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Sex lernen, verlernen, neu lernen?

Sex lernen - Bücher sind gut, Praxis ist besser
Anlässlich einer Erhebung, die ich kürzlich las, stellt sich mir eine Frage, die weder in der „seriösen“ Literatur noch in der sinnlich-erotischen Literatur ausreichend behandelt wird: Kann man Sex lernen, verlernen oder neu erlernen?

Bei der Befragung ging es darum, ob Menschen „Sex verlernen“ können, wenn sie ihn längere Zeit nicht mehr praktiziert haben. Urologen sagen zum Thema gerne (an Männer gerichtet): Use it or Lose it“ – gemeint ist, die Erektionsfähigkeit durch ständige Praxis aufrechtzuerhalten.

Besonders heikel scheint mir immer das Thema „Sex lernen“ zu sein. Da will sich niemand wirklich „outen“, weder die Frauen und Männer, die den „kleinen Dienst“ verrichteten noch jenen, die ihn empfingen. Gleich, ob es „das erste Mal“ oder „das erste Mal auf diese Art“ ist – niemand will wirklich darüber sprechen – schon gar nicht, wenn es besonders mies oder besonders frivol war. Und ja, ich habe darüber gelesen, dass Autorinnen (und Autoren) doch ihr eigenes Erleben mit „einbauen“ sollten, wenn sie ihre Figuren auf die Reise schicken.

Ich will nicht gerade behaupten „nichts ist so öde wie eine Beschreibung des eigenen Erlebens“, aber ich werde weiterhin behaupten, dass sich dafür eigentlich niemand interessiert. Der erotische Roman soll ja gerade davon geprägt sein, dass alles etwas „überhöht“ wird, und das heißt auch: Deine Figur muss intensiver erleben können, als du es selbst kannst oder jedenfalls damals konntest.

Wenn man sich ein bisschen umhört, dann beklagen so gut wie alle jungen Menschen, dass sie zu Anfang nur schwer mit ihrer Sexualität oder mit sexuellen Praktiken umgehen konnten. Daraus wird deutlich: Es gab keinen „Lernprozess“, kein Trial-and-Error, nichts dergleichen. Da wurde ein Zufall an den anderen gereiht: Erfahrung stand neben Offenbarung, eins schales Gefühl neben einem lustvollen Erleben.

Auf der anderen Seite hörte ich von reifen Frauen, dass sie ihre Sexualität erst in einem Alter „weit über 30“ entdeckt haben – oftmals sogar erst in den Wechseljahren.

Wie passt dann der Satz „Sex verlernt man nicht, es ist wie Radfahren?“

Ich glaube, er passt gar nicht. Wenn man den schnöden „Sex“ mal durch „sinnliche Lüste“ ersetzt, wir der Satz von vornherein ad absurdum geführt. Genuss zu lernen ist wesentlich komplizierter, als Geschlechtsteile in Position zu bringen.

Und so gesehen – sagt selbst: Was würde euch eher interessieren – eine Schilderung, wie man dem Ehemann noch schnell einen „Quickie“ gönnt, bevor er zur Arbeit hastet, oder eine absolut irre nächtliche Affäre, bei der Körperflüssigkeiten und Sekt in Strömen fließen?

Ja, ich glaube wirklich, dass erotische Entwicklungsromane (es dürfen auch Episodenromane sein) fehlen. Sagt uns mal, ob ihr daran schreibt. Wir interessieren uns immer wieder für wohlgesetzte Worte.

Bild: Nach einer anonymen Buchillustration aufbereitet.

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