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Solltest du sadomasochistische Literatur schreiben?

Wanda - die Venus im Pelz - ist die Heldin bei Sacher-Masoch
Was ist das eigentlich, „Sadomasochistische Literatur“? Man kann sich’s wirklich einfach machen und Etiketten draufkleben. Dann ist es so:

Sadomasochistische Literatur beschäftigt sich mit Themen zur sadomasochistischen Sexualität und zur Partnerschaft von Personen mit entsprechender sexueller Disposition. Hierbei kann es sich um Erotik, Pornografie, fiktive Geschichten, Erlebnisberichte, wissenschaftliche/pseudowissenschaftliche Abhandlungen, Ratgeber und Aufklärungsbücher handeln.


Das mag aus der Sicht eines Lexikons richtig sein. Aber wenn wir wirklich wissen wollen, wie Literatur und Sadismus, Literatur und Masochismus, und schließlich Literatur und „Sadomasochismus“ zusammenkommen, hilft uns das nicht viel. Denn in der erotischen Literatur bedarf es stets einer Liebesgeschichte, in die (in diesem Fall) Elemente der Beherrschung und Unterwerfung einfließen.

Vergiss de Sade und Sacher-Masoch

Es nützt wenig, sich mit den Namensgebern und ihrer Literatur zu beschäftigen – nämlich dem Marquis de Sade, einem französischen Schriftsteller und dem österreichischen Schriftsteller Leopold Ritter von Sacher-Masoch. Ebenso wenig nützt es uns, den deutschen Psychiater zu lesen, der den Knoten zwischen beiden hervorbrachte: Richard Fridolin Joseph Freiherr Krafft von Festenberg auf Frohnberg, besser bekannt als Richard von Krafft-Ebing.

Weg von den albernen Psychiatrie-Begriffen

Das Problem all dieser Begriff besteht darin, dass sie psychologisch und/oder psychiatrisch besetzt sind. Und dies verhindert, sie neutral als menschliche Züge zu bezeichnen, die in Verbindung mit der Sexualität zu ekstatischer Lust führen können. „Krankheiten“, „Perversionen“ und selbst die abgemilderten „Paraphilien“ sind kein gutes Omen für die pure Sinneslust.

Keine Klassifizierung – sondern Lust pur

Echte Liebesromane mit stark sinnlichen Zügen benötigen keine Klassifizierung, auch dann nicht, wenn deine Figur es entweder liebt, ihren Partner in vielfältiger Weise zu dominieren, von ihr dominiert zu werden oder mal das Eine, dann wieder das Andere zu tun. Grundsätzlich sollten wir bedenken:

1. Wir schreiben über die Liebe, und zwar über eine besonders intensive, ekstatische Liebe.
2. Innerhalb der Geschichte schreiben wir über Sexualität, also über eine sinnliche Urkraft des Menschen, die rauschähnliche Zustände erzeugt.
3. Zur Steigerung der Lust werden verschiedene Elemente verwendet – hier zumeist Dominanz, Fesselungen, Bisse, Kratzer und Schläge – aber auch andere, die hier keine Rolle spielen sollen.
4. Parallel zu den körperlichen Reaktionen (Schmerz) sollen damit zumeist auch psychische Sensationen ausgelöst werden, die ihrerseits wieder zum Teil auf drogenähnlichen Botenstoffen basieren.
5. Wenn all dies nicht als Spiel aufgefasst wird, kommen wir an die Grenze zur Psychiatrie, die von manchen Autoren auch erreicht wird.

Damit wäre die Frage zu stellen, ob es (außerhalb der Pornografie und der Psychiatrie) überhaupt notwendig ist, den Handlungen ein Etikett zu verpassen.

Die Antwort ist: Nein, es sei denn, du würdest für die „Kaste“ der BDSM-Anhänger schreiben.

Der alberne Streit um „echte“ BDSM-Literatur

Die ganze Angelegenheit um „Sado“ und „Maso“ wurde ad absurdum geführt, als die Trilogie „50 Shades of Grey“ erschien. Die Autorin hatte ihre Protagonistin mit einer erbärmlichen Gefühlswelt ausgestattet. Das erkannten die BDSM-Anhänger sofort und schrieben erboste Kommentare, weil sie keinen „korrekten“ Sadomasochismus dahinter erkennen konnten. Das allerdings war auch kaum die Absicht: die Geschichte sollte mit den BDSM-ähnlichen Szenen nur „aufgehübscht“ werden.

Damals ergab sich sehr schnell, dass mit dem Aua-Effekt eine neue Richtung der unterhaltenden Literatur, die „Mütterchen-Pornografie“ erschaffen wurde, die weder Pornografie noch Literatur war. Seither gibt es Varianten dieses Themas in Hülle und Fülle, aber auch der „harte“ Sadismus oder der entsprechende Masochismus existierte in zahllosen Schriften weiter. Beide sind nicht unbedingt empfehlenswert.

Verwende die Elemente wie alle anderen auch

Inzwischen wäre die Frage, ob die drei Hauptelemente des Genres nicht in jedem beliebigen erotischen Roman erscheinen könnten, die da sind:

1. Psychische Unterwerfung, Gehorsam.
2. Körperliche Züchtigungen, nicht notwendigerweise als Strafen.
3. Fesselungen und andere Bewegungshemmungen.

Voraussetzung wäre, dass sie Teile des normalen Liebesspiels würden – was heute schon recht häufig der Fall ist.

Zum besseren Verständnis sollte ich noch sagen, dass solche Liebesszenen, ebenso wie manche Verführungen, lustvolle Spiele der Erwachsenen sind, die keinen „ideologischen Überbau“ benötigen. Oder mit anderen Worten: Kenntnisse in Psychologie und Anatomie sowie ein klarer Sinn dafür, wie sich Schmerzen „anfühlen“ und wann Menschen in Schreie und Tränen ausbrechen, sind immer sinnvoll.

Fazit - die Antwort auf die Frage

Solltest du sadomasochistische Literatur schreiben? Nein, solltest du nicht. Schreibe gute Texte, in denen besonders farbenprächtige Fantasien vorkommen. Schreibe über Lust und Schmerz und lass dabei nichts aus – aber schreibe auf keinen Fall „sadomasochistische Literatur“.

Bild: Umwandlung eines Fotos in ein Symbolfigur, © 2019 by liebesverlag.de

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