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Manifest

Die sinnliche Liebe zu einem Roboter

Einer der Ersten, der sich mit der Liebe zu einem Roboter beschäftigte, war niemand Geringeres als der Dichtermusiker Ernst Theodor Amadeus Hoffmann.

Hoffmann benutzte einen Kunstgriff: Kaum jemand würde einen Automaten in Frauenkleidern, der ein bisschen singen konnte, für eine lebendige Person halten. Und dies nicht einmal dann, wenn die Töchter der guten Gesellschaft ebenfalls gezwungen waren, sich wie Automaten zu bewegen. Also musste die Sichtweise von Hoffmanns Held verändert werden. Das tat nun „buchstäblich“ ein Gerät, dass „Sichtweisen“ verändern kann: ein Taschenperspektiv, eine Art Fernrohr für Opernbesucher.

Dieser Perspektiv war allerdings mit Zauberkräften gesegnet, sodass der Held den Automaten nicht nur näher und klarer, sondern auch lebendig und durch und durch menschlich zu sehen vermochte.

Eine Welt der Illusionen

Symbolisch steht das Perspektiv also für einen Liebeszauber besonders infamer Art. Heute würde man sagen, Hoffmanns Held sei einer Illusion verfallen. Doch so seltsam diese Illusion auch aufgebaut ist – auch sie kann ohne Probleme ins 21. Jahrhundert übertragen werden. Sowohl beim sogenannten Online-Dating wie auch beim Cybersex oder der online ausgeführten Dominanz gibt es Figuren, die „als sie selbst“ gar nicht existieren, und die dennoch ständig die Illusion erzeugen, Zuneigung schenken zu können.

Schwarze udn weiße Magie als Vorläufer

Bevor man mechanische Maschinen bauen konnte, die „etwas taten“, wie etwas musizieren oder schreiben, mussten Geistererscheinungen an ihre Stelle treten, hinter deren Gestalten zumeist der Teufel höchstselbst stand. Dieser und die von ihm ausgehende „schwarze Magie“ wurde lediglich ergänzt durch die „weiße Magie“ der guten und edlen Geister, wie wir sie beispielsweise in den Feen finden.

Die Lust, mit dem Teufel zu buhlen

Dem Teufel wurde beispielsweise die Eigenschaft zugeschrieben, sich in eine überaus attraktive, verführerische und durchaus „beschlafbare“ Frau zu verwandeln. Im Mittelalter entstand daraus die Mär vom Succubus, einem weiblichen Dämon, der die Männer nächtens um Sperma erleichterten. Sie wurden in zahllose literarische Werke eingearbeitet.

Und der vögelnde Roboter?

Auch heute sind erotische Dämonen in unterschiedlichster Gestalt weit verbreitet. Von ihnen geht eine gewisse „schwarze Romantik“ aus, die vor allem von Frauen außerordentlich geliebt wird. Der Sexroboter hingegen kommt bestenfalls in Utopien vor („Western World“, um das bekannteste Beispiel zu nennen), und die Bewunderer solcher Maschinenwesen sind größtenteils Männer.

Wer heute über solche Roboter schreiben will, tut gut daran, dem Beispiel Hoffmanns zu folgen. Es gibt im Hintergrund einen Marionettenspieler, der diese Figuren erschafft, und nur deine Heldin (oder dein Held) verfällt dem mysteriösen Charme dieser Kunstfigur – und nur für sie (ihn) wird diese Figur real.

Illusionen - jeden Tag neu und aktuell

Solange keine „Realbegegnungen“ stattfinden müssen, ist die Illusion dieser Roboter leicht zu erzeugen: Du könntest einen Roman über einen Menschen schreiben, der sich in einen „Chatbot“ verliebt. Nimm an, ein infamer Programmierer entdeckt, dass ein bestimmter Benutzer ständig „nach mehr“ fragt – und er programmiert das Script nun so, dass der Benutzer seine intimsten Geheimnisse verrät. Parallel dazu könnten Animateure auftreten, die eine ähnliche Existenz in einer Pseudo-Realität schaffen.

Ich verrate euch dies: Ganz abwegig ist das nicht. Es passiert bestimmt in diesem Moment irgendwo auf der Welt.

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