesprochen elegante Art und dabei dennoch schamlos und konsequent?

Warum wagst du nicht den „doppelten Tabubruch“, und schaffst eine weibliche Figur, die Frauen und Männer schonungslos zu erotischen Eskapaden verführt?

Mann verführt Frau – ganz anders?

Der Sugar Daddy, sie ein lustvoll, bedürftig oder korrupt, der sein Sugar Baby durch Verführung rekrutiert, ist immer noch beliebt. (SoG lassen grüßen). Der jüngere, etwas eigenartig lebende Mann, der eine etablierte, verheiratete Frau verführt, wäre eine Alternative. Cinderellageschichten leben davon, dass der Mann wohlhabend ist, die die Frau hingegen bedürftig. Das könnt ihr ohne Weiteres umkehren.
Wer verführt wen ... und wie?

Frau verführt Mann?

Szenen, in denen Frauen Männer verführen, sind hocherotisch. In den meisten bekannten Entwürfen sind es „gestandene“ ältere Frauen, die den jüngeren Mann verführen – das war einmal ziemlich spektakulär. Darüber steht dann „MILF“ und gemeint sind Frauen zwischen 35 und bestenfalls 40, die einen jungen Mann in die Geheimnisse der Lust einführen. Ganz hübsch – aber ziemlich abgedroschen. Interessanter ist es, in die Geheimnisse der „Jägerinnen“ zwischen 45 und 55 einzudringen, die ihr Alter geschickt verbergen, und deren Beute hübsche, potente junge Männer sind: Cougars. Hinzu kommen all diese erotischen Märchen, in denen junge Männer in die Hexenhäuser dominanter Frauen gelockt und dort sexuell gereizt, aber auch entwürdigt werden.

Frau verführt Frau

Natürlich gibt es solche Geschichten schon, aber sie sind meist zu „brav“ angelegt. Die meisten entwürfe gehen von der gleichen Grundsituation aus wie ihre heterosexuellen Pendants: Die ältere, erfahrene, durch und durch lesbische, etablierte Dame verführt eine junge, noch unsichere, mädchenhafte Frau. Das passt auf manches Klischee, wirkt aber auf Dauer als Thema ermüdend. Wie wäre es mit einer jungen, bi-neugierigen Frau, die du auf ihrer Suche nach ersten oder ultimativen Erfahrung mit der lesbischen Liebe schicken könntest? Wenn du einen Schritt weitergehen willst, kannst du eine erfahrene Verführerin auf den Weg schicken, die ihre Amouren keinesfalls nur zum Lustgewinn, sondern auch zu wirtschaftlichem Erfolg nutzt?

Mann verführt Mann

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Die Verführung eines Mannes ist schwerer zu schildern – für Hetero-Männer noch mehr als für Hetero-Frauen. Zudem erwarten die meisten Leserinnen, dass homosexuelle Beziehungen zwischen Männern nicht zu drastisch geschildert werden. Und die meisten Leser, die nicht homosexuell sind, wünschen sich, dass der Mann „da so hineingeschlittert“ ist. Oftmals werden in erotischen Bi-Geschichten Frauen als „Vermittler“ eingesetzt. Die Kunst solcher Erzählungen liegt darin, die Verführung glaubhaft, sanft und nicht nachhaltig anzulegen – dann sind auch Hetero-Männer interessiert. Der beste Tipp, um Empörungen zu vermeiden: Deine männliche Figur sollte „passiv“ bleiben. Ein sehr interessanter Autor, der ist Jonathan Ames, speziell in „What’s not to Love“. Falls du noch ein Exemplar erwischt und englisch lesen kannst, dann kauf es, auch wenn es schweineteuer ist.

Gruppenverführungen

Vielleicht glaubst du es nicht, aber Gruppen-Verfühungen sind äußerst beliebt in der Erotik-Branche. Gemeint sind dabei keine Orgien, sondern simple Konstellationen: Ein Paar verführt eine Dritte oder einen Dritten – meistens sind dabei bisexuelle Handlungen involviert. Zumeist wird dabei der Fehler gemacht, das „Sexuelle“ zu sehr in den Vordergrund zu stellen – deshalb stehen solche Szenen im Pfui-Teufel-Verdacht des pornografischen. Für eine anspruchsvolle erotische Geschichte wäre interessant, wie es dazu kam, eventuell sogar, indem du gescheiterte Vorerfahrungen mit einbringst.

Ohne wenigsten eine aktive Verführung ist ein erotischer Roman kaum etwas wert – und für viele Kurzgeschichten ist die „schnelle, aktive Verführung“ sogar unerlässlich.

Die in Text und Titel verwendeten Bilder sind Buch-Illustration, deren Urheber nicht gefunden werden konnte

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