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Liebe, Beziehung – oder reichen auch Lust und Neugierde?

Die Beziehung entsteht im Kopf - auch zu einer Statue
In der erotischen Literatur bedarf es stets einer Liebesgeschichte“, habe ich kürzlich geschrieben. Doch ich weiß natürlich (und ich denke, ihr auch) dass eine Unzahl von Kurzgeschichten und Episodenromanen gibt, in denen es um ein meist hocherotisches Solo-Thema geht.

Bei dieser Frage hilft uns eine bekannte Autorin (eigentlich die einzige, die sich wirklich ums Thema bemüht), nämlich Elisabeth Benedict (1). Sie stellt vier Eckpunkte auf, die in einem erotischen Roman unbedingt berücksichtigt werden sollen, und die ich hier stark gekürzt wiedergebe:

1. Guter Sex ist nicht nötig, aber gutes Schreiben ist unerlässlich.
2. Eine gute Sex-Szene sollte immer … im Handlungsablauf von Bedeutung sein.
3. Bedürfnisse und Impulse sind der Treibstoff für Sex-Szenen.
4. Die Beziehungen der Figuren zueinander sind ausschlaggebend.


Das heißt nun: Wenn wir die Liebe als Motor für die erotischen Gelüste ausschließen, bleiben immer noch zwei Motivationen: Bedürfnisse und Impulse. Frau Benedict nennt auch noch Vergangenheiten, doch ich würde eher dazu neigen, Neugierde als wesentliches Motiv einzubringen.

Die Frage nach der Beziehung zueinander

Was nun die Beziehungen der Personen zueinander angeht, so hilft uns die moderne Psychologie tatsächlich weiter. Auch wenn wir keine offenkundige Beziehung zu einer anwesenden Person haben, so ist es doch unmöglich, gar keine Beziehung zu ihr zu haben – schon gar nicht in einer Sexszene. Wer diesen Satz für schwer verdaulich hält, sollte sich vergegenwärtigen, dass der Glaube daran, eine sinnliche Beziehung zu jemandem zu haben, völlig ausreicht, um anzunehmen, ihn/sie zu lieben.

Wer die Beziehungen gar nicht berücksichtigen mag, wird fast unweigerlich zum Pornografen. Wer es tut, kann zudem nur noch beschreiben, was die Person „A“ mit der Person „B“ treibt und wie „B“ darauf reagiert. Das ist übrigens eine weitere Folge „traditionellen“, also erzählerischen Schreibens: da passiert etwas, dann passiert wieder etwas und danach passiert noch etwas.

Auf diese Weise wirst du niemals die Motive, Gedanken, Gefühle oder die verborgener Beziehung berühren. Denke dabei ruhig einmal an Pygmalion oder die Liebe japansicher Männer zu ihren teuren und exklusiven Sex-Puppen.

Zufrieden mit der Antwort? Wenn nicht, dann hinterlasse hier einfach einen Kommentar.

(1) Erotik Schreiben, New York 2002

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